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Abschiedsbrief für meine Schwester

MaryAnne


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Ich würde das konkret ansprechen. Ihr ist möglicherweise nicht bewusst, dass sie ihr eigenes Bild von Beziehung als Vorbild nimmt. Jede Beziehung kann, insbesondere in Krisenzeiten, wenn kleine Kinder da sind oder anderer Stress da ist, s. runterfahren. Ich fände es hier wichtiger zu wissen wie es deinem Mann mit eurer Nähe und Intimität geht. Ob ihm etwas fehlt, oder ob er vielleicht auch einfach zufrieden ist. Das kann nämlich auch gut sein. Das Märchen, dass Beziehungen nur welche sind, wenn S. eine bedeutende Rolle spielt, ist eben nur ein Märchen. - Sonst wäre jeder Mann und jede S.workerin ja ruckzuck ein Paar. S ist ein wichtiger Teil, weil man so nah sonst nur wenige Menschen an sich lässt und es stimmt auch, dass Paare in Trennung, die noch S haben eine großere Chance haben, wieder zueinander zu finden.

Aber jedes Paar ist anders. Deshalb würde ich erst einmal mit ihm reden - wenn du seine Antworten noch nicht kennst und ihn nach seinem Gefühl und seinen Wünschen fragen. Vielleicht ist dein Mann einfach froh, dich nachts im Arm zu halten und das Gefühl zu haben, dass es mit euch bergauf geht.

Mit der Antwort, die du von ihm erhält, würde ich dann das Thema bei der Therapeutin ansprechen und auch klar sagen, dass ihre Fragen dich unter Druck setzen - was s. ja auch eher Kontraproduktiv ist.

Generell, da es ja sehr lange um deine Situation und jetzt auch um das Thema Therapie und Depression gegangen ist, würde ich bewusster meinen Mann betrachten und ihm zeigen, dass die Sonne mit dir wieder scheinen wird.

22.03.2020 14:41 • #31


Ela2014


Mein liebes Leben,

Ich hoffe, du bleibst mir noch lange erhalten und ab heute will ich dich genießen und auskosten bis zur letzten Minute. Vieles musste ich bisher überstehen aber ich lebe und ich habe gelernt. Jetzt ist es Zeit, wieder entspannt durch den Tag zu gehen und dennoch wachsam zu bleiben. Gerade in dieser Corona Krisenzeit wird überdeutlich, was wichtig ist. Und das wichtigste ist bei dir: die Menschen die du liebst und die dich lieben. Gerade ihnen musst du nichts mehr beweisen. Ihre Liebe bekommst du jeden Tag geschenkt, ohne etwas dafür leisten zu müssen. Das war vielleicht die wichtigste Lektion deines Lebens: Liebe bekommt man geschenkt oder eben nicht. Liebe kann man sich nicht verdienen. Deshalb hatte das was von dir in der Vergangeheit verlangt wurde, nichts mit Liebe zu tun. Du darfst dich davon lösen und deinen Weg gehen. Er liegt vor dir glasklar und deutlich. Du weißt, was dir gut tut und was nicht. Du darfst deine Schritte mit bedacht nehmen und den Weg genießen. Alles was du dafür brauchst ist da! Alles Liebe dir!

Deine ...

23.03.2020 08:10 • x 1 #32



Hallo Ela2014,

Abschiedsbrief für meine Schwester

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Ela2014


Liebe Mary Anne,

Danke für Deine Antwort! Ja, du hast Recht, ich werde meinen Mann einfach fragen, was er jetzt von mir braucht. Auch für ihn waren es hammerharte Jahre mit einer depressiven Frau zu leben, die ständig nur um ihre eigenen Probleme kreiste. Er hat mich nie aufgegeben und war immer an meiner Seite. Und das obwohl ich ihn manchmal nicht mehr ertrug und ihn von mir weg stieß. Er vergrößerte einfach den Abstand ein Stück aber er blieb da, mir zugewandt und mit offenen Augen und Ohren. Das muss ihn enorm viel Kraft gekostet haben. Jetzt braucht er mich und er darf mich wieder belasten. Darin zu vertrauen, dass ich nicht wieder weg breche, wird ihn vielleicht etwas Zeit kosten. Aber wir haben alle Zeit der Welt!

Danke!

23.03.2020 11:36 • x 1 #33


MaryAnne


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Das klingt so positiv und schön. Ich wünsche dir alles Glück dabei

24.03.2020 10:07 • #34


Ela2014


Hallo ihr Lieben! Ich wollte mich mal kurz zurück melden. Es geht mir gut. Auch meine Entscheidung, mich weiter von meiner Ursprungsfamilie zu distanzieren tut mir gut. Im Moment habe ich noch Schwierigkeiten damit, die schönen Erinnerungen, die es ja auch gibt, richtig einzusortieren. Zu lange haben die schlimmen verletzenden Erfahrungen überwogen. Mein Mann und mein Sohn sind derzeit eine große Hilfe. Trotz der allgemeinen Krisenlage sind sie so positiv und tatkräftig. Sie renovieren einfach ein Zimmer, weil unser Kurzurlaub aufgrund der Corona Krise ausfallen musste. S. läuft zwischen meinem EM und mir zwar immernoch nichts aber wir wachsen als Familie weiter zusammen. Ich hoffe, dass sich dadurch auch unser Eheproblem leichter lösen lassen wird. Ich schmiede Pläne für die Zeit nach Corona. Ich will noch einmal eine Weiterbildung machen, um mir ein zweites berufliches Standbein zu schaffen. Und ich beginne, mein negatives Selbstbild mit meiner neuen Wahrnehmung von mir selbst zu überschreiben. Die nächsten depressiven Tage kommen bestimmt aber ich hoffe, ich werde nicht mehr ganz so tief fallen. Vielen Dank an euch! Passt auf euch auf und bleibt oder werdet gesund!

Vor 11 Stunden • #35


Ela2014


Ein letztes Wort an meinen AM. Ich bin dankbar, denn nun ist es gut. Ich hab dir immer gesagt am Ende wird alles gut. Somit wäre jetzt das Ende erreicht. Ich hoffe auch für dich ist alles gut so.

Und ich hoffe, wir sehen uns eines Tages wieder, trinken einen Kaffee und erzählen uns, was in unserem Leben so passiert ist.

Ich bereue nichts! Ich hoffe, du auch nicht! Alles Liebe!

Vor 34 Minuten • #36




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