Zitat von Jill1983: ich weiß ich muss mich trennen bin aber zu feige.
Ist es euch auch so schwer gefallen
Ja, es fiel sauschwer.
Bei mir dauerte die Phase, in der eine Trennung als realistische Option erschien, sicher 2 Jahre. In diesen 2 Jahren war ich hin- und hergerissen, soll ich mich wirklich trennen oder nicht? Wie würde das werden? Kann ich es mir überhaupt leisten? Will ich das wirklich? Habe ich alles versucht? Hat es wirklich keinen Sinn mehr?
Dann folgte eine weitere Phase vo nochmal 6 Montaen, in der ich mir sicher war, dass ich mich trennen werde, es aber noch nicht gemacht habe. Ich habe schon Vorkerhrungen getroffen (zB Möbel aus dem Haus meiner Mutter gesichert, die zu der Zeit aus ihrem Haus in eine Pflegeeinrichtung umgezogen ist), habe aber die Trennung noch nicht final ausgesprochen.
Lange Zeit habe ich auf eine einvernehmliche Trennung gehofft bzw hatte Angst, die Trennung alleine zu entscheiden. Erst als ich eingesehen habe, dass ich keine einvernehmliche Trennung nicht den "Segen" meines Ex bekommen werde,konnte ich es durchziehen und die Trennung aussprechen.
Danach haben wir noch 5 Monate zusammen gewohnt, weil ich ja erstmal eine Wohnung finden musste, und zwar im selben Stadtteil wegen unserer damals 9jährigen Tochter. Diese Monate waren emotional sehr fordernd, aber innerlich von großer Klarheit und auch Vorfreude geprägt. In dieser Zeit habe ich zugleich auch noch meine Mutter beerdigt, das Haus in dem meine Mutter lebte (das mir bereits gehört hatte und leider 80km entfernt von mir war), entrümpelt und verkauft und ich bin von der Anstellung in die Selbstständigkeit übergegangen (im selben Unternehmen) und habe 95.000Euro Schulden dafür gemacht. Alleine, ohne meinen damals-noch-Mann. Ich weiß nicht mehr, wie ich diese Zeit überhaupt überstanden habe. Es war wirklich, wirklich krass. Und dennoch, erstaunlicherweise, würde ich es nochmal genau so machen, wenn ich in der Situation wäre. Das alles war besser als in einer hoffnungslosen Ehe zu verbleiben.
Rückblickend würde ich also sagen: das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Die ich gerne auch schon ein paar Jahre früher hätte treffen können. Aber ich nehme es mir nicht übel, dass ich so lange gebraucht habe.
Eine Freundin, die zu der Zeit schon getrennt war, hat gesagt "Irgendwann kannst du nicht mehr anders" und das stimmte.
Was ich dir damit sagen möchte: ja es ist verdammt schwer und ja es ist verdammt normal, dass du diese Entscheidung nicht leichtfertig trifft, und ja es ist auch normal, dass du meinst, die Zustimmung deines Mannes zu benötigen bzw sie erhoffst und meinst, dadurch würde es leichter. Die Sache ist: es wird nicht leichter dadurch. Denn alle Schritte, die du und ihr bei einer einseitigen Trennung gehen müsst, müsst ihr genauso bei einer einvernehmlichen Trennung gehen. Es muss so oder so geklärt werden, wer was bekommt, wer wo wie wohnt, was mit den Kindern ist und so weiter.
Und noch was: ich sehe es inzwischen als eine positive Vorbild-Wirkung auf mein Kind, dass ich mich getrennt habe. Viel positiver, ihr zu zeigen, dass man auch große Veränderungen stemmen kann und Risiken eingehen kann und dass alles besser ist als in einer unglücklichen Beziehung zu bleiben. Damit bin ich ihr ein besseres Vorbild als wenn ich "dem Kind zuliebe" geblieben wäre und emotional noch weiter verhungert wäre. Denn sowas möchte ich ihr nicht als Modell für "so geht Beziehung" mitgeben. Dann lieber eine Trennung zumuten, ein paar schwere Monate und danach aber frei und zufrieden sein.
Gerade wenn du eine oder gar zwei Töchter hast: überleg dirn gut welche Botschaft du ihr für ihr eigenes Beziehungsleben mitgeben möchtest.
Ich wünsche dir viel Kraft.