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Zerrissen zwischen zwei Ländern - Beziehung vorbei?

M
Zitat von Noka:
Ich hätte auf jeden Fall etwas mehr Zeit gebraucht mich in die Beziehung einzuleben, während sie sehr schnell ist mit Entscheidungen. Die Sache ist auch dass von vornherein Druck auf unserer Beziehung in Deutschland war - sie kam mit hohen Erwartungen in ein instabiles Umfeld. Manchmal denke ich dass es gar nicht möglich gewesen wäre all dies hier in Deutschland zu verwirklichen, ohne damit meine Fehler zu beschönigen. Ich bin jedoch davon überzeugt dass in Norwegen vieles anders gelaufen wäre und ich erst dort wieder durchatmen kann - unabhängig von der Frau um die es hier geht. Aber wenn überhaupt kann es nur dort eine Zukunft für uns geben.

Das ist das Problem mit dem Zusammenziehen nach einer langen Fernbeziehung. Auf einmal ist sie da und sie ist nicht allein, denn sie bringt ihre Erwartungen und ihre Hoffnungen mit. Das war dir natürlich klar.
Und du warst innerlich noch nicht bereit, aber wie hätte es anders gehen sollen. Vielleicht mit getrennten Wohnungen und einer schrittweisen Annäherung? Aber das ist natürlich auch viel verlangt, wenn sie alles hinter sich gelassen und alles geregelt hatte.

Und dann warst da du. Überfordert, vermutlich ein wenig ratlos, den Spagat zwischen Sohn und Partnerin, der Umzug deines Vaters. Und die Überforderung führte in eine Art innerer Starre.
Es kann auch sein dass dir sehr enge Bindungen zu sehr zusetzen, dich unbewusst einschränken, dir gefühlt die Luft zum Atmen nehmen.

Aber du wirkst dennoch sehr reflektiert, fast nüchtern und siehst deinen Anteil am Scheitern. Aber du wirkst auch kühl auf mich. Sie ist in einer anderen Lebensphase als du. Noch energiegeladen, Pläne machend, Entscheidungen treffend und sie ist noch ohne Anhang. Das spielt auch eine Rolle. Während sie aktiv wurde, wurdest du passiver, scheint mir. Perzelt hat dir ja nun schonungslos die andere Sichtweise dargestellt, die ihre Daseinsberechtigung hat. Du bliebst in der gewohnten Umgebung, sie hat Nägel mit Köpfen gemacht und hat eine Bauchlandung erfahren.

Du hast das Ziel nach Norwegen zu ziehen. Da du ja eh ein halber Norweger bist, wirst du dich dort vielleicht gut einleben. Es ist ein ganz anderes Land, andere Menschen, das Wetter mal so und mal so und viel dünner besiedelt. Oder ist das nur ein Traumgebäude?

Ich war mal im Urlaub dort, in einem Holzhaus mit einer deutschen Gruppe, ca. 30 km vom Dovrefjell entfernt. Es war im September lausig kalt, tagsüber höchstens 5 Grad und ein heftiger, gefühlt vom Nordpol ungebremst kommender Wind. Wir hatten Wintersachen dabei und brauchten sie auch.
Wanderungen auch mal bei Regen, den Weg verloren, aber ich blieb zuversichtlich. Mein Mann findet mit dem Kompass überall hin. Und wir kamen an einem Zeltlager vorbei. Alle Zelte geschfossen, es war laut unserem Reiseleiter wohl ein Zeltlager für Schüler, die anderweitig unterwegs waren. Bei Eiseskälte und den ersten Nachtfrösten. Es hat mich sehr beeindruckt, wie die Kinder dort mit dem Aufenthalt im Freien aufwachsen.
Und dann fuhren wir nach Lillehammer und kamen geradwegs in den Frühling, 18 Grad und die Anoraks und Schals blieben im Transporter. Das nur nebenbei. Ich denke, da möchte ich wieder mal hin. Es ist halt doch ziemlich weit weg von Süddeutschland aus.

x 4 #31


P
Zitat von Margerite:
Perzelt hat dir ja nun schonungslos die andere Sichtweise dargestellt, die ihre Daseinsberechtigung hat. Du bliebst in der gewohnten Umgebung, sie hat Nägel mit Köpfen gemacht und hat eine Bauchlandung erfahren.

