Den nachfolgenden Text habe ich heute Nacht geschrieben. Er ist so lang, wie ich verunsichert. Ich bin dankbar wenn ihn jemand liest und mir vielleicht seinen Blickwinkel leiht:
Zu Beginn dieser Beziehung schrieb ich alles auf, was so schön an Jura und mir war. Ich war glücklich und wollte nichts vergessen, alles immer wieder vor meinem inneren Auge sehen können. Ich nannte den Text „Wenn ich meine Augen schließe“.
Heute, genau neun Monate nachdem Jura in mein Leben kam, ist nichts mehr von diesem Glück geblieben. Schließe ich meine Augen, ist all das Schöne noch da und dann will ich sie nicht mehr öffnen, aber die Wahrheit ist, „Wenn ich meine Augen öffne“:
Kurz nachdem ich Jura kennengelernt habe, war ich mit meiner besten Freundin in Dresden für ein Wochenende. Voller Vorfreude und Verliebtheit schrieb ich ihm, dass ich ihn vermisse und kaufte ein Mass. als Mitbringsel. Als ich wiederkam und mich einfach so sehr auf ihn freute, sagte er mir er habe mit seiner Ex-Frau gesprochen und sie haben sich massiert. Er sagte dazu „…wir würden das so beibehalten“, als sei es das Normalste auf der Welt und völlig okay, dass er mir das erst im Nachhinein sagte. Ich war so verwirrt, dass ich ihm erst später sagen konnte, wie verletzend ich das fand. Auch erzählte er mir dann, er habe sich mit seiner Ex-Freundin getroffen, um Schluss zu machen. So klar war mir nicht, dass er eine Freundin hatte und er sie mit mir betrogen habe. Später sagte er mir, dass das eh nie sowas ganz Ernstes von seiner Seite gewesen sei.
Als wir einen Monat zusammen waren, endete unser Camping-Urlaub damit, dass seine Ex-Frau seine beiden Kinder dorthin bringen wollte. Ich wollte vorher fahren. Als Jura erfuhr, dass er bei dieser Kinderübergabe das erste Mal auf den neuen Partner seiner Ex-Frau treffen würde, wollte er mich auch dabeihaben. Mir war das zu früh nach einem Monat, aber er war so drängend, dass ich blieb. Das Treffen war sehr unangenehm und ich spürte durch meine Verliebtheit hindurch, dass das irgendwie nicht ganz fair gelaufen war. Vielleicht war es übertrieben, aber ich fühlte mich irgendwie benutzt. Ich weiß gar nicht wofür, vielleicht um seiner Ex-Frau eins auszuwischen.
Am 30.08.2025, als wir uns knapp zwei Monate kannten, waren wir mit seinen Freunden auf einem kleinen Festival. Die Stimmung war gut und ich weiß noch wie Jura und ich am Fluss etwas abseitsstanden und er mein Gesicht streichelte und mir immer wieder sagte, wie sehr er mich lieben würde. Das war das letzte heile Bild, dass ich von uns habe. Er ging tanzen und wollte, dass ich mitkomme. Ich traue mich das oft nicht, aber ich habe mich mit ihm so sicher gefühlt in diesem Moment, dass wir gemeinsam gingen. Als wir knutschend auf der Tanzflächen waren, kam ein sehr betrunkenes Mädchen (sie war vielleicht zwanzig Jahre alt) zu uns und fragte, ob sie mitmachen könnte. Ich verneinte es lachend und sie ging. Jura strahlte mich an und sagte ein Dreier wäre immer schon sein Traum gewesen und dass die „doch gut“ gewesen sei. Ich fragte, ob das sein Ernst sei und er strahlte nur weiter. Ich ging von der Tanzfläche, obwohl sich nichts unter mir mehr wie tragfähiger Boden anfühlte. Er hörte nicht auf davon zu reden und sagte mir abends auf der Terrasse bei ihm zu Hause noch, wie „gut“ er sie gefunden hätte. Als ich ihm sagte, wie weh mir das getan hätte, sagte er, dass ich dann mal schauen müsste, wieso mir das so weh täte. Mein Schmerz war so groß wie sein Repertoire an Erklärungen: seine Ehe hätte sein Bild von Beziehung zerstört, alle Männer würden das wollen, mein Selbstbewusstsein sei zu gering, es wäre ein Test gewesen und ähnliches. Eigentlich hörte er erst auf mich mit dem Thema zu nerven, als ich behauptete, dass ich seit neustem auch immer von Sex mit zwei Männern träumen würde. Andersrum war das für ihn eine unvorstellbare Situation und er sagte einmal an meiner Stelle hätte er sich getrennt. Allein die Situation hier nochmal, mehr als ein halbes Jahr später, aufzuschreiben führt dazu, dass alles in mir zittrig wird.
