Hi ihr Lieben,
ich habe mich irgendwie in den letzten Wochen in eine komplizierte Situation gebracht und möchte dies einmal hier aufschreiben.
Zur Vorgeschichte: Vor 3 Jahren hatte ich hier einen längeren Thread und sehr viel Hilfe und Zuspruch erhalten, für den ich sehr dankbar bin. Aufgrund meiner Vorerfahrung in Sachen Beziehung (20 Jahre Beziehung/Ehe, eine Kurzzeitfreundin, jetzt 2 Jahre Beziehung) fehlt mir hier zum Teil die nötige Klarheit im Umgang mit Beziehungsthemen und hoffe aus etwas Klarheit durch einen gemeinsamen Austausch.
Ich bin 41, seit 3 Jahren getrennt, habe 2 Mädels im Wechselmodell (6 9). Die erste Zeit nach der Trennung war hart, ich wurde mehrfach betrogen, war in Therapie, lernte mich neu kennen und habe mich wieder neu aufgestellt. Ich bin trotz Allem ein Grund auf optimistischer Mensch, sehe das Gute in der Welt, halte viel von Moral und Wertevorstellungen und gestehe den Menschen einen positiven Umgang und positive Absichten zu. Manchmal bin ich dabei etwas naiv und romantisch verklärt unterwegs. Ich kann in emotionalen Situationen - oder Streits - dann wiederum sehr sachlich sein und Dinge wie ansprechen wie ich sie sehe – zum Teil sehr direkt und stoße damit Leute vor den Kopf. Kennt ihr Sheldon Cooper? Ich hoffe dann einfach, der Gegenüber erkennt im Zweifel ebenfalls die positive Absicht.
Seit 2 Jahren habe ich eine neue Partnerschaft mit Höhen und Tiefen. Sie hat keine Kinder und wir wohnen nicht zusammen. Sie kennt meine positive Grundhaltung, meine Art, meine Art der Sachlichkeit (hinter der sich natürlich Emotionen verbergen, über die ich später auch sehr gut sprechen kann) und ich denke das war auch der Grund weshalb sie sich in mich verliebt hat. Wir können gut über Gefühle reden und kennen unsere Macken und Trigger.
Kürzlich haben wir erfahren, dass wir schwanger sind - aktuell 24. Woche. Ich wollte eigentlich keine Kinder mehr, was für sie okay war und wir haben natürlich aufgepasst. aber wie das so ist gab es da in der Hitze des Gefechts wohl eine kleine Unachtsamkeit Es war ungeplant.
Ich hatte insgeheim gehofft, dass sie das Kind nicht behalten möchte, was ich ihr jedoch nicht gesagt habe. Sie hat sich jedoch - ohne mit mir darüber so richtig zu sprechen - dafür entschieden, zur Not auch ohne meine Unterstützung. Sie ist 34 und meint es ist wahrscheinlich ihre einzige Chance auf ein eigenes Kind und ich sei der erste Partner in ihrem Leben mit dem sie sich das vorstellen kann. Ich wollte ihr nicht vor den Kopf stoßen oder sie hängen lassen und habe zugestimmt das Projekt 3. Kind mit ihr gemeinsam zu gehen. Das klappte so bis Oktober auch ganz gut.
Im November haben wir überlegt noch vor der Geburt zusammen zu ziehen. Es war mein Vorschlag und sie hat zugestimmt und möchte es auch, obwohl sie nach eigener Aussage viel von ihrem jetzigen Lebensstandard (Großstadt, Freunde, Familie) aufgibt und zu mir in die Kleinstadt, wo sie niemanden außer mir hat, ziehen muss. Ich bin aufgrund der Kinder ortsgebunden und das war vom ersten Tag an klar. Es sind ca. 30 min Autofahrt zwischen unseren Orten, 20min mit dem Zug. Sie wollte am Anfang, dass wir zusammen „in die Mitte ziehen“, was aber durch meine Kinder nicht klappt. Meine Wohnung ist groß genug für alle (5 Zimmer) und wir haben einen guten Plan für die Zimmeraufteilung. In 3 Wochen soll der Einzug sein. Was mir Sorgen bereitet ist, dass wir im Vorfeld „nur“ im Wochenmodell – meistens ohne die Kinder - zusammengelebt haben. Wir sind zu Zweit ein gutes Paar. Sobald die Kinder dabei sind, fühlt sie sich aber nach eigener Aussage als „5ted Rad am Wagen“ und sie fühlt sich nicht in ihren Wünschen berücksichtigt. Präsent war das in einem mehrtätigen Urlaub, als sie plötzlich anfing andere Regeln für die Kinder aufzustellen, da sie findet, dass ich nicht konsequent genug bin und es bei den Aufforderungen zum Aufräumen/Hände waschen/Haare kämmen nicht so genau nehme. Das finden die Kinder natürlich doof, vor Allem wenn sie das auch hier zuhause versucht umzusetzen. Wir haben in den Wochen mit Kindern ab und zu mal gemeinsame Tage und selten Wochenenden verbracht, so richtig Routine haben wir keine. Ich hatte ihr da eine Grenze gesetzt und gesagt, dass das meine Aufgabe als Elternteil ist. Sie hat das als Zurückweisung und Kränkung empfunden und gemeint, dass wir mit dem gemeinsamen Baby auch gemeinsame Regeln brauchen und dass sie, wenn sie hier wohnt, ein paar Standards einführen möchte, die ihr wichtig sind. Ohne die Schwangerschaft wäre das Zusammenziehen auch kein Thema.