Danke. Ich wollte nicht so hart rüberkommen.
Denn ich weiß ja dennoch um die Kämpfe, die der andere mit sich selber führt.
@Noka hat Wünsche und Träume.
Die Realität des konkreten Zusammenseins war dann ernüchternd.
Man findet sich sich selbst ausgeliefert vor mit der Vielfalt der inneren Kämpfe. Das Selbstbild ist anders als die Wünsche. Dann funken noch äußere Umstände mit rein, die Du angegangen bist. Was wieviel Aufmerksamkeit bekommt ist im Vorfeld in Gedanken und Wünschen auch anders als im Realitätscheck.

Wenn ich Deine Beschreibungen Revue passieren lasse, .. .
Kann es sein, daß Du zur Truppe der Funktionierer gehörst? Erst funktioniert man (wie gewohnt) in einer Situation. Und dann später, wenn etwas Ruhe ist, realisiert und verarbeitet man das?
Es prasselten so viele Anforderungen auf einmal auf Dich ein, da ist es schwer für Funktionierer sich einzustellen, was für einen selber als auch in der Situation okay wäre.
Nur ne Idee.

x 1 #32


A


Zerrissen zwischen zwei Ländern - Beziehung vorbei?

x 3


N
Zitat von Trida:
Eine kluge und tatkräftige, konsequente Frau. Trotzdem auch weich, zu emotionaler Tiefe fähig, empathisch. Sie lässt sich davon aber nicht verschlingen, zerstören. Und sie macht es sich nicht leicht, bequem, sie wägt ab.

Da hast du sie, ohne sie zu kennen, vollkommen richtig charakterisiert!

x 1 #33


N
Zitat von Gwenwhyfar:
Hi Noka, ich bin über etwas ganz anderes gestolpert. Sie als Neurologin/Psychiaterin whatever gerät in eine gewalttätige Beziehung? Wie geht das? Und bringt mich auf das Brett, dass auch sie möglicherweise kein sicherer Bindungstyp ist. Immerhin hat sie Konsequenz gelernt. Vielleicht habt ihr euch hier gegenseitig ...

Nun, auch Ärzte sind vor so etwas nicht gefeit. Sie ist auch ein eher ängstlicher Mensch und sucht Sicherheit.
Und Menschen (damit meine ich unsere pathologischen Ex-Partner/innen), welche mit größeren Störungen zu tun haben sind ja gerade zu Beginn häufig sehr charismatisch, "empathisch" etc. In diese Falle sind meine (ex)Freundin und ich damals getappt.

Ich habe für mich selbst schon früher bei mir Bindungs - / Verlustängste, Angst vor Zurückweisung gesehen. Dachte, ich hätte diese mehr oder weniger überweunden. Und muss nun lernen dass hier noch eine große Baustelle habe. Das ist für mich selbst notwendig und um hoffentlich ihr ein guter und besserer Partner zu sein.

#34


N
@Perzet
Zitat:
Uuh, hah, ernsthaft?

Sie gibt ihr sicheres Leben in ihrem Heimatland auf und stößt hier nur auf Blockaden? Da war alles, aber nichts sicher für sie mit dir.


Mit Sicherheit habe ich sie mit meinen beschriebenen Verhaltensweisen sehr verletzt. Wie sehr kann ich gar nicht erahnen. Die Baustellen die dazu geführt haben werde und muss ich angehen. Und es kann sein dass ich ihr zu viel aufgebürdet habe, ganz abgesehen von den biologischen Gegebenheiten etc.

Zitat:
Und weißt du, was ich vorgefunden habe?
Emotionale Blockaden.
Und wann war er wieder freundlich und offen zu mir?
Genau, als sicher war, daß wir getrennte Personen sein werden.

Was das mit mir gemacht hat?
Glaub mir, das möchtest du nicht auch noch lesen müssen.
Es hat ihn auf jeden Fall massivst demaskiert.
Menschen, die nett und zuvorkommend sind, solange man auf Distanz sind, aber nicht verfügbar sind, wenn man da ist, sind für mich seither im großen Bogen zu meiden.


Freundlich war ich zu ihr immer. Emotional offen habe ich nicht hinbekommen, ich war in einem Tunnel. Und ich muss lernen dass so etwas nicht wieder passiert. Und dafür ist viel Arbeit notwendig.

