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Zusammenziehen in einer Beziehung

Regenschirm87

Hallo,

ich bin 31 Jahre alt und mich würde interessieren was ihr über eine gemeinsame Wohnung in einer Beziehung denkt.
Irgendwann früher oder später kommt ja immer ein Punkt, wo man sich Gedanken macht wie die Beziehung weiter geht und ob man sich dadurch weiter entwickelt, in dem man sie auf ein neues Level hebt, was sich dann eben durch gemeinsames Wohnen ausdrückt.
Natürlich weiß vorher niemand ob es klappen oder scheitern wird.
Dennoch würden mich Erfahrungen von Leuten interessieren, die beide Seite kennen: Also erfolgreicher vs. gescheiterter Zusammenzug.
Ich möchte auch verschiedene Fragen stellen:

Was hat sich durch den gemeinsamen Umzug verändert: Positiv und Negativ

Falls eure Beziehung durch den Zusammenzug gescheitert ist, würdet ihr in einer neuen Beziehung wieder diesen Schritt gehen? Und wenn ja, was würdet ihr anders machen?

Falls ihr nach dieser Erfahrung nie wieder mit jemandem zusammen wohnen wollt, warum genau nicht?

Und dann: Was genau sollte man vorher wirklich abchecken, bevor man diesen Schritt geht (ich weiß absolute Sicherheit gibt es nicht, aber trotzdem).

15.03.2019 20:43 • x 1 #1


Butterkrümel

Butterkrümel

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Zitat von Regenschirm87:
Falls eure Beziehung durch den Zusammenzug gescheitert ist, würdet ihr in einer neuen Beziehung wieder diesen Schritt gehen? Und wenn ja, was würdet ihr anders machen?


Ich denke, dass du die unterschiedlichen Erfahrungen nicht einfach übertragen kannst, denn ob es klappt oder nicht hängt von so vielen individuellen Faktoren (Wohnsituation, Gewohnheiten, Umgang miteinander, Nähe und Distanz, Lebensumstände, Prioritäten im Alltag, finanzieller Rahmen) ab, dass du da keine Rückschlüsse auf deine Entscheidung ziehen kannst.

Ich denke, entscheidend ist, was hast du/habt ihr für Ziele und ist ein Zusammenzug dafür gewollt/erforderlich. Also möchtet ihr z.B. Kinder, stelle ich mir das in zwei getrennten Wohnungen eher schwieriger vor. Möchtet ihr mehr Zeit miteinander verbringen, es geht sber viel Zeit wegen hin- und herfahren verloren, ist eine gemeinsame Wohnung vielleicht eine Lösung.

Was ich nicht machen würde, wäre zusammenzuziehen, weil es jetzt von außen so erwartet wird. Man denke an die Sprüche so mancher Tanten und Onkel: wann wird geheiratet, wann kommen die Kinder? Ihr seid doch jetzt schon x Jahre zusammen, solltet ihr nicht langsam Mal ...

Ich denke, der Wunsch zusammenzuziehen, muss aus euch selbst heraus entstehen. Aber das ist nur meine Meinung. Zumindest war das bei mir immer so. Irgendwann kam der Punkt, da wollte ich auch meinen Alltag teilen und nicht nur Besucher und Gast sein.

Wenn du unsicher bist, ob es mit euch passt, dann zieh doch mal probeweise für zwei Monate zu ihm. Wenn es nicht klappt, hast du deine Wohnung und kannst wieder zurück und es zerstört nicht gleich eure Beziehung.

15.03.2019 21:18 • x 2 #2


KrümelundLeo

KrümelundLeo

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Ich bin 2012 ganz derbe auf die Nase gefallen weil ich zu schnell bei jemanden einzog, den ich kaum kannte.
Die Brille war zu rosa und ich zu naiv. Wollte nur ihm entgegen kommen damit er weniger Fahrtzeit und Spritkosten hatte.

Was ich jetzt anders mache, ich schaue mir die Beziehung länger und genauer an. So bin ich z.B. jetzt fast ein Jahr mit einem Mann zusammen und ziehe dennoch erstmal wieder in eine eigene Wohnung näher an ihn ran. Das mache ich jetzt für mich anders, ich würde nie wieder in "sein" Haus ziehen wollen aus dem er mich jederzeit wieder werfen kann weil es ja seins ist.

Sich etwas Neues, gemeinsames suchen, ja das kann ich mir vorstellen.