In den letzten Wochen sehen wir uns in meiner Umgangswoche mit den Kindern grade sehr selten. Wir haben wenig Kontakt, und wenn dann kommt er von mir. Ich schreibe ihr was ich so mache, was ich plane und wie mein Tag war. Ich frage sie jeden Tag wie es ihr geht, was sie so macht, ob sie Unterstützung braucht, ich rufe sie an und sage ihr, dass ich sie liebe. Sie reagiert oberflächlich ist relativ uninteressiert an dem was ich so mache und erzählt wenig bis gar nichts aus ihrem Alltag oder Plänen. Sie schickt Küsschen und Herzchen, aber ohne Inhalte.
Sie selbst macht kaum Vorschläge für gemeinsame Aktivitäten und kommt dann eher mal auf mein Fragen oder Planen zu mir. Kein „hey, was machst du grade, ich hab Lust dich besuchen zu kommen“ oder so. Zuletzt haben wir uns sogar in den kinderfreien Wochen zum Teil nicht gesehen, weil sie einem Gespräch über „wer kommt zu wem und was machen wir zusammen“ aus dem Weg gegangen ist und selbst es nicht zu Sprache gebracht hat. So kam es, dass jeder für sich zuhause saß und sein Zeug erledigt hat. Das hat vor einiger Zeit schonmal besser funktioniert. Vielleicht ist auch die rosarote Brille weg und der neue Alltag und das echte Leben außerhalb unserer Blase macht ihr Angst? Ich muss dazu sagen, Dass ich auch nach 2 Jahren ihren Freundeskreis nicht kenne und sie bisher keine Lust hatte meinen kennenzulernen. Ich glaube sie hat Angst nicht akzeptiert zu werden, oder sie hat einfach kein Interesse an neuen Menschen.
Es wirkt auf mich als sei sie mit ihrem Alltag – Schwanger, anstehender Umzug, Zetteleien usw. grade überfordert und zieht sich zurück. Sie macht einen unzufriedenen Eindruck und wir haben Streit zu Alltagssituationen, auf die ich gleich eingehe. Und ich frage mich ernsthaft welchen Anteil mein eigenes Verhalten daran hat und was ich tun kann, da sie regelmäßig mir die Schuld für diese Unstimmigkeiten gibt.
Nun sind in den letzten Wochen einige Dinge passiert die mir Sorgen machen. Ich habe das Gefühl sie distanziert sich von mir. Sie ist in meiner Wahrnehmung mehr auf sich fixiert als sonst und zieht sich zurück.
Beispiel 1:
Wir saßen mit den Kindern Abendbrottisch und haben zusammen überlegt wie ein Zusammenleben funktionieren kann und was sich jeder wünscht. Die Kinder fragten, ob wir dann – wenn sie hier wohnt – auch noch Zeit zu Dritt haben, was ich aus dem Affekt bejahte. Sie war da recht ruhig. Im Nachgang hatten wir (ohne die Kinder) einen langen Streit darüber, dass ich sie nicht ausquartieren kann wie es mir gefällt, sie sich, wenn sie hier wohnt, nicht verstecken kann und das Baby ja auch Priorität haben muss. Sie war sehr sauer, der Streit ging mehrere Tage. Sie hat daraufhin unsere Paarbeziehung angezweifelt („wir sind kein Team“) und das Zusammenleben in Frage gestellt („das baby und ich kommen auch gut alleine zurecht“). Ich möchte trotz der neuen Situation den Kindern so wenig– oder so schonend - wie möglich und Stück für Stück Veränderung in ihren Alltag bringen und sie da gut unterstützen. Sie meint darauf hin, es wird viele Veränderungen geben, das müssen die Kinder lernen und sie will da nicht in Abseits (Abstellgleis waren ihre Worte) gestellt werden und Kompromisse zu Ihren oder Lasten des Babys machen. Sie hat aber leider selbst keine Vorschläge gebracht wie sie es sich konkret vorstellt, was ihr wichtig ist und welche Kompromisse wir als Patchwork finden können. Sie meinte, ich soll einfach mehr Rücksicht nehmen und sie mit einbeziehen. Was ich aus meiner Sicht tue. Wenn ich jedoch mal eine Grenze setze oder eigene Vorstellung haben, ist das für sie „zu wenig Rücksichtnahme“ oder „egoistisch“.