Zitat:
Und nur so als Tipp - nur weil du einen Wunsch hast, nach Norwegen zu ziehen, und das seit vielen Jahren vor dir herschiebst (warum auch immer nicht Nägel mit Köpfen gemacht hast), ist das absolut nicht vergleichbar mit jemandem, der aus Liebe und Überzeugung für die Beziehung zügig und konsequent fast alles aufgibt und zu dir kommt.


Warum ich bisher nicht auswandern konnte, liegt daran dass ich zuvor meine Mutter begleitet habe (an Krebs verstorben), dann für meinen Vater da war (er natürlich auch für mich) und ein Wechsel in ein anderes Land aufgrund gemeinsamen Sorgerecht und damals noch vorhandener Bindung meines Sohnes an seine Mutter unmöglich gewesen wäre.

Zitat:
Arbeite an dir selber. Aber nutze sie nicht noch einmal für deine persönliche Selbstregulation.


Selbstregulation trifft m.E. nicht zu, mehr habe ich mich selbstbezogen an inneren Dynamiken abgearbeitet.

x 1 #35


N
@Margerite
Zitat:
Das ist das Problem mit dem Zusammenziehen nach einer langen Fernbeziehung. Auf einmal ist sie da und sie ist nicht allein, denn sie bringt ihre Erwartungen und ihre Hoffnungen mit. Das war dir natürlich klar.
Und du warst innerlich noch nicht bereit, aber wie hätte es anders gehen sollen. Vielleicht mit getrennten Wohnungen und einer schrittweisen Annäherung? Aber das ist natürlich auch viel verlangt, wenn sie alles hinter sich gelassen und alles geregelt hatte.

Und dann warst da du. Überfordert, vermutlich ein wenig ratlos, den Spagat zwischen Sohn und Partnerin, der Umzug deines Vaters. Und die Überforderung führte in eine Art innerer Starre.
Es kann auch sein dass dir sehr enge Bindungen zu sehr zusetzen, dich unbewusst einschränken, dir gefühlt die Luft zum Atmen nehmen.

Aber du wirkst dennoch sehr reflektiert, fast nüchtern und siehst deinen Anteil am Scheitern. Aber du wirkst auch kühl auf mich. Sie ist in einer anderen Lebensphase als du. Noch energiegeladen, Pläne machend, Entscheidungen treffend und sie ist noch ohne Anhang. Das spielt auch eine Rolle. Während sie aktiv wurde, wurdest du passiver, scheint mir. Perzelt hat dir ja nun schonungslos die andere Sichtweise dargestellt, die ihre Daseinsberechtigung hat. Du bliebst in der gewohnten Umgebung, sie hat Nägel mit Köpfen gemacht und hat eine Bauchlandung erfahren.


Danke für deine Worte und Gedanken. Es ist richtig, ich muss einsehen dass ich in Sachen Beziehung noch viel zu lernen habe. Ich kann mich nicht neu erfinden aber ich habe auch schon andere Baustellen bearbeitet. Und ich möchte nicht meine (ex)Freundin nicht als beschädigtes Spielfeld meiner Unzulänglichkeiten verlassen. Ich möchte für mich und für sie wachsen. Und ja, wahrscheinlich ist es richtig dass ich mit steigender Aktivität ihrerseits, immer passiver wurde. Ich war wohl vorwiegend damit beschäftigt überhaupt erstmal mit dem Setting/Status ernsthafte Beziehung klarzukommen.

Kühl wirke ich vielleicht weil es mir leichter fällt eher analytisch über das Ganze zu schreiben.

Zitat:
Du hast das Ziel nach Norwegen zu ziehen. Da du ja eh ein halber Norweger bist, wirst du dich dort vielleicht gut einleben. Es ist ein ganz anderes Land, andere Menschen, das Wetter mal so und mal so und viel dünner besiedelt. Oder ist das nur ein Traumgebäude?


Sofern ich einpreise dass es für mich beruflich erstmal schwierig werden könnte (weniger Einkommen), ist es kein Traumgebäude. Alle Aufenthalte zusammengezählt habe ich dort schon mehrere Jahre verbracht.
Familie habe ich außer meinem Sohn keine mehr in Deutschland. Dafür ein dichtes "Netzwerk" in Norwegen.

