Verra
Mitglied
- Beiträge:
- 11
- Themen:
- 2
- Danke erhalten:
- 3
- Mitglied seit:
Vor etwa 3 1/2 Jahren begann für mich eine Romanze im Ausland. Wir haben uns kennengelernt, hatten zwei unglaublich romantische Dates, mussten dann zwei Monate online Kontakt halten, bis wir uns wiedergesehen haben. Ich war schon so gut wie verfallen, er auch, als seine langjährige Ex sich gemeldet hat.. Einzelheiten sind wahrscheinlich nicht sonderlich wichtig, es folgte ein schreckliches Hin und Her, gegen das ich mich kaum wehren konnte, da ich das Gefühl hatte, dass uns was Wichtiges verbindet und er mir das Gefühl gegeben hat, dass er ebenso fühlt. Er war komplett mit sich im Unreinen, konnte sich nicht entscheiden zwischen dem neuen und immer noch großen Gefühl und dem altbekannten, vertrauten. Ich hatte viel Verständnis und viel Liebe in mir.
Wir haben Zeit miteinander verbracht, während alles für zwei Monate komplett am Straucheln war. Am Ende hat er sich gegen mich entschieden und kam ein Jahr später wieder an. Ich fand alles zu früh, war sehr vorsichtig aber aufgeschlossen, schließlich hab ich ihn jeden verdammten Tag vermisst. Und doch nicht aufgeschlossen genug. Und auch er ... alle wissen, er hätte warten müssen, sich selbst mal ein bisschen setzen lassen. Wir hatten wieder keinen Kontakt, ich wusste auch nicht, was passiert ist.
Ich habe ein halbes Jahr später den Kontinent verlassen, auch, um ihn zu vergessen. Und ich habe schnell meinen neuen Freund kennengelernt, was mich verwirrt hat, dann aber doch nicht, denn seine Liebe ist eine andere, das Gefühl, das er mir gibt oder zu Anfang gegeben hat, war nicht wirklich vergleichbar (auch nicht besser oder schlechter) und deswegen konnte ich das, trotz anfänglicher Zweifel, gut vereinbaren. Ich habe dennoch täglich an die Ex-Romanze gedacht, ich bin da sehr sentimental, sehr hartnäckig. Je nach Standpunkt halten das manche für eine naive Illusion, manche für eine gewisse Reinheit. Ich bin mir nicht sicher, das ist ein wichtiges Problem.
Als ich nach einem Jahr Beziehung wieder die Stadt besucht habe, in der der Ex wohnt, kam der Zufall ins Spiel. Er hat es mitbekommen, dass ich da bin, und war wieder, huch, frisch getrennt. Und wollte Kontakt. Im Prinzip war ich froh, gerade in der Stadt gewesen zu sein. Denn dieses Klären über das Internet erlaubt mir zu viel Gedankenspiel, dann baue ich mir wirklich sinnlos Welten auf, die nichts mit der Realität zu tun haben. Ich habe ihn tatsächlich spontan getroffen, mit der Idee, mich jetzt endgültig von ihm abzusagen, nachdem ich mit meinem Freund ein tolles Jahr hatte und plötzlich eine funktionierende Beziehung lebte, die planlos, aber irgendwie glücklich war. Tja. Nichts da.
Unser Treffen verlief ok, wir haben vereinbart, keinen Kontakt zu haben. Ich musste schon ne Stunde später schreiben, dass es mir leid tut, was ich alles Dummes gesagt habe. Wir haben uns trotz seiner Bitten und Lockungen nicht noch mal gesehen, während ich da war. Ich habe ihm lediglich noch mal einen Brief geschrieben. Nachdem ich das Land verlassen habe, sollte er nichts mehr von mir hören. Das ist fast genau ein halbes Jahr her. Die ersten drei oder vier Monate hat er mir täglich geschrieben. Er hat sich erklärt, hat sich entschuldigt, hat Pläne gemacht, mich auch ein bisschen versucht, einzulullen und mit der einen oder anderen frustrierten Anschuldigung zu provozieren (die ich nicht hinnehme, aber irgendwie auch begreife). Ich habe nach einem Monat aufgehört, die Nachrichten zu lesen. Bis heute ist da so viel ungelesener Text, es wird mir Angst und Bange, daran zu denken.
