Hallo Maureen,
vielen Dank für deine Geschichte. Ich denke, die kann sehr bereichernd sein aber leider gibt es in diesem Forum extrem viele Menschen, die verlassen wurden oder unter der Affäre ihres Noch-Ehe-Partners leiden. Daher begegnet dir hier sehr viel Kritik, die leider manchmal auch unter die Gürtellinie geht. Ich hoffe, du lässt dich davon nicht runter ziehen. Du erscheinst mir in deiner Schilderung sehr reflektiert, wenn deine Sichtweise natürlich auch subjektiv ist.
Wenn eine Ehe scheitert, egal ob jetzt mit Affäre oder ohne, dann ist daran nie nur einer der beiden Schuld. Meistens ist es ein Geflecht aus verschiedenen Gründen und hinzu kommen dann noch die normalen Abnutzungserscheinungen in einer langjährigen Beziehung. Ich lebe selbst in einer langjährigen Ehe. In diesem Jahr haben wir Silberhochzeit und wenn man die Jahre davor mitzählt, kennen wir uns jetzt schon über 35 Jahre. Eine sehr lange Zeit, die nicht spurlos an uns vorüber gegangen ist. Auch wir hatten heftige Krisen. Die heftigste verursachte ich leider durch eine Affäre, die uns mächtig durchgeschüttelt hat.
Auch heute noch haben wir an der einen oder anderen Stelle zu kämpfen, wenn ich auch unsere Ehe inzwischen wieder als zufriedenstellend bezeichnen würde. Glücklich, das Wort fällt mir noch schwer. Ich denke, Glück ist auch relativ genau so wie das Wort Liebe. Diese Begriffe sind für mich derart abgenutzt, dass ich mich dagegen sträube, sie zu verwenden. Ich glaube wirklich, nicht eine Ehe auf diesem Planeten, die länger als 10 Jahre besteht, ist durchweg immer glücklich. In jeder Beziehung gibt es Krisen und Differenzen. Die Frage ist, ob es wirklich immer zielführend ist, sich dann zu trennen und sein Glück woanders zu suchen. Da fängt man ja nur auch wieder von vorne an und hat das Ablaufdatum dann schon sozusagen mit eingekauft.
Das nur zu meiner Einstellung, damit du dir ein Bild machen kannst. Es gibt aber selbst für mich auch Ehen, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie besiegelt wurden. Einige dieser Ehen erlebe ich in meiner näheren Umgebung. Da haben beide Partner kein liebes Wort mehr füreinander übrig und merken selbst kaum noch, was für ein jämmerliches Bild sie abgeben. Die schaffen es noch nicht einmal mehr, ihren Kindern zu liebe eine gewisse Fassade aufrecht zu erhalten. Zu solch einer Ehe scheint die deines Freundes zu gehören. Ich denke, solch ein Konstrukt gehört zurecht aufgelöst, egal ob jetzt mit oder ohne dein Zutun als AF.
Du bist da bestimmt gerade eine riesige Hilfe und gute Unterstützung für deinen Freund und ich hoffe, er weiß dieses Glück zu schätzen. Aber ich möchte auch nochmal eine Lanze für seine Ehefrau brechen was ihre fehlende Berufstätigkeit betrifft. In meiner Generation, ich bin so Ende 50, war es nämlich zwar schon seltener aber durchaus noch üblich, dass die Frau für die Kinder und den Haushalt zu Hause blieb. Und es mag durchaus sein, dass deinem Freund diese Regelung damals sehr recht war. Schließlich ermöglichte es ihm, zu arbeiten, ohne sich Gedanken um Kinder oder Haushalt machen zu müssen.
Auch ich habe damals meinen Beruf aufgegeben, um für unser krankes Kind da zu sein. Das fiel mir auch ehrlicherweise recht leicht, denn ich mochte meinen Beruf nie besonders, war durch meine Eltern da hinein gedrängt worden und war sehr unglücklich damit. Kind und Haushalt waren da für mich zunächst ein willkommenes Sprungbrett hinaus. Aber so ganz ohne Beruf fühlte ich mich nie wohl und begann damit, mir etwas neues zu suchen, als unser Sohn in den Kindergarten ging und die schlimmsten OPs hinter sich hatte.
Meine berufliche Neuorientierung war allerdings sehr schwierig und langwierig, denn ich hatte weder gesellschaftliche noch private Unterstützung. Die Kinderbetreuung zu organisieren war damals noch sehr kompliziert. Es gab nur wenig Kita-Plätze und das System war sehr starr. Die Betreuung in der Schule war noch viel schwieriger. Der offene Ganztag befand sich gerade im Aufbau und war eine einzige Katastrophe. Qualitativ wie quantitativ. Auch gab es nur wenige Wiedereingliederungsprogramme seitens des Staates und eigentlich überhaupt keine Beratung.
Ich gebe zu, ich habe es mir viel zu lange zu gemütlich gemacht zu Hause, weil ich vor all diesen Problemen resignierte. Erst vor 10 Jahren gelang mir der Wiedereinstieg in einem völlig neuen Berufsfeld. Darauf bin ich sehr stolz, weil ich es komplett alleine und aus eigener Kraft geschafft habe. Sogar die Umschulung musste ich aus eigener Tasche bezahlen, da mir als Hausfrau keinerlei staatliche Unterstützung zustand. Zum Glück hatte ich damals eine kleine Erbschaft gemacht, die ich dafür nutzen konnte. Mein Mann hätte das nämlich niemals bezahlt.
Du siehst also, es war für Frauen meiner Generation gar nicht so einfach, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen oder gar einen Neueinstieg zu schaffen. Sei also bitte etwas milder im Urteil über die Noch-Frau deines Freundes. Klar, Kaufsucht und die Sparverträge ohne Wissen des Mannes zu verjubeln geht natürlich gar nicht. Aber auch hier rate ich dir, vorsichtig im Urteil zu sein. Ich könnte z.B. niemals die Verträge meines Mannes ohne sein Wissen kündigen. Im Gegenteil, bin ich es, die gar nicht über alles bescheid weiß, was mein Mann finanziell so macht. Aber das ist sein Geld. Ich bin nur froh, dass ich heute im Falle einer Trennung auch ohne ihn zurecht käme. Das war mir wichtig, um mit ihm auf Augenhöhe zu sein. Ansonsten wäre unsere Ehe schon längst Geschichte.
So, ich wünsche dir alles Gute und viel Glück für eure Zukunft. Ich drücke euch die Daumen, dass alles gut geht. Nach Ponyhof hört sich das aber ehrlich gesagt nicht an. Ich wünsche dir viel Kraft!
LG Shedia