Zitat:
Ich war mal im Urlaub dort, in einem Holzhaus mit einer deutschen Gruppe, ca. 30 km vom Dovrefjell entfernt. Es war im September lausig kalt, tagsüber höchstens 5 Grad und ein heftiger, gefühlt vom Nordpol ungebremst kommender Wind. Wir hatten Wintersachen dabei und brauchten sie auch.
Wanderungen auch mal bei Regen, den Weg verloren, aber ich blieb zuversichtlich. Mein Mann findet mit dem Kompass überall hin. Und wir kamen an einem Zeltlager vorbei. Alle Zelte geschfossen, es war laut unserem Reiseleiter wohl ein Zeltlager für Schüler, die anderweitig unterwegs waren. Bei Eiseskälte und den ersten Nachtfrösten. Es hat mich sehr beeindruckt, wie die Kinder dort mit dem Aufenthalt im Freien aufwachsen.
Und dann fuhren wir nach Lillehammer und kamen geradwegs in den Frühling, 18 Grad und die Anoraks und Schals blieben im Transporter. Das nur nebenbei. Ich denke, da möchte ich wieder mal hin. Es ist halt doch ziemlich weit weg von Süddeutschland aus.


Das sind schöne Erinnerungen, und auch wenn es leider viel Fahrerei aus Süddeutschland ist, sicher nochmal eine Reise wert!

#36


N
@Perzet Aus der Tatsache dass ich unbewusst gemerkt habe, dass ich den (berechtigten) Erwartungen meiner Freundin nicht gerecht werden konnte, ist ein riesiger innerer Druck entstanden, der bei mir in Rückzug mündete. Denn ich wollte ihr natürlich etwas völlig anderes hier in Deutschland bieten wollte als sie nun erlebt hat.

Ja, es war wohl zu viel Wunsch vorher, zu wenig Realitätscheck. Zu viele Dinge zu gleicher Zeit und gerade von letzterer viel zu wenig um unserer Beziehung den notwendigen Raum zu geben.

Als Funktionierer würde ich mich eher nicht (mehr?) einschätzen, es kommt schon vorher dazu, dass ich bei starkem Stress abschalte. Es sind wohl eher Bindungs- /Verlustangstdynamiken, die mein Verhalten dominiert haben und mit welchen ich meine Partnerin verletzt habe.

Unterm Strich super unfair ihr gegenüber und am meisten muss ich mir wohl ankreiden dass ich mich selbst anders eingeschätzt habe als ich es nun erlebt habe / bzw mich verhalten habe.

x 1 #37


N
Sie hat sich nun heute bei mir gemeldet, es war nun eine Woche her seitdem die von ihr erbetene Funkstille begonnen hatte.

Sie schrieb mir dass sie mich vermisst. Ich schrieb ihr zurück dass ich sie auch vermisse.

Diese Woche war sehr hart für mich, das Aushalten von nicht-im-Kontakt sein triggert mich sehr. Aber die Zeit brachte mir auch viele Einsichten. Dass ich mich jetzt mit Ängsten o.ä. nicht in den Vordergrund stellen kann. Dass es hier um sie und ihre Bedürfnisse geht. Und ich habe das Gefühl, dass diese Stille uns viel näher zusammengebracht hat als mein klammerndes Verhalten in den Wochen zuvor.

Ich habe verstanden wie wichtig es ist, dass ich ihren Wunsch nach Ruhe und Raum nach Ruhe achte. Dass sie wieder zu sich kommen muss und dass dies ein Prozess mit offenem Ausgang ist, der nicht in ein paar Tagen erledigt ist.

Mein erster Reflex war es dennoch ihr weitere Fragen zu stellen, das Gespräch fortzuführen. Aber dann habe ich es gelassen. Sie hat meine Nachricht noch geliked und das war es für heute. Und es ist ein sehr schönes Gefühl dass ich hier aufhören konnte. Dass sie zumindest hier auf Stabilität meinerseits setzen kann.

x 3 #38


T
@Noka
Wenn beide es wollen, das wissen wir jetzt nur noch nicht, bin ich ein absoluter Freund von zweiten Anläufen.