Kurz darauf wollten wir gemeinsam eine Arbeitstour (bei Aldi zwei Wochen Angebote befüllen) machen. Ich weiß gar nicht, ob das erwähnenswert ist, aber er sagte diese relativ kurzfristig ab, um mit einem Freund zu fahren. Irgendwie fühlte ich auch hier, dass es irgendwie unfair gelaufen war, aber er sagte dem sei nicht so. Alles, was mir heute, sowas wie Gewissheit gibt, dass es das war, war dass er mir erzählte, er habe seinem Freund gesagt, dass es so doof gelaufen sei. Er gab ihm wohl die “Schuld” für diesen spontanen Austausch als Reisebegleitung. Ich habe mich ziemlich zurückgewiesen gefühlt.
Wir sollten dann ein Auto von seinen Eltern abholen, was wir mit dem Wohnwagen seiner Eltern taten. Es war eine schöne Fahrt und besonders schön für mich wurde sie, als Jura nach so einer kurzen Zeit Kennen meinte, dass er sich bei dem Gedanken ertappt habe, dass er gerne mit mir zusammenwohnen wollen würde. Das war für mich etwas ganz Besonderes, auch wenn ich manchmal so ein komisches Gefühl von schlechtem Gewissen spürte, weil er noch vor Kurzem mit seiner Ex-Frau in diesem Haus gewohnt hatte. Zwei oder drei Tage später stand ich bei ihm in der Küche und kochte für uns beide und seine beiden Kinder. Knapp, bevor er sie von der Schule abholen wollte, meinte er “Natascha (seine Ex-Frau) und ich überlegen gemeinsam ein altes Haus zu kaufen, das wird ein Projekt von einem Jahr – wie fühlt sich das für dich an?” - es hat sich angefühlt, als würde mir jemand was schenken, was er mir dann wieder wegnahm. Ich schaffe es ihm zu sagen, dass er gerne Projekte mit seiner Ex-Frau haben kann, dann aber keine neue Beziehung möglich sei. Er sagte, dass er da eben noch “in falscher Verantwortung” stecke und kaufte kurz darauf gemeinsam mit ihr eine Katze “für die Kinder”. Die Katze lebt nun gemeinsam mit den Kindern im Wechselmodell und manchmal sehe ich in ihr eine Art Ersatzprojekt, eine Grenzverletzung – aber vielleicht bin ich da wirklich sensibel. Ich hasse diese Katze und mein ständig schlechtes Gewissen gegenüber seiner Ex-Frau.
Kurz darauf war mein 32. Geburtstag, am 22.09.2025, und Jura traf das erste Mal auf meine Freunde und meine Familie. Ich war mega nervös und hoffe er würde eher kommen. Er kam erst kurz vor den anderen Gästen was okay war, denn es wurde ein sehr schöner Tag. Ich habe gerne Geburtstag. Wir fuhren abends gut gelaunt zu ihm, ich war glücklich, als er mir erzählte seine Ex-Frau wäre da gewesen und habe ihm gesagt, dass sie ihn plötzlich vermisse. Sie hätten sich getroffen am Vormittag und sie würde nun immer “beim Laufen weinen”. Und klar, war es okay, aber wieso an meinem Geburtstag? Und wieso erzählte er mir das erst hinterher? Ich war wütend, verletzt und traurig und habe mich von meiner schlechtesten Seite gezeigt.
