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Zwischen Dankbarkeit und Sehnsucht

Ameise_78
Zitat von Ta-lia:
Aber nun mache ich hier Schluss und versuche mal, mein Köpfchen in den Sand zu stecken. Das gefällt mir aktuell irgendwie besser.

Du hast eine Menge zu tragen. Nimm dir die Zeit, die du brauchst. 🫂❤
Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht, und gerade wenn man eh viel um die Ohren hat, ist ein schlechter Zeitpunkt, um Veränderungen oder innere Entwicklungen zu erzwingen. Manchmal geht's auch darum, dass man einfach nur durchkommt und bewältigt, was gerade ansteht. Das ist natürlich nicht das dauerhafte Ziel... aber dennoch gibt es solche Phasen einfach. Sei gut zu dir und gib deinem Herz und Kopf die Zeit, die beide brauchen. 🤗❤

• x 2 #16


M
@Ta-lia

Oh man, das macht einen ja trotzdem beim lesen traurig.

In manchen Situationen weiß man einfach nicht, was das beste ist.

Du liebst deinen Mann, ihr könnt für euer Schicksal nichts dafür.

Aber dir fehlt auch was, was ich auch verstehen kann.

Ich drücke dich einfach mal, wünsche dir das du dir im klaren wirst, wie es weitergehen soll.

Manchmal weiß man nicht was man machen soll. Ist durcheinander.

Das kommt mit der Zeit.

• x 2 #17


A


Zwischen Dankbarkeit und Sehnsucht

x 3


M
@Ta-lia

Was ich dir noch auf den Weg mit geben möchte, egal wie du dich entscheidest, guck auf dein Herz, wie es dir wieder gut gehen kann.

Auch wenn du deinen Mann liebst, auch wenn es so schwierig ist. Bist du auch immer noch du! Mit Gefühlen, Gedanken. Ein Mensch.

Ich denke in so einer Situation sollte keiner drüber ürteilen. Weil man selber nicht weiß, wie es sich
anfühl.

• #18


St_Jappi
@Ta-lia Hallo,
dein Text hat mir wirklich gut gefallen. Nicht nur, weil du ein Thema ansprichst, das sicher viele kennen, sondern auch, wie du es beschreibst.
Ich finde es bemerkenswert, dass man mitten im Leben stehen, Verantwortung übernehmen und für andere da sein kann und sich trotzdem einsam fühlt. Bei mir ist es eher umgekehrt: Ich lebe ziemlich selbstständig, habe viel Freiraum, aber mir fehlt manchmal einfach ein Mensch, mit dem ich die schönen und weniger schönen Seiten des Lebens teilen kann.
Deine Mischung aus Tiefgang, Humor und Selbstironie fand ich jedenfalls sehr angenehm zu lesen. Und der Satz mit dem geschlossenen Kundenservice für die eigenen Gefühle ist klasse. 😄
Schön, dass du dich hier nicht nur mit Kommentaren, sondern auch einmal mit deiner eigenen Geschichte zu Wort meldest.

• x 2 #19


Cagy
Hallo Ta-lia ...
Zitat von Ta-lia:
Auszeiten nehme ich mir übrigens. Schon seit Jahren. Ich fahre alleine weg, mache es mir gemütlich, lese, kaufe mir schöne Dinge. Anfangs war das auch toll und hat mir ein gutes Gefühl vermittelt. Aber inzwischen sind diese Auszeiten nur noch anstrengend und ich möchte lieber eine Auszeit zu zweit.


Zitat von Ta-lia:
Alleine das darüber nachdenken ist mir oft schon zu viel.