Selten kann man so viel lernen, wie bei erlebten Verlusten. Wenn beide bereit zu Wachstum und Veränderung sind, kann etwas sehr sehr Wertvolles daraus hervorgehen..

x 1 #39


Gorch_Fock
Aus meiner Erfahrung:
- Frauen nie durch Umzüge aus ihrem sozialen Gefüge nehmen. Männer haben hier eh meist weniger Kontakte und kommen mit Umzügen besser klar.
HH ist schön, aber auch mega eng und überlaufen mittlerweile. Der Kulturschock war sicherlich zu groß
- Niemals in Männerwohnungen einziehen. Nur Neustart in einer gemeinsam neuen Wohnung.
- Die KM hat Dich sabotiert und Du hast es nicht gemerkt
- Patchwork ist auch für neue Partnerinnen sehr schwierig. Das Dein Sohn im Mittelpunkt stand ist aber auch normal
- Du hast sie sechsuell abblitzen lassen? Oh mann.... es läuft in vielen Beziehungen eher anders herum, daher grober Fehler.

Aus meiner Sicht kannst Du eine so attraktive Frau mit Kindrrwunsch so nicht halten. Remote als Fernbeziehung schon gar nicht. Du wirst auf Dauer auch Deine Würde verlieren, beende die Beziehung mit Anstand.

x 2 #40


P
Zitat von Trida:
Selten kann man so viel lernen, wie bei erlebten Verlusten. Wenn beide bereit zu Wachstum und Veränderung sind, kann etwas sehr sehr Wertvolles daraus hervorgehen..

Diese Chance sehe ich hier auch - allerdings auch einen langen Weg an brutaler Selbstehrlichkeit.

Ich verstehe @Noka schon gut, daß zwischen Selbstbild, Wünschen, tiefen Gefühlen und Hoffnungen diverse, unterschiedliche Lücken klaffen können, die einen umhauen können.

Daß die Gesamtumstände nicht für Disney bei Euch sorgte, ist in diesem Fall vielleicht eine große Chance, daß Ihr jeweils daraus reflektieren und überwinden könnt für eine tragfähige gemeinsame Zukunft.

Ich hatte nur eine tendenzielle Vermutung in den Raum geworfen, weil die Beschreibungen deiner Reaktionen auf diverse Situationen mich an Funktionierer (keine Ahnung, ob es den Begriff überhaupt gibt, aber Du weißt, was ich meine) bzw people pleaser erinnert. Nur meine dezente Wahrnehmung.

Ansonsten viel Erfolg beim vorsichtigen aber menschlichen Wiederannähern.

x 1 #41


M
Zitat von Noka:
Es sind wohl eher Bindungs- /Verlustangstdynamiken, die mein Verhalten dominiert haben und mit welchen ich meine Partnerin verletzt habe.

Unterm Strich super unfair ihr gegenüber und am meisten muss ich mir wohl ankreiden dass ich mich selbst anders eingeschätzt habe als ich es nun erlebt habe / bzw mich verhalten habe.

Ich war mal mit einem Bindungsvermeider zusammen. Erst die Hormonblase und ich glaubte, den Mann gefunden zu haben, den ich mir so lange gewünscht hatte. Illusionen vom großen Glück, das nun einkehren würde.

Nach ein paar Monaten und als er merkte, dass es mir ernst war mit ihm, begann der schleichende Rückzug und verunsicherte mich völlig. Diese Nah- und Ferndynamiken schlichen sich unbemerkt ein. Zog er sich zurück, versuchte ich wieder Nähe herzustellen und stand oft verloren da. Ich spürte die Ängste, dass das alles böse enden könnte und arbeitete auch dagegen an. Ich war nicht mehr authentisch, spielte eine Rolle, die nicht ehrlich war. immer in der Hoffnung, je weniger Probleme ich machte und je weniger Ansprüche ich stellte, von Kritik an ihm ganz zu schweigen, desto mehr würde er mich wieder schätzen. Wenn ich mich voll innerer Traurigkeit zurückzog, kam prompt wieder eine liebevolle Message ein oder er suchte wieder Nähe.
Dass das ganze eine Karussellfahrt ohne Ende ist, merkte ich erst spät. Eine Sackgasse, die niemanden glückllch machte von uns und dennoch spulten wir schön brav diese Spielchen ab.

