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An langjähriger Beziehung etwas ändern oder gehen

procurator

Hallo ihr Lieben, soweit ist es nun schon - ich wende mich hilflos an fremde Menschen Achtung der Text ist sehr lang!
Ich wende mich hier an all die Beziehungs- und Trennungserfahrenen unter euch, die mir vlt. sagen könnten, ob meine Situation bereits so verfahren ist, dass es den Aufwand nicht mehr wert sein wird eine Lösung zu suchen, bzw. gar vergeblich ist oder es sich nur um eine Phase, die in jeder langjährigen Ehe vorkommt handelt, oder was ich besser machen könnte oder ob wir wirklich einfach nicht zusammenpassen.

Ich, w, 31 und bereits seit meinem 18. Lebensjahr mit einem 8 Jahre älteren Mann verheiratet, der auch mein erster Freund war. Ich bin wirklich verzweifelt, völlig kraftlos, da mein Mann und ich seit mehreren Jahren miteinander unglücklich, bzw. nur zeitweilig glücklich sein können. Ich bin der Ansicht, dass wir miteinander nicht zielführend kommunizieren (endet in sinnlosen, furchtbaren Streitereien) und daher unsere Probleme nicht lösen. Eine Eheberatung kommt für ihn absolut nicht in Betracht (glaubt nicht daran), die ich als Hoffnung ansehe. Ich weiß aber nicht mehr weiter. Ich habe bisher noch nicht aufgegeben und versuche noch immer irgendwie auszuharren und zu überlegen, was man besser machen könnte. Aber langsam merke ich, wie ich zu einem immer verbitterten, unsicheren, kleinen und kleinlichen Menschen werde, wie ich meine sozialen Kontakte vernachlässige, wie ich Stress nicht standhalte und mich seit ein paar Jahren immer mehr zurückziehe. Ich vernachlässige meine Karriere und auch sonst gefällt mir meine persönliche Entwicklung nicht. Ich fühle mich abhängig und das erschrickt mich doch sehr, da ich aufgrund meiner Herkunft sehr für meine Unabhängigkeit gekämpft hatte und mich auch nie als schwach gesehen habe.
Was mir fehlt:
Meinem Mann fällt es sehr schwer Kompromisse einzugehen, ich vermute, er empfindet es als Niederlage und rächt sich dann an anderer Stelle dafür. Das schlimme daran ist aber, dass objektiv betrachtet, diese Kompromisse oft eher zu meinem als zu seinem Nachteil gehen. (er will nicht umziehen, ich fahre zwei Stunden zur Arbeit) Ich bin oft bereit, etwas mehr den kürzeren zu ziehen, weil die Diskussionen mit ihm unglaublich nervenaufreibend sind. Ich empfinde diese Beziehung als sehr unausgeglichen.

ihm fällt es sehr schwer für mich Empathie (obwohl er Empathie anderen gegenüber aufbringen kann) zu empfinden (wenn ich ihm zB sage, dass mich ein Verhalten verletzt, dann stellt er meine Gefühle in Frage und kann sie nicht einfach akzeptieren). Er verhält sich sehr rücksichtslos.

Ich empfinde ihn als emotional untreu, da er, wenn es um Entscheidungen geht, die uns beide betreffen oder wo Außenstehende beteiligt sind, stets Entscheidungen zu meinem Nachteil fällt. Er nimmt mein Verständnis als selbstverständlich und überstrapaziert dieses, da er sich anschließend nicht in der Bringschuld sieht. Ich habe den Eindruck, ihm ist es wichtiger was andere von ihm denken, als das was ich von ihm denke und das empfinde ich als sehr gefährlich und es verunsichert mich, da ich den Eindruck habe ihm nicht wichtig zu sein. (hier frage ich mich aber oft, ob das richtig ist von meiner Seite oder ob ich mehr an meinen Unsicherheiten arbeiten muss)

Wenn ich einen Kritikpunkt habe, geht er stets am Anfang auf Abwehr (hier versuche ich dann sanfter vorzugehen und dies kann Monate / Jahre dauern bis ich "durchdringe", was mich manchmal aber sehr wütend macht, da sein Verhalten oft wirklich unmöglich ist)
er hat große Schwierigkeiten sich zu entschuldigen, von Wiedergutmachung ist nie (ja nie!) dir Rede, (dies belastet mich wirklich sehr, da es mir immer schwerer fällt, positiv eingestellt zu sein und ich kaum noch Vertrauen in ihn habe)