Ungefähr zu dieser Zeit fragte er mich einen Samstagmorgen, was ich vorhabe. Ich sagte, dass eine Freundin gefragt habe, ob ich Zeit hätte, ich aber viel lieber was mit ihm machen würde. Er antwortete, dass ich ruhig etwas mit Sandra machen könne, weil er sich dann mit einer Frau namens Lara treffen würde. Er habe sie kurz vor mir beim Feiern kennengelernt und es ginge ihr nicht gut, er wollte daher eine “Healing-Session” (Meditation und vermutlich Mass.) bei sich zu Hause mit ihr machen. Ich war sehr wütend und er erklärte es später damit, dass er eben ein Helfer-Syndrom habe. Mir tat trotzdem weh, dass er hinter meinem Rücken mit Frauen schrieb, die er gar nicht kannte, aber wir hatten auch nie über diese Grenzen gesprochen. Ich weiß noch, dass er genau das sagte; er könne ja nicht davon ausgehen, dass seine Grenzen auch die meinen wären. Und damit lag es dann eigentlich an meiner Kommunikation, dass ich verletzt war.
Ich weiß gar nicht mehr wie viel Hin- und Her es war, als wir beschlossen zusammenzuziehen. Aber am Ende ging es mir nicht gut und ich ging in eine Tagesklinik, wo ich drei Monate an mir arbeitete. Wir beschlossen zusammenzuziehen, aber was an all den Sorgen und Ängsten (auf beiden Seiten) am meisten weh tat, war, als er mir einmal sagte, er habe Angst, dass meine beiden Jungs (12 und 14 Jahre) seine Kinder (zwei Mädchen, damals 7 und 9 Jahre) anfassen würden. Irgendwo verstand ich seine Angst, aber in erster Linie dachte ich an meine beiden großartigen Jungs und dass ich mich irgendwie schützend vor sie stellen sollte und musste. Im Dezember 2025 kündigte ich meine Wohnung und lebe seitdem mit ihm zusammen in seinem Haus. Meine Kinder waren eine Zeitlang bei ihrem Vater, weil es mir nicht gut ging und ich mich auf die Therapie konzentrieren wollte.
Am 31.12.2025 feierten wir bei seinen Freunden Silvester. Ich traf das erste Mal auf gemeinsame Freunde von ihm und seiner Ex-Frau und war wirklich nervös. Jura kam kurz nachdem wir da waren zu mir und fragte mich, ob es okay sei, wenn er die Frau massieren würde. Ich war so überrumpelt, fühlte mich so fremd und irgendwie “prüde”, dass ich nicht richtig denken und was sagen konnte. Als ich die Schreie aus dem Nebenzimmer hörte, wusste ich nicht nur nicht wohin mit meinen Händen, sondern mit mir als gesamte Person. Als der Ehemann dieser Frau dann zu mir kam und meinte “Ich habe gesehen, wie es dir ging, ich finde das auch seit Jahren nicht gut, was die da machen”, fühlte ich mich ausgeliefert, einsam, von jemandem fremden gesehen und gedemütigt gleichzeitig. Ich hätte nein sagen müssen, ich hätte aufstehen und gehen sollen, ich hätte nicht so traurig sein müssen, aber in dem Moment war nur alles leer und leise und ein bisschen schwarz.
