Zitat von Cagy:Hallo Ta-lia ... >> Anfangs war das auch toll und hat mir ein gutes Gefühl vermittelt >> Egal wohin man fährt oder was man unternimmt , die Einsamkeit lässt sich nicht abschütteln. Man kann sie gelegentlich überdecken, vielleicht verdrängen...aber letztendlich muss man den Kern des Übels freilegen ...
Dein letzter Satz mit dem Bahnhof und dem Schiff hat mich wirklich getroffen. Weil ich mich in diesem Bild erschreckend gut wiederfinde.
Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt genau benennen kann, worauf ich warte. Vielleicht darauf, dass sich Dinge irgendwann von selbst verändern. Dass das Leben ein bisschen leichter wird. Dass irgendwann wieder mehr Raum für mich bleibt, ohne dass ich dafür erst etwas in Bewegung setzen muss. Und wenn ich ehrlich bin, macht mir der Gedanke Angst, irgendwann zurückzublicken und festzustellen, dass ich darüber so viele Jahre habe verstreichen lassen.
Ich glaube, man kann sich im Funktionieren ziemlich gut verlieren. Man übernimmt Verantwortung, ist für andere da, versucht, allem gerecht zu werden und macht weiter. Tag für Tag. Und irgendwann merkt man, dass man zwar überall irgendwie gebraucht wird, aber selbst kaum noch vorkommt. Und dann ist da mein schlechtes Gewissen, wenn man überhaupt darüber nachdenkt, was einem selbst fehlt. Weil ich doch eigentlich dankbar sein müsste für das, was ich habe. Weil andere es vielleicht schwerer haben. Weil es immer einen guten Grund gibt, die eigenen Bedürfnisse noch ein bisschen länger hintenanzustellen. Aber genau das ist die Falle, oder? Dass man immer einen Grund findet, noch zu warten.
Ich möchte gar nicht alles infrage stellen, was ich habe. Ich liebe meinen Mann, ich bin dankbar für unser Leben und für vieles, was wir gemeinsam haben. Aber ich möchte darüber nicht vergessen, dass ich selbst auch noch ein Leben habe. Dass ich Wünsche habe, Sehnsüchte, Dinge, die ich erleben möchte. Dass ich nicht nur diejenige sein will, die für andere da ist, sondern auch selbst wieder mehr leben WILL. Und genau davor habe ich Angst: dass ich irgendwann feststelle, dass ich so lange darauf gewartet habe, dass der richtige Zeitpunkt kommt, dass ich darüber vergessen habe, dass meine Zeit eben auch vergeht.
Deine Worte haben mich JETZT nicht unbedingt dazu gebracht, eine konkrete Entscheidung zu treffen. Aber sie haben mich daran erinnert, dass ich mich mit mir selbst und meinen Bedürfnissen auseinandersetzen muss. Dass ich nicht erst darauf warten sollte, dass sich mein Leben verändert, bevor ich wieder anfange, es bewusster zu leben. Ich muss noch herausfinden, was das für mich bedeutet. Aber ich möchte zumindest nicht mehr so tun, als hätte ich unbegrenzt Zeit dafür.
Danke für deine offenen Worte. Und für dieses Bild mit dem Bahnhof und dem Schiff. Ich glaube, das wird mich noch eine ganze Weile begleiten und beschäftigen.