Ich habe oft den Eindruck, dass er nicht von der Realität, sondern von Ängsten geleitet wird. Vieles, was er mir vorwirft, ist nicht real vorgefallen, sondern seine Angst und aus dieser Angst heraus geht er ihn einen Angriffs- und Verteidigungsmodus über und verletzt mich tatsächlich durch sein Verhalten, verhält sich schlecht etc.
In Diskussionen fällt mir stets auf, dass es zu einer Art Kampf für ihn wird. Er fasst vieles als Angriff auf, was ich absolut nicht so meine und er missversteht mich.
Das macht mich unendlich traurig, da ich nicht der Ansicht bin, in einer Diskussion müsste einer als Sieger hervorgehen, sondern versuche lösungsorientiert und achtsam zu argumentieren. Er versucht dann aber immer trigger einzusetzen, damit ich die Fassung verliere, was ihm leider auch oft gelingt, sodass ich letztendlich in Tränen ausbreche und die Diskussion beendet ist (möglicherweise sein Ziel). Er ist in Diskussionen auch überhaupt nicht ehrlich und versucht zu manipulieren, was ich je älter ich werde, immer mehr merke.

Lange Zeit hatten wir was körperliche Nähe (S.) angeht, ganz extreme Probleme, da er das nicht zulassen konnte, bzw. wenn ich auf ihn zuging abwehrte und als ich es ließ manchmal Wochen bis monatelang auch nicht auf mich zuging. Er hat immer Gründe vorgeschoben, warum er nicht kann. Mal war es die Arbeit, dann Stress und und und (ich bin attraktiv, wobei das ja auch im Auge des Betrachters liegt, aber ich sehe ja wie mich andere Menschen oft ansehen, ich bin schlank, sehr gepflegt) Irgendwann fand ich heraus, dass er stattdessen regelmäßig P. schaut, was mich sehr verletzte und gleichzeitig dachte ich, dass es vlt. auch eine Krankheit ist. Ich habe gelernt über die Jahre ihm den nötigen Abstand zu geben, was mich aber auch immer traurig gemacht hat, da meine S. dadurch sehr stark eingeschränkt war. Wenn wir S. haben, dann habe ich das Gefühl, dass er in seinem Kopf einfach diesen P. an mir auslebt. Da entsteht kaum ein Gefühl von Nähe oder Geborgenheit aber da mache ich ihm keinen Vorwurf, denn ich kann ja nein sagen. Meine Vorschläge es doch mal liebevoller zu machen, umgeht er leider.

Als ich sagte, dass ich mir wünsche und dass ich es sehr vermisse, dass wir romantischer zueinander, möglicherweise mehr Zeit miteinander verbringen könnten, hörte er prompt auf, mir etwas zum Hochzeitstag zu schenken, dieses Jahr bekam ich auch nichts zum Geburtstag.(uns geht es finanziell sehr gut) Am Valentinstag kam er sehr spät nach Hause (ohne Bescheid zu sagen). Seine Verteidigungen sind wirklich hierzu lächerlich, bis gar respektlos.

Was ihm fehlt:
Er hätte gerne ein Kind, ich befinde mich derzeit aber noch für zwei Jahre in einer beruflichen Phase in der das noch nicht geht (was ich genau kommuniziert habe und er damals auch sagte, es sei ok zu warten) Da auch unsere Probleme so groß sind, empfinde ich es als verantwortungslos, in eine solche Beziehung ein Kind zu setzen.

Er wirft mir vor, ich sei zu wenig häuslich. Er warf mir zB vor, seine Arbeitskollegin würde ihrem Freund jeden Abend etwas kochen. (er geht aber abends immer in Sport und kommt sehr unregelmäßig nach Hause, sodass dies gar nicht zu seinem Alltag passt) Außerdem koche ich am Wochenende immer und er nimmt die Sachen zur Arbeit mit, die Hausarbeit teilen wir uns ansonsten auf (diesbzgl. wirft er mir aber oft vor, dass ich da nicht genügend Anerkennung zeige)

Ich habe männliche Freunde. Wenn sie mir schreiben, macht ihn das rasend, obwohl ich mehrfach sagte, dass wir nur Freunde sind. Ich möchte mir das einfach nicht auch noch nehmen lassen.