Mit der Zeit merkte ich, wie sehr mich diese Beziehung vereinnahmt hatte.Ich dachte nur noch über ihn und die ach so schwierige Beziehung nach. Alles andere wurde zur Nebensache, auch mein eigenes Leben. Auch wenn ich mit anderen was unternahm, so waren meine Gedanken ja doch bei ihm. Was er wohl gerade machen würde, wie es ihm wohl gehen würde, was hatte er gemeint, als er sagte ....
Blind rannte ich durchs Leben über Monate. Dann wuchs eine innere Wut auf ihn, aber das half mir auch nicht. Kaum gab er mir meine Dro. wieder, seine Zuwendung, wurde ich wieder weich wie Butter in der Sonne. Er ist ja doch lieb und außerdem muss ich das verstehen. Schwierige Kindheit und so. Man legt sich seine Entschuldigungen dann schon zurecht. Auch wenn das mit der schwierigen Kindheit bei ihm auch stimmte, aber ich habe auch meine Blessuren erfahren und beibehalten.

Die Beziehung eierte noch so vor sich hin, wobei ich das Kartenhaus noch zusammenhielt, das dann doch zusammenbrach. Er trennte sich gefühlt aus heiterem Himmel. Ich war ihm sicher auch mit der Zeit zunehmend reizlos erschienen, vielleicht spürte er auch meine Bemühungen und er wollte frei sein.

Ein Bindungsvermeider wie aus dem Bilderbuch, der sämtliche Vermeidungsstrategien drauf hatte, um Distanz herzustellen.
Und im Lauf der Zeit merkte ich, dass ich von der gleichen Sorte war und mein Bindungsverhalten auch alles andere als stabil war. Interessierte sich Jemand für mich, trat ich den Rückzug an, denn es war das sicherste Mittel um mich zu vertreiben. Er erschien mir dann langweilig und reizlos.
Aber ich war großartig darin, Männern hinterher zu laufen, bei denen ich unbewusst witterte, dass sie ein unsicheres Bindungsverhalten haben. Denen konnte ich ja gefahrlos hinterher hoppeln. Während ich mich bemühte und von Ängsten und Misstrauen dominiert war. lehnte sich mein Unterbewusstsein bequem zurück und sagte sich, soll sie sich ruhig abquälen, mir egal, aber es gibt eh keine Beziehung und wenn, wird sie nicht lange halten.

Bindungsängste sind im Unterbewusstsein angesiedelt. Oft lernt man sie schon in der Kindheit, wenn die Bindung zu einem oder beiden Elternteilen unsicher ist. Oder es gibt Trennungen oder wichtige Bezugspersonen verschwinden aus dem Leben der Kinder. Das sind prima Voraussetzungen, um später unter Bindungsängsten zu leiden und sich zu wundern, warum Beziehungen nicht halten. Übrigens sind Fernbeziehungen bei Bindungsvermeidern sehr beliebt. Ja, warum wohl?

Ich denke, Du solltest dich auch damit befassen. Es gibt auch Bücher darüber. Ein Buch ist keine Therapie, aber es informiert. Ich fand das Buch "Jein! Bindungsängste erkennen und bewältigen" von Stefanie Stahl ganz gut. Aber der Titel ist ein wenig irreführend, denn die Tipps zur Bewältigung sind doch ein wenig dünn und scheitern an der Lebensrealität.

Ein Psychotherapeut sagte mir mal, Bindungsängste seien nur schwer therapierbar und nicht mit ein paar Sitzungen in den Griff zu kriegen.
Es ist aber schon mal gut, zu erkennen, wie man selbst tickt, welche Strategien man unbewusst nachlebt. Wenn sie auf der bewussten Ebene angekommen sind, richten sie weniger Schaden an weil man sich selbst besser kennt und besser damit umgehen kann.

Aus negativen Erfahrungen kann man viel lernen, über sich selbst.

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N
Nachdem vom 16.04. Funkstille zwischen uns herrschte, schrieb ich ihr vorgestern am Samstag eine Nachricht, worauf sie vorschlug zu telefonieren - was wir dann gestern taten ( etwa 1,5 Stunden).