Sie möchte in meine Entscheidungen gegenüber der Kinder einbezogen werden, was aus meiner Sicht selbstverständlich ist. Es gibt aber einfach Dinge, die muss ich als Elternteil auch mal spontan, flexibel und allein entscheiden (Planänderungen, flexible Entscheidungen zum Tagesablauf, Eingehen auf die Bedürfnisse des Kindes) ohne sie vorher zu fragen ob es für sie okay ist. Das geht halt oft einfach nicht. Ich habe sie gebeten, dass sie mir vertrauen muss, dass ich das in diesem Fällen wo ich sie nicht fragen kann im Besten Sinne für unser Familienleben entscheide und dabei gute Absichten – auch für sie – haben werden. Das reicht ihr aber nicht und sie vertraut mir da nicht, weil sie sich dann fremdbestimmt fühlt.
Bin ich da zusehe auf die Kinder fixiert? Zu unsensibel? Habe ich falsche Vorstellungen? Beziehe ich sie zu wenig mit ein? Bitte versetzt euch in ihre Lage und seid ruhig kritisch mit mir! Ich glaube ich hab da einen blinden Fleck.
Beispiel 2:
Wir (Sie, meine Kinder, ich) sitzen bei meinen Eltern am Tisch. Sie hatte zu meinem Geburtstag einen Kuchen gebacken woraufhin ich mich bedankt habe und ihr vor den Augen der Kinder einen (den für sie sichtbar ersten!) Kuss gegeben habe. Meine Große hat sich – wie 9jährige so sind – beschwert, dass sie das eklig findet. Aus dem Affekt habe ich sie gefragt, ob wir das dann lieber für heute Abend lassen sollen und wieso es sie stört. Ich habe versucht das Kind zu verstehen. In meiner Wahrnehmung bin ich auf ihre Gefühle eingegangen und wollte eine Brücke bauen zu „dann müssen wir uns alle dran gewöhnen, aber für heute küssen wir uns nur noch wenn du nicht hinsiehst“. Ich war freundlich und die Situation war danach für mich erledigt.
Meine Partnerin hat sich im Nachhinein über die Situation noch sehr geärgert. Sie hat sich ausgegrenzt, abgewiesen und „aufs Abstellgleis“ gestellt gefühlt. Sie meinte ich stehe nicht zu ihr und sie kann sich im Zweifel nicht auf meine Loyalität verlassen, sondern werde im Zweifel immer die Kinder auf Prio 1. Der Streit ging mehrere Tage und meine Versuche zu entschuldigen, zu erklären, Verbesserungsvorschläge zu machen – jedoch mit Grenzen – hat sie nicht akzeptiert. Ich bin schuld, ich nehme keine Rücksicht auf Ihre Gefühle, ich spiele ihre Gefühle runter, ich verstehe sie nicht, oder will sie nicht verstehen, ich muss was ändern, damit das nicht nochmal vorkommt.
Beispiel 3:
Sie hatte mich gebeten sie für Planungen rund um Weihnachten und Kinder mit einzubeziehen. Ich hatte dann vorgeschlagen an Tag X einen Adventskranz bastelt. Sie hatte die Deko, ich das Grünzeug und für die Kinder einen Nachmittag freigemacht - 3 Tage in der Zukunft. Sie meinte dann später plötzlich, dass sie dafür grade keine Zeit hat und sie es nicht gut findet, wenn ich ihre Zeit einplane ohne das vorher abzusprechen. Wir haben dann alleine gebastelt - woraufhin sie sich beschwert hat, dass wir „ihre“ Basteldeko benutzt haben… Ich habe tief durchgeatmet, mich entschuldigt und die Sache war erledigt.
Kurz darauf hatte ich einen Tag Spaßbad mit den Kindern geplant. Ich hatte sie darüber informiert, dass wir da morgen hinfahren - worauf sie nicht reagiert hat. Kein „hey, das klingt gut, kann ich mitkommen“ oder so, Am Abend nach dem Ausflug hat sie sich beschwert, wieso ich sie nicht mitgenommen habe…
Übersehe ich was? Stellt euch bitte mal an die Stelle der schwangeren Frau und sagt mir was ich falsch gemacht haben könnte.
