Eigentlich wollte ich am Sonntag hier endlich mal Antworten. In Ruhe und ausführlich. Aber wie es halt so ist... Die Zeit rinnt, auch wenn man nur versucht, klar zu kommen und sonst kaum Termine hat.
Zitat von Klio: Wie war dein Selbstbild bevor du ihn kanntest? Wie hast du über dich gedacht? Konnte dich jemand leicht aus deiner Mitte befördern, an deinen Gedanken, Einstellungen zweifeln lassen? Denkst du andere sind "besser" als du? Mehr wert? Hattest du vertrauen in dir, in deine Selbstwirksamkeit? Oder sind manche der genannten Punkte erst innerhalb der Beziehung so aufgetaucht oder erst nach der Trennung?
Bevor ich ihn kannte war ich jung, haben uns 2008/2009 kennen gelernt... Ich war sehr viel mehr in meiner Mitte als jetzt, wenn auch trotzdem eher desorientiert, was ich so mit meinem Leben anfangen soll. Aber da konnte man mich nicht so leicht raus befördern, ich habe auch nicht in Erinnerung, dass ich in irgendeiner Form an mir, meiner Einstellung oder ähnlichem hätte Zweifeln müssen. Vielleicht hatte ich zu diesem Zeitpunkt aber auch einfach ein sehr sehr sehr gutes Umfeld. Einige der genannten Punkte sind während der Beziehung aufgetaucht, so Stück für Stück. Als ich mich mehrfach habe überrumpeln lassen, mir eben ganz komisch Gefühle oder Wünsche abgesprochen wurden etc. Als mir erklärt wurde, dass meine Art mich da in Griechenland einzubringen nicht richtig sei und andere ja viel bessere Ansätze hätten (mir ging es mit vielem eigentlich ja ganz gut, bis mir eben mehrfach gesagt wurde dass das falsch war, was ich falsch mache, von Leuten, die da genau so wenig zu sagen haben wie ich und eben von ihm, meinem Ex)
Und seit der Trennung ist jetzt leider irgendwie alles kaputt.
Zitat von Klio: Welche kannst du darüber hinaus bei dir erkennen?
Dass ich mich, überangepasst, in der Beziehung verloren habe, mir Aufgaben habe aufbürden lassen, die ich gar nicht haben wollte. Ich habe das Gefühl, irgendwie nur in meinem Kopf zu existieren und ich kann mich garnicht verständlich machen (Grenzen, Emotionen, Bedürfnisse), mein Selbstvertrauen ist weg, ein Selbstbild habe ich nicht mehr, ich habe die Verbindung zu mir verloren.
Zitat von Klio: Es ist einfacher den "Fehler" bei sich selbst zu suchen, da man diese vermeintlich mehr unter Kontrolle hat.
Ja, in meiner Situation greife ich nach jedem Kontroll-Stohhalm. Aber ist halt alles eine Illusion und macht alles nur noch schlimmer. Aber das mit der "Schuldfreien" Akzeptanz klappt gerade nicht.
Zitat von Klio: Du bist extrem hart zu dir; kannst du daraus einen Nutzen für dich erkennen?
Nein. Ich komm da aber nicht von weg gerade, ist wie so eine Achterbahn, manchmal hab ich das Gefühl davon weg zu kommen, im Moment zu sein, den Blick so ganz ganz langsam nach vorne richten zu können aber zack, führen die Schienen zurück zum Gedankenstrudel, den Selbstvorwürfen, der Selbstzerfleischung, der Trauer etc.
Zitat von Klio: Was ich meine, sei froh, sei bitte bitte froh, dass er nicht mehr neben dir ist.
Ja. Rational sehe ich das ganz genau so. Emotional bräuchte ich ihn, seine Pläne, unsere Pläne, auch um irgendwas für "nach" meiner Mama zu haben. Emotional trauere ich darum, jetzt wohl sehr sicher keine Familie mehr gründen zu können. Vermisse ich seine unbedachte Art einfach mal was anzugehen (ja, ich weis, blieb ja nur beim was angehen, das fertig machen war dann oft meine Aufgabe), die vielen vielen Themen mit den er sich beschäftigt hat und den Input dadurch, ... Mein Herz weint einfach noch und mein Suchtsystem ist mit dem Entzug noch nicht ansatzweise durch.
Zitat von Klio: ch bin am Ende verstummt und ich weiß gar nicht mehr wer ich letztes Jahr war.
Verstummt bin ich auch, zumindest in Bezug auf meine Themen, und ja, verloren habe ich mich auch. Lag aber auch an der Pflege meiner Mama, die da noch dazu kam.
Zitat von Klio: Ich hatte mich entfremdet. Vielleicht hast du das über die Jahre auch ein wenig getan? Fühlst dich fremd deinem eigentlich gedachten Sein gegenüber?
Ich habe kein gedachtes Sein mehr. Immerhin stolper ich seit der Klinik nicht mehr so wild durch die Gegend... Ist zwar noch kein echtes Körpergefühl aber irgendwas in die Richtung.
Zitat von Klio: Du meinst dein Körper ist sehr angespannt, quasi in Dauerstarre?
Auch wieder Ja. Leichenstarrenmäßig überwiegend von Kiefer und Nacken ausgehen, aber ich erwische mich ganz oft mit an den Körper gepressten Armen, Hände zur Faust geballt oder vor dem Körper zusammen, dass ich mich möglichst klein mache, Schulten hoch ziehe etc.
Eigentlich müsste das alles halt doch mal besser werden.