Wir renovierten im Januar sein Haus und meine Wohnung. Trotz allem hatte ich das Gefühl Jura und ich arbeiten an einer gemeinsamen Version und als er sogar Türen für meinen Lieblingsschrank versetzte, hatte ich das Gefühl endlich angekommen zu sein. Es gibt unzählige Videos von Jura aus dieser Zeit und ich sehe durch die Kamera noch heute, wie sehr ich ihn in dieser Zeit geliebt habe. Zwischen uns war Vertrauen bis zur Unendlichkeit und wir sprachen so viel über unsere Gefühle, dass in mir ein Vertrauen und eine Sicherheit wuchs, die ich so vielleicht noch nie gespürt habe. Das letzte Video ist von dem Tag, als seine Frau die Kinder brachte. Ich war nicht so weit auf sie zu treffen, weil Jura mir auch erzählt hatte, was sie manchmal für Bedenken mir gegenüber äußerte. Am meisten davon traf mich vermutlich die Sorge ihre Kinder würden vernachlässigt werden, wenn ich hier einzöge und dass sie wohl zu ihm meinte “Kannst du meinen Rücken einrenken (“knacken”) und mich in den Arm nehmen, oder ist das auch nicht mehr in Ordnung?”. Das war vielleicht empfindlich und Jura hätte es mir vermutlich auch gar nicht so weitergeben sollen, aber es hat sich wie ein Angriff angefühlt. Jedenfalls safte er dann sie würde nur kurz kommen, hätte es eilig und ich könnte ruhig bleiben. Das tat ich, vielleicht aus falscher Würde, und es war auch erst okay, als sie nur die Kinder brachte und wir kurz zwei drei Worte wechselten. Es war mir schon wichtig, dass sie ihre Kinder bei mir sicher wusste. Aber als Jura sie dann mehrmals bat doch noch den Sperrmüll-Haufen zu betrachten und dann auch noch meinte sie würden nun rauchen gehen und mich nicht fragte, ob ich mitkommen wollen würde, fühlte ich mich unendlich deplatziert in dieser Wohnung. Mein schlechtes Gefühl, weil ihre Kinder auf mir rumturnten, machte es nicht besser. Jura hätte sich nicht klar zu mir positionieren müssen, er hätte sich aber auch nicht gegen mich und meine Gefühle, die er kannte, positionieren müssen. Im Keller hatte ich eine sehr heftige Panikattacke. Ich bin bis heute stolz darauf, dass davon niemand was mitbekommen hat. Die Demütigung, die ich empfunden habe, ist lange geblieben.
Wenige Zeit später zogen meine Kinder zurück zu mir, beziehungsweise zu uns. Ich wollte eine bessere Mama sein, als ich es jemals war. Vielleicht hätte das auch funktioniert, wenn nicht genau an diesem Zeitpunkt irgendwas in der Stimmung zwischen uns anders geworden wäre: Jura war genervt. Er war so genervt von allem, dass ich manchmal versuchte, extra wenig zuhause zu sein. Es begann am Morgen und endete am Abend. Ich fühlte mich einsam, allein und vor allem sehr müde. Ich wusste, dass Jura gerne und viel Zeit allein verbrachte, aber hier nahm es ein Ausmaß an, dass ich mich fragte, wo der Mann hin war, der so gerne mit mir leben wollte und immer dieses Familienbild beschwor. Eine Situation in dieser Zeit war Anfang Februar, als wir gemeinsam zu einem Comedian fahren wollten, den Jura mochte und für dessen Show Jura mir zu Weihnachten 2025 Tickets geschenkt hatte. Ich war irgendwie voller Hoffnung, dass uns ein gemeinsamer Abend wieder annähern würde, bis Jura meinte, er würde sich vorher mit seinen Freunden zum *beep* und Zocken treffen und ich könnte ihm ja auf einen Weg abholen, so dass wir es pünktlich zur Vorstellung schafften. Ich war enttäuscht, dachte ich, doch wir würden gemeinsam fahren, uns vorfreuen und vielleicht gemeinsam vor Ort *beep*. Juras Kälte war immens und bis heute ist etwas in mir schockierend traurig, dass er sagte “Ich denke an mich, wäre gut, wenn du an dich denken könntest, dann ist für alle gut”, als ich meinen Kummer über diese Planung ausdrückte. Ich dachte, wenn ich schon zu Weihnachten ein Geschenk bekäme, dass eigentlich nur was für ihn war, würde er zumindest den Abend drumherum so gestalten, als sei es ein Geschenk für mich. Er fuhr dann tatsächlich zocken und irgendwie sagte ich, dass es okay sei, aber es wäre sicherlich schöner gewesen, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, es ginge ihm dabei mehr um mich.
