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Zu wenig in Beziehung gesprochen

Tim83

Hallo zusammen,

Nur kurz zu meiner Geschichte, die ich bereits einmal hier ausführlich geschrieben habe.
Meine Ex Verlobte hat sich vor knapp zwei Monaten von mir nach fünf Jahren getrennt. Hochzeit, Haus, Kinder stand alles für nächstes Jahr an.
Wie bei sicherlich vielen Verlassenen kam die Trennung sehr überraschend für mich.

Was mich einfach interessiert ist warum man nicht in einer Beziehung über Probleme sprechen kann?
Das scheint ja wohl bei vielen Menschen der Fall in einer Beziehung zu sein.
Ich finde es eigentlich wirklich schade, wenn eine Person nicht mal den Mut hat über Dinge zu reden die einem nicht so gefallen.
Damit meine ich natürlich harmlose Sachen, nicht Gewalt oder ähnliches.

Wenn man sich in einer langen Beziehung befindet sollte man doch wirklich in der Lage sein sich zu besprechen?

Leider bekam ich bei unserem letzten Gespräch nicht wirklich viele Gründe für die Trennung, ausser die klassischen Sprüche.

Wie ist das aus eurer Erfahrung?
Warum wirft man etwas weg, ohne sich die Mühe zu machen darüber zu reden und eine Lösung zu finden?

Freue mich auf Antworten

27.12.2019 14:13 • x 1 #1


LostGirl1


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Zitat von Tim83:
Was mich einfach interessiert ist warum man nicht in einer Beziehung über Probleme sprechen kann?
Das scheint ja wohl bei vielen Menschen der Fall in einer Beziehung zu sein.

Hm, ich würde sagen, Angst vor Ablehnung, Angst davor den Partner zu verletzen, Angst zu seinen eigenen Bedürfnissen zu stehen, Angst vor Konflikten. Anfangs vielleicht auch die rosa-rote Brille, die die Macken des anderen 'süß' erscheinen läßt. Oder mann will nicht als kleinlich oder pingelig gesehen werden, sondern gerade am Anfang noch gefallen.
Und irgendwann sind die unausgesprochenen Probleme immer größter geworden, haben sich wie ein Gebirge aufgetürmt, und scheinen unüberwindbar.
Manche wählen dann den vermeintlich einfachen Weg, sich zu trennen und irgendwo neu anzufangen, wo sie kein Gebirge im Weg stehen haben.

27.12.2019 14:19 • x 2 #2


Tim84


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Zitat von LostGirl1:
Hm, ich würde sagen, Angst vor Ablehnung, Angst davor den Partner zu verletzen, Angst zu seinen eigenen Bedürfnissen zu stehen, Angst vor Konflikten. Anfangs vielleicht auch die rosa-rote Brille, die die Macken des anderen 'süß' erscheinen läßt. Oder mann will nicht als kleinlich oder pingelig gesehen werden, sondern gerade am Anfang noch gefallen.
Und irgendwann sind die unausgesprochenen Probleme immer größter geworden, haben sich wie ein Gebirge aufgetürmt, und scheinen unüberwindbar.
Manche wählen dann den vermeintlich einfachen Weg, sich zu trennen und irgendwo neu anzufangen, wo sie kein Gebirge im Weg stehen haben.



Vielen Dank für deine Antwort.
Grundsätzlich ist das natürlich richtig was du schreibst.
Von einem Gebirge an Problemen waren wir, denke ich zumindest weit entfernt. Für sie war es ein Problem das ich viel arbeite, wäre für mich kein Problem dies zu ändern.
Oder ihr war es zu unordentlich, wobei sie selbst auch nicht die Ordentlichste war. Problemlösung : Putzfrau einstellen und erledigt.
Das wäre nach meiner Sicht zweimal ein fünf Minuten Gespräch gewesen und fertig.
Ich möchte nur verstehen warum man nichts ansprechen kann.
Klar ist das der einfachste Weg nichts zu sagen und es in sich rein zu fressen, aber das kann ja auf Dauer nicht funktionieren