Zitat von clumsy: Wenn Du die Zeit zurückspulen könntest: Würdest Du das nochmal auf Dich nehmen?
Kopf: pf! Niemals!
Herz: na klar! und dann wird alles besser! jetzt wissen wir ja was nicht funktioniert hat!
Zitat von LH4: Schreibst du Tagebuch?
Nein, viel zu inkonsequent. Hier halt ab und zu, aber vor allem weil da Resonanz kommt, die mir gut tut und so wertvoll für mich ist, dass ich da auch antworten, weiter schreiben etc. möchte, um wenigstens ein bissen Wertschätzung da zu lassen.
Zitat von LH4: Sachen halt, wo man sich konzentrieren muss?
Zählt Laubrechen? Nein, tatsächlich habe ich sowas im Moment nicht. Wenn ich draussen mit der kleinen Kettensäge rum hüpfe, da sollte ich mich konzentrieren. Und ich habe ein paar Bau- und Bastelideen, da ist zumindest ein bisschen Konzentration ganz förderlich.
Zitat von LH4: Hast du einen Plan für die langen Herbst/Wintertage?
Puzzeln. ausmalen ( es gibt gute Mandalas für "große"), oder freies zeichnen ( ich beneide jeden um dieses Talent), stricken, Suduko...... Sachen halt, wo man sich konzentrieren muss?
Noch nicht... Ich schau gerade jeden Tag meine seit ca 8 Jahren nicht mehr genutzte Gitarre an und vielleicht sollte ich die reaktivieren... Und eben Bau- und Bastelprojekte im Keller umsetzen.
Zitat von Scheol: Geduld , ist das was man in der Situation nicht hat. Aber es ist wichtig.
Muss man mir scheinbar noch sehr sehr sehr oft sagen. (Und danke für den Tipp mit der Klopftechnik! Bringt im Moment noch wenig ausser kribbelnde Fußssohlen und Tränen, tut aber gut, ist wie eine Art Achtsamkeitsskill. Okay, die Sätze verändern sich.)
Zitat von Klio: Ruhst du dich aus? Manchmal ist man nach einer Erledigung bereits ziemlich erschöpft und fragt sich warum; früher war das doch auch nicht so.
Ich versuche es. Aber irgendwie habe ich Ausruhen auch nie gelernt...
Zitat von Klio: Stillstand ist auch Reinigung, Heilung, Verarbeitung. Somit ist kein Stillstand wirklich ein Stehenbleiben. Stillstand ist Werden im Inneren.
Ich komme aber (gefühlt?) nicht ran, an mein Inneres.
Zitat von Klio: Wie sieht es mit dem Aufraffen auf zu spazieren? Ist der Anfang geschafft, tragen einen die Beine von ganz alleine. Einfach immer weiter laufen.
Ich scheitere am anziehen... Im Garten kann ich rumgruschteln wie ich will. Aber vielleicht sollte ich aufhören, mir über sowas Gedanken zu machen und einfach trotzdem raus gehen.
Zitat von Klio: ielleicht kannst du dir gedanklich Assoziationen schaffen - wie verloren die Blätter auf dem Boden liegen, ihre Zeit ist bald vorbei, sie werden verschwinden, sie werden eins mit der Erde. Bin ich auch so? Verloren und gefallen? Wie mag sich der Baum fühlen, der nun eine Zeit erlebt, so einsam ohne seine vielen verschiedenen Blätter, um sich herum? Er verbringt seine Zeit im Stillstand, im Werden, in sich sich selbst, verbunden durch seine Wurzeln mit der Erde und seinen verlorenen Blättern. Zuweilen ist er etwas traurig. Aber diese Traurigkeit hat nichts mit Unglück zu tun. Er ist in Verbindung mit sich selbst und es schmerzt. Legt sich der Schnee auf seine Äste spürt er ihn umso mehr, aber er weiß um dieses kommende Gefühl - freisein. Wind und Sturm beunruhigen. Aber er hat Zuversicht. Er weiß - alles geht vorbei. Er wird immer verwurzelt bleiben, diese Tatsache bedingt einen ständigen Wachstum. Nach einer Zeit sind seine Knospen sichtbar, sie brechen auf und veränderte Blätter erscheinen, umhüllen ihn. Er erfreut sich seiner vielen verschiedenen Blätter, er weiß auch dieses Mal hat er die Zeit überstanden. Er weiß - alles geht vorbei. Jedes Blatt steht für ein Erlebnis, ein Gefühl, einen Gedanken. Er mag sie so lange halten, wie möglich und erinnern. Versuchen jeden Augenblick mit Achtsamkeit zu füllen, Liebe und Wärme. Sie werden fallen die Blätter, aber niemals unsichtbar werden. Manche Blätter haben Schmerz gebracht, Angst, Dunkelheit, Enttäuschung und Einsamkeit. Sie werden zu Erinnerungen, Gefühlen und Gedanken. Sie werden verschwinden, sich auflösen, eins mit der Erde werden, an Farbe verlieren. Nach einer Zeit entstehen neue Blätter, der Baum weiß von dem Vergangenen, aber er kann dieses Wissen nutzen.
Das ist so schön!
Zitat von Klio: Wie wirst du deins einmal Nutzen?
Hoffentlich... Ich berichte dann hier. Auch darüber, welches Wissen da überhaupt entstanden ist.
Danke euch allen, für Denkanstöße, Kommentare, schöne Texte, zeigen dass ich nicht alleine bin und es (leider) mehr Menschen da draussen so geht, Hilfe und gutes zureden und noch viel mehr.