FiFaFischi
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Mein Freund und ich waren/sind 14 Jahre zusammen. Ich würde sagen, unsere Beziehung war „normal“. Natürlich gab es streit über kleinigkeiten und der Alltag hat uns irgendwann eingeholt. Wir sind viel gemeinsam gereist und haben dadurch viele gemeinsame Erlebnisse gesammelt und auch einige Herausforderungen zusammen gemeistert (Selbstmord meines Vaters, Studium nach Aufgabe des VZ-Jobs mit 27, darin eingeschlossen ein Auslandssemester, die Coronazeit, die für uns beide aufgrund von Jobverlusten nicht einfach war). Es gab immer wieder gute und mal nicht so gute Phasen. Alles völlig normal in einer langen Partnerschaft, wie ich finde.
Im letzten halben Jahr lebten wir schon auffallend aneinander vorbei, immer wenn ich gemeinsam Zeit verbringen wollte, wurde abgeblockt. Er wollte sich lieber mit Kumpels treffen. Hätte ich die Augen auf gemacht, hätte ich vielleicht etwas ahnen können. Denn Mitte Juli, als er mit Kumpels unterwegs war, kam plötzlich die Nachricht "da hätte ich ja heute auch zu dir kommen können". Ich war völlig perplex und fragte ob die Nachricht an jemand anderen gehen sollte. Er kam an diesem Abend heim und erklärte mir unter Tränen, es gebe eine andere. Er hätte sich für sie entschieden.
Sie ist eine alte Bekannte von früher, für die er damals schon mal potenzielle Gefühle hatte (er war sich damals nicht sicher ob liebe, Freundschaft o.a.). während unserer 14 Jahre war sie nie thema. Als es rauskam, hatte er die rosarote brille auf. Ich hab gelitten, konnte wochenlang nicht schlafen, nicht essen, hab nach 10 Jahren wieder angefangen zu rauchen und trank mehr als vorher (nicht exzessiv, aber regelmäßig 1-3 B.). Er hat gelitten, weil ich gelitten habe. Das hätte er nicht gewollt. Ich sagte ihm, das wäre unverzeihlich und eine Freundschaft käme nicht infrage und überhaupt möchte ich keinen Kontakt mehr. Er hat immer beteuert, er möchte mich in seinem Leben behalten, hat auch immer weiter meine nähe gesucht.
Wir haben viel geredet, über das was gefehlt hat, was wir uns nicht geben konnten, wie es so weit kommen konnte etc. Die Gespräche waren immer respektvoll, es wurde nie geschrien, beleidigt o.ä. (lediglich viel geheult – beidseitig). Wir versuchen, es aufzuarbeiten. Ob es klappt? Keine Ahnung. Eine Paartherapie steht zur Debatte.
Mittlerweile hat er das neue beendet unter dem Gesichtspunkt, dass seine Gefühle zu mir immer noch immens sind und durch diese Geschichte wieder freigelegt wurden. Dass auch ihm bewusst geworden ist, dass ich ihn liebe (das hat er vorher nicht mehr spüren können). Wir sind uns beide bewusst, dass wir durchaus etwas ändern müssten damit es wieder funktioniert.
Es ist eine Achterbahn der Gefühle. Die Phase der Wut und Trauer ist vorbei, ich hatte ihn eigentlich schon losgelassen. Nun ist die Phase der Ungewissheit, ob es da tatsächlich noch eine Chance gibt. Ich bin mir nicht sicher…
Der sexuelle Betrug steht für mich nicht im Vordergrund. Ich denke, diesen könnte ich verzeihen. Er war mir die Jahre davor immer treu, davon bin ich überzeugt. Viel schwerer wiegt der emotionale Betrug und dass er sich für sie entschieden hat. Und natürlich, dass er nicht ehrlich war.
Falls es wichtig ist: nicht verheiratet, keine Kinder