Nachdem o.g. Beziehung Ende 2015 aus war, hatte ich mir eigentlich geschworen nie wieder mit einem Mann zusammen zu ziehen. "Frauen wissen ab einem gewissen Alter das sie Männer nur noch ambulant und nie mehr stationär aufnehmen"
Hier wollte ich nie wieder mit jemanden zusammen ziehen weil ich in eine Abhängigkeit und fiese Manipulation geriet, am Ende wurde sogar der Preis von einzelnen Küchenrollen ausgerechnet. Ich glaube, diese Erfahrung hat mich für mein Leben gezeichnet.

Aber mir auch die Augen geöffnet worauf ich bei neuen Bekanntschaften achten sollte, gibt es ein "wir" oder nur ein "Du" und "ich" wie geizig ist der Mann, wie sein Umgang mit Geld und wie sein Umgang damit das ich deutlich weniger habe als er.

Zum Abchecken eignen sich gemeinsame Urlaube, in denen man 24 non stop zusammen ist, oder auch ProbeWohnen in der einen oder anderen Wohnung über einen längeren Zeitraum wenn das möglich ist.
Mein ExEhemann z.b. hatte aus anderen Gründen bis zur Hochzeit noch eine eigene Wohnung um die Ecke, die er aber nie benutzte ausser den Briefkasten zu leeren. So wussten wir wie der andere sich im Alltag verhält. Nach einem stressigen Arbeitstag, in Krankheit , genervt etc pp. Dafür eignet sich Urlaub nicht so wirklich da es dort ja keine Probleme zu lösen gibt.

Eine Teil Sicherheit erhälst Du Dir, wenn Du z.b. mit im Mietvertrag stehst, Dein eigenes Geld und Dein eigenes Konto behälst
und ihn auf eventuelle Süchte abklopfst, sei es das er z.B. nur am Zocken ist und Dich gar nicht beachtet.

15.03.2019 21:25 • x 1 #3


Kicki

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Hi. In Beziehungen schleicht sich eigentlich immer der Alltag ein und man verliert irgendwie immer mehr das Interesse an einander. Das kann man natürlich versuchen mit tollen Sachen, Urlauben oder Unternehmungen aufrecht zu erhalten aber das ist schwer. Jeder Mensch hat Fehler und die bemerkt man natürlich eher je mehr Zeit man zusammen verbringt.

Wenn ich mich trennen würde und mir quasi ein eigenes Leben aufgebaut hätte denke ich ich würde nicht mehr mit jemandem zusammen ziehen. Aber das sage ich heute wohne ja auch nicht alleine, wenn man mal alleine gewohnt hat sieht man das vielleicht schon wieder anders, so ist der Mensch halt will das was er nicht hat.

15.03.2019 21:27 • #4


KrümelundLeo

KrümelundLeo

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Generell empfinde ich die Beziehung die ich derzeit leben viel intensiver vielleicht gerade darum weil wir nicht zusammen wohnen.
Wir sehn uns alle 2 Tage, jedesmal gibt es sooooooooooooo viel zu erzählen (obwohl wir täglich Whatsapp schreiben), jedesmal vergeht die gemeinsame Zeit rasend schnell. Wenn wir zusammen sind konzentrieren wir uns nur auf uns, oder auf das was aktuell auf der do-to-liste steht. Hier wird mir sehr deutlich wie schnell man doch im Zusammen wohnen nebeneinander herlebt, wie schnell da Gewohnheit rein kommt, wie wenig man den anderen das Wiedersehen am Ende noch zu schätzen weiß. So wie es im Moment in meiner aktuellen Beziehung ist bin ich glücklich, jeder hat seine Freiräume und kann den freien Tag für sich gestalten in der Vorfreude das man sich morgen schon wieder sieht. So bleibt immer eine Sehnsucht auf den Anderen, ein Vermissen da.

Klar verfluche ich es manchmal das wir so wenig Zeit miteinander haben, am Wochenende das ich mir a) mit den Kindern und b) noch mit der Arbeit teilen muss wenn Rufdienste anstehen. Manchmal bin ich darüber traurig, aber sehr schnell sehe ich wieder die Vorteile in dem wie es jetzt läuft.

