Zitat von was-tun:Ich würde sagen, dass Langeweile - eher als innerer Zustand denn als Eigenschaft des Partners - ein bedeutsamer Treiber sein kann. So kann Langeweile im Sinne von Leere dazu führen, dass im Außen etwas gesucht wird, was eigentlich im eigenen Inneren herzustellen wäre.
Ich pick mal dein Zitat raus, ohne das folgende direkt an dich zu adressieren...
Mir scheint, dass ich auf den letzten Seiten so ein wenig die Vorstellung festgesetzt hat, dass eine (oder unsere) poly-amore oder offene Beziehung auf einer Schwäche in der Paarbeziehung aufsetzt. Das halte ich für eine grundsätzliche falsche Annahme, die so auch nicht von der Coachin oder der Literatur geteilt wird. Im Gegenteil herrscht eigentlich die Meinung vor, dass eine funktionierende Poly- oder offene Beziehung eine engere Bindung zwischen den (Haupt-)-Partnern aufweist, als die Durchschnittsbeziehung. Die Erklärung ist auch direkt einleuchtend: Die damit verbundenen emotionalen /und zeitlichen) Zusatzbelastungen hält eine Beziehung nur aus, wenn sie innerlich zu den besonders gefestigten gehört.
Weder die Coachin, noch wir beide glauben, dass es bei uns anders ist. Klar war der Auslöser der ganzen Geschichte die Krise meiner Frau. Aber ist es nicht fast immer im Leben so, dass die Bewältigung einer Krise noch weiter zusammenschweißt und neue, bessere Wege aufzeigt?
Ich finde, dass in letzter Zeit sehr häufig die unterschwellige Aussage hier gemacht wird, dass eigentlich die Paarbeziehung das höchste Gut ist. Jeder Außenorientierung, sei es die Kirsche auf der Sahne oder die Bedürfnisbefriedigung die Kompensation eines Beziehungsmangels sei. Auch da ist die Meinung unserer Coachin klar: Dem ist nicht so. Es gibt nicht den einen Menschen, der alles abdecken kann. Auch nicht unter 8 Milliarden Menschen. Und es ist im Grunde nicht besser oder schlechter in Absprache ein anderes Bett zu durchpflügen als in Absprache eine Joggingrunde allein im Wald zu drehen. Im Gegenteil, es ist ein Zeichen dafür, dass man seine Beziehung nicht durch Moralkodex und von außen herein getragene Erwartungen einschränkt, sondern dass man so lebt, wie man es gemeinsam für richtig hält.
Insofern verstehe ich eure Fragen... aber nicht eure Schlussfolgerungen daraus auf den Zustand unserer Beziehung. Ich kann nur wiederholen, dass wir in den letzten Monaten wohl eine der emotional befriedigendsten Phasen unserer Partnerschaft durchlebt haben.