In den Wochen, die folgten fühlte ich mich oft zu viel und allein. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass Jura nur noch genervt von mir war. Ich kämpfte auch viel, manchmal vielleicht zu sehr und zu offen. Zum Beispiel als ich ihm sagte, es wäre schon nett, wenn er mir antworten würde bei WhatsApp, als ich ihm anbot, abends auf seine Kinder aufzupassen und er stundenlang nicht reagierte. Ich habe versucht in dieser Zeit stärker und tapferer zu sein. Aber es war so viel, was ich nicht verstand. Als er mir nach einer WG-Party sagte, dass ein Typ zu nah an mir gewesen sei (ich schwöre bei Gott, dass ich das nicht gemerkt habe), entschuldigte ich mich. Und als er mir nach einem – meines Erachtens sehr gelungenem – Abend mit seinen Freunden und meiner Schwester hier sagte, er hätte sich von mir mehr Hilfe bei den Vorbereitungen gewünscht, habe ich innerlich zwei Tage all die Dinge aufgezählt, die ich getan hatte und mir immer wieder die dankenden Worte der anderen ins Gedächtnis gerufen. Ich war irgendwie sehr klein geworden.
Die Spitze nahm das ganze am 08.03.2026 als wir eigentlich einen gemütlichen Abend zuhause haben wollten. Ich war am lesen und er am zocken. Er kam zu mir und fragte ob wir noch feiern gehen wollten mit seinem Freund. Ich war müde und irgendwie genervt, weil er ja wusste, dass wir noch meinen großen Sohn von einer Party abholen müssten. Er warf mir vor, dass ich bei sowas immer so reagieren würde. Ich holte meinen Sohn alleine ab und überlegte, ob er vielleicht Recht hätte. Also ging ich auf ihn zu, als ich nach Hause kam und meinte meinetwegen könnten wir zusammen noch los. Aber da war Jura so sauer, dass er meinte, dass er nun keine Lust mehr habe und sich eh mit mir nicht gut unterhalten könne, er könnte dann nicht so frei mit anderen reden. Natürlich oder unnatürlich, hat das in mir irgendwie Eifersucht und Selbstzweifel ausgelöst - habe ich mich übertrieben eifersüchtig verhalten? Grundlos in der Vergangenheit? Als Jura dann fuhr, kippte etwas in mir und ich fühlte irgendwie, dass ich mehr Beziehung brauchte als alles das, was zwischen uns war.
Seine genervte Zeit endete eines Tages, als er mir verkündete er könnte das alles nicht und würde künftig gerne ab und zu in der Wohnung seines Freundes sein, weil die aktuell wegen seines Auszugs leer stünde. Noch wenige Tage zuvor hatten wir in einem guten Gespräch festgestellt, dass “zuhause schlafen” für uns beide eine Regel in der Beziehung sei. Ich war richtig fertig davon, aber sagte letztlich es sei okay. Richtig weh tat es auch erst, als er daraufhin meinte, er habe das Bedürfnis nun wo er mir das gesagt habe, nicht mehr. Irgendwie fühlte es sich da dann so an, als wäre es ihm nur darum gegangen, mich einmal kurz wegzustoßen oder zu verletzen. Es war vermutlich nicht so gemeint, aber das hat mich sehr enttäuscht. Noch mehr als der eigentliche Wunsch ab und zu woanders zu schlafen.