Er sagte einmal, ihm fehle Anerkennung. Daraufhin lobte ich ihn öfter, sagte ihm, was ich an ihm schätze, aber er wehrt das alles ab.

Zu seiner Verteidigung: er ist kein schlechter Mensch, er ist meistens freundlich und sympathisch. Ab und an kann er sehr zärtlich sein. Ich glaube aber, dass er große Ängste hat und auch verunsichert ist und oft hiervon geleitet wird. Hierfür habe ich viel Verständnis und auch Mitleid mit ihm. Ich weiß aber nicht mehr weiter. Er hat mich während meines Studiums unterstützt und auch seinen Kinderwunsch wegen mir zurückgestellt, daher bin ich nachsichtiger. Vieles von dem oben geschriebenen hat sich über die Jahre entwickelt. Vieles habe ich auch erst im Nachhinein gemerkt (ich befinde mich seit über einem Jahr in Therapie, da ich eine Zeit lang sehr depressiv wegen einem extrem gewalttätigen Elternhaus war) Ich möchte mein Leben nun wieder mit mehr Freude und auch einer erfüllten Partnerschaft führen. Ich bin auch bereit an mir zu arbeiten, an uns zu arbeiten. Ich weiß aber nicht ob ER das ist, zeigen tut er das nicht, da er flieht. Kennt jmd. Einen solchen Typ Mann und kann hier Erfahrungsberichte geben? Mich würde auch interessieren, wie das oben geschilderte auf andere Männer wirkt. Manchmal komme ich mir dadurch dass mir alles fehlt und ich noch warte, irgendwie bedürftig vor und ich denke, dass ist unsexy. Ich versuche unabhängig zu sein aber ich fühle mich immer kleiner. Kann ich hier etwas verändern oder wird er es nicht zulassen, weil die Situation für ihn zu günstig ist? Oder ist die Situation derart verfahren, dass ich eher die Energie für die Trennung aufbringen sollte? wie kann ich ihm das Gefühl nehmen, dass er "versagt" hat und ihm seine "Schuldgefühle" nehmen?

21.11.2018 16:54 • #1


mcteapot


Zitat von procurator:
Ich möchte mir das einfach nicht auch noch nehmen lassen

Du hast dir schon Zuviel nehmen lassen. Du kannst ihn nichts nehmen, ihn nicht "helfen" wo er nicht aktiv mitwirkt. Wie gerät man mit 18 an so einen Mann?

21.11.2018 16:58 • x 3 #2



An langjähriger Beziehung etwas ändern oder gehen

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Jen123


Was haben denn dein/e Therapeut/in und du im Hinblick auf eine mögliche Trennung oder ein mögliches Bleiben besprochen?

Erst einmal tut es mir total leid, was ich hier lese
Du scheinst deinen Zeile nach ein sehr verständnisvoller und empathischer Mensch zu sein - im Gegensatz zu ihm? Oft ziehen sich solche Gegensätze ja an...

Weißt du: Du darfst glücklich sein. Du darfst an dich denken. Es darf dir gut gehen. Du bist niemandem etwas schuldig. Du darfst deine Wege gehen...
Schreibt eine, die selbst aus einem gewalttätigen Elternhaus stammt und viele Jahre Therapie gebraucht hat, um sich "glücklich sein" zu erlauben.

Alles Gute für dich!

21.11.2018 17:33 • x 3 #3


procurator


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was meinst du mit, ich habe mir zu viel nehmen lassen?

