Zitat von Pinkstar: whynot, erfülltes Leben ist ja alles schön und gut und auch ein tolles Gefühl, aber bitte mit Ehrlichkeit und Offenheit. Der EF wurde ja was vorgespielt und das darf nicht sein! Und zwar von der TE selber und dem AF.
Lass mich einmal so beginnen: Was wäre, unaufgeregt betrachtet, bei dieser Geschichte denn der Idealfall, das umfassende Happyend gewissermaßen?
Für mich zumindest wäre der, hätte der Geliebte der TE seiner Frau gleich frei heraus sagen können, er habe eine tolle Frau kennengelernt, schäume über vor Schmetterlingen und Verlangen usw., und seine Frau hätte mit ihm gejubelt, alle Beteiligten hätten sich kennengelernt und das Leben auf ihre Weise in vollen Zügen genossen. Und das I-Tüpfelchen wäre noch gewesen, hätte die EF dann auch noch gesagt, sie habe ihrerseits schon längst das Verlangen, mal wieder etwas mit einem anderen Mann zu haben (oder habe das auch schon).
Allerdings ist die Realität eben leider nur selten der Idealfall.
Und warum ist das so? Bezogen auf sogenannten Affären? Ich habe es ja bereits kürzlich irgendwo geschrieben:
Erstens wegen der massiven Überempfindlichkeit in diesen Dingen, die bei manchen ja geradezu vernichtende Ausmaße annimmt (Freud nannte es "narzisstische Kränkung", man könnte es auch eine weitverbreitete schwerwiegende Zentralneurose nennen).
Zweitens weil die Neupartnerin (da ich dieses sprachzerstörende Gendern satt habe, schreibe ich, gewissermaßen zugleich aus Notwehr wie zwecks ausgleichender Gerechtigkeit alles nur noch in der weiblichen Form) früher oder später den zunehmenden Drang entwickelt, den AM ganz an sich zu reißen und aus der bestehenden Beziehung herauszulösen. Statt drei Glücklichen kommen also in der Regel drei Unglückliche heraus, wobei die "Betrogene" mitunter das Glück hat, von ihrem Unglück nichts zu wissen.
Und mal ganz nüchtern besehen: Was bleibt in einer solchen Situation denn anderes übrig als zu lügen? Oder, meist, zu verheimlichen? Spricht man die Dinge, die noch dazu meist ja noch ganz ungewiss sind, offen an, so bricht die Welt zusammen. Das weiß man ja. Und man müsste geradezu verrückt sein, riskierte man das in diesem Stadium.
Das Problem ist doch: In aller Regel gerät man durch eine Paarbeziehung unweigerlich abermals in diese Kindheitsrolle, die einem zu früheren Zeiten schon längst zum Hals herausgehängt ist, in der man plötzlich allerhand wieder nicht mehr darf. Nicht einmal, sich verlieben oder mal auswärts pop..
Das kann ja nur zu einem Seiltanz werden zwischen Verlangen und Begierde und Anspruch und Forderung. Und niemand wird sagen können, wohin er womöglich stürzen mag. Jede Selbstgerechtigkeit wäre hier wahrlich fehl am Platz.
Was allerdings der Fall ist, ist, dass nicht wenige Menschen im Grunde mehr oder weniger asexuell sind und im Beziehungsfall mehr aus Brauchtum Sex haben denn aus einer überwältigenden Begierde heraus. Es ist halt ein Beiwerk, ohne größere Überhitzungen. Und in dem Fall lässt es sich natürlich ganz bequem treu sein, weil man diese Lusthüpferei im Grunde ja gar nicht braucht.
Was aber auch der Fall ist, ist, dass eine solche erfahrene, lustdurchpulste Vollblutfrau, wie es sie eben auch gibt fallweise, nahezu jeden Mann in geradezu erschütternder Weise in Flammen setzen kann. So wie das ein Mann unter Umständen mit Worten kann, die eine Frau mitten ins Herz treffen und es heillos auflodern lassen.
Wie auch immer. Ich setze bei allen über 30 voraus, dass sie zumindest eine geringfügige Ahnung haben von den Dingen des wirklichen Lebens und wissen, dass, gehen sie eine Beziehung ein, allerhand passieren kann, eben auch ein "Betrug". Alles andere wäre eine Naivität, bei der die Chance groß ist, dass sie früher oder später bestraft wird.
Zitat von Pinkstar: Egal, was jeder Mensch macht, er sollte dazu einfach stehen. Und das ist in meinen Augen immer das Problem überhaupt an solchen ganzen Affärengeschichten.
Nein, da wird schön geschauspielert, das Blaue vom Himmel herabgelogen. Das ist das schlimme daran, sogar noch schlimmer, als die Affäre an sich.
Zu diesem Thema noch - ich erlaube mir, es etwas zu erweitern:
Hast Du Dir gegenüber schon einmal einen Mann reden gehört (im Anfangsstadium) von etwas wie: Ich werde dich für immer lieben, ich werde dich nie verlassen, du bist ein Wunder für mich, ich möchte nie mehr ohne dich sein usw.? Und hast vielleicht Du selber schon Männern in dieser Art geredet?
Gut, dieses Für-Immer dauert dann in der Regel ein paar Jahre, vielleicht auch nur ein paar Monate, eine Ewigkeit mit anfänglich unsichtbarem Ablaufdatum.
Sind, waren das alles dann nur Lügen? Oder Wahrheiten aus dem aufgeschäumten Zustand heraus, die allerdings schwindsüchtig werden, beginnen die Wogen sich zu glätten? (Und lassen zugleich die gegenseitigen Anstrengungen des Liebesgewinns deutlich nach.)
Ich kann allen, die sich das Liebesglück trotz aller Rückschläge und mehrmaligen Gegenbeweise nicht vermiesen lassen wollen, nur zu einem Grundsatz raten: Alles glauben, nichts für wahr halten.
Man hört sie doch gerne, alle diese schönen, erbaulichen Worte, schwelgt und wogt darin, überlässt sich der Seligkeit und den Träumen, die sie mit sich bringen - obwohl man durchaus weiß, dass sie Worte des Augenblicks sind, die morgen oder übermorgen den Atem nicht mehr wert sind, den sie nötig hatten.
Hinzu kommt noch etwas ganz Wesentliches: Weder für die Liebe noch für die Sexualisierung gibt es irgendeinen Gradmesser. Erst recht keinen internen. (Eine gewisse Orientierung gibt nur die erlebte Realität.) Bei dem einen ist die Liebe tief und bedeutungsvoll, bei einem anderen ist sie seicht und bedeutungslos. Aber beide werden von Liebe reden, und das, ohne dazu lügen zu müssen. Was für den einen gefühlt Liebe ist, kann für einen anderen, herzenstief Liebenden, eine abgeschwächte Form von Gernhaben sein. Und was für den einen schon ausgesuchtes und hemmungsloses Lustvergnügen ist, kann für den anderen ein großteils symptomloser Bettgang ohne nennenswerte Aufregung sein.
Leicht und unmissverständlich werden es die Menschen also nie haben miteinander, dazu sind einfach die Unterschiede zu groß, vor allem in den tatächlichen Empfindungen (die eben etwas anderes sind als die verbalisierten). Die zudem auch noch reichlich wankelmütig sind.
Und zuletzt noch: Sinnvoll kann man sich immer nur in Freiheit begegnen. Wobei auch ich mir wünschte, dass endlich einmal eine echte Offenheit möglich wäre, ohne dass dadurch eine Lunte nach der andere gezündet wird. Aber bis dorthin scheint es noch ein langer, dorniger Weg zu sein. Leider.