Liebe @Ta-lia
Zitat von Ta-lia: Hallo zusammen,
ich bin Talia, neu hier und dachte mir, ich schreibe mal, warum ich hier bin.
Wobei ich schon beim ersten Satz merke: Über sich selbst zu schreiben ist irgendwie schwieriger, als man denkt. Es hat ein bisschen was von einer mündlichen Prüfung, für die man nicht gelernt hat.
Herzlich willkommen! Schön, dass du da bist und dich getraut hast, so offen zu schreiben. Dazu gehört schon einiges an Mut, sein Anliegen und sein Innerstes hier mit uns zu teilen.
🤗 Zitat von Ta-lia: Warum bin ich also hier?
Vermutlich wegen eines Gefühls, das sich ziemlich schwer erklären lässt: Einsamkeit. Und zwar nicht die Einsamkeit, bei der niemand da ist. Ich bin verheiratet, habe Freunde, gehe arbeiten und eigentlich ist fast immer irgendjemand da. Ich bin objektiv betrachtet nicht allein. Und trotzdem gibt es diese Einsamkeit.
Ich finde, das ist gar nicht so schwer zu verstehen, denn ich glaube, dieses Gefühl kennen sehr viele Menschen. Einsamkeit hat ja ganz unterschiedliche Facetten.
Ich persönlich finde mich in diesen Zeilen sehr wieder und kann total gut nachvollziehen, was da gerade in dir vorgeht.
Zitat von Ta-lia: Nicht unbedingt um mich herum, sondern irgendwo tief in mir. Und manchmal schäme ich mich dafür.
Weil es sich undankbar anfühlt. Weil ich weiß, dass es Menschen gibt, die froh wären, überhaupt jemanden an ihrer Seite zu haben. Aber Gefühle sind leider keine Excel-Tabelle. Man kann nicht in Spalte A „Ehemann vorhanden“ eintragen und in Spalte B daraus automatisch „Einsamkeit = 0“ berechnen. Schön wäre es. Funktioniert nur leider nicht.
Du musst dich dafür nicht schämen. Und das hat auch nichts mit Undankbarkeit zu tun. Das Leben ist häufig nicht geradlinig. Nach außen hin kann alles perfekt und schön aussehen und trotzdem kann einem innerlich etwas fehlen.
Zitat von Ta-lia: Mein Mann hatte Weihnachten 2022 einen Schlaganfall. Seitdem ist unser Leben ein anderes.
Einige Hirnregionen sind geschädigt, unsere Kommunikation ist teilweise schwierig / aneinander vorbei und vieles, was früher selbstverständlich war, funktioniert heute anders oder gar nicht mehr. Und ich möchte eines ganz deutlich sagen:
Ich weiß, dass wir Glück im Unglück hatten. Er lebt. Er kämpft. Und er macht das wirklich gut. Ich bin dankbar dafür. Sehr sogar.
Das tut mir sehr leid - für dich, für ihn und für euch als Paar.
😔 Und oft ist es wohl tatsächlich so, dass ein solcher Schicksalsschlag das gesamte Leben und das, was man sich gemeinsam aufgebaut und für die Zukunft vorgestellt hat, massiv ins Wanken bringt.
Darf ich fragen, inwiefern er nun auf Hilfe angewiesen ist und wie sich euer Alltag dadurch verändert hat? Du musst darauf natürlich überhaupt nicht antworten, wenn dir das zu persönlich ist.
Ich finde es übrigens schön, wie liebevoll du von ihm sprichst und dass du trotz allem siehst, wie sehr er kämpft und sein Bestes gibt.
☺ Ich kenne es von einer Bekannten aus meinem Umfeld. Ihr Mann hatte einen schweren Unfall mit bleibenden Beeinträchtigungen. Ich bewundere sie beide dafür, wie sie mit dieser Situation umgehen. Beide geben ihr Bestes und machen trotzdem kein Geheimnis daraus, dass es nicht immer leicht für sie ist und dass es auch Tage gibt, an denen einfach alles zu viel ist.
