Zitat:Ich möchte ja eigentlich bei meinem Mann bleiben, aber es ist doch nicht fair wenn ich Gefühle für einen anderen habe.
Wäre es fair, zu dem anderen zu gehen, obwohl Du noch Gefühle für Deinen Mann hast?
Wenn Du so argumentierst, wäre die Konsequenz, keinen von Beiden zu wählen / sich gegen Beide zu entscheiden und erst mal allein mit Dir klarzukommen. Durchaus auch eine Option.
Und was das "zueinander passen" angeht, hier (mal wieder) eines meiner Lieblingszitate aus "Die Psychologie der Intimität" von Tobias Ruland:
Zitat:Es geht eben genau nicht darum, den »passenden« Partner fürs Leben zu finden, es geht nicht darum, die (vergängliche) romantische Liebe oder Verliebtheit zu idealisieren, und es geht auch nicht darum, sich vermittels Resignation eines unschönen Tages mit der traurigen Realität abzufinden, nur weil man es nicht besser hinbekommen hat. Um zu einer guten Partnerschaft zu gelangen, gilt es in erster Linie, teamfähig zu werden. [...]
Die Teamfähigkeit eines Menschen zeigt sich an seiner Problemlösungskompetenz im Konfliktfall und nicht daran, dass er eine ihm implizit oder explizit zugewiesene Rolle bzw. Aufgabe (z. B. Köchin, braver Schwiegersohn, Mutter, Ernährer) bereitwillig ausfüllt. Ein Team beweist sich nicht in ruhiger See. »Teamfähigkeit« heißt, sich konstruktiv mit dem auseinanderzusetzen, was schwierig ist. »Teamfähig« bedeutet, sich im Ernstfall zu beruhigen, einen klaren Gedanken fassen zu können, sich auf das zu besinnen, was das Team zum Funktionieren braucht, und die Erkenntnis ohne Wenn und Aber in die Tat umzusetzen.
Dazu muss man wissen, welche Art von Leben man leben möchte, welche wichtigen Ziele das Team (die Partnerschaft) besitzt, wie man seine eigenen Emotionen reguliert (destruktive Muster aus dem System verbannen, konstruktive Muster pflegen) und wie man das Team immer wieder rekonstituiert, da Störungen unvermeidlich sind. Bis ein Mensch diese Teamfähigkeit erlernt hat, muss er eine ganze Menge Unbehagen ertragen, dieses Unbehagen immer wieder in den Griff bekommen, sich an den besagten Zielen orientieren und beharrlich weitergehen, wohl wissend, dass das nächste Problem und das nächste Unbehagen bereits hinter der nächsten Straßenecke lauern. [...]
Wer sich diesem Unbehagen stellt, hat zumindest die Chance, etwas zu bekommen, was auf dem locker-leichten Weg vielleicht zufällig einmal aufblitzt, nur um anschließend wieder zu zergehen: einen Partner, der mit einem gemeinsam durch dick und dünn geht und der auch dann noch aufrecht steht, wenn man selbst ins Straucheln geraten ist; eine Partnerschaft, in der es normal ist, sich über alle seine innersten Gedanken und Gefühle, seine Ziele und Träume, seine Ängste und Unzulänglichkeiten, Sorgen, Nöte und Freuden auszutauschen; eine Seele, mit der man ein Leben teilt und mit der man das Privileg hat, intimste Momente auf Augenhöhe zu erleben, indem sie sich gegenseitig zeigen, erkennen, schätzen und lieben, trotz all der unvermeidlichen Verletzungen und Probleme, die ein realer Alltag mit Kindern, Job, Krankheit und Haushalt eben mit sich bringt.