Hi Davina DM,
Du fragst, am Ende deines Beitrags, ob jemand Erfahrung mit Agressionen und psychischen Problemen hat.
Ja, habe ich. Ich kann Dir auch gerne ne Menge Fotos von meinen Gesichtsprellungen des letzten Treffens mit meinem Ex schicken.
Wir können auch 50 Seiten lang darüber schreiben, warum er sich so verhält. Und ich könnte Dir auch sagen, dass das Gefühl, dass Dich momentan an ihn bindet, das Du für Liebe hältst, wahrscheinlich eher Abhängigkeit ist.
Aber all das führt zu nichts. Und es wird weder Dich noch dein Kind vor weiteren Gewalttaten durch ihn schützen. Und die werden kommen, so sicher wie das Amen in der Kirche.
Ich weiß wirklich wie schwer es ist aus solchen Beziehungen raus zu kommen. Es gibt dafür auch hunderte psychologische Erklärungen.
Aber für Dich in einer Therapie zu klären, warum Du aus so einer Beziehung nicht einfach ausbrechen kannst, ist der zweite Schritt.
Zu klären, warum er so ist wie er ist, solltest Du ihm überlassen. aber wenn es Dir später mal bei der Aufarbeitung hilft, kann man das sicher auch in der Therapie ansprechen. Nur im Moment geht es um etwas ganz anderes. Um den ersten Schritt: Raus aus dieser Beziehung! Und erst Recht deshalb, weil ein Kind involviert ist.
Wenn Du dein Kind jetzt nicht schützt, wird es später als Erwachsener niemals in der Lage sein, sich selbst zu schützen.

Mach Dir das bitte bitte klar. Diese Erfahrungen prägen ein Kind für den Rest seines Lebens. Entweder wird es später in die Täterrolle schlüpfen (ist bei Männern eher der Fall) oder in die Opferrolle (ist eher bei Frauen der Fall,die als Kind Gewalt erlebt haben). So oder so, ist es schrecklich.
Wenn Du es schon für Dich im Moment nicht tun kannst, diese Beziehung zu beenden, dann tue es für dein Kind. Mach Dir diese Verantwortung klar.
Wenn jemand weiß, wie schwer das ist da raus zu kommen, dann ich.
Und je mehr Gewalt Du erfährst, um so schwieriger wird es. Die Gewalt macht dich immer schwächer, und er wird dir parallel immer mehr Schuldgefühle einreden. Und Du wirst immer mehr auf seine Einsicht und seine Reue warten, dich danach endlos sehnen. Es wird Dich immer mehr daran hindern zu gehen. Und wenn Du dich ein wenig distanziert hast, wird er wieder ein bisschen den reuevollen einsichtigen spielen. Es ist ein Teufelskreis. Schlimmer noch. Hinzukommt: Die Leute in deinem Umfeld werden das nicht verstehen. Sie werden sagen, eine Frau die sich schlagen lässt und nicht geht, ist selbst Schuld. Dadurch fühlst Du dich noch kleiner, und wehrloser. Das Unverständnis der anderen isoliert einen irgendwann total. Dann sucht man noch mehr Zuflucht bei dem Täter. Denn Du sehnst Dich nach der Nähe aus der Anfangszeit mit ihm zurück. Und Du schämst Dich dafür, weil deine Bekannten sagen werden, wie kann man nur?
Ich kann all das so gut nachvollziehen .
Aber es hilft nichts. Jeden Tag früher, den Du es schaffst aus so einer Abhängigkeit auszubrechen, ist es noch ein Stück weit einfacher.
Aber alleine ist es ganz entsetzlich schwer. Deshalb hol Dir bitte Hilfe.
Rufe bitte die BIG Hotline an, das ist eine telefonische Erstberatung, die Frauen mit Kindern Hilfe bei häuslicher Gewalt anbietet. Sie sitzen zwar in Berlin, aber können Dir für jeden Ort in Deutschland Kontaktadressen geben.
Sie sind 365 Tage im Jahr von 9-24 Uhr da, unter 030-6110300.
Bitte gib Dir diesen ersten Schubs. Warte nicht so lange wie ich gewartet habe. Und Du solltest Dich auch langsam mit dem Gedanken anfreunden, seine Taten anzuzeigen. Auch wenn das für Dich im Moment noch unvorstellbar ist. Es wird der Tag kommen, da wirst Du bereuen, es nicht oder zu spät getan zu haben. So wie ich. Ich muss das jetzt der Kripo erklären. Und es ist fast unmöglich, das anderen begreiflich zu machen.
Und davon profitieren die Gewalttäter, weil sie immer wieder frei gesprochen werden. Und pfeif auf seine Tränen!

Du bist nicht sein erstes Opfer, und leider auch nicht sein letztes.
Und übrigens finde ich es toll von Dir, dass Du dieses Gewaltthema hier angesprochen hast. Denn nun sind wir schon zwei.
Mich meidet man ja seitdem ich solche Themen hier angesprochen habe ein wenig so, als hätte ich überall Sch.... an mir.
Aber da kriegt man mit der Zeit ein dickes Fell. Ist eben nicht so ein salonfähiges Thema wie wenn der Ehemann einen nach 20 Jahren mit der der jungen Kollegin verlassen hat.
Aber weißt Du Davina, in den Broschüren, die man mir in den Beratungsstellen gegeben hat, steht, dass jede 4. Frau im Laufe ihres Lebens Opfer von häuslicher Gewalt wird !
Das heißt, statistisch gesehen, müssen es in einem Forum mit so vielen Mitgliedern, ne Menge sein. Es traut sich nur keiner drüber zu reden.
Das ist die doppelte Moral in unserer Gesellschaft. Das ist wie bei den Herrschaften der katholischen Kirche, wo man das Thema Kindesmissbrauch so lange (und inzwischen ja wieder) totgeschwiegen hat.
Du hast den ersten richtigen Schritt gemacht. Du sprichst darüber.
Nun mach bitte den zweiten, hol Dir Hilfe.
Wenn Du noch Fragen hast, kannst Du Dich jeder Zeit bei mir melden. Musst Dich aber erst registrieren, um Mitglieder anzuschreiben.
Und Alena52 kann Dir bestimmt alle Fragen zu dem Thema beantworten.
Wie Du in manchen ihrer Beiträge lesen kannst, hat sie auch schon in einer Beratungsstelle gearbeitet.
Ich wünsche Dir viel Kraft und Mut. Und auch Wut, auf ihn. Statt Mitleid mit ihm
