Zitat von Kaetzchen:
Und hier zeigt sich der Nutzen einer Affäre für die Hauptbeziehung - denn nach einer solchen, sofern sie auffliegt oder gebeichtet wird, passiert auf einmal genau das wieder in der Beziehung, was vorher nicht da war. Gespräche. Gespräche über Intimes, über Gedanken, Sehnsüchte, Wünsche, über GEFÜHLE. Und das erzeugt Nähe, die vorher fehlte, und kann daher die Hauptbeziehung wieder befeuern.
Das kann ich so bestätigen. Insofern hat eine Affäre für die Ehepartner durchaus einen Nutzen, wenn sie es denn auch als solchen erkennen und "nutzen" können. Nicht alle Ehepartner können diesem "Unglück" für sich diesen Nutzen abgewinnen, weil zunächst die Verletztheit sämtliches Empfinden betäubt.
Zitat:Leider hält das in den seltensten Fällen lange vor - erfahrungsgemäß gibt es ein kurzzeitiges Hoch in der Beziehung nach dem Auffliegen einer solchen Sache, das dauert etwa ein halbes Jahr, das von vielen Betroffenen aber sogar als "zweiter Honeymoon" bezeichnet wird, weil die Hormone da wieder so hochkochen wie in einer frischen Beziehung. Ja, sogar von ganz neuer Verliebtheit ist die Rede.
Auch wir haben diese erneute Verliebtheit wieder gespürt, insofern geb ich Dir auch hier Recht. Ist halt eine ziemlich biochemische Angelegenheit in dieser Zeit....
Zitat:Danach geht es aber leider meistens wieder zurück zu dem, was vorher schon war, nur kommen dann noch stumme Vorwürfe, Schuldgefühle, Misstrauen und Kontrolle hinzu ... und dann dreht sich die Spirale wieder in die negative Richtung. Weshalb die allermeisten Beziehungen einen solchen Betrug eben NICHT überdauern.
Das mag nun für die meisten Beziehungen, welche nach einer Affäre die Fortsetzung versuchen, zutreffen. Angeblich halten nur 10 bis 12 % der betroffenen Ehen bzw. Beziehungen im Endeffekt eine Affäre aus. Jedoch liegt das doch nicht an dem Konstrukt "schlechte Ehe/Beziehung" sondern an den Beziehungspartnern selbst. Hier kommt es doch ganz entscheidend darauf an, wie die jeweiligen Personen diese Erfahrung tatsächlich nutzen um an ihr zu reifen.
Setzt man sich nach dem Auffliegen einer Affäre genau in dieser Zeit, in der die "Verliebtheitshormone" wieder etwas abnehmen, nicht weiter mit dem Thema auseinander sondern geht dann, erleichtert ob der schnellen und einfachen Affärenverarbeitung wieder zum Tagesgeschehen über, so ist man sicherlich bald sehr schnell wieder am Ausgangspunkt angelangt.
Aber nach meiner Überzeugung nutzt es rein gar nichts, wenn ich mich deshalb trenne und "mir einen neuen Mann/Frau suche, der mich aufrichtig liebt und mich auch verdient hat".
In diesem Fall nehme ich doch meine unzulänglich verarbeiteten stummen Vorwürfe, Schuldgefühle, Misstrauen usw. mit.
Genau dies macht es doch überhaupt auch schwer eine neue Beziehung einzugehen.
In aller Regel handelt es sich hierbei dann um Menschen in der Lebensmitte, die durch ihre bisherigen Erfahrungen geprägt, auf der Suche nach dem "Traumpartner" sind. Aufgrund des Alters wird ein potentieller Traumpartner dann auch vom "Zweitmarkt" stammen, also auch bereits schon seine Kratzer des Lebens abbekommen haben. Reine Heile -Welt-Idylle wird es auch da nicht lange geben.
Es sei denn, die Beziehungspartner haben sich eingehend damit befasst, warum sie da stehen wo sie stehen. Weshalb die vorherige Beziehung gescheitert ist, bzw. weshalb ein Partner in eine Affäre ausgebrochen ist und dabei in der Beurteilung und Aufarbeitung das Augenmerk nicht nur auf den anderen sondern auf die eigene Person gelegt.
Wenn das geschehen ist, dann kann eine neue Beziehung auch funktionieren, aber eben auch die neue "alte Ehe" genauso wieder.
Falls die Betroffenen die eingehende Verarbeitung auch der eigenen Anteile aber unterlassen, dann sind sie bald wieder soweit wie zuvor und dies auch durchaus mit neuen Partnern. Um die Statistik wieder einmal zu bemühen: Zweitehen haben ein noch weitaus höheres Scheidungsrisiko.
Affären können also durchaus ihren Nutzen haben sofern alle Akteure auch die Bereitschaft haben diesen zu erkennen.
Insofern haben wir die Affäre meines Mannes durchaus genutzt um uns auch selbst zu hinterfragen. Wir haben "Abgründe" im anderen aber auch in uns selbst entdeckt. Wir versuchten den jeweils anderen mit seinen Abgründen anzunehmen auch wenn es manchmal alles andere als einfach war.
Im Ergebnis ist es uns bis dato auch gelungen diese Abgründe gemeinsam zu überwinden und wir haben dadurch auch gelernt, dass wir bei gutem Willen hierzu alles zusammen angehen können. Dies macht stark für die Zukunft, haben wir so doch nun das notwendige Rüstzeug unsere "Abgründe" gemeinsam anzugehen.
Deshalb "Nutzen" aus einer Affäre gezogen -- ja.