Die folgende Situation kopiere ich aus einer Datei meines Arbeitscomputers vom 25.03.2026: Ich schreibe das hier auf, damit ich es nicht vergesse: Jura und ich hatten Streit. Ich glaube der hat bereits damit begonnen, dass ich gerne gemeinsam mit ihm unsere Urlaubsplanung gemacht hätte, also abgestimmt hätte, wann wir unsere Urlaubstage nehmen. Hintergrund war auch, dass sein und mein Arbeitgeber die Jahresplanung diesen Monat haben wollte. Jura war dafür aber einfach nicht „greifbar“, auf mein Drängen hin fielen dann Sätze wie, dass er eben gerne spontan wäre bei seinem Urlaub. Für mich hat sich das doof angefühlt, weil ich eigentlich auch nicht gerne Urlaub plane, aber unsere Vorgesetzten das eben gerne wollten und ich habe mich auch wieder so bedürftig gefühlt, weil ich die Tage gemeinsam mit ihm planen wollte und er mir das Gefühl gegeben hat ihn zu nerven. Das Gefühl ihn zu nerven und immer diejenige zu sein die gemeinsame Zeit will habe ich bei ihm öfters in den vergangenen Monaten, besonders seitdem wir zusammengezogen sind. Gestern hatten wir dann erneut Streit wegen dem Urlaub. Wir hatten gesagt wir fahren um Ostern gemeinsam zu seinen Eltern in Bayern. Das passte gut, weil seine Ex-Frau seine Kinder dort nach ihrem Urlaub absetzen wollte. Sie hat sich dann entschlossen doch woanders Urlaub zu machen und kann die Kinder daher nicht mehr dort hinbringen, was bedeutet Jura muss sie hinbringen und abholen. Das verstehe ich auch, aber ich kann dadurch nicht mehr mit, weil er nun eher dorthin muss und ich da meinen Sohn abholen muss und wir einen wichtigen Geburtstag haben. Als wir gestern nochmal darüber sprachen, habe ich gesagt, dass ich das verstehe, aber das für mich schon doof ist. Er meinte dann nur „ja kann er nichts machen“ und wäre jetzt eben so. Irgendwie hat mich das sehr verletzt, besonders, als er dann in dem Gespräch seinen Bruder geschrieben hat, ob der dann mitwill. Ich habe mich so austauschbar gefühlt und nicht gesehen. Wir haben dann weitergestritten und es hat sich so hochgeschaukelt, dass ich gesagt habe „ich bin nicht nur fürs Zahlen und Kinder betreuen zuständig“ und er darauf gesagt hat „dann kann ich auch sagen, dass du nur hier eingezogen bist um Geld zu sparen“ und ich dann wieder dass ich gerne einfach mitgedacht werden würde und er dann wieder dass er eben da einfach an seine Traditionen denkt und ich dann wieder dass ich mir das gewüscht hätte Teil davon zu sein. Und dann ging es soweit, dass wir bis 4 Uhr nachts gestritten haben und er irgendwann meinte dass er auch nichts dafür könne, wenn andere nicht mit Geld umgehen könnten und man Frauen nicht alles bezahlen muss. Das war irgendwie auf einmal dann der Hauptstreitpunkt, also mein Satz „ich bin nicht nur fürs Zahlen und Kinder betreuen zuständig“. Den ich aber dann auch erklärt habe: Jura sagt immer bei diesem Urlaubsthema er habe eben kein Geld dafür, dabei habe ich erstens) schon mehrmals gesagt ich würde auch Urlaub auf dem Sofa mit ihm machen und zweitens) steht dahinter, dass wir aktuell Finanzen so aufteilen, dass ich alles an Essen und Tbk für alle sechs (seine zwei Kinder, meine zwei und wir) zahle und er seine Hausrate plus Nebenkosten – ich weiß nicht ob das fair ist. Ich denke dann immer „wovon hat er vorher gelebt du ich würde doch den ganzen Urlaub zahlen!“ (was er nicht möchte). Ich weiß mein Satz war daneben und habe mich dann auch mehrmals entschuldigt. Ich weiß er hat da dumme Erfahrungen mit seiner Ex, alles okay, aber ich habe immer für mich selber gezahlt und fand es abwertend mir zu sagen ich könne Nicht mit Geld umgehen und auch den Satz „*beep" euch alle“ fand ich in dem Kontext mies. Er meinte dann das wäre nicht gegen mich gewesen, aber er hat gesagt „und dann 20E extra Versandkosten zahlen um ein Rad schneller zu bekommen, was ich gemacht habe. Wir waren bis 4 Uhr am streiten und am Ende habe ich fast gebettelt dass wir uns vertragen. Er sagte dann noch dass er mich eben nicht so brauch wie ich ihn und ich schauen muss ob ich das Bedürfnis wegbekomme, weil er eben sehr autonom sei. Das tat mir auch weh, auch wenn er vielleicht Recht hat?! Und irgendwie fühle ich mich nur falsch, bin aber auch weiter wütend. Wir vertrugen uns trotzdem.