Beispiel 4:
Wir hatten am Montag Nachmittag einen gemeinsamen Termin bei mir in der Nähe. Wir hatten alle noch frei (die Kinder waren hier) und ich hatte sie gefragt ob Sie schon vormittags für etwas gemeinsame Zeit vorbeikommen möchte. Wir hatten uns 4 Tage nicht gesehen. Sie hat darauf nicht wirklich reagiert und kam dann exakt zum Banktermin. Abends ist sie wieder heimgefahren, obwohl sie hier ein Bett hat und wir am nächsten Tag ebenfalls Feiertag hatten und zum Geburtstag eingeladen waren. Die Begründung war „sie hat grade keine Sachen zum Schlafen dabei und noch viel zu tun“-
Am Folgetag waren wir 14 Uhr zum Geburtstag meines Vaters verabredet. Ich hatte sie wieder gefragt ob sie schon Vormittags kommen möchte - sie hatte aber keine Zeit. Ich hatte ihr dann irgendwann geschrieben, dass wir es erst zu 15Uhr schaffen, was für meinen Vater okay war. Ich musste noch einen Kinderschrank aufbauen und es stellt sich als zeitintensiver raus als ich dachte. Und ich hätte mich auf einfach über ihre Hilfe gefreut. Sie war daraufhin total sauer, weil sie auf 14 Uhr eingestellt war und ich ihr damit jetzt Stress bereitet habe, mit ihrer „Zeit spiele“ und sie nun bei mir zuhause „eine tote Stunde hat die sie nicht selbst planen und einteilen konnte“. Dabei hatte sie mir vorher auf Nachfrage nicht erzählt was sie so macht.
Ich habe ihr gesagt, dass sie mich natürlich immer über ihre Bedürfnisse und Pläne informieren kann und wenn sie mehr Zeit braucht wir auch gemeinsam eine Lösung gefunden hätten. Meine Familie hätte es verstanden, wenn sie nicht kommen kann. Aus meiner Sicht also alles gut. Ich sagte ihr das auch so.
Fazit: Sie erklärt mir ich sei übergriffig und sie ist wieder nach Hause gefahren und kam nicht mit zum Geburtstag.
Meine Eltern sagen mittlerweile, dass ich mich verändert habe, mir zu viele Gedanken mache, zu viel im Haushalt, in der Vorbereitung für die Wohnung mache und dann noch auch noch um die Streitigkeiten meiner Partnerin kümmere. Natürlich alles neben dem Job und dem Umgang mit den Kindern. Meine Kinder sagen mir ebenfalls, dass ich mich in ihrer Gegenwart anders verhalte - ich werte das aber als Trick der Kinder, damit meine Partnerin nicht so oft kommt. Sie wollen mich für sich allein. Die Große vertraut Stiefmüttern sowieso nicht (aufgrund der vielen Märchen mit bösen Stiefmüttern)
Ich fühle mich hingegen so, dass ich mehr für sie da sein müsste. Mehr Zeit für sie als schwangere Frau, mehr Zeit für gemeinsame Babyentscheidungen, für das packen ihrer Sachen bei sich zuhause, usw. Es ist grade einfach viel. Ich glaube sie hat aus ihrem Familien- und Freundeskreis auch keine Hilfe, bzw. sie fragt nicht danach oder nimmt sie nicht an. Ich weiss es ehrlich gesagt nicht.
Im Normalfall würde ich jetzt die Beziehung hinterfragen, da ich mit der Kommunikation und den Streitigkeiten aus den Alltagssituationen nicht glücklich bin.
Ich merke aber auch, dass sie grade sehr unzufrieden ist. Sie ist schwanger, fühlt sich wahrscheinlich allein, wahrscheinlich überfordert, hat Ängste wegen der Veränderungen und dem Allein sein in einer neuen Umgebung und der Abweisung die sie hier eventuell von den Kindern (oder mir!) erfährt . Ich kann ihr diese Ängste auch mit noch so viel positivem Mindset nicht nehmen. Ihre Wohnung ist gekündigt und es ist geplant, dass sie in 3 Wochen hier einzieht.
Wenn ich sie frage, sagt sie, es ist alles gut und braucht keine Unterstützung, sie kommt allein zurecht.
Ich denke ihr den Vorschlag zu unterbreiten nicht mit einzuziehen, sondern getrennte Wohnungen zu behalten, wird sie als massive Zurückweisung empfinden. Und es ist auch kein gutes Konzept für ein Baby. Würde aber – jedenfalls auf meiner Seite – für emotionale und körperliche Entlastung sorgen. Ich habe tatsächlich Angst, dass eine gemeinsame Wohnung in der Patchwork Konstellation nicht funktioniert und uns alle unglücklich macht. Ich sehe aber auch meine Verantwortung als Papa für das 3te Kind und die Mutter da zu sein. Ich kann sie ja nicht einfach wieder ausladen…
Sorry für den langen Text. Musste ich einfach mal loswerden. Danke für alle die bis hierhin gelesen haben.