Wie ich an ihn geraten bin? Ich habe ihn kennengelernt als ich 16 war und damals (ich durfte kaum Kontakte pflegen) kam er mir sehr "modern und lieberal" vor. Ich komme aus einem anderen Kulturkreis, wo Frauen einfach eine andere Rolle haben. Ich habe mich dort aber herausgekämpft, ich bin eine moderne Frau (wohl nur außerhalb meiner Ehe ), ich habe Jura studiert und bin ein selbstständiger Mensch.
Im Gegensatz zu meinem Vater war er ein Held, ich dachte gar nicht, ihn zu verdienen.
Mein Mann hat mich mit 18 geheiratet, u.a. da meine Eltern meinen Auszug niemals akzeptiert hätten und hierfür bin ich ihm auch dankbar... denn ich weiß wo ich jetzt sonst wäre. Vlt. ist das der Grund, warum ich noch immer nicht loslasse, es als treulos empfinde. Aus seiner Sicht habe ich eine rasante Entwicklung gemacht, die ihm wohl Angst macht. Kennst du das nicht, wenn in einer Beziehung sich plötzlich etwas verschiebt? Wenn der eine "aufsteigt"? Hat das bei dir nie zu Spannungen geführt?

Ich kann verstehen, dass dir das alles sehr befremdlich vorkommt, aber kannst du genauer ausführen, woran du festgemacht hast, dass er nichts ändern wird? Denn er leidet, glaub mir und ich denke, dass seine Liebe "zugeschüttet" ist unter unseren Problemen. mich erschrickt nur manchmal, dass er mir die Schuld daran gibt. Und ich wollte wissen, wie dies für Außenstehende wirkt, was ich falsch mache. ich weiß, dass ich den Fehler begangen habe, in diese Beziehung zu viel zu investieren. Ich will hier kein Opfer sein, mir geht es wirklich nur darum, zu begreifen, ob es sich noch lohnt oder ob ich mein Leben weiter alleine führen muss.

21.11.2018 18:15 • #4


Grace_99


Ich finde, der Schuldigkeit ist Genüge entgegen gebracht worden, so dass du gehen kannst und auch solltest.

Dein Mann behandelt dich so, weil er nicht auf Augenhöhe mit dir kann, deshalb macht er dich klein und nieder.

Leb dein Leben, es ist zu kostbar für so einen Zustand.

21.11.2018 18:31 • x 1 #5


procurator


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@ Jen123:
Danke dir für deine Anteilnahme. Es tut mir wirklich sehr leid, von deinen früheren Erfahrungen zu lesen. Auch ich wünsche dir alles Gute!
Meine Therapeutin gibt mir diesbezüglich keine Tipps. Sie sagt, dass muss ich selber wissen / entscheiden und herausfinden. Ja, er ist nicht sehr empathisch - aber ehrlich gesagt, ist er das nur bei mir nicht. Für seine Ursprungsfamilie tut er alles. Also mache ich doch etwas falsch oder nicht...? Ich wusste ehrlich gesagt, bis zu Beginn meines Studiums nicht einmal, dass Männer überhaupt emphatisch sein können...

Aber meine früheren Probleme möchte ich hier eigentlich nicht thematisieren. Ich definiere mich nicht mehr darüber und es geht mir auch gerade darum glücklich zu sein. Er ist kein Monster, er ist ein netter Mensch, der vieles für mich getan hat, mich bei vielem unterstützt hat, wir haben viel zusammen gelacht, er war zu Beginn sehr aufmerksam, nur hat sich unsere Beziehung über die Jahre immer mehr zu einer Abwärtsspirale entwickelt. Es war nicht immer so und damit hier kein falsches Bild entsteht: wenn wir streiten wehre ich mich sehr gut mit Worten. Manchmal - wenn ich sehr wütend bin - verletze ich ihn damit sehr. Darüber kommt er immer nur schwer hinweg. Ich versuche es wieder gut zu machen, aber er scheint das nicht zu sehen. Ich versuche ihm selten zu zeigen, dass ich mich klein fühle. Er sagt sehr oft, ich sei "kalt" und würde wenig Liebe zeigen, dabei versuche ich es. Ich mache so viel aber es scheint einfach nicht anzukommen und vielleicht fühlt er sich deswegen so angegriffen und verunsichert? Vlt. kann mir ja einmal ein Mann seine Sicht auf eine solche Beziehung schildern - wobei ich natürlich auch für jeden Beitrag von Frauen dankbar bin!

