Zitat von Kaetzchen:
Ansonsten finde ich, dass Verliebtheit und in dem Sinne auch eine Affäre Ausnahmezustände im Leben sind. Ich kenne Menschen, die sehr empathisch sind und dennoch in eine Affäre schlidderten, und ich kenne absolut empathielose Menschen, die ihr Leben lang treu waren und sind. Wenn man sich verliebt, befindet man sich in einem emotionalen Ausnahmezustand, Männlein wie Weiblein. Da habe ich also durchaus mehr Verständnis für eine verliebte und daher leicht unzurechnungsfähige Malena als für einen abgewixten Fremdgänger, der ganz ohne jegliche Verliebtheit einfach nur seinen persönlichen Nutzen aus einer Affäre ziehen will. Denn das ist nun wirklich empathielos anderen Menschen gegenüber.
Ist Malena unzurechnungsfähig? Das müsste sie selber beantworten. Aber wir sind ja auch der abstrakten Ebene unterwegs und Malena (nicht persönlich nehmen) ist unser Beispiel. Auf mich wirkt sie sehr rational und bekommt auch mitunter sachliche Hinweise. So fern sie unzurechnungsfähig ist, dann nur hinsichtlich eines Bedürfnisses dem sie sich nicht ganz bewusst ist. Und deshalb wäre sie affärenanfällig. Dem anderen zu unterstellen, er würde dies ausnutzen, geht da fehl. Nach außen wirkt sie rational und selbstbewußt, warum sollte jemand da die Annahme treffen, er könnte sie ausnutzen? Und bei wem liegt die Verantwortung? Ich denke bei jedem selber. nur sind wir mitunter nicht in der Lage unsere partielle "Unzurechnungsfähigkeit" zu erkennen. Passiert dann was, dann ist das schlicht menschlich. Schuld zu verteilen, vor allem "dem anderen" ist da wenig hilfreich, denn dann ist die Sicht auf das eigene Thema verstellt.
Auch ein abgewägter Fremdgänger hat Bedürfnisse die gestillt werden wollen. Wo zieht man da die Grenze? Der Kollege meines Mannes ist wahrscheinlich süchtig danach. Vielleicht hat in seiner Kindheit zu oft gehört, dass er hübsch ist. Letztlich ist es doch müßig darüber zu spekulieren, denn es bringt einem selber nichts.
Das spannende Thema ist doch die Fähigkeit der Perspektivübernahme. Wie gut kann man das? Was hindert einen daran? Jemand der in einem permanenten emotionalen Notstand ist, ist dazu eher nicht in der Lage. deshalb habe ich auch geschrieben, dass ich den Punkt am wichtigsten finde, denn er führt einen zum eigentlichen persönlichen Thema. schau ich nur nach links, weil es wichtig ist, oder tu ich das, um nicht nach rechts schauen zu müssen. Gesund ist, wenn man in alle Richtungen schauen kann. dazu muss man mitunter sich auch die eigenen Abgründe anschauen. Wer will das schon...freiwillig?
Bei meiner Arbeit sehe ich doch ständig, dass Eltern das nicht können, sonst wären sie nicht bei Gericht. Da wird über das Kindeswohl diskutiert und letztlich geht es bei mindestens einem Elternteil um eigene Themen die nicht bearbeitet wurden.
Nur kein Gericht der Welt kann das kurieren. In Folge wird aber dem Gericht die Schuld gegeben oder man erlebt den Beschluss des Gerichts als Bestätigung. In jeder Hinsicht misslich.
Es ist übrigens ganz normal, dass man eigenes Fehlverhalten mit den Umständen erklärt, während das von Dritten als Teil ihrer Persönlichkeit gewertet wird. zur Aufarbeitung gehört es auch beim anderen diese Unterscheidung zu machen. Wieviel hat der Betrug mit der Persönlichkeit zu tun? da hat Barbara Becker die Tage etwas schönes gesagt, denn sie meint, dass dies untypisch für BB gewesen sei. Ich finde das eine sehr versöhnliche Sichtweise. Ich sehe es so ähnlich bei meinem Mann. Gewiss war das nicht sofort möglich. Er ist von der Persönlichkeit her kein mieser Betrüger, so habe ich ihn nicht erlebt. im Gegenteil. Und doch hat er es gemacht. Den Widerspruch konnte ich nur durch die Betrachtung auf sein Verhalten auflösen. Das Verhalten war und ist falsch. Aber es hat Gründe. Und daher gilt für jeden, es geht um die Gründe des Verhaltens.
Und zum Verhalten gehört halt auch der Umgang damit. Für mich trennt sich an dieser Stelle die Spreu vom Weizen. Wobei man kein schlechter Mensch sein muss, wenn man nicht korrekt damit umgehen kann, sondern es auch dafür Gründe geben kann. Ich habe aber kein Helfersyndrom, daher hört irgendwann auch meine Bereitschaft jemanden zu helfen oder zu verstehen auf.