Zitat von Naivling: Darf ich fragen ob deine Beziehung gehalten hat, warum hast du dich nicht getrennt, Kinder? Oder weil du bemerkt hast dass er eh nicht beziehungswillig ist?
Ja, meine Ehe hat gehalten und tut es noch. Was damals war, ist heute kein Thema mehr. Ich hätte meinen Mann vermutlich sowieso nicht verlassen , aber auch das begriff ich erst hinterher.
Damals sah ich nur den AM und die "Beziehung", die nie so war, wie ich sie mir gewünscht hätte. Mein Verstand wusste schon lange, dass die Affäre nichts werden konnte, aber ich ließ den Gedanken gar nicht erst zu.
Dass er nicht beziehungsfähig und daher auch nicht beziehungswillig ist, bemerkte ich nach den ersten Monaten. Dann trat das ein, was die klassischen Beziehungen aus aktivem und passivem Bindungsvermeider ausmacht. Er boykottiert aktiv und der andere leidet darunter und sieht sich als das arme Opfer, das so grausam behandelt wird. Dass ich mich freiwillig in diese Rolle begeben hatte, sah ich nicht. Der Mechanismus ist ganz einfach. Der eine rennt gefühlt weg und der andere rennt reflexartig hinterher. Die passiven Bindungsvermeider sind ziemlich doof und hinterfotzig. Vordergründig wollen sie doch nur eine schöne Beziehung, aber dafür suchen sie sich kategorisch solche Partner, mit denen es nichts werden kann.
Da mein Bindungsvermeider ja sein Leben praktisch autark weiterlebte, war er im Vorteil. Er entschied, ob er auf ein Konzert fahren würde oder nicht. Ich wurde vielleicht informiert oder erfuhr es nebenbei, weil eine Eintrittskarte auf seinem Schreibtisch lag. Mit wem er fahren würde, wusste ich nicht.
Ich hoffte natürlich, allein, was seinem Naturell am ehesten entsprach. Aber sicher wusste ich es nicht.
Das wiederum sorgte bei mir für Unsicherheit. Ich traute ihm nicht richtig und das nicht ganz ohne Grund. Er hatte viele Bekannte. Da war eine Jessica und eine Leonie und eine Sandra und und und.
Daher zweifelte ich an seiner Treue. Dass ich selbst untreu war gegenüber meinem Mann, sah ich dabei nicht.
Was ich mir damals zurecht gelegt habe und gedacht habe, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Nicht weil es so lange her ist, sondern weil ich so dumm war.
Kinder habe ich nicht. Mein Mann war die bessere Wahl, was ich insgeheim immer wusste. Aber da war ja dieser wunderbare AM, dem ich so erfolglos hinterher laufen konnte. Ich lebte ein inneres Programm nach. Und ich konnte ihm ja auch gefahrlos hinterher laufen, denn eigentlich wusste ich ja immer, dass es so nichts werden konnte. Mit dieser ruhigen Gewissheit lebte mein Unterbewusstsein recht gut und lehnte sich bequem zurück. Soll sie sich an dem Mann abwarten, soll sie tausend Tode sterben vor Angst vor dem Verlassenwerden oder seiner möglichen Untreue, mir ist das egal, denn ich bin sicher. Es wird eh nichts. Also soll sie sich von mir aus gerne abstrampeln und heulen.
Im Leiden war ich geübt, das hatte ich im Lauf meines Lebens schon öfters erlebt. Und Leiden ist einfacher als lösen. Wer löst, der trifft eine Entscheidung. Wer leidet, der verharrt im Unglück und entscheidet nichts.
Da ich ja süchtig war nach dem AM, konnte ich keine Entscheidung treffen. Die Sucht war viel stärker.