21.11.2018 18:41 • #6


mcteapot


Zitat von procurator:
Aber meine früheren Probleme möchte ich hier eigentlich nicht thematisieren

Sie haben einen Anteil an deinem Jetzt-sein, egal ob du uns dies aufschlüsselst oder nur dir.
Zitat von procurator:
er ist ein netter Mensch, der vieles für mich getan hat

Ja, wenn du es so errechnest, hast du bei ihm zu bleiben, hinzunehmen und abzuwarten. Aber du lebst jetzt, hier in der Gegenwart, hoffe ich, nicht in deiner/ eurer Vergangenheit
Zitat von procurator:
wenn wir streiten wehre ich mich sehr gut mit Worten. Manchmal - wenn ich sehr wütend bin - verletze ich ihn damit sehr.

Streitkultur ist sich mit Themen auseinander zu setzten, den anderen zu Wort kommen lassen, nicht emotional zu werden und andere Meiningen auch zu tolerieren - oder?
Zitat von procurator:
Ich mache so viel aber es scheint einfach nicht anzukommen

Dir fehlt ein wichtiger Teil der Jugendlichen Entwicklung, das austesten, das Scheitern, das wieder aufstehen danach. Irgendwann will man dies nachholen, in unserer aufgeklärten Gesellschaft, wird das auch als wichtiger Entwicklungsschritt gesehen, der, wenn nicht erfolgt, durchaus zu großen Problemen führen kann - in eben so früh geschlossenen Ehen.
Ich sage nicht, das du was dafür kannst - ich erläutere nur, was oft hier zum tragen kommt, warum oft viele jung geschlossene Ehen auf den Prüfstand kommen und warum man dies den langjährigen Partner so schlecht vermitteln kann.
Man weiß, was man nicht will - nur was man will, weiß man nicht

21.11.2018 19:03 • x 3 #7


procurator


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@mcteapot: vielen Dank für deine Antwort und deine konstruktive Kritik.

Mir ist klar, dass meine Vergangenheit immer ein Teil von mir sein wird - nur möchte ich es eben hier nicht thematisieren. wozu auch? Ich selbst arbeite das alles selbstverständlich auf...

Ich bin auch nicht der Ansicht, dass, weil er nett ist, ich bei ihm zu bleiben habe. Ich habe lediglich eine Aversion gegen Menschen, die sich selbst immer als Opfer darstellen und den anderen als Täter, (Schwarz-Weiß-Denken). Ich hatte den Eindruck, dass er hier so wegkommt und wollte dies richtig stellen und daher auch mein Einwand mit den (meist früheren) nicht zielführenden Streitereien, um auch mich in den "Graubereich" zu bringen. Glaube mir, ich versuche mein bestes, Diskussionen sachlich, respektvoll und achtsam zu führen. Ich arbeite auch gewaltig daran, wenn ich merke, dass er nur auf Abwehr geht / mich provozieren will / mich verletzt, nicht mehr in Tränen auszubrechen / wütend zu werden und loszukeifen, sondern den Raum zu verlassen und das Gespräch lieber zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzugreifen. Das musste ich aber erst lernen und ist eben ein Prozess. Wie ich ausführte, geht er sofort in eine Abwehrhaltung - schon einmal ein Gespräch mit einem solchen Menschen erfolgreich geführt? Ich glaube auch, dass ich ein sehr toleranter Mensch bin, vlt. sogar zu tolerant und angepasst (woran ich arbeite...)

danke auch für deine letzte Ausführung und Meinung. Verstehe ich dich richtig, dass du mir sagen möchtest, dass - weil ich anders aufgewachsen bin, bzw. mir dieser Entwicklungsschritt fehlt - ich nicht beziehungsfähig bin, bzw. meine Absichten/Wünsche nicht richtig kommuniziere? Ich möchte keineswegs meine Jugend nachholen (über diese Phase bin ich längst hinweg)... Ich weiß in vielen Dingen auch sehr wohl, was ich will und war schon immer bereit dafür zu arbeiten. Glaube mir, ich bin oft gescheitert und wiederaufgestanden - oder meintest du das in Bezug auf Beziehungen? Da kann ich dir nur sagen, dass auch wir sehr oft gescheitert und uns wieder aufgerafft haben, uns auch füreinander verändert haben, aber ich denke, ich verstehe, worauf du hinaus willst. Ich will eine Partnerschaft, in der sich beide wohlfühlen, miteinander reden, auch mal Zeit füreinander haben ohne Anhänglichkeit, respektvoll miteinander und den Wünschen des anderen umgehen, Treue, Eigenständigkeit (auch finanziell), Humor, Freiheit. Das wusste ich schon immer und zu mehr Wünschen auf meiner Liste kam ich bisher nicht. Wie kommst du darauf, ich wüsste es nicht, wenn ich doch geschildert habe, was mir in der Beziehung fehlt und mich frage, ob dies mit meinen Mann realisierbar ist oder ob ich loslassen muss? Das interessiert mich wirklich! Meinst du, ich wüsste nicht, wie meine Schilderungen klingen - oder warum denkst du, diskutiere ich hier, anstatt mit Freunden zu sprechen? Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr mich meine Situation beschämt und wie wenig ich möchte, dass auch nur ein Mensch, der mich kennt, von ihr erfährt, denn sie passt so gar nicht zu dem Bild, den meine Mitmenschen von mir haben.