Einige Tage war alles gut, nein sogar richtig schön. Wir haben uns vorgenommen die 8 Gespräche aus dem Buch zu machen. Nach dem ersten Gespräch sagt Jura er müsste mir etwas sagen, dass mich vermutlich verletzen würde. Er erzählte mir dann „Neulich als meine Nachbarin da war, damit ich ihr Fahrrad repariere, fragte sie ob meine Frau auch da war. Als sie dich als meine Frau bezeichnet hat, habe ich gespürt, dass du das nicht für mich bist.“. Die Aussage hat mich sehr getroffen und auch jetzt, drei Tage später merke ich die Wut und Trauer. Ich habe gestern unglaublich viel geweint. Ich habe Jura gestern, also zwei Tage später nochmal darauf angesprochen, weil er einfach so getan hat als sei das okay gewesen. Ich wollte ihm meinen Schmerz mitteilen, hatte vielleicht sogar Hoffnung er würde ihn lindern. Aber nach kurzem Verständnis ging es nur noch darum was er sich da von mir gewünscht hätte (Mitgefühl) und er hat dann erwartet dass ich sein Gespräch mit ChatGPT dazu lese. Als ich meinte ich will es lieber von ihm hören, hat er gemeint dann nehme ich mir keine Zeit und wir müssen nicht mehr reden. Quasi hat er mich gezwungen. Habe es dann gelesen und gesagt sei okay, danach hat er sich in seinen Keller gesetzt und gezockt. Wir haben uns dann auch wieder vertragen, aber seitdem ist irgendwas noch mehr kaputt als zuvor. Vielleicht weil er mir nun die Ausreden für alle Situationen davor entzogen hat. Und manchmal spüre ich jetzt, vier Tage später, so eine Wut. Besonders wenn ich darüber nachdenke, dass er mehrmals meinte ich hätte die Aussage zu persönlich genommen – was bitte daran sollte ich nicht persönlich nehmen? Und ich fühle irgendwie Verrat, weil er noch vor zehn Tagen oder so, auf MDMA Ringe aus Kabeln gebastelt und mir an den Finger gesteckt hat. Er sagte es sei komisch, wenn mich jemand nur als Freundin bezeichnet. Manchmal fühlt es sich so an, als würde mir jemand was schenken, nur um es mir dann wieder wegzunehmen.
Das war alles. Alles, was mir an Situationen einfällt, auch wenn es mehr gab. Viel mehr Schmerz und viel mehr unendlich schöne Momente. Ich bin traurig. Ich fühle, dass ich fast gehen muss und gleichzeitig wünschte ich Jura würde mich in den Arm nehmen und sagen, dass ich für ihn viel mehr als das bin, was er mir in diesen Situationen vermittelt hat. Ich wünschte ich hätte mich nicht getäuscht, als ich dachte, dass er es ist. Ich wünschte, ich könnte meine Augen schließen, aber sie sind jetzt offen.