Zitat von Ta-lia: Aber Dankbarkeit und Einsamkeit schließen sich offenbar nicht gegenseitig aus.
Und genau das ist für mich manchmal schwer auszuhalten. Denn irgendwo auf dem Weg vom „Wir sind ein Paar“ zum „Wir organisieren unseren Alltag“ bin ich manchmal mehr Pflegerin, Organisatorin, Begleiterin und derjenigen geworden, die funktioniert, als zu der Frau, die ich eigentlich auch noch bin. Und ja – ich vermisse es, als Frau gesehen zu werden.
Nein, ganz sicherlich nicht. Ich glaube, beides kann nebeneinander existieren.
😉 Das auszuhalten, ist wahrscheinlich sehr schwer zu tragen. Auch diese vielen Aufgaben, die plötzlich da sind, sind herausfordernd und kosten Kraft. Und es ist nur logisch, dass du dir wünschst, wieder als Frau gesehen zu werden und auch wieder so etwas wie Leichtigkeit und Lebendigkeit zu fühlen.
Zitat von Ta-lia: Nicht nur als diejenige, die sich kümmert. Nicht nur als diejenige, die funktioniert. Sondern als Mensch mit Nähebedürfnis, Sehnsucht, Humor, Macken, Leidenschaft und allem anderen, was man eben so mit sich herumschleppt. Es fühlt sich an, als sei ich irgendwo verloren und kaputt gegangen.
Ich glaube dir, dass es sich für dich so anfühlt, als hättest du dich bei all dem, was inzwischen an dir hängt, selbst verloren.
Wem würde es nicht irgendwann genau so gehen? Wir sind Menschen. Klar können wir funktionieren, aber nicht auf Dauer. Wir sind schließlich keine Roboter.
Und man spürt beim Lesen, dass dir das sehr fehlt. Vermutlich fragst du dich gerade auch: Wie soll es weitergehen? Wie sieht dein weiteres Leben aus? Darf und kann es das, was dir fehlt, auch wieder geben? Welche Wege wären gangbar - für dich, für deinen Mann und für euch als Paar?
Zitat von Ta-lia: Für mich bedeutet Liebe nämlich vor allem Nähe. Vertrautheit. Unterstützung. Wollen. Dieses gegenseitige:
„Ich sehe dich.“
Damit meine ich übrigens nicht, dass man sich 24 Stunden verliebt in die Augen starren muss. Ich finde, man darf sich auch mal gegenseitig auf die Nerven gehen. Aber dieses Gefühl, wirklich wahrgenommen zu werden, fehlt mir sehr.
Das gehört für mich alles dazu.
🤗 Darf ich fragen, inwiefern du und dein Mann genau darüber gesprochen habt? Ich könnte mir vorstellen, dass es ihm vielleicht in irgendeiner Form ähnlich geht, auch wenn seine Situation natürlich eine andere ist.
Und wenn ich ganz vorsichtig nachfragen darf: Wie viel Nähe und Intimität ist zwischen euch heute noch möglich? Auch hier natürlich nur, wenn du darüber sprechen möchtest.
Zitat von Ta-lia: Und damit wären wir bei meiner vermutlich etwas widersprüchlichen Persönlichkeit.
Menschen, die mich kennen, würden sagen, ich bin eine kleine emotionale Gangsterin.
Ich tue im Alltag gerne so, als wären Gefühle etwas ziemlich Verdächtiges, das man besser nicht zu nah an sich heranlässt. Meine eigenen Gefühle schiebe ich gerne irgendwo ganz weit nach hinten und mache weiter.
Bei anderen/teil fremden Menschen bin ich dagegen plötzlich ganz anders. Da kann ich zuhören, auffangen, wertschätzen, mitfühlen und stundenlang versuchen, dafür zu sorgen, dass sich jemand gesehen und wohl fühlt. Nur bei mir selbst ist der Kundenservice leider manchmal geschlossen.