21.11.2018 20:08 • #8


procurator


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Zitat von mcteapot:
Das interessiert mich wirklich!

das meinte ich im Übrigen ganz sachlich und keinesfalls sarkastisch und fühlte mich auch nicht angegriffen.

21.11.2018 21:02 • #9


willan


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Liebe procurator, ich möchte nicht nach ihm fragen, auch nicht nach Deiner Ehe, was möchtest DU?

Wenn Du Dir Deine Traumbeziehung basteln könntest, was ist wichtig, wie sieht das aus, wie fühlt es sich an, wie gestaltet sich euer Alltag? Was sind die Prioritäten für Dich? Auf was könntest Du verzichten? Wo sind Kompromisse für Dich drin, wo gar nicht?

Je mehr Du weißt, was Du Dir wünschst, desto klarer werden Deine Gedanken zum Festhalten oder Trennen.

21.11.2018 21:19 • x 1 #10


Sari17

Sari17


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Hallo,

Ich habe deinen Beitrag jetzt mehrfach gelesen und bin etwas im Zwiespalt. Auf der einen Seite liest man von deinem Mann, als wäre er ein Tyrann aber gleichzeitig idealisierst du ihn und hebst seine Vorzüge hervor.
Wenn dir hier jemand schreibt; Trenn dich und verschwende nicht deine Zeit, dann kommt von Dir ein dickes ABER und sofort die Erklärung, das es die Schuld bei dir liegt.
Daher nehme ich folgende Info aus deinem Text.
Dein Mann zeigt dir recht wenig liebe, trägt aber nach außen hin ein anderes Gesicht.
Du erscheinst willig zu ändern, sich anzupassen, an der Beziehung festzuhalten.
Er bekommt nicht das was er will-ein kind-was ihn unzufrieden macht und in seinen Augen vermutlich deinem Egoismus (nicht meine Meinung) zu verdanken ist.
Ihr habt euch unterschiedlich entwickelt und klafft wie eine Schere auseinander. Du möchtest das wieder zusammen führen, findest aber keine Lösung.


Meine Empfehlung: wenn du an der Ehe festhalten willst, deinen Mann liebst, dann musst du ihn zu einem Paartherapeuten bekommen. Und zwar mit Argumenten, denen er sich nicht entziehen kann.
Wie würde er denn reagieren, wenn du ihm vorerst eine räumliche Trennung vorschlägst? Würde ihn das wachrütteln?

Übrigens was dein 6 leben angeht, das ging bei mir gar nicht. Das kann dich doch unmöglich erfüllen ?

21.11.2018 21:26 • x 1 #11


procurator


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Hallo Sari17,

danke, dass du dir die Zeit genommen hast, meinen Beitrag so gründlich zu lesen und vieles hast du sehr richtig verstanden.