Unsere Beziehung ist nun pausiert / in einem Zustand der einem gefühlten Ende nahekommt - sie möchte sich auf sich fokussieren und nach alldem was war kann sie von ihrer Seite aus nicht so weitermachen wie zuvor, was ich gut verstehen kann. Jemanden anderes kennenlernen o.ä. möchte sie aber nicht. Ihre Enttäuschung darüber, wie ich mich hier in DE verhalten habe, insbesondere das stark verzögerte Zusammenziehen, sitzt zurecht sehr tief. Sie sagte dass sie gesehen habe, dass bei mir Worte nicht gleich Taten bedeuten und dass ich nicht auf gleiche Weise committed/engagiert gewesen wäre wie sie. Womit sie bezüglich meines Handelns während ihrer Anwesenheit hier Recht hat. Das ganze Leben lang würde sie auf Männer warten, die mit ihren Themen/Schwierigkeiten in ihr Leben kommen und so sei es nun auch hier wieder. Das war auch der Moment wo sie weinen musste.

Aber es gab während des Gesprächs Momente, in welchen wir beide - eigentlich seit Monaten das erste Mal - wirklich mal wieder zusammen lachen konnten und als wir zum Ende hin noch per Video telefonierten wurde deutlich dass es definitiv noch funktionierende Ebenen zwischen uns gibt. Sie meinte sie würde mich gerne umarmen.

Sie sagte ich zu mir ich solle meine Sachen gebacken bekommen, nach Norwegen ziehen und dann könnte man weitersehen. Und generell schließe sie nicht aus dass es eine "zweite Chance" / Versuch geben könnte unsere Beziehung fortzusetzen. Aber aktuell sei ihr Herz zu sehr verletzt und das Vertrauen mehr oder weniger weg.

Ich habe versucht ihr zu zeigen dass ich ihren tiefen Schmerz sehe, dieser nicht gutzumachen ist und ich die Verantwortung dafür übernehme. Dass es für mich dass Schlimmste ist, ihr überhaupt in irgendeiner Weise wehgetan zu haben. Ich bin unvorbereitet und relativ unreflektiert in diese Beziehung gegangen und während ihrer Zeit hier meine eigenen inneren Dynamiken ausagieren lassen. Ich weiß für mich, dass ich kein weiteres Leid / Enttäuschung mehr über sie bringen möchte und das heißt, ich muss meine Muster durchleuchten (wissend dass ich mich nicht als Mensch komplett neu erfinden kann) und mich in meinem Verhalten und Handeln so ändern dass es ihr und unserer Beziehung Freude und Energie gibt, anstatt des Gegenteils. Und auch mir selbst. Fakt ist, mit meinem bisherigen Handeln habe ich mehr oder weniger die Liebe meines Lebens vergrault und sitze nun wieder allein hier. Die letzten Wochen waren diesbezüglich sehr hart für mich, aber auch sehr lehrreich.

Ansonsten ist das große Thema für mich mein Sohn und wie ich eine realistische Perspektive entwickeln kann mit ihm Deutschland zu verlassen und ihm das Gefühl zu geben dass hier der Gewinn für ihn selbst deutlich größer wäre als was man aufgeben würde. Als Teenager ist er natürlich hier in sein Umfeld eingebunden, gleichzeitig teilweise einsam und er sehnt sich nach einem Familienleben, Stabilität und Gemeinschaft.

Ab Mitte Mai werde ich für einen knappe Woche in Norwegen sein und wir haben uns auf einen Kaffee verabredet. Mit meinem Sohn ist sie weiter in unseren gemeinsamen Gruppen in Kontakt, ich werde wie gewünscht auf Abstand bleiben. Um ihr zu zeigen dass ich ihre Grenzen respektiere und das was sie sagt ernst nehme.

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N
@Margerite Danke für deine Erfahrungen, du hast völlig recht, aus negativen Erfahrungen lernt man am besten. Ich wünschte nur dass ich dies hier nicht auf Kosten anderer getan hätte.

Gleichzeitig war ich meiner eigenen Fehleinschätzung aufgesessen, bereit für eine Beziehung zu sein und Bindungsschwierigkeiten hinter mir gelassen zu haben.

Meine Überzeugung ist nunmehr, dass man Bindungsstile nicht wirklich "bewältigen"/heilen kann, nur lernen auf der bewussten Ebene anders zu handeln und diese unbewussten Impulse besser zu erkennen.

Bei mir ist die Angst vor Verlassenwerden/ Zurückweisung zentral. Ironischerweise habe ich durch mein Verhalten nun genau das ausgelöst.

#44


alleswirdbesser
Zitat von Noka:
und er sehnt sich nach einem Familienleben, Stabilität und Gemeinschaft.

Und das siehst du in Norwegen gegeben?

#45


A


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