15.03.2019 21:36 • x 1 #5


Suki

Suki

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- Alltag
- Mangelnde Bemühngen
- nicht Abgrenzen können
- generell das auf einander sitzen... muss auch gelernt sein, jeder braucht dennoch ein eigenes Leben : )

15.03.2019 21:38 • #6


mafa

mafa

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Kommt wahrscheinlich immer auf beide Personen an, auf ihre Reife und Lebenserfahrung. Ich mit meinen über 40 würde nicht mehr mit jemand zusammenziehen wollen. Getrennte Wohnungen haben viele Vorteile.Aber ich bin auch jemand der viel Zeit für sich selber braucht. Wie oben geschrieben, man kann es wahrscheinlich nicht auf jeden übertragen, mit 20 hatte ich wahrscheinlich diese Vorstellung auch noch nicht. Aber im Laufe des Lebens und einer gescheiterten Ehe bin ich für mich in dieser Hinsicht um einiges schlauer, und denke das zusammenziehen auf nicht gerade großen Raum hat die Beziehung schnell in eine extreme Routine und Alltäglichkeit gerissen

15.03.2019 21:52 • x 1 #7


Dattel

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Du wirst Deine eigene Erfahrung machen müssen, denn es gibt kein Patentrezept.
Ich war damals in Deinem Alter und wir haben es gewagt, es war eine ganz gute Zeit.
Man gibt viel auf und man gewinnt (bestenfalls) viel.

Konkret zu Deinen Fragen:
Positiv ist meist der finanzielle Aspekt, es wird preiswerter.
Ebenfalls positiv ist (sofern der Partner gescheit domestiziert ist) die geteilte Arbeit.
Positiv wie negativ kann man die Nähe betrachten, denn der gegenseitige Einblick in den Ablauf des Alltags weicht irgendwann einer Art Verschmelzung, das nennt man dann "zusamnenraufen".
Dabei verliert man selbstverständlich einen großen Teil der Selbstbestimmung, zumindest muss man Fragen verstehen und auch beantworten ("Warum tust Du das?, Wo kommst Du her? Wo gehst Du hin? Wann bist Du wieder da?")
Man führt halt Gespräche, die man zuvor nie führen musste ("ist das echt nötig? Ich hab' für uns den Termin übrigens zugesagt, das ist Dir doch recht?, Das sieht übrigens komisch aus.... Wenn Du meinst, dann mach' das halt....")
Der tägliche Dialog wird halt unumgänglich, das muss man wissen.
Natürlich auch Dialoge mit benefit: "ich hab' das schon längst erledigt", etc.

Meine Beziehung scheiterte nicht am geteilten Wohnraum.
Das hatte ganz andere Gründe.
Ich würde es trotzdem niemals wieder tun, weil das klassische Bindeglied Reproduktion einfach kein Thema für mich war.
Babies sind halt DER Kleber schlechthin, da schluckt man wohl reichlich Kröten.
Keine Babies- also keine Bereitschaft zu merkwürdigen Kompromissen, zumindest war das mein Credo.
Ein autonomes Leben muss man wirklich WOLLEN, zusammen zu wohnen ist etwas sehr schönes (mit einem geliebten, liebevollen und tatkräftigen Partner, sonst wird es ein Alptraum), aber es ist eine Form des Lebens, die die Freiheit gewaltig beschneidet.

Wenn man Kinder will, muss man aber ganz anders an solche Überlegungen herantreten.
Dann tritt das Leben selbst hart an einen heran.....

15.03.2019 23:03 • #8


Sahnekirsche

So kristallisiert sich was zusammengehört und was nicht. Mein Freund und ich leben schon paar Jahre zusammen. Ja war sicher spannender als wir getrennt wohnten, aber wir schätzen das was wir haben und sind dabei Familie zu werden. Wenn du mal selber Familie haben willst, werdet ihr da auf Dauer nicht flüchten können.

15.03.2019 23:24 • #9


LonelyXmas

LonelyXmas

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Zitat von Regenschirm87:
Was hat sich durch den gemeinsamen Umzug verändert: Positiv und Negativ

Positiv: mehr Nähe. mehr Verfügbarkeit.
Negativ: mehr Nähe. weniger Anziehung.

Zitat von Regenschirm87:
würdet ihr in einer neuen Beziehung wieder diesen Schritt gehen?

Wenn ich aufgrund meiner Liebe zu meiner Partnerin ihrem Bedürfnis nach mehr Nähe entsprechen will, ja.

Zitat von Regenschirm87:
wenn ja, was würdet ihr anders machen?

Gemeinsame Zeiten vereinbaren, mich sonst aber auch klar abgrenzen.

Zitat von Regenschirm87:
warum genau nicht?

siehe Antwort zu Frage 1

Zitat von Regenschirm87:
Was genau sollte man vorher wirklich abchecken

Schwer zu beantworten für Dich.
Du wirst erst durch Deine Erfahrungen erfahren, wer Du wirklich bist.