Ja, da musste ich tatsächlich ein bisschen schmunzeln.
😄 Wie gesagt, ich kenne diese Situation zumindest ein Stück weit durch meine Bekannte. Nach außen wirkt bei ihnen vieles strukturiert und geordnet. Man denkt vielleicht: Die machen das Beste daraus. Aber wie es natürlich hinter verschlossenen Türen aussieht, kann man als Außenstehender nur erahnen. Wobei beide auch durchaus offen sagen, dass es nicht immer einfach ist.
Da würde mich bei dir etwas interessieren: Bist du selbst diejenige, die das Gefühl hat, man dürfe dir nicht ansehen oder anmerken, wie kräftezehrend das alles für dich ist? Dass dir etwas fehlt?
🤔 Gibt es Menschen in deinem näheren Umfeld, denen du dich anvertrauen kannst? Menschen, die dich auch einfach mal halten oder in den Arm nehmen, wenn es gerade besonders anstrengend ist?
Zitat von Ta-lia: Vielleicht bin ich deshalb hier. Ich suche keine große dramatische Liebesgeschichte und auch niemanden, der mein Leben für mich repariert. Ich glaube, ich suche erst einmal Abwechslung. Leichtigkeit. Hoffnung. Menschen, mit denen man im Offtopic völlig albernen Unsinn schreiben kann. Aber genauso gerne möchte ich tiefgründige Gespräche führen. Über Liebe, Einsamkeit, Sehnsucht, Beziehungen, das Leben und all den anderen Kram, den man nachts um zwei unbedingt verstehen möchte. Und vielleicht Menschen kennenlernen, mit denen man auch einfach mal sagen kann:
„Boah. Heute ist alles sch..“ Und der andere sagt: „Ja. Ist es.“ Dann wischt man sich gegenseitig die imaginären Tränen weg, macht irgendeinen völlig unangebrachten Witz darüber und zieht am nächsten Tag trotzdem wieder los, um sich dem Leben zu stellen.
Finde ich schon mal super, dass du den Weg hierher gefunden hast. Ich habe auch schon gesehen, dass du dich sehr rege an verschiedenen Threads beteiligst und - wenn ich das so sagen darf - eine positive Vibes reinbringst.
☺ Das finde ich wirklich schön. Und wenn dir das selbst zusätzlich Freude bringt und dir guttut, dann ist das doch schon mal etwas sehr Positives.
🤗 Zitat von Ta-lia: Nicht, weil alles wieder gut ist. Sondern weil wir alle wissen, dass das Leben weitergeht. Genau das suche ich gerade.
Einen Ort, an dem ich nicht ständig funktionieren muss. Einen Ort, an dem ich ein bisschen albern, ein bisschen tiefgründig, ein bisschen verletzlich und auch zum Lachen sein darf. Ich bin gespannt, wer hier so herumläuft und welche Geschichten hinter den Menschen stecken. Und falls ich zwischendurch mal etwas trocken oder sarkastisch werde:
Keine Sorge. Das ist keine emotionale Distanz. Das ist mein eingebautes Überlebenssystem.
Du bist ja nun hier. Das ist schon mal ein Anfang.
Und vielleicht ist das auch ausbaufähig im Sinne von: Du schaust einfach mal, welcher Schritt der nächste sein könnte. Vielleicht ein Hobby oder eine Freizeitaktivität nur für dich. Etwas, bei dem es nicht ums Kümmern und Funktionieren geht, sondern einfach mal um dich.
Und vielleicht findest du hier tatsächlich Menschen, mit denen du genau das haben kannst, was du beschrieben hast: mal völlig albernen Unsinn schreiben, mal bis nachts um zwei über das Leben reden und vielleicht auch einfach sagen können: "Boah, heute ist alles sch…" und jemand antwortet: "Ja. Ist es."
