Liebe ImSturzflug,
auch wenn es nur eine geschriebene Sprache ist, klingst du sehr sauer auf dich, vorwurfsvoll; kann das sein?
Zitat von ImSturzflug:
Weil ich mich emotional und auch sonst abhängig gemacht habe. Oder machen lassen habe. Also beides, ich habe es ja zugelassen.
"Du hast es zugelassen". Du gibst dir zu viel "Schuld", kann das sein? Wahrscheinlich, du erwähntest es bereits, dass du ein Thema mit Schuld hast; sei da bitte Milde mit dir. Im Endeffekt ist das ein jahrelang verinnerlichter Glaubensatz. Du bist gerade viel mit dir am arbeiten, es arbeitet viel in dir und du erlebst aber auch einen innerlichen Rückzug, Schwere, Lähmung; du DARFST Geduld mit dir haben. Und ja hier teilweise im Forum und auch in sonstigen Medien wird daraufhin hingewiesen, dass man auch immer seinen Anteil im Blick haben sollte. Aber das heißt nicht, dass du dich dafür fertig machen sollst und ich glaube weiterhin, dass es für dich erst einmal wichtig ist zu erkennen, was er mit dir gemacht hat bzw. diese Erkenntnis dir "einzuverleiben" und ihn dafür nicht zu entschuldigen, auch wenn er Erfahrungen gemacht haben wird, warum er ist wie er ist. Es ist dennoch seine Art, sein Charakter, dich so behandelt zu haben und das hat nichts mit dir zu tun. Er ist so wie er ist und erkennt es nicht. Es ist völlig legitim, dass du diese Struktur von ihm, zwischen euch, nicht erkannt hast oder sie verharmlost hast. Ganz subtil gefragt - jemand anderen an deiner Stelle würdest du dafür auch nicht verurteilen, ganz im Gegenteil du wärst eine sehr gute Gesprächspartnerin auf Grund deiner eigenen Erfahrung dein Gegenüber bestmöglich unterstützen zu können. Da bin ich mir sicher.
🌼Zitat von ImSturzflug: Emotionale Abhängigkeit?
Ich weiß es nicht. Aber es nervt mich ja selbst. Und auch dadurch geht mein Selbstwert weiter in den Keller und ich hänge noch mehr in der Abwärtsspirale.
Emotionale Abhängigkeit hat den Charakter, dass es so verwerflich und schwach klingt, nicht richtig; vielleicht ist es das, was dich an dieser Bezeichnung so hadern lässt? Selbst wenn es von dir emotionale Abhängigkeit war, es ist kein Grund deswegen wütend auf dich zu sein, dich deswegen zu geißeln. Ich würde nun einmal behaupten, dass viele sehr schnell in einer Beziehung emotional abhängig werden und es nicht merken. Den Weg, den du bereits am Gehen bist - ja bist du, auch wenn du manchmal kriechst oder einfach nur wartest - wird dir niemand mehr streitig machen können, du wirst an emotionaler Reife dazu gewinnen, du wirst besser auf dein Inneres hören können und schneller Beziehungsstrukturen erkennen, dich schützen und evtl gehen können, wenn du merkst, dass dir etwas/jemand schadet; ich hoffe, ich wünsche dir, dass du lieb mit dir sein kannst, dass du Selbstannahme erlernst, erfährst - doch das wirst du, ganz sicher!
Höre doch Mal in die Podcasts von Verena König herein, sie hat auch welche zur Thematik emotionale Abhängigkeit, toxische Beziehung usw. und ich finde sie hat eine sehr angenehme Art zu reden; beruhigend und aufbauend, in den Arm nehmend.
Lies doch Mal kurz bei Feldenkrais hinein. Vielleicht ist das etwas für dich, vielleicht gibt es eine Gruppe dafür in deiner Stadt? Ich würde behaupten, diese Art der Körperbewegung könnte dir gut tun - neue Bewegungen entdecken, erlernen; Gehirnstruktur verändert sich ebenso, Körperanspannung lösen und neue Menschen kennen lernen

Gibt es einen Ort, an den du unbedingt einmal hin magst? Welche Sprache wird dort gesprochen? Magst du diese lernen und dich beim Lernen jedes Mal etwas freuen, wenn du an dein nächstes Besuchsziel denkst?
Fühl dich bitte nicht überfordert davon und die folgenden Worte mögen eventuell nerven, fühlen sich an, als wären sie zu viel verlangt - manchmal müssen wir uns erst zur Veränderung entscheiden, entscheiden etwas in die Hand zu nehmen, entscheiden mutig zu sein, entscheiden weiter zu gehen, entscheiden Hoffnung im Herzen zu tragen. Auch das mag seine Zeit dauern; erst sind es nur Worte im Kopf, dann ein Gefühl im Bauch, dann ein Versuch, dann eine Handlung, eine Einstellung, die zu deinem selbst gehören wird, die du nicht mehr hergeben magst, auch wenn es nur für eine Zeit ist.
Findest du Trost, Hoffnung und Freude, Zuversicht in Literatur? In Worten, in Sprache?
Vielleicht wäre Siddharta von Hermann Hesse etwas für dich
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