zum ABER: Ich habe versucht, unsere Eheprobleme ehrlich zu schildern und war etwas geschockt, dass er dabei so schlecht weg kam. Du beschreibst ihn ja als Tyrann und dabei sieht ihn kein Mensch aus seiner Umgebung so (i.Ü. verstehe ich noch immer nicht, warum er nun ein Tyrann ist, da verstehe ich etwas ganz anderes darunter). Ich möchte einfach nicht ungerecht sein und habe daher versucht auch seine Vorzüge zu schildern, mehr nicht. Ich danke euch für eure Meinungen (was den Rat bzgl. der Trennung angeht) und es hilft mir sehr bei meiner Entscheidung, denn das was ich für "normal" erachte, ist wohl nicht das was die Meisten für "normal" halten. Das ist auch der Grund, warum ich das alles so ausführlich ausgeführt habe. Ich wollte sehen, was andere Menschen davon halten. Auch ich trage selbstverständlich Mitschuld an diesem angespannten Verhältnis (ich kenne keine Ehe, in der das nicht so ist...) schließlich hatte ich ja immer wieder Verständnis, habe alles zugelassen etc. und das wollte ich nur verdeutlichen - das wird wohl nicht ganz klar (und gibt mir wiederum zu denken, dass ich wohl doch nicht so verständlich kommuniziere, wie ich dachte) Er hat mich ja nicht gezwungen so eine Ehe mit ihm zu führen.
Warum ich noch nicht gegangen bin, auch wenn ich schon lange nicht glücklich bin? Ich gebe nicht gerne auf, habe sogar die Meinung, dass Menschen oft "zu egoistisch" sind und deshalb unnötig viel Schmerz bereiten (was vlt. eine ganz falsche Sicht ist, ich weiß es nicht) und möglicherweise bedeutet er mir noch zu viel. Wenn ich mir ansehe, was ich alles getan habe, damit es "funktioniert", wird mir schlecht und ich kann es selbst kaum fassen. Und vlt. ist das auch der Grund?

was das wachrütteln betrifft: ich habe (etwa seit einer Woche) nach Wohnungen gesucht und er hat wohl mein Handy gecheckt da er mich darauf angesprochen hat. Heute ist er wie ausgewechselt, vlt. wäre das ja ein Antrieb für ihn. Ich möchte ihm schon sagen, dass ich kaum glaube, dass wir dies ohne Paartherapeuten regeln können und werde ihm auch als Konsequenz die Trennung ankündigen, aber ich möchte sie auch zu 100 % so meinen. Ich möchte das dann auch durchziehen, falls er hierauf nicht eingeht. Und dazu brauche ich eine Wohnung, denn ich kann sonst nirgendwo hin gehen. Die Wohnungssituation hier ist katastrophal.

was mein 6 leben betrifft: nein, es ist nicht erfüllend. Anfangs habe ich versucht etwas zu ändern, mit ihm zu reden, aber es hat alles nur verschlimmert (wie alle unsere Probleme). merkwürdigerweise hatte ich dann deswegen immer ein schlechtes Gewissen. dann habe ich mich einfach auf andere positive dinge in unserer Beziehung konzentriert und mir gesagt, ich könne damit leben. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt.

21.11.2018 22:17 • #12


Hitachi


"Dir fehlt ein wichtiger Teil der Jugendlichen Entwicklung, das austesten, das Scheitern, das wieder aufstehen danach. Irgendwann will man dies nachholen"...... eine ganz präzise Einschätzung, genau so sieht es aus! Die TE kennt keinen anderen Mann als ihren, zu dieser Zeit war es eben der Mann für sie mit dem sie sich ihr Leben ausmalte! Habt ihr beide schon mal über gesprochen, ob eine vorübergehende Trennung sinnvoll wäre, jeder für sich zum Nachdenken kommt? Paarberatungen, sind immer so eine Sache, wenn die eine Seite schon mit Widerwillen hingeht, also gezwungen wird, dann ist schon Trotzigkeit vorprogramiert! Mach deinem Mann den Vorschlag und du wirst ja sehen ob er um eure Ehe....um dich kämpfen wird oder nicht!

22.11.2018 08:33 • #13


mcteapot


Zitat von procurator:
Anfangs habe ich versucht etwas zu ändern, mit ihm zu reden, aber es hat alles nur verschlimmert

Besser hinzunehmen, es auszuhalten. Lernt jeder Gläubige, das der Herr der Schöpfung Recht hat und wie heißt es so schön, wer zum Weibe geht, nimmt die Peitsche mit!
Zitat von procurator:
schließlich hatte ich ja immer wieder Verständnis

Auch so ein weiblich angehauchtes Adjektiv, schön brav für seinen Dreck Verständnis aufbringen, und es umgekehrt ja nicht erwarten, s.o.
Zitat von procurator:
er hat wohl mein Handy gecheckt da er mich darauf angesprochen hat.