27.12.2019 14:25 • #3


Tia


Hi Ihr 2,
aber dieses Verhalten behält man bei, also wird es diese aufgetürmten Gebirge in die nächste Beziehung nehmen.
Das wäre dann nicht mehr unser Problem - mir macht aber Angst, dass jeder neue Partner genau dieses Problem dann auch haben könnte. Wie soll man wissen, ob jemand ehrlich redet oder nicht.
Last but not least: wenn ich es mache, stoße ich den anderen am Ende noch vor den Kopf?
Es ist zum Mäusemelken...
Eure Tia

27.12.2019 14:26 • #4


Irrlicht

Irrlicht


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Naja ich glaube das ist auch ein großer Teil Bequemlichkeit.
Am Anfang der Beziehung ist noch alles gut. Probleme werden anfangs gar nicht als solche wahrgenommen, gleichwohl setzen sie sich aber fest und wachsen eher unbemerkt. Man gewöhnt sich ein Stück weit an sie.
Im Alltag arrangiert man sich dann irgendwie und die Probleme werden unbewusst umschifft.

Das geht so lange gut bis es dann wirklich große Probleme sind die sich auch auf das Miteinander auswirken. Aber selbst damit ist es oft leichter sich zu arrangieren als sich damit konfrontativ auseinander zu setzen.

Viele Beziehungen funktionieren lebenslang so.
Bei manchen platzt dann aber irgendwann die Bombe. Und dann scheint nichts mehr zu retten weil man nicht bemerkt hat wie aus kleinen Problemen riesengroße wurden.

27.12.2019 14:36 • x 4 #5


LostGirl1


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Zitat von Tim84:
Ich möchte nur verstehen warum man nichts ansprechen kann.

Ich glaub, die Gründe sind da echt sehr unterschiedlich.
Ich mutmaße mal verschiedene Möglichkeiten:
- Angst vor Ablehnung: wenig Selbstbewußtsein, nicht den Mut, für eigene Bedürfnisse einzustehen.
- Konfliktscheu: Harmoniesüchtig. Lieber zu allem Ja und Amen sagen, als zu widersprechen. Kann auch an der Erziehung liegen: sei ein liebes Mädchen und mach einfach dies-und-das
- das Gefühl, dem anderen ist es egal bzw der andere lehnt meine Meinung ab: erstmal nur der Vollständigkeit halber aufgeführt.
- oder, ein klassisches Beispiel an gescheiterter Kommunikation: oftmals sagen Frauen etwas, aber so, dass der Partner es missversteht. Sagt sie: "Der Müll müsste mal wieder runter gebracht werden" heißt das eigentlich "Bring bitte den Müll runter. Jetzt." Kommt nur nicht so an.
- in manchen Familien wird auch fast gar nicht über Gefühle und Bedürfnisse gesprochen - das müssen die Betroffenen dann tatsächlich erst lernen.

Kann gern ergänzt werden.


Zitat von Tim84:
Für sie war es ein Problem das ich viel arbeite, wäre für mich kein Problem dies zu ändern.

Was heißt: zu viel?
Hat sie etwas in der Hinsicht geäußert, dass sie gern mehr Zeit mit Dir verbringen möchte?


Zitat von Tim84:
Oder ihr war es zu unordentlich, wobei sie selbst auch nicht die Ordentlichste war. Problemlösung : Putzfrau einstellen und erledigt.

Ach, das kenn ich von zu Hause auch. Putzfrau wäre für mich aber keine Lösung, ich mag es nicht, wenn Fremde in meinen Sachen herumhantieren. Heißt: Wenn ich mit dem Thema zu meinem Freund gehen würde, und er mich "pragmatisch" und kurz mit einer Putzfrau 'abbügeln' würde, dann würde ich mich nicht ernst genommen fühlen.
Könnte es auch ein Stück in die Richtung gehen?
Wenn Frauen über Probleme reden möchen sie meist hauptsächlich sich mitteilen, und nicht nach 2 Minuten eine Lösung präsentiert bekommen, die alle ihre Sorgen lösen soll. Männer ticken da anders, ich weiß. Allerdings kommen viele Probleme durch die unterschiedliche Kommunikation zu Stande.