>> Anfangs war das auch toll und hat mir ein gutes Gefühl vermittelt >> Egal wohin man fährt oder was man unternimmt , die Einsamkeit lässt sich nicht abschütteln. Man kann sie gelegentlich überdecken, vielleicht verdrängen...aber letztendlich muss man den Kern des Übels freilegen und DEN bekämpfen..nicht das Drumherum versuchen *anders* zu machen (oder zu sehen).
Dazu gehört die Wahrheit zu akzeptieren und sich nicht einzureden , daß man alles *schon irgendwie* schafft, daß man gewisse Dinge * nicht machen kann* und/oder sich selbst aufzugeben weil man sich nicht traut zu seinem eigentlichen Wünschen zu stehen.
Ich weiß was es heißt zu Entscheidungen zu stehen die *andere* nicht gutheißen und die ich selber vor mir rechtfertigen musste....und aus Angst, Scham, Hoffnungslosihkeit und /oder Kraftlosigkeit alles habe jahrelang schleifen lassen.
Das Schlimmste ist heute nicht die Erinnerung an die Entscheidung , sondern das Wissen Jahre meines Lebens mit *abwarten* vertan zu haben....
Ich bin jetzt 67 ...und für mich sind viele Züge abgefahren.
Stehst du auch am Bahnhof und wartest auf ein Schiff...? Ich hoffe nicht.
Alles Gute Dir.

• x 5 #20


Ta-lia
Zitat von Cagy:
Hallo Ta-lia ... >> Anfangs war das auch toll und hat mir ein gutes Gefühl vermittelt >> Egal wohin man fährt oder was man unternimmt , die Einsamkeit lässt sich nicht abschütteln. Man kann sie gelegentlich überdecken, vielleicht verdrängen...aber letztendlich muss man den Kern des Übels freilegen ...


Dein letzter Satz mit dem Bahnhof und dem Schiff hat mich wirklich getroffen. Weil ich mich in diesem Bild erschreckend gut wiederfinde.

Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt genau benennen kann, worauf ich warte. Vielleicht darauf, dass sich Dinge irgendwann von selbst verändern. Dass das Leben ein bisschen leichter wird. Dass irgendwann wieder mehr Raum für mich bleibt, ohne dass ich dafür erst etwas in Bewegung setzen muss. Und wenn ich ehrlich bin, macht mir der Gedanke Angst, irgendwann zurückzublicken und festzustellen, dass ich darüber so viele Jahre habe verstreichen lassen.

Ich glaube, man kann sich im Funktionieren ziemlich gut verlieren. Man übernimmt Verantwortung, ist für andere da, versucht, allem gerecht zu werden und macht weiter. Tag für Tag. Und irgendwann merkt man, dass man zwar überall irgendwie gebraucht wird, aber selbst kaum noch vorkommt. Und dann ist da mein schlechtes Gewissen, wenn man überhaupt darüber nachdenkt, was einem selbst fehlt. Weil ich doch eigentlich dankbar sein müsste für das, was ich habe. Weil andere es vielleicht schwerer haben. Weil es immer einen guten Grund gibt, die eigenen Bedürfnisse noch ein bisschen länger hintenanzustellen. Aber genau das ist die Falle, oder? Dass man immer einen Grund findet, noch zu warten.

Ich möchte gar nicht alles infrage stellen, was ich habe. Ich liebe meinen Mann, ich bin dankbar für unser Leben und für vieles, was wir gemeinsam haben. Aber ich möchte darüber nicht vergessen, dass ich selbst auch noch ein Leben habe. Dass ich Wünsche habe, Sehnsüchte, Dinge, die ich erleben möchte. Dass ich nicht nur diejenige sein will, die für andere da ist, sondern auch selbst wieder mehr leben WILL. Und genau davor habe ich Angst: dass ich irgendwann feststelle, dass ich so lange darauf gewartet habe, dass der richtige Zeitpunkt kommt, dass ich darüber vergessen habe, dass meine Zeit eben auch vergeht.

Deine Worte haben mich JETZT nicht unbedingt dazu gebracht, eine konkrete Entscheidung zu treffen. Aber sie haben mich daran erinnert, dass ich mich mit mir selbst und meinen Bedürfnissen auseinandersetzen muss. Dass ich nicht erst darauf warten sollte, dass sich mein Leben verändert, bevor ich wieder anfange, es bewusster zu leben. Ich muss noch herausfinden, was das für mich bedeutet. Aber ich möchte zumindest nicht mehr so tun, als hätte ich unbegrenzt Zeit dafür.

Danke für deine offenen Worte. Und für dieses Bild mit dem Bahnhof und dem Schiff. Ich glaube, das wird mich noch eine ganze Weile begleiten und beschäftigen.