15.03.2019 23:48 • #10


Gorch_Fock

Gorch_Fock

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Da ich mittlerweile auch schon so eines umzugstechnisch durch habe: Man kann eigentlich alles schaffen. Mut braucht man halt immer etwas. Ich bin 2012 auch mit meiner Ex in ein Haus gezogen (zur Miete). War ne aufregende Zeit, man baut sich alles gemeinsam auf, renoviert, richtet ein. Eine schöne Zeit.
2016 war der ganze Spaß dann doch in einer absoluten Bruchladung geendet. Da sie umgehend ausgezogen ist, stand sehr schnell die Abwicklung des Hauses, das Suchen einer neuen Wohnung und die Organisation des Umzuges (natürlich ohne jegliche Hilfsbereitschaft des Ex-Partners) an. Auch das sind sehr harte Erfahrungen, aber man lernt wichtiges. Das man auch in solchen Situationen über sich hinaus wachsen kann und mit vereinten Kräften (Danke auch an Ebay-Kleinanzeigen) sehr viel wuppen, verkaufen und organisieren kann. Wenn man dann noch einen guten Umzugsunternehmer an der Hand hat, geht da sehr viel.
Schattenseite von solchen gescheiterten Zusammenzügen sind natürlich die materiellen Schadensfälle. Da solche Geschichten fast immer unter Zeitdruck geschehen müssen, muss doch eine Menge Geld in die Hand genommen werden. Neue Mietkaution, überlappende Mietzeiten, Aufteilung Hausrat, Neukauf von Küche, Renovierung alte und neue Wohnung. Umzugskosten. Hier laufen sehr schnell Kosten von 10K plus auf. Und das bei jedem Part der Trennung.
Auch das sollte man bei einem glücklichen Einzug nicht ganz außer Acht lassen. Entsprechende Rücklagen sollten stets vorhanden sein, wenn man einen Zusammenzug plant. Von Dingen wie gemeinsamer Hauskauf würde ich abraten wenn man sich nicht kennt. Dann soll lieber einer das Haus kaufen und der andere zahlt eine Miete. Alles andere ist oft finanzieller Selbstmord.
Trotz oder Dank der Erfahrungen lebe ich heute aber auch wieder in einem gemeinsamen Haushalt. Denn auch zu der Erkenntnis kann man in der Singelzeit kommen: Gemeinsam macht es mehr Spaß. Trotz Risiko.

16.03.2019 00:40 • x 1 #11


Zeitreisender

Zeitreisender

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Zitat von Regenschirm87:
Und dann: Was genau sollte man vorher wirklich abchecken, bevor man diesen Schritt geht (ich weiß absolute Sicherheit gibt es nicht, aber trotzdem).

In der Tat, absolute Sicherheit gibt es nicht, die Ausgangsituation, die Beziehung, die Menschen sind individuell.
Generell würde ich empfehlen den Partner lange genug( mindestens 1-2 Jahre) abzuchecken und dann zu entscheiden, ob und wann ein Zusammenzug Sinn macht.

Aber da fängt die Schwierigkeit schon an, wie verhält sich der Partner vor dem Zusammenziehen, zeigt er wirklich sein wahres Ich?
Gerade nach dem zusammen wohnen zeigt sich dann erst wie kompatibel man und der Partner wirklich sind.
Dazu gibt es jede Menge positive wie negative Beispiele.

Entscheidend ist auch, wie sich die Möglichkeiten ergeben, zusammen zu ziehen.
Oftmals ist es schwierig wenn ein Partner seine Wohnung aufgibt und in die bereits bestehende Wohnung oder Haus des Partners, aus finanziellen, organisatorischen, Wohnungsituation bedingten Gründen einzieht.
Hier kann es schnell zu einem Machtgefälle kommen, da der eingezogene Partner das Gefühl entwickeln kann fremd zu sein.
Das erfordert jede Menge Kompromissbereitschaft und Fähigkeit zur Kommunikation von beiden Seiten.
Generell wird empfohlen, gemeinsam eine neue Wohnung oder Haus zu beziehen, damit jeder die Möglichkeit besitzt das Heim mit zugestalten.

Wie bereits erwähnt ist jeder Fall individuell, mit meiner Ex Frau bin ich relativ schnell
( nach 8 Monaten) zusammen gezogen und insgesamt hielt die Ehe 11 Jahre.
Mit meiner Ex Freundin bin ich nach 7 Monaten zusammen gezogen und das Ganze scheiterte nach 3,5 Jahren.
Ob das die Gründe für das Scheitern der Beziehungen , war lasse ich mal dahingestellt, aber in Zukunft würde ich mir etwas mehr Zeit lassen , bevor ich mit jemanden zusammen ziehe.

Versuchen würde ich es wieder.

16.03.2019 07:16 • #12




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