27.12.2019 14:40 • #6


SlevinS

SlevinS


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Zitat von Tim83:
Wenn man sich in einer langen Beziehung befindet sollte man doch wirklich in der Lage sein sich zu besprechen?


Wenn du das ganze Leben vorher gelernt hast die Probleme zu verdrängen und einfach weiter zu gehen, dann wirst du dieses Verhalten nicht so einfach ändern können. Meine Partnerin arbeitet daran seid es bei uns den Knall gab, dieser ist nun auch 2 Jahre her und man merkt eine Veränderung aber es dauert wirklich sehr lange und die Person muss es auch wirklich wollen.

27.12.2019 14:44 • x 2 #7


Tim84


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Zitat von Tim84:
Für sie war es ein Problem das ich viel arbeite, wäre für mich kein Problem dies zu ändern.

Was heißt: zu viel?
Hat sie etwas in der Hinsicht geäußert, dass sie gern mehr Zeit mit Dir verbringen möchte?

Bei mir ist es so das ich von mai bis August viel zu tun habe, sprich um die 100 Std in manchen Wochen, aber auch nicht alle. Dafür hab ich von September bis Anfang Mai fast frei bzw arbeite wenig.
Wir haben halt in der Zeit viel Urlaub gehabt, um die acht Wochen wo wir auch immer weg waren.
Ich hatte das schon für nächstes Jahr geändert, dass ich jedes zweite Wochenende im Sommer frei habe, aber soweit kam es dann nicht mehr.
Klar wollte sie mehr Zeit mit mir haben, es ist aber nicht so das wir im Sommer nichts zusammen unternommen haben.

Zur Putzfrau, kann ich dich verstehen. Meine Ex hätte da aber kein Problem mit gehabt. Sie war da manchmal schon recht faul.
Witzigerweise habe ich mir vor einem Monat alte Bilder angeschaut als ich noch nicht zu ihr gezogen bin. Einige Sachen waren damals schon in ihrer Wohnung unordentlich waren und waren auch noch bei meinem Auszug( haben drei Jahre lang zusammen gewohnt) noch genauso.
Aber das ist wohl eher ein anderes Thema.
Ja wahrscheinlich hab ich auch das ein oder andere nicht richtig gedeutet, dass wird wohl so sein. Aber ist das nicht bei allen Menschen so?
Wenn wir jetzt mal von wichtigen Themen ausgehen, Zukunft, Kinder, Familien gründen etc. waren wir auf dem gleichen Nenner und hatten unseren Plan fertig.
So Sachen wie der Müll sollte doch eigentlich schnell zu klären sein?

27.12.2019 15:34 • #8


Tim84


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Zitat von SlevinS:

Wenn du das ganze Leben vorher gelernt hast die Probleme zu verdrängen und einfach weiter zu gehen, dann wirst du dieses Verhalten nicht so einfach ändern können. Meine Partnerin arbeitet daran seid es bei uns den Knall gab, dieser ist nun auch 2 Jahre her und man merkt eine Veränderung aber es dauert wirklich sehr lange und die Person muss es auch wirklich wollen.


Da hast du mit Sicherheit auch Recht mit.
Wahrscheinlich sollte man das ganze mal einen Psychologen fragen.
Ich denk auch, dass viel aus der Kindheit mit verankert ist.
Sie war halt in ihren Entscheidungen immer so. Sie hat wirklich viel angefangen, hobbies z. B aber nichts so lange bis sie es konnte und es ihr Spaß gemacht hat.
Irgendwie schade, aber geändert bekommt man die Person wahrscheinlich nie. Ich hoffe ihr bekommt das Problem von Tag zu Tag besser in den Griff

27.12.2019 15:39 • #9


LostGirl1


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Zitat von Tim84:
So Sachen wie der Müll sollte doch eigentlich schnell zu klären sein?

hm, kann ich hier Links hinterlassen? Das Thema Müll raustragen - oder dreckige Tassen im Abwasch stehen lassen - ist ein 'Klassiker'.
https://mustbethistalltoride.com/2016/0...-the-sink/

Zitat von Tim84:
sprich um die 100 Std in manchen Wochen

jeweils 14 Stunden an 7 Tagen hintereinander?

