Gast700
Gast
Nicht nichts ohne dich
aber nicht dasselbe
Nicht nichts
ohne dich
aber vielleicht weniger
Nicht nichts
aber weniger
und weniger
Vielleicht nicht nichts
ohne dich
aber nicht mehr viel
(Erich Fried)
Es ist sooo viel alles.
So viel Input, irgendwie, dass ich nicht weiß, wohin damit.
Manchmal höre ich gar nicht mehr zu.
Dir nicht, ihm nicht, Kunden nicht, einfach keinem.
Dann aber muss alles raus und doch will ich die klugen Ratschläge gar nicht hören.
Ziemlich egoistisch, aber seltsamerweise habe ich so gute Freunde, dass die sich das reinziehen und nicken und mich ablenken und sonst den Mund halten.
Kennen mich halt.
Mich bloß nicht zu emotional anschauen.
Mich (um Himmels Willen) bloß nicht noch zum heulen bringen.
Bloß nicht an der Fassade wackeln, dann kracht alles zusammen.
Obwohl sie eigentlich besser wissen als ich, dass diese Fassade nur für mich ist und die das ohnehin durchschauen.
Und SIE versteht es im Besonderen.
Weißt du, was mich sehr beruhigt hat?
Als sie sagte: "Ich habe meinem Dad einen Brief mitgegeben. Ich habe alles reingeschrieben, was ich noch los werden musste. Sogar Sachen, die ich kacke fand."
Und dann hat sie gelacht darüber.
Gehört sich nicht, irgendwie.
Denkt man immer.
Geht aber vielleicht auch vielen so.
Jedenfalls nicht mir allein.
Dass sie mir das mit auf den Weg geben würde, meinte sie.
Dass sie vieles erst spaeter sagen konnte, was früher hätte gesagt werden sollen...
Manchmal denke ich das auch und dann sitze ich da vor dir und weiß nicht mehr, was ich sagen soll.
Oder fragen.
Und manchmal, so wie jetzt, bin ich froh, dass ich am nächsten Tag nicht arbeiten muss und ich würde gerne den ganzen Tag einfach auf der Couch sitzen, Telefon aus, und nichts sehen und nichts hören.
Als ich ihm gesagt habe, dass ich rüber gehe, weil ich das blöde Blöken aus dem Fernseher einfach nicht mehr haben kann, ist er gekommen und hat mich in den Arm genommen und gesagt: "Morgen machst du bitte gar nichts hier. Nimm dir einfach Zeit und Ruhe. Und vergiss nicht, dass ich dich liebe und ich immer neben dir stehe, ok?"
Und obwohl es das ist, was ich will: einen Tag, eine Woche, einen Monat nichts sehen, nichts hören, plagt mich das schlechte Gewissen.
Ich weiß, dass es euch genauso geht.
Dass ihr hoffnungslos überfordert seid.
Viel mehr noch als ich.
Und trotzdem kann ich nichts machen und ich denke, ich müsste aber doch.
Es ist zum heulen.
Es ist einfach nur ungerecht.
Und ungerecht ist auch, dass du weinst und sagst, dass du Angst hast, dass wir dich vergessen könnten.
Als würde ich nicht jetzt schon von dem Bach weggespült, den alles runter geht, wenn du nicht mehr da bist...