Ich bin nur eine Woche später zurück zu meinem Freund geflogen. Ich war komplett aufgewühlt und konnte das zum Glück mit dem Reisen rechtfertigen. Ich denke, er hat dennoch geahnt, dass irgendwas vorgefallen ist in dieser Zeit. Ich habe lange gehadert, ob ich es ihm nicht erzählen sollte, habe es im Endeffekt aber gelassen. Und jeden verdammten Tag an den Ex gedacht, hin und her überlegt, ihn mir schlecht geredet bis zum Umfallen, mir gesagt, wie falsch und egoistisch und narzisstisch er ist. Und immer wieder sagt mein Kopf oder Herz (?), dass es nicht so ist, dass er mit mir ein Leben führen könnte, das ich haben möchte, in dem Land und mit den Umständen, die ich haben möchte, mit Abenteuern und Natur. Ich weiß, dass es auch einen Alltag gibt und auch den versuche ich mir kraftvoll schrecklich auszumalen. Es funktioniert einfach nicht.
Ich habe ihm letzte Woche eine Nachricht geschickt, das erste Mal nach so langer Zeit. ich habe mich schlecht gefühlt, denn ich wollte stark sein und wirklich keinen Kontakt mehr. Ich versuche zu denken, es sei kein Kontakt, denn ich habe ihm nur etwas mitgeteilt. Nämlich, dass es vielleicht gut wäre, noch mal zu reden, wenn ich wieder in Europa bin, im Sommer. Ich wußte, dass es dumm und unfair ist, zumal ich nicht mal weiß, ob das überhaupt klappen kann und ob ich im Sommer noch will. Aber jetzt ist das so, ich habe es getan. Ich habe sehr lange überlegt und war oft an dem Punkt, dass ich das meinem Freund gegenüber nicht tun kann. Ausschlaggebendes Gegenargument war: Ich muss diese Konfrontation vielleicht noch mal haben, zur Klärung. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass das nichts bringt, aber dann kann ich ihm wenigstens noch mal sagen, wie es ist, warum ich das mit dem Kontakt wirklich nicht händeln kann, dass es einfach nicht geht. Ich habe das Gefühl, ich mache mir was vor, während ich hier schreibe, aber was denn, was mache ich mir denn vor? Wenn ich das wüßte!
Ich habe alles nicht zu Ende gedacht. Die einzige Freundin, die von meiner Nachricht an ihn weiß, hat gefragt, ob er schon geantwortet hätte. Das möchte ich nicht wissen, und ich möchte auch nicht wissen, was. Was soll er schon tun, außer Fragen stellen. Mir ist es wirklich wichtig, keinen virtuellen Kontakt zu haben. Das würde mich noch mehr reinreiten.
Gut, das zur Geschichte und zu einigen Gedanken, die ich habe.
Ich bin mir sicher, dass die eine oder andere schon mal in dieser Situation war, und vielleicht habt ihr ja noch ein paar Ideen, vielleicht seht ihr etwas ganz klar als Linie, obwohl ihr am Ende natürlich nichts sehen könnt.
Inwieweit findet ihr mein Verhalten gegenüber meinem Freund fragwürdig? Die Frage von Fairness und Vertrauen treibt mich sehr um, allein mir scheint, dass es da keine eindeutige Lösung gibt und die Entscheidung wohl doch eine individuelle, auf die Partnerschaft abgestimmte ist.
Ich habe, bevor ich den Ex wiedergesehen habe, ganz gut mit meinen Gedanken und Sehnsüchten ihm gegenüber leben können. Er war immer präsent und es hat mir viel Kummer gemacht, Dinge nicht mit ihm erleben zu können, aber ich wollte mein Bestes versuchen, meinem (wirklich tollen!) Freund die Chance zu geben, das gleiche in mir auszulösen. Was ich mit meinem Freund erlebt habe, war ebenso unvergesslich, aber ich habe trotzdem das dumme Gefühl, dass es mir weniger wert war. Gleichsam habe ich aber nicht das Gefühl, dass mein Freund zweite Wahl ist. Ich bin auch immer noch hier, bei ihm, versuche mit ihm zu planen. Da jetzt alles konkreter wird treiben mich meine Gedanken noch mehr um und werden noch dringlicher. - Ich muss das zurücknehmen. Eigentlich habe nicht nicht das Gefühl, dass es weniger wert war. Aber anders eben.
Würdet ihr auf Zeit spielen, noch mal, und einfach hoffen, dass die Sehnsucht fortgeht?
Ich bin ein sehr romantischer Mensch. Ich habe das Gefühl, ich nehme mir ein bisschen von meiner Persönlichkeit, indem ich mich derartig gegen meine Sehnsucht stemme und versuche, das alles so rational wie möglich zu betrachten. Das tut mir alles auch physisch weh, das kennen bestimmt viele hier.
Das war's erst mal.Ich weiß nicht, wie ich über Ostern antworten kann - wenn mein Freund da ist, versuche ich mein Bestes, mich ganz auf ihn zu konzentrieren. Ich habe durchaus auch ein schlechtes Gefühl, quasi neben ihm zu sitzen und sowas zu beschprechen, logisch.
Ein gutes langes Wochenende wünsche ich! Und danke fürs Lesen nochmal!