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Womanempowerment - für Frauen! Anregung und Stärkung!

Waris07
Liebe @Charming

Es tut mir wirklich unendlich leid, was du als Kind durchstehen und erleiden musstest. 😥

Und ich kann gut verstehen, dass da heute so viele Fragen hochkommen. Gerade wenn man als Kind von den Menschen, die einen eigentlich schützen sollten, nicht geschützt wird, bleibt neben dem Erlebten oft dieses quälende "Warum?"

Warum hat sie nichts getan?
Warum hat sie mich nicht geschützt?
Warum war ich ihr das nicht wert?
War ich ihr vielleicht sogar im Weg?

Ich glaube, das sind Fragen, die einen richtig fertig machen können, weil man als Kind ja überhaupt keine Möglichkeit hatte, selbst etwas an der Situation zu ändern.

Und natürlich könnten wir jetzt ganz viele Erklärungen dafür finden....
Vielleicht war deine Mutter selbst gefangen, vielleicht hatte sie Angst, vielleicht war sie abhängig, traumatisiert oder es gab vielleicht noch ganz andere Dinge.
Du merkst wahrscheinlich selbst schon, wie viele „Vielleicht“ da drinstecken. Und genau da liegt für mich der Knackpunkt: Es kann dies gewesen sein, es kann jenes gewesen sein, vielleicht auch mehrere Dinge gleichzeitig. Aber glauben und vermuten ist eben nicht wissen.

Deshalb möchte ich dir auch nicht irgendeine Erklärung für deine Mutter hinlegen. Ich weiß es schlichtweg nicht. Und selbst wenn eine dieser Erklärungen stimmen würde, nimmt das nichts von dem weg, was du als Kind erlebt hast. Du hättest Schutz gebraucht. Du hättest ihn verdient. Punkt.

Die Antworten auf deine Fragen kann dir letztlich nur deine Mutter geben, wenn sie denn bereit ist, sich ihnen zu stellen.
Wichtig auch: Was macht man, wenn diese Antworten nie kommen?
Ich selber habe gelernt, auch damit kann man irgendwann leben lernen. Nicht weil die Fragen unwichtig sind, sondern weil du dein eigenes Erleben auch ohne ihre Antworten ernst nehmen darfst.

Vielleicht kommst du irgendwann (auch) an den Punkt, an dem du sagen kannst: „Ich weiß nicht, warum meine Mutter mich damals nicht geschützt hat. Ich weiß nicht, was in ihr vorging. Aber ich weiß, dass ich Schutz gebraucht hätte und ihn nicht bekommen habe. Und ich weiß, was das mit mir gemacht hat.“

Und das reicht vielleicht irgendwann, um weiterzugehen. Du musst deine Mutter nicht verstehen, um dich selbst zu verstehen. Du musst ihre Gründe nicht kennen, um traurig oder wütend sein zu dürfen.

Und ich sage dir auch aus eigener Erfahrung: Das braucht Zeit. Wirklich sehr sehr sehr viel Zeit und therapeutische Hilfe/Begleitung. Das ist kein gerader Weg und manchmal haut es einen auch wieder komplett um. Man denkt, man ist schon ein gutes Stück weiter und plötzlich steht man wieder mitten in einem alten Gefühl.

Deshalb gib dir die Zeit, die du dafür brauchst. Tröstender Smiley

x 4 #106


Aiyla
Liebe @Charming,
ich hatte ja bereits im anderen Thread geschrieben. Mir geht das weiter nach, was Du erlebt hast.

Ich kann mir vorstellen, dass es einerseits befreiend ist, davon zu schreiben und gleichzeitig sehr aufwühlend und vielleicht auch erneut sehr schmerzhaft ist. Ich hoffe, dass es Dir gut geht.

Gewalt ist eine schlimme Erfahrung, sexuelle Gewalt noch mehr. Als kleines Kind ist man besonders ausgeliefert, das macht es noch schwieriger. Wenn die sexuelle Gewalt dann noch von einer der Bezugspersonen ausgeht, ist es umso belastender. Als Kind ist man ganz besonders genau auf diese Bezugspersonen angewiesen und baut zwangsläufig eine starke Bindung auf. Wenn dann von den Bezugspersonen Unrecht getan wird und sexuelle Gewalt ausgeübt wird, kann das große Verwirrung auslösen. Und wenn die nächste Bezugsperson, die einem beistehen sollte, einem Schutz geben sollte, versagt und nicht oder nicht ausreichend hilft, ist das sehr schlimm und sorgt für weitere Verwirrung, auch weil gleichzeitig trotzdem Bindung besteht (das sucht man sich ja nicht aus).

Täter sind nicht selten selbst Opfer gewesen. Das selbe gilt für die, die ihrer Aufgabe des Schützens nicht nachkommen. Man kann gleichzeitig Opfer und Täter sein (an verschiedenen Stellen). Das macht die Tat aber nicht weniger schlimm.
Selber Opfer sein entbindet nicht von der Verantwortung und bedeutet nicht, dass es in Ordnung ist, selbst Täter zu werden.

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