27.12.2019 16:21 • #10


SabineWien


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Ich glaube ich kenne noch einen Denkansatz warum manche Menschen nicht reden.

Weil sie denken: "wenn es nicht passt dann ist er/sie es einfach nicht. Ich möchte mich nicht erklären, ich möchte nicht reden, dann passt es einfach nicht und ich muss weiter suchen..."

So traurig das klingt aber so denken einige hab ich das Gefühl. Was nicht 100%passt wird weg geworfen, denn reden und aufeinander eingehen ist ja mühsam.

Und viele wollen einfach einen anderen Partner! Die gehen lieber zum Nächsten/zur Nächsten weiter anstatt ihre Energie in Beziehungsarbeit zu stecken.

Plumpe, dumme Menschen halt....aber gibt es zur Genüge.

27.12.2019 16:28 • x 1 #11


isaSchreibt

isaSchreibt


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Manchmal ist es einfacher etwas hinzuwerfen und es zu vergessen, als es aufzuarbeiten und zu bereden.
Viele können nicht über ihre Gefühle sprechen, oder ihre Wünsche und Gedanken äußern. Wahrscheinlich nie gelernt.

Sie distanzieren sich lieber und denken die Lösung fällt vom Himmel.

27.12.2019 16:29 • x 2 #12


Tim84


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Zitat von LostGirl1:
hm, kann ich hier Links hinterlassen? Das Thema Müll raustragen - oder dreckige Tassen im Abwasch stehen lassen - ist ein 'Klassiker'.
https://mustbethistalltoride.com/2016/0...-the-sink/


jeweils 14 Stunden an 7 Tagen hintereinander?


Ja das ist wahrscheinlich echt der Klassiker mit dem Müll.

Ja mit den Stunden kommt schon hin, ist aber wie gesagt nicht jede Woche.

27.12.2019 17:46 • #13


Tim84


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Zitat von isaSchreibt:
Manchmal ist es einfacher etwas hinzuwerfen und es zu vergessen, als es aufzuarbeiten und zu bereden.
Viele können nicht über ihre Gefühle sprechen, oder ihre Wünsche und Gedanken äußern. Wahrscheinlich nie gelernt.

Sie distanzieren sich lieber und denken die Lösung fällt vom Himmel.


Das trifft es wahrscheinlich sehr gut.
Schade für die Menschen, weil so wird sich nie etwas aufbauen.
Der oder die perfekte Person gibt es einfach nicht.

27.12.2019 17:48 • x 1 #14


Tim84


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Zitat von SabineWien:
Ich glaube ich kenne noch einen Denkansatz warum manche Menschen nicht reden.

Weil sie denken: "wenn es nicht passt dann ist er/sie es einfach nicht. Ich möchte mich nicht erklären, ich möchte nicht reden, dann passt es einfach nicht und ich muss weiter suchen..."

So traurig das klingt aber so denken einige hab ich das Gefühl. Was nicht 100%passt wird weg geworfen, denn reden und aufeinander eingehen ist ja mühsam.

Und viele wollen einfach einen anderen Partner! Die gehen lieber zum Nächsten/zur Nächsten weiter anstatt ihre Energie in Beziehungsarbeit zu stecken.

Plumpe, dumme Menschen halt....aber gibt es zur Genüge.


Jan da kann man dann wohl nur den Menschen viel Glück auf dieser Suche wünschen. Weil 100 Prozent auf lange Zeit wird wohl eher ein Traum bleiben.
Plump und dumm trifft es da schon sehr gut.

27.12.2019 17:50 • x 1 #15




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