also ...
ich hatte vor kurzem zweijähriges und ich bin immer noch derselben Meinung wie damals: Zurück? Never!

... nichts kann so schlimm sein oder werden wie eine Beziehung die tot ist und jeder nur noch vor sich hinbrütet und dem anderen flüchtet ... insofern bin ich Ex dankbar, dass er mutiger war als ich ... undankbar bin ich weiterhin dass er mich zwei Jahre betrogen hat und erst mal die Fluchthelferin auf der sicheren, nämlich seiner, Seite brauchte bevor er sich verabschiedete ... die letzten Ehejahre waren verdammt einsam ...
aber wenn auch mit vielen unvermuteten Fallgruben findet man im Leben doch wieder festen Tritt ... irgendwann werden die Abstürze halt einkalkuliert

... ewig üben werde ich vermutlich diesen fiesen Spagat zwischen alleinerziehend, berufstätig und egoistisch ... da das aber schon drei Beine benötigt, kann ich die Übung eigentlich aufgeben, ich hab ja nur zwei ...
aber sonst?
sonst gehts mir eigentlich gut, auch wenn ich das immer noch kaum aussprechen mag ... ich habe Angst, dass dieses Gefühl wegfliegt wie ein Vogel dem sich die Käfigtüre öffnet, vielleicht habe ich auch Angst, dass ich wegfliege wo ich doch froh bin endlich Boden unter den Füßen zu spüren ...
es ist nicht mehr viel übrig von der Hausfrau von vor zwei Jahren ... ich bin gewachsen ... innen! und mit den entsprechenden Schuhen auch außen *g* ... irgendwann wurden die Abstürze weniger, der Boden wurde tragfähig und irgendwie fing ich immer öfter an mich ein bisschen wohl zu fühlen, seit ich mein Wohnzimmer in rot gestrichen habe sogar manchmal sauwohl *g* ... die neue Farbe im Wohnzimmer war die Wende, ich fing an das was mich umgab den wahrgenommenen Veränderungen in mir selbst anzupassen, ich wollte mich wieder wohl fühlen anstatt nur zu leiden ... und berufstätig zu sein macht eben nicht nur Stress, sondern gibt mir auch die Bestätigung die ich als Hausfrau nicht mehr bekam (erst recht nicht vom damalsnochnichtEx!), ich weiß jetzt wieder dass ich was anderes kann 'als in Töpfen zu rühren' ... ich bin wieder Mensch, ich habe wieder ein Ich ... es fügte sich wieder zusammen was in Stücken lag ...
kurz nach der Trennung war ich gierig auf Beziehung und Nichtmehralleineseinwollen und habe mich mit zweifelhaftem Erfolg auf den freien Markt geworfen ... der, den ich wollte, wollte mich nicht und die, die mich wollten, wollte ich nicht ... Möglichkeiten hätte es gegeben, leben wollte ich keine ... ich habe also Erfahrungen gesammelt von denen, wie üblich

, nicht alle wirklich nötig gewesen wären, das aber gehört nach 22 Jahren Beziehung wohl dazu ... irgendwann habe ich die Sucherei als sinnlos erkannt und aufgegeben ... da war mir auch schon klar dass ich in der Lage war alleine zu überleben, zwar nicht mit Begeisterung, aber dennoch überlebensfähig

... das macht ruhiger! ... außerdem habe ich auch gewisse Vorstellungen entwickelt was ich in einer Beziehung ganz sicher nicht mehr haben muss und die passten mit den sich anbietenden Möglichkeiten immer seltener zusammen ...
ja, und jetzt wo ich mein Alleinesein anfing zu akzeptieren, mich an mich selbst gewöhnt und Wege gefunden hatte mit mir alleine klar zu kommen, jetzt trat jemand in mein Leben (nicht so ganz plötzlich, er war zuvor schon da) der alle diese Gewohnheiten wieder durcheinanderbringt ... durch ihn stelle ich fest, dass ich das Alleinesein schon ganz gut beherrscht habe und das resultiert wohl nicht nur aus den zwei Jahren Übung nach der Trennung, sondern auch aus der Übung der letzten Ehejahre ...
ich bin nicht mehr alleine, ich will mit ihm zusammensein, mit ihm ist zu zweit sein wunderschön ... und deswegen lerne ich jetzt wieder um, das 'nichtmehralleinesein' auszuhalten ... ich übe mich in einem neuen Miteinander und das geht nicht von heute auf morgen ... genauso wie es keinen Schalter gibt den man von 'zusammen' auf 'getrennt' umlegen kann, gibt es auch keinen der sich von 'alleine' auf 'gemeinsam' umlegen lässt ...
ich habe so die Idee, dass Verbinden kaum einfacher sein muss als Trennen, vielleicht aber schöner, je nachdem

... beides sind Lernprozesse, beides macht man nicht einfach so nebenher wenn man es gut und (aus)haltbar machen will ... und das eine geht nicht wenn nicht das andere nicht vollständig abgeschlossen ist, beides braucht Mut und Kraft und vor allem den Willen und die Zeit ... beides muss von beiden Partnern erkannt werden ... es gab ein Leben vor der neuen Partnerschaft und durch unzählige Erfahrungen zeigen sich Ängste die man nur überwinden kann wenn man offen darüber redet ...
vielleicht sollte ich erwähnen dass meine Beziehung keine neue Bekanntschaft, sondern eine 'alte' Freundschaft ist, da ist also eine beiden bekannte Grundlage auf der aufgebaut werden kann und insofern läuft vermutlich einiges anders als in anderen neuen Beziehungen ...
und im Erleben dieses Neuen stelle ich fest, dass auch mein Ex damit Neues erlebt und reagiert

... plötzlich gefällt ihm meine rote Farbe im Wohnzimmer und er überlegt sich auch eine Wand einzufärben, plötzlich dübelt er eifrig Haken in meine Badezimmerdecke obwohl das auch jemand anderer erledigen könnte, plötzlich steht er fast freiwillig unter der Woche am Abend da um sich um seine Tochter zu kümmern weil ich ewig nicht aus dem Büro rauskomme ... interessante Dinge geschehen die es zu beobachten lohnt

...
der Flieder treibt schon dicke Knospen und ich freue mich wieder auf ihn

lilac
