@TheUnknown
du baust dir gerade eine Welt, die aus den "bösen" Frauen da draußen und dem "ausgenutzten" Mann da drinnen besteht. Möchtest du wirklich in solch einer Welt leben? Weißt du meine Ehe war ganz ähnlich wie die deine, das Ende auch. Nur das mein Ex keine Achtzigjährige hat, nein, sie ist schon jünger als ich. Die Ehe war in der Krise und es wurde schwierig. Was gibt es leichteres, als sich mit einer Affäre aus der Krise zu ziehen? Der "böse" Mann da draußen hat mich ausgenutzt, ich war seine Putze, habe mich um den Haushalt gekümmert, meinen Beruf für ihn aufgegeben, das volle Programm. Ein Hauch von Dankbarkeit, Anerkennung, Wertschätzung. Fehlanzeige! Ich habe mich als Opfer gefühlt. Leider macht das auf Dauer handlungsunfähig, passiv und zu allem Übel auch verbittert. Darauf habe ich keinen Bock. Und letztlich hat mein Ex ja recht, wenn er sagt, ich hätte meine Karriere/Beruf ja verwirklichen können. Hätte ich machen können. Jetzt muss ich. Und was soll ich sagen, ohne ihn geht es viel leichter.
Heute frage ich mich, mit meinem jetzigen Erfahrungsstand, wie konnte ich mir nur solch einen unreifen, großen Jungen Land ziehen? Ich weiß die Antwort. Kritische Selbstbetrachtung, Therapie, viele, viele Gespräche haben mir Antworten ermöglicht. Bin auch noch nicht fertig damit. Die letzten 1,5 Jahre waren extrem schmerzhaft und es tut immer noch weh. Zwei Monate nachdem ich ausgezogen bin, ist sie bei meinem Ex eingezogen, und da ich in der Nähe wohne, musste ich seinen Namen mit dem ihren auf dem Klingelschild sehen, überall, wo ich hinging waren auch sie da. Aber die beiden saßen allein. Unser alter Freundeskreis war bei mir. Er hat zwar seine neue Schnalle, aber ist sozial komplett isoliert. Er hatte nur Freunde, weil ich welche hatte. Er hält keinen Kontakt zu ihnen, kümmert sich nicht, also hat er auch keine Freunde. Ich schon. Ich würde mal sagen, ausgleichende Gerechtigkeit. Wird bei dir auch so sein, du siehst es nur noch nicht.
Ich habe über ein "Datingportal" einen Mann kennengelernt. Nicht mein Ernst, doch ist wahr

. Hat zwei Kinder wie ich im ähnlichen Alter. Kümmert sich um sie im Wechselmodell. Lebt in meiner Nähe sogar. Seine Trennung ist 7 Jahre her und er ist immer noch sehr verletzt, im Herzen hart, kann sich nicht öffnen. Aber er ist ein guter Vater, er ist ehrlich, er hat Rückgrat. Wir reden ganz viel, nicht jammernd, aber ich er hat auch manchmal "merkwürdige" Ansichten über Frauen. Aus seiner Lebensgeschichte sehe ich aber den Bezug, die Ursache. Ich habe überhaupt keinen Ehrgeiz ihm das Gegenteil zu beweisen. Ich bin so wie ich bin. Und ich habe ihm meine Hilfe in einer Sache angeboten. Da habe ich gemerkt, das hat er noch nie erfahren. Das eine Frau ihn unterstützen möchte. War für mich kein großes Ding und unter Freunden wäre das auch selbstverständlich, unter meinen jedenfalls.
Er ist ehrlich, er hört mir zu, wenn ich über meine häßliche Scheidung rede, über die Kapriolen, die mein Ex gegenüber den Kindern fährt. Das ist manchmal nicht auszuhalten, das weiß er, und dann tut er mir ehrlich seine Meinung kund. Auch wenn er mir dabei mal auf die Füße tritt, aber er hat Recht. Und ich kann das annehmen, er ist wertschätzend, er ist da, er läuft nicht weg, er redet mir nicht nach dem Mund. Er ist ein Mann, der wirklich meint, was er sagt, und auch tut, was er sagt. Das ist für mich eine ganz neue Erfahrung. Toll! Und langsam bröckeln auf beiden Seiten die Herzverkrustungen. Was aus uns wird, keine Ahnung, aber es ist eine sehr wertvolle Erfahrung, die ich nicht erleben dürfte, wenn ich in meiner "Opferhaltung" geblieben wäre, ich in meinem Haus und draußen die "bösen" Männer.
Das ist hartes Stück Arbeit mit dieser furchtbaren Enttäuschung umzugehen, sie aufzuarbeiten. Ich kann das gut nachfühlen. Das ist manchmal die Hölle. Und Zeiten des Alleinsein, durchleidens, des Rückzugs braucht man auch. Aber es nutzt nichts, über die "Anderen" zu schimpfen, ändern kann man nur bei sich selbst.