orchida
Mitglied
- Beiträge:
- 4
- Themen:
- 1
- Danke erhalten:
- 2
- Mitglied seit:
Letztes Wochenende hat sich mein Freund nach 1 Jahr und 3 Monaten Beziehung von mir getrennt.
Nun brachte er mir bei der Trennung im Grunde 3 Argumente entgegen, die ihn zu der Entscheidung bewegt haben. Eins davon, das mich seitdem am meisten beschäftigt, ist unser unterschiedliches Aktivitätslevel. Ich bin recht introvertiert, hab in der Arbeit Kundenkontakt und habe mit Pendeln, Überstunden usw. in Summe meist 12h-Tage, teilweise noch mehr. Wenn ich abends nach Hause komme, hab ich einfach nicht mehr viel Energie und mache nur mehr ruhige Aktivitäten wie Lesen, Yoga oder Handarbeiten, um zur Ruhe zu kommen. An den Wochenenden unternehme ich gern was, mache Ausflüge, bewege mich, treffe Leute - aber hab auch nichts dagegen, mal einen verregneten Sonntag zuhause zu verbringen. Mein Ex ist hingegen wie ein Duracell-Häschen. Er ist ziemlich extravertiert und sitzt beruflich den ganzen Tag vor dem Computer, ist also abends sozial und körperlich nicht ausgelastet. An den Wochenenden muss er 24/7 Programm haben, Sport machen, zu Partys und auf Dorffeste gehen usw., am besten alles gleichzeitig. Für mich war das nie ein Problem, ich finde, man muss in einer Beziehung nicht alles zusammen machen und mir ist es sogar recht, wenn ich mal einen Tag allein sein kann (er dachte dann immer, dass ich dann einsam wäre, das konnte er nie verstehen). Letzte Woche hat er mir allerdings offenbart, und zwar zum ersten Mal in der ganzen Zeit, dass ihn das sehr stört und ihm etwas in der Beziehung fehlt, wenn man keine Hobbys teilt, und dass ich mich nicht für seine Interessen interessieren würde (stimmt in meinen Augen nicht. Er hatte in diesem Jahr 2 sportliche Wettkämpfe, ich hab bei beiden zugesehen. Ich hab 2 Sportarten ausprobiert, die er gern macht, eine davon hat mir auch Spaß gemacht,. ). Was seiner Aussage nach das Fass für ihn zum Überlaufen gebracht hat, war, dass ich letztens nicht auf das Musikfest hier im Dorf mitgehen wollte (mal abgesehen davon, dass ich am Tag davor krank wurde) - er war früher selbst bei der Musikkapelle und kennt alle Leute dort, ich bin nicht von hier und kenne dementsprechend niemanden, ich mag solche großen Feste halt einfach nicht.
Dieses "Wir teilen keine Hobbys und Interessen und verbringen kaum Freizeit miteinander"-Argument geht mir einfach nicht in den Kopf. Ich finde es nicht mal treffend, mal so als Beispiel: Ich gehe gern Schwimmen (richtig als Sport), er ist Rettungsschwimmer. Er meinte: "Ich hatte gehofft, dass uns zumindest das Schwimmen verbindet, aber das hat ja auch nicht funktioniert." Ich bin 2x mit zu seinem Training gegangen, einfach um es mal auszuprobieren, da war aber leider nicht so meins. ABER ich hab's ausprobiert und bin mit ihm hingegangen. An den Wochenenden bin ich hingegen oft allein schwimmen gegangen und hab ihn jedes Mal gefragt, ob er mit will, meistens hatte er keine Zeit oder wollte nicht. Insgesamt waren wir so in unserer gemeinsamen Zeit genau 4x gemeinsam schwimmen.
Ich versteh's halt einfach nicht. Die meisten Paare, die ich kenne, haben sowohl gemeinsame Interessen als auch jeder seine eigenen Hobbys. Man wird doch nie einen Menschen finden, der exakt die gleichen Dinge gut findet wie man selbst (und ich würde das auch gar nicht wollen). Und in einer Beziehung muss man doch immer gewisse Kompromisse eingehen. Ich glaube, dass er die Beziehung einfach nicht mehr wollte und dieses Argument als Trennungsgrund vorgeschoben hat. Was meint ihr? Kann man sich in einer Beziehung mit unterschiedlichen Aktivitätsleveln grundsätzlich nicht arrangieren oder will nur er es nicht?