• x 4 #21


Liv225
Liebe @Ta-lia
Deine Worte und auch die der anderen berühren mich.
Ich kann mir in etwa vorstellen wie es in Dir aussieht.
Dieses sich „noch etwas Wünschen“ und gleichzeitig denken, das, was ich habe sollte doch reichen, dieses immer für andere da sein, selber zu kurz kommen.

Meine „Lage“ war anders (von heute auf morgen getrennt und allein verantwortlich für die Kinder, Arbeit…).
Aber ich hab mich selbst weder gesehen noch gefühlt, nur funktioniert. Jahrelang, bis es gar nicht mehr ging. Ich wäre froh, wenn ich das früher bemerkt hätte…

Also - gut, dass Du hinschaust, gut, dass Du spürst, das geht so nicht, gut, dass Du fühlst, Du brauchst etwas, nur für Dich.

Drück Dich 🤗🫂

• x 3 #22


DieSeherin
Zitat von Ta-lia:
Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt genau benennen kann, worauf ich warte. Vielleicht darauf, dass sich Dinge irgendwann von selbst verändern. Dass das Leben ein bisschen leichter wird. Dass irgendwann wieder mehr Raum für mich bleibt, ohne dass ich dafür erst etwas in Bewegung setzen muss. Und wenn ich ehrlich bin, macht mir der Gedanke Angst, irgendwann zurückzublicken und festzustellen, dass ich darüber so viele Jahre habe verstreichen lassen.


lass dich erst einmal fest drücken Tröstender Smiley

mir ist als erstes in den kopf geschossen, dass du auf einen schlag deinen mann verloren hast, aber nicht witwe bist, deinen trauerprozess durchleben kannst/musst, dann aber nach vorne schauen kannst/sollst/darfst. und da verstehe ich das dilemma zwischen einsamkeit und danbarkeit und frust und sehnsucht sehr!

inwieweit ist dein mann den eingeschränkt? sprachlich? geistig? wie stark körperlich?

ich hoffe es kommt nicht falsch rüber, aber ist dein mann noch ein partner "auf augenhöhe"?

• #23


alterweißermann
Zitat von Ta-lia:
Warum bin ich also hier?
Vermutlich wegen eines Gefühls, das sich ziemlich schwer erklären lässt: Einsamkeit. Und zwar nicht die Einsamkeit, bei der niemand da ist. Ich bin verheiratet, habe Freunde, gehe arbeiten und eigentlich ist fast immer irgendjemand da. Ich bin objektiv betrachtet nicht allein. Und trotzdem gibt es diese Einsamkeit.

Nicht unbedingt um mich herum, sondern irgendwo tief in mir. Und manchmal schäme ich mich dafür.

Hallo Talia,

sehr interessante Diskussion die du hier anregst. Laut deinem Profil bist du Mitte vierzig und stellst dir, anscheinend im Angesicht des Todes, die Sinnfrage für dein Leben. Außerdem ist Halbzeit und da stellt sich der ein oder andere die Sinnfrage.

Warum fühlst du dich einsam? Sind die Gespräche ohne Tiefgang? Oder fühlst du dich im goldenen Käfig gefangen? Es klingt so als ob du dich schämst weil du ja eigentlich alles hast und nicht das Recht hast dich zu beschweren.

PS: Ich kann auf deine Nachricht leider nicht antworten da ich keine Mitgliedschaft abgeschlossen habe.

• #24


Ta-lia
Zitat von alterweißermann:
Hallo Talia, sehr interessante Diskussion die du hier anregst. Laut deinem Profil bist du Mitte vierzig und stellst dir, anscheinend im Angesicht des ...

Lieber @alterweißermann ,
wie geschrieben wollte ich dir auch nur etwas mitteilen. Das erfordert in der Regel keine Antwort. Aber danke für den Hinweiß.

Ich wusste nicht, dass ich eine Diskussion angeregt habe. Ursprünglich wollte ich mich nur kurz vorstellen und schreiben, warum ich hier bin. Aber natürlich können wir auch diskutieren, wenn dir danach ist. Ansonsten reicht mir per se auch eine einfache Kommunikation ohne Reibungspunkte. Langweilig? Maybe, aber ich kann damit leben.

