Zitat von paulaner: Und das ist eben die Krux. Du weißt als Betrogener nämlich ganz genau, dass ne Menge Fragen niemals ehrlich beantwortet werden. Und damit meine ich eben NICHT nur solche intimen Fragen.
@paulaner
Ja, und genau das macht es so schwer.
Denn die Zeit des Belügens ist ja dann "angeblich" vorbei.
Aber, wie und warum sollte der Betrogene (sorry - ich verwende jetzt der Einfachheitshalber keine genderkonforme Schreibweise) jetzt plötzlich alles glauben?
Es gab soooo lange und soooo viele Lügen des Betrügers und währenddessen naives Glauben des Betrogenen, dass es jetzt super schwer ist, plötzlich wieder zu glauben und zu vertrauen.
Dann kommt erschwerend hinzu, dass der Betrogene sehr heftig mit dem Gefühl des Kontrollverlustes - auch durch die damalige (im Nachhinein gefühlt: bescheuerte und beschämende) Unwissenheit - zu kämpfen hat und jetzt dieses Defizit mit nachträglichen Informationen ausgleichen möchte.
Geht das?
Nein!
Trotzdem ist es nachvollziehbar.
Zitat von paulaner: Ich finde die Vorgehensweise, dass der Betrogene Fragen stellt und der betrüger beantwortet sie 100% ehrlich, eigentlich am besten.
Dann kann der Betrogene nämlich entscheiden, wie weit er "gehen" will, und es entscheidet eben nicht mehr der Betrüger allein für zwei Menschen.
Ja, das sehe ich absolut genauso!
Uneingeschränkte Ehrlichkeit ist jetzt super wichtig!
Schon der leiseste Zweifel, lässt das fragile Gebilde eines "Neuanfangs" mit der erforderlichen Bildung neuen Vertrauens zusammenkrachen.
Trotzdem ist es für den Betrogenen nicht unbedingt gut, alle Details zu erfahren.
Und, selbstverständlich kann auch der ehemalige Betrüger genau das anmerken.
Dennoch sollten alle Antworten IMMER ehrlich sein - wie unangenehm und beschämend diese Antworten für den ehemaligen Betrüger auch sein mögen.
Das ist der Preis, den der Betrüger zu zahlen hat, in dem er nämlich jetzt zu seinen Handlungen steht und endlich Verantwortung übernimmt.
Ansonsten wird alles schnell zur Farce.
Zitat von Butterblume63: Stellt der Betrogene nicht nur Fragen deren Antwort er/sie verarbeiten kann?
@Butterblume63
Ja, sehe ich auch so.
Funktioniert aber nur, wenn der Betrogene entsprechend abgeklärt ist und auch genügend Zeit hat, um über die Konsequenzen von Antworten nachzudenken.
Aber, i.d.R. ist es eine emotionale Ausnahmesituation.
Wie gesagt, zudem ist es auch ein verzweifelter Versuch, um eine gewisse Kontrolle über das eigene Leben zurück zu erlangen.
Funktioniert nur leider nicht und geht oft sogar nach hinten los.
Zitat von ElGatoRojo: Es ist dumm, als Betrogener zu viele Details wissen zu wollen. Daher wird auch der Betrügende - und das sehe ich durchaus positiv - aus Rücksichnahme nicht über alle Details reden. Vor allem nicht über körperliche Unterschiede (besonders bei sekundären Geschlechtsorganen von Frauen). Oder über Sechsualpraktiken. Führt in der Praxis zu nichts und der Betrogene sollte auf Fragen verzichten und der Betrüger auf Antworten.
@ElGatoRojo
Ja, mag sein.
Obwohl ich es nicht "dumm" , sondern "unüberlegt" nennen würde.
Trotzdem stimme ich dir absolut zu.
Es bringt dem Betrogenen überhaupt nichts, sich zu vergleichen.
Es entsteht eher genau das Gegenteil von dem, was jetzt wichtig ist.
Denn Unterschiede körperlich oder auch andere sollten einfach egal sein.
Die eigene Akzeptanz des eigenen Wertes wurde verletzt.
Dabei ist es gerade jetzt so wichtig, genau dieses Selbstwertgefühl zurück zu erlangen.
Zitat von ElGatoRojo: Besser wäre, der Betrogene begrenzt seine Fragen auf das Wesentliche und der Betrüger sagt die Wahrheit. Das ist es dann. Ansonsten schwärt die Wunde weiter.
Tja, wenn es gelingt, ist es gut.
Ehrlichkeit ist dabei die wichtigste Voraussetzung, finde ich.
Denn. . .
Wird weiter gelogen, kann es kein neues Vertrauensverhältnis geben.
Das bedeutet final, dass der Betrogene unsicher und letztendlich kontrollierend bleiben wird und somit nicht in der Lage sein wird, erneut sein Vertrauen zu verschenken.
Und es bedeutet ebenfalls, dass der Betrüger weiterhin mauert und die Tragweite seines Handelns nie angenommen hatte - Naja und sich somit auch nicht dieses Vertrauensgeschenks würdig erwiesen hat.