Hallo Leila,
man kann nie voraussehen wie Kinder auf eine Trennung reagieren weil da einfach viel zu viele Faktoren mitspielen, ganz klar aber ist dass eine Trennung an keinem Kind spurlos vorübergeht.
Ich habe dir genau vier Jahre voraus, meine Tochter ist heute 16.
Mein Exmann hat damals innerhalb von zwei Jahren seine neue Partnerschaft innerhalb unserer Ehe gefestigt, auch ich hatte keine Chance und wollte dann auch keine mehr haben. Ich bin mit meiner Tochter aus dem gemeinsamen Haus in eine andere Stadt gezogen, das Haus wurde noch im selben Jahr verkauft, auch der Vater ist umgezogen.
Ich habe mir viele Gedanken um meine Tochter gemacht und mache sie mir heute noch. Auch meine Tochter hat wenig geredet und darauf angesprochen werden wollte sie überhaupt nicht. Anfangs wechselte sie scheinbar mühe- und vor allem sprachlos zwischen diesen beiden Welten von Vater und Mutter, deutlich kam aber in den letzten Jahren immer wieder heraus, dass sie eine sehr klare und teilweise erschreckend erwachsene Sichtweise der ganzen Situation hat, speziell das Verhalten des Vaters darin. Sie hat meistens geschwiegen, aber treffend beobachtet, in manchen Fällen distanzierter und besser als ich. Immer wieder gab es dann doch Ausbrüche ihrerseits in welchen sie etwas von dem loswerden musste was sich in ihr angestaut hatte. In unserem Fall ging es eigentlich meist um das Verhalten ihres Vaters, der sich nach der Trennung sehr verändert hat.
Monate nach der Trennung saßen wir einmal gemeinsam bei Kerzenlicht auf dem Balkon und meine Tochter sagte: >>Weißt du, der Papa hat die X., du hast den Y. (einen sehr festen Gesprächspartner), nur ich, ich hab niemanden! Nicht mal mehr meine Freunde.<< Ich empfand diese Aussage als sehr bedrückend, aber da sie zu einem weiteren Gespräch nicht bereit war musste ich diese Sätze so stehen lassen. Man kann niemanden zum Zuhören oder Reden zwingen, bedrängen würde nur zu weiterer Abwehr führen, man kann also nur warten bis dasjenige von selbst das Bedürfnis verspürt zu reden und dann bereit sein zuzuhören.
Meine Tochter war in den ersten 12 Jahren ein absolutes Papakind und auch der Vater hatte sich sehr auf seine Tochter konzentriert. Ich denke das ist der Grund warum sie auch heute noch Probleme aus dieser Trennung hat. Ich hoffe auf die Zeit, die sie reifer und stärker machen wird und ihr hilft selbst einen Umgang mit dem Erlebten zu finden und auch ihre Gefühle in Worte zu fassen.
Ich hatte anfangs auch große Bedenken vor der ersten Begegnung von meiner Tochter und dieser Frau und hätte sie sogar gerne verhindert weil ich meinen Exmann damals schon wieder auf Suchwegen im Internet wusste und ich nicht wollte dass er meine Tochter mit einer demnächst gewesenen Partnerin konfrontiert. Aber verhindern kann man als Mutter gar nichts und als Exfrau darf man dem Exmann auch oft nichts mehr sagen und schon gar keine Vorschläge machen. Mein Ex hat diese erste Begegnung dann so gestaltet, dass er die Tochter von einer Party zum Papawochenende ins ehemals gemeinsame Heim abgeholt hat und sie dort dann völlig unvorbereitet seine Neue im Sessel sitzend vorfand, den Rest der Nacht hat sie dann gek…., Ex sieht den Grund in zuviel Cola

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Nach einer Unterbrechung ist mein Exmann heute wieder mit dieser Frau zusammen und meine Tochter findet sie angenehmer als die Zwischenepisode. Sie hat sich mit ihr weitestgehend arrangiert und akzeptiert dass sie vorübergehend zum Leben ihres Vaters dazugehört, stellt aber die Dauer deutlich in Frage. Im Übrigen habe auch ich einen neuen Partner mit dem sich meine Tochter durchaus wohl fühlt.
Ich weiß nicht was man tun kann, ich weiß auch nicht was ich damals anders hätte machen können. Ich denke es ist auf jeden Fall wichtig dem Kind den Weg zu beiden Elternteilen ganz selbstverständlich offen zu halten. Sie hat mich nie traurig oder wütend gesehen wenn sie zu ihrem Vater ging und ich habe wenn sie zurückkam nie nachgebohrt wie es dort war, nur signalisiert dass ich zuhöre wenn sie erzählen möchte.
Es gehören immer zwei dazu das Leben nach der Trennung für ein Kind so normal wie möglich zu gestalten. Heute weiß ich dass einer alleine nichts tun kann wenn der andere nicht mitziehen will, aus welchen Gründen auch immer.
Ich wünsche dir viel Kraft für die kommenden Jahre und dass du und dein Exmann es schaffen gemeinsam für euren Sohn einen selbstverständlichen Wechsel zwischen euren beiden Leben zu gestalten.
Liebe Grüße von
lilac