Zitat von Gast2017:Kann es sein, dass Du zuweilen Drama mit Liebe verwechselst? Versteh mich nicht falsch, das ist kein Vowurf, ich habe da selbst so meine Tendenzen...
Gut, dass du das ansprichst... ich höre mir im Moment viel von Robert Betz an, diesem Psychologen, der auch Vorträge und Seminare gibt.. Den Vortrag "Wer liebt, der leidet nicht!" habe ich zig mal gehört und jedes Mal wurde mir mehr und mehr bewusst, wie schwer ich es mir in meinem Leben gemacht habe und Leid tatsächlich sehr oft mit Liebe verwechselt habe. So nach dem Motto "Wir fühlen uns erst richtig lebendig, wenn wir richtig leiden und Dramen durchleben!" Im Endeffekt ein absoluter Trugschluss.
Ich habe all meine Beziehungen überdacht und bin zu der Schlussfolgerung gekommen, dass tatsächlich nur eine einzige Beziehung wahre Liebe war und diese habe ich leichtfertig nach sieben Jahren beendet, weil er für mich plötzlich nur noch ein Freund war.
Nun ist es so, dass ich mir natürlich nach wie vor Gedanken mache, was nun Liebe ist und was nicht?! Ich glaube, diese Tendenzen, Leid mit Liebe zu verwechseln gibt es sehr oft.. denk an all die herzschmerz-Songs, all die dramatischen Liebesgeschichten unserer Geschichte... offensichtlich scheint es immer nur Liebe zu sein, wenn es richtig brutal weh tut. Aber das ist ein Irrtum.
Und deshalb versuche ich neuerdings zu begreifen, dass Liebe absolut NICHTS mit leid zu tun hat. Und dass Liebe nicht bedeutet, dass der Andere einem irgendwas geben sollte, was man dringend braucht´. Das wäre ja nur Abhängigkeit, aber auch keine Liebe.
Wenn wir halbwegs bei uns sind, können wir lediglich mit einem Partner unsere Vollständigkeit leben, aber wir dürfen nicht davon ausgehen, dass der Partner UNS vervollständigt.
Wie gesagt: Die Umsetzung ist schwierig, aber ich lasse mittlerweile vieles nur noch auf mich zukommen, ich grübele nach wie vor viel, aber letztlich würde ich mich nicht mehr zerreißen, nicht mehr nächtelang weinen oder am Ende sogar mich selbst aufgeben für ein bisschen Zuwendung. Wie gesagt: Mit Liebe hätte das ohnehin nichts mehr zu tun.
Ich umgebe mich mit Menschen, die mir guttun, die das Beste aus mir rausholen und aus denen ich das Beste rausholen kann. Wenn man sich gut tut und selbst bei sich ist, wenn man tiefgründige Gespräche führen kann und dennoch zusammen das Lachen nicht verlernt, sehe ich darin nichts verwerfliches. Und spätestens dann höre ich auch auf, mich zu fragen, ob es nicht vielleicht doch besser gewesen wäre, erst mal alleine zu bleiben.
Ich denke, wir sollten primär erst mal begreifen, dass Liebe und Leid absolut nichts miteinander zu tun haben.. das ist mitunter ein langer Prozess und es lässt sich zwischendurch eine harte Bruchlandung trotzdem nicht vermeiden...