Die Sinnfrage hatte ich jetzt nicht stellen wollen. Der Sinn des Lebens dürfte klar sein. Leben. Und bitte keine Phrasen a la 'der ein oder andere stellt sich diese Frage nach dem Sinn'. Ich bin weder der eine noch der andere. Und dass der Zenit überschritten ist (ganz minimal), mag ggfs dich stören - schließ dann aber nicht automatisch auf andere. Würdevolle Alterung ist selten genug. Nimm mir meine nicht. Danke.

Warum ich mich einsam fühle hatte ich m. E. nach ausführlich geschrieben. Einen goldenen Käfig würde ich sofort annehmen, aber das nötige Kleingeld fehlt. Ich schäme mich, weil mein Mann für seine gesundheitliche Lage nichts kann und ich mich auf Grund derer einsam fühle und etwas vermisse. Und ja, ich schäme mich deswegen. Das kann ich nicht ändern.

Danke für deinen Beitrag in dieser Diskussion, die bis eben gar keine war.

• x 1 #25


Ameise_78
Zitat von Ta-lia:
Ich schäme mich, weil mein Mann für seine gesundheitliche Lage nichts kann und ich mich auf Grund derer einsam fühle und etwas vermisse. Und ja, ich schäme mich deswegen. Das kann ich nicht ändern.

Du musst dich für überhaupt nichts schämen! 🫂❤
Aber ich weiß, das ist so viel leichter gesagt als getan.

• x 1 #26


DieSeherin
Zitat von Ta-lia:
Warum ich mich einsam fühle hatte ich m. E. nach ausführlich geschrieben


meine fragen magst du nicht so gerne beantworten, oder? s.o. Tröstender Smiley

• #27


Ta-lia
@DieSeherin
Zitat von DieSeherin:
meine fragen magst du nicht so gerne beantworten, oder? s.o. Tröstender Smiley

doch. Möchte ich noch unbedingt! Die waren gut. Und es sind noch so viele Fragen offen.

Zitat von DieSeherin:
inwieweit ist dein mann den eingeschränkt? sprachlich? geistig? wie stark körperlich?

Sprachlich zum Glück gar nicht. Ansonsten ist seine rechte Seite beeinträchtigt. Zum Laufen hat er elektrische Orthesen und mich. Und für die Hilfe der Feinmotorik hat er auch mich.

Zitat von DieSeherin:
ich hoffe es kommt nicht falsch rüber, aber ist dein mann noch ein partner "auf augenhöhe"?

Wie genau meinst du das? Um nicht mehr 'auf Augenhöhe' zu sein, müsste ich mich ja über ihn stellen. Das tue ich nicht. Ich versuche, ihn weiterhin so zu sehen und zu begandeln, wie vor dem Schlaganfall. Aber was die Organisation und Durchführung unseres Lebens betrifft, ist er nicht mehr 'auf Augenhöhe', falls du das meintest.

Zitat von DieSeherin:
dass du auf einen schlag deinen mann verloren hast, aber nicht witwe bist

Den Mann, den ich an meiner Seite hatte, den habe ich verloren. Da hast du vollkommen recht.

• x 2 #28


DieSeherin
Zitat von Ta-lia:
Wie genau meinst du das? Um nicht mehr 'auf Augenhöhe' zu sein, müsste ich mich ja über ihn stellen.


du, ich glaube, auf irgendeine weise macht man das vielleicht, wenn man plötzlich der (körperlich) sträkere part sein muss, die alltagsorganisation übernehmen muss und die eigene rolle eben nicht mehr die der partnerin/geliebten ist, sondern das versorgen und stützen im vordergrund steht.

Zitat von Ta-lia:
Ich glaube, man kann sich im Funktionieren ziemlich gut verlieren. Man übernimmt Verantwortung, ist für andere da, versucht, allem gerecht zu werden und macht weiter. Tag für Tag. Und irgendwann merkt man, dass man zwar überall irgendwie gebraucht wird, aber selbst kaum noch vorkommt.


du hast es ja ein bisschen so formuliert. mein mann hat mich nach seiner herz-op auch sehr gebraucht,m bis er wieder auf die beine gekommen ist, aber bei uns war klar, dass die rollen sich nur "befristet" verschieben und nicht dauerhaft.

• x 1 #29


A


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