Keine Ursache
Zitat von Kati80:Das Verlassenwerden hat so viele Facetten und zeigt viele Baustellen in einem selbst auf, die mit dem Partner gar nichts zu tun haben..
Das ist ja der Kasus Knacktus. Wir machen alle Fehler und wir lernen alle immer wieder dazu bis an unser Lebensende. Situationen, die uns mit den Ecken an uns selbst konfrontieren, die wir bisher nicht ergründet haben, sollten wir als Chance sehen, uns weiter zu entwickeln, statt davor zurück zu scheuen, weil sie schmerzhaft zu erkennen sind. Das ganze Leben besteht aus Try & Error. Wenn wir den Blick davor scheuen, dann werden wir das nächste mal im sanftesten Fall wieder genauso wenig mögliche Zeichen deuten können und im härtesten Fall wieder die selben Fehler machen und wieder den Blick davor scheuen. Und dieser Kreis setzt sich dann ewig fort.
Zitat von Kati80:Mensch, ich hab einfach nicht wahrgenommen, dass unsere Beziehung wirklich auf dem Spiel steht.
Wie hättest du das auch wahrnehmen sollen? Ich meine, okay, ich kenne deine Geschichte jetzt nicht, aber eines ist trotzdem gewiss: Wenn er dich das nicht hat deutlich spüren lassen, dann hättest du es nicht erkennen können. Und da beginnt die Krux des Vertrauens. In einer Beziehung vertraut man dem Anderen. Das ist gut und richtig so. Nur wenn man wirklich vollkommen vertraut, dann liegt man auch nicht auf der Lauer nach irgendwelchen windigen Anzeichen für ein Beziehungsende, besonders dann nicht, wenn der Partner es nicht durchscheinen lässt! Nur jemand, der alles mit dem misstrauischen Auge sieht, der hätte es wohl erkannt (aber er hätte auch jede andere Situation als potentielles Schlussmachen erkannt, die garkeine solche waren

- daher: Prädikat "nicht empfehlenswert")
Wenn du also deinem Partner vertraut hast und in die Beziehung vertraut hast, dann hast du alles richtig gemacht! Und daher gibt es auch keine Vorwürfe, die du dir jetzt im Nachhinein machen solltest.
Zitat von Kati80:Und ja, Kontrolle ueber eine Situation zu verlieren versetzt mich in Panik."
Das geht verdammt vielen Menschen so. Nur ist die Krux an einer Beziehung ja, dass der Partner ein eigenständiger Mensch ist, über den es garnicht möglich ist, die Kontrolle zu erlangen. Und dort, wo Kontrolle aufhört, beginnt das Vertrauen. Und wie ich oben schonmal sagte, ist es vollkommen richtig, zu vertrauen. Auf anderer Basis wäre eine Beziehung nicht möglich. Ich glaube, es gibt einfach nichts zu beschönigen, egal, wie sehr du es drehst und wendest - Dein Vertrauen wurde missbraucht und Kontrolle gab es nie: Ohnmacht.
Kennst du den Spruch:
Gott, gib mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die zu ändern sind
Gibt mir die Gelassenheit, die Dinge zu ertragen, die nicht zu ändern sind
Und gib mir die Weisheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden
?
Genau bei der Letzten Zeile hapert es bei dir
Statt also irgendwas zu finden, sei es auch noch so hanebüchen, das diese Ohnmacht aushebelt, sollte man die Kraft darin investieren, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass es Dinge gibt, die nicht unserer Macht stehen.
Zitat von Kati80:Im Moment fehlt er mir einfach so sehr, dass ich alle seine "Fehler" entschuldigen wuerde, mir alle meine "Fehler" vorwerfe und mit der Situation im allgemeinen hadere.
Dingdingding <-- das ist die Alarmglocke.
Bitte bedenke, dass eine zwischenmenschliche Beziehung immer nur gesunde 100% ergibt, wenn jeder 50% dazu tut. Sobald es abdriftet und einer auf Dauer mehr gibt als der Andere, wird es ungesund. Das erkennst du, wenn du dir vorstellen sollst, du müsstest dein ganzes Leben 80% geben, während der Andere nur 20% gibt. Das geht auf Dauer nicht gut, denn die Ressourcen für solche Geschichten nimmst du aus der eigenen Substanz. Wenn ein solches Ungleichgewicht herrscht, dann scheitert es auf jeden Fall, es sei denn, man ist ein wahrer Masochist, und selbst der kann irgendwann nicht mehr und geht darunter zu Grunde.
Selbst Menschen, die glauben, sie existieren nur, wenn sie einen Partner haben und sich deshalb vollkommen für ihn aufopfern, kriegen irgendwann den beziehungstechnischen Burnout, wenn dieses Ungleichgewicht herrscht. Irgendwann sagt die Psyche nämlich: Nö, iss nich! - und dann kriegt man sowas schönes wie Schlafstörungen, Depressionen, Panikattacken, Angststörungen.... Also bitte ganz schnell von dem Gedanken die Finger lassen, der Ex hätte alles richtiger gemacht als du! Gestehe dir deine 50% zu, aber bitte nicht mehr!
Zitat von Kati80:Woher nimmst du deine Kraft?
Ich nehme diese ganze Bewerterei einfach aus der Geschichte raus und schaue auf das, was mir die Vergangenheit an Erfahrung gebracht hat. Arbeit gibt es dann genug, wenn es daran geht, die Erfahrung möglichst wertfrei zu sehen und weder daran zu verbittern, noch in irgendein anderes Extrem abzudriften.
Zitat von Kati80:Geht es leichter, wenn man sowas schon mal in der Vergangenheit erlebt hat und weiss, dass man irgendwie durchkommen wird?
Man lernt mit jeder schmerzenden Geschichte, seine Grenzen der Unerträglichkeit weiter zu stecken. Das geb ich dir schriftlich und mit Signatur.
