ominöser-gast
Gast
du schneidest viele Themen aus meiner Geschichte an.
ich versuche mal kurz einen Abriss...
Mein Auszug aus der gemeinsamen Wohnung war, auch aus heutiger Sicht, der richtige Schritt im Sinne meines Sohnes.
Ja, ich hätte es nicht machen - und alles zurücklassen müssen.
Nur, verändert hätte es nichts, außer dass das Zuhause meines Kindes auseinandergerissen worden wäre.
Das, was ich zurückließ, wurde bereits ersetzt.
Ich trauere dem auch nur mäßig nach.
Ich habe schon lange wieder eine eingerichtete Wohnung, welche für mich und mein Sohn (wenn er bei mir ist) ein Zuhause geworden ist.
Natürlich, materiell hat sie den besseren Schnitt gemacht - dafür muss ich nicht mehr ihre Experimente aus dem Thermomix ertragen und brauche keinen Rasen mähen.
So gesehen...
Den Blick auf sie gerichtet kann ich sagen, ich trage ihr ihre Entscheidung unsere Partnerschaft zu lösen,schon lange nicht mehr nach.
In den Wochen nach meinem Auszug wurden die letzten Verbindungen gekappt und wir trieben auseinander.
Ich habe ihre Schwelle nie wieder übertreten und sie nicht die meine.
Gespräche bzgl Kind werden informativ geführt.
Gespräche bzgl laufende Scheidung sachlich/formal.
Ob sie aktuell einen Partner hat?
Wohin sie in den Urlaub fährt?
das ist die Antwort:
Das ich ihr, Stand heute, von ganzem Herzen nur das Beste wünsche, wäre sicher zu weit gegriffen.
Ich wünsche ihr aber auch nichts nachhaltig Schlechtes.
Meine Wünsche in ihre Richtung sind überhaupt sehr überschaubar geworden.
Es ist natürlich traurig, wenn nach 18 gemeinsamen Jahre scheinbar gar nichts mehr bleibt.
Es ist aber doch die Art und Weise, wie sie es gemacht hat, ihr Verhalten während und nach der Trennung, welche mir den Weg zu einem freundschaftlichen Verhältnis verstellt.
Noch.
Wer weiß was die Zukunft bringt.
Viel spannender ist es doch aber, wenn ich den Blick auf mich richte.
Ich habe tolle Freunde!
Ich bin wieder viel mehr unterwegs.
Ich bin, wenn auch erzwungener Maßen, an Erfahrung reicher geworden.
Reifer?
Vielleicht.
Ich habe,gerade hier, interessante Menschen kennengelernt.
Ich habe interessante Sichtweisen kennengelernt.
Fast könnte man sagen, ich sei Urmelaner geworden.
Aus manchen Begegnungen wurden reale Freundschaften, die ich nicht mehr missen möchte.
Zwei Dinge möchte ich aber besonders herausstreichen.
In den zurückliegenden anderthalb Jahren, wo ich allein lebe und mein Sohn an den Wochenenden und Ferientagen bei mir ist, genießen wir beide diese gemeinsame Zeit doch sehr.
Trotz gelegentlichem Schimpfen und dem Zwang sich, auch bei mir, die Zähne putzen zu müssen.
Ich habe täglich Kontakt.
Einmal pro Woche hole ich ihn aus der Schule ab und habe auch so Einsicht in seine Entwicklung, die gut ist.
Und das ist, so ehrlich kann ich sein, durchaus auch dass Verdienst meiner Ex-Frau.
und dann hat mir doch das Leben im vergangenen Herbst diese Schneeflocke in die Hände gelegt