Ach Spionage tollerierst du auch (noch), gut aklimatisiert bist du. Oder er hat Dich gut erzogen. Eigene Wünsche werden wohl nur ihm erfüllt, du hast keine zu haben. Ob er ein Tyrann ist, ist nicht von Belang. Du wirfst dich schützend vor ihm, so oder so.

Was erhoffst du dir hier? Viele an deiner Stelle, wären schon längst ausgebrochen und hätten ihn verlassen, du hingegen hoffst, es wird sich schon richten, wenn du lange genug Verständnis für ihn aufbringst. Viel Spaß weiterhin in deiner Ehe Baujahr 1850.

Es mag ja so toll und so schön sein, für den eigenen Eheesel, den Kopf hin zu halten und sich als Mensch komplett aus zublenden, auch wenn er Dich studieren lies, aber was hat dir dieser Fortschritt gebracht? Du rödelst, er nutzt alles aus - zu seinem persönlichen Vorteil und er wäre schön blöd, dies aufzugeben, nur weil du gerade ein bisschen Wildpferd spielst.

22.11.2018 08:43 • #14


procurator


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Zitat von Hitachi:
"Dir fehlt ein wichtiger Teil der Jugendlichen Entwicklung, das austesten, das Scheitern, das wieder aufstehen danach. Irgendwann will man dies nachholen"...... eine ganz präzise Einschätzung, genau so sieht es aus! Die TE kennt keinen anderen Mann als ihren, zu dieser Zeit war es eben der Mann für sie mit dem sie sich ihr Leben ausmalte! Habt ihr beide schon mal über gesprochen, ob eine vorübergehende Trennung sinnvoll wäre, jeder für sich zum Nachdenken kommt? Paarberatungen, sind immer so eine Sache, wenn die eine Seite schon mit Widerwillen hingeht, also gezwungen wird, dann ist schon Trotzigkeit vorprogramiert! Mach deinem Mann den Vorschlag und du wirst ja sehen ob er um eure Ehe....um dich kämpfen wird oder nicht!


Ich habe vor einer Woche gesagt, dass ich Abstand brauche. Wir versuchen einen Abend in der Woche miteinander zu reden, Probleme anzusprechen, den Rest der Zeit gehen wir uns aus dem Weg / unserem stressigen Alltag nach und versuchen sachlich miteinander umzugehen. Es ist aber sehr mühsam in den Gesprächen. Ich habe dann nachgedacht / denke nach, ob es zu viel ist, die Strecke zu lang, die er zurücklegen müsste, damit ich mich wieder wohlfühlen kann, bzw. dies ihm unmöglich. Er kennt sich selbst kaum, handelt oft sehr unbewusst, reden fällt ihm schwer und deswegen wollte ich sehen, was andere davon halten und danke euch für eure Einschätzung. Gestern haben wir über eine Therapie gesprochen (ich denke, diese wird nötig sein ob wir zusammen bleiben oder nicht, denn auch für die Trennungszeit sehe ich schwarz und glaube, eine "Trennung unter Anleitung" wird nötig sein). Er willigte zwar ein, aber als ich fragte ob er es als Niederlage empfindet (da ich ihn ja kenne), sagte er "ja". Als ich sagte, dass ich aber der Meinung bin, dass - wenn überhaupt - dies der einzige Weg ist und er es nicht als Niederlage sondern als Chance sehen könnte, als Chance für mehr Augenhöhe und einer Ehe ohne ständige Streits um diese, ihm sagte, dass es keinen Wert hat, wenn er mit dieser Einstellung hineingeht, meinte er, er würde versuchen, dies so zu sehen. Mal sehen. ich sagte, er solljemandaussuchen. Dann sehe ich ja, ob was kommt. Aus irgendeinem Grund möchte ich, wenn ich gehe, der Ansicht sein, alles versucht zu haben, die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen zu haben. Das gibt mir Sicherheit, meine Entscheidung dann nicht mehr zu hinterfragen. "Scheidung" ist in meinem Kulturkreis ein Unwort und kostet mich viel Überwindung. Ich bin bereit überholte Werte zu hinterfragen und aufzugeben, aber dann möchte ich auch sicher sein. Vlt. ist das unverständlich für euch (für mich nachvollziehbar), vlt. verurteilt ihr das, aber es ist nun einmal so.

22.11.2018 09:52 • x 1 #15



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