Zitat von Ema: Du begründest es nach wie vor nicht.
Weil extrem schwer zu begründen ist, dass etwas gesund und normal ist. Viel leichter ist zu begründen (oder in dem Fall eher zu behaupten), dass etwas krankheitswert hat, wobei ich deine Argumentation auch bei weitem nicht erschöpfend finde.
Und weil das Thema extrem vielschichtig ist.
Ich versuche trotzdem mal eine grobe Annäherung.
Erstens, wie @Gretchen richtig feststellt, handelt es sich um ein Kontinuum. Von Dingen, die vermutlich auch viele "Vanillapaare" gelegentlich in ihr Sexleben integrieren, bis strafrechtlich relevante Tatbestände, die sogar dann strafbar sind, wenn das Einverständis gegeben wurde.
Also, Versuch einer Einordnung, von was hier mE die Rede ist: irgendwas in der Mitte, würde ich sagen, auf Körperlicher Ebene ein paar Kratzer oder blaue Flecke, auf geistiger Ebene ein bewußt hergestelltes Machtgefälle, wobei beiden klar ist, dass es auf die sexuelle Ebene beschränkt ist, und Grenzen eingehalten werden.
Btw. wenn Sadismus und Masochismus im ICD 10 stehen (danke für die Info, wusste ich nicht), heißt das ja noch lange nicht, dass dominante oder devote Neigungen krankheitswert haben. Das gälte es gegeneinander abzugrenzen, was vermutlich nochmal ein eigenen Aufsatz wäre.
Ein paar aus dem Ärmel geschüttelte Hypothesen: Für mich wäre, wie bei vielen anderen Verhaltensweisen dann ein Krankheitswert gegeben, wenn die Präferenz zu viel Raum einnimmt, wenn sie zu strafrechtlich relevantem Verhalten führt, vieleicht in der Grauzone, wenn sexuelle Befriedigung anders nicht möglich ist...
Nächste Überlegung: hier scheint es vor allem um weibliche devote Neigung und männliche dominante Neigung zu gehen, erstens weil es das ist, was @carlos7 betrifft, und zweitens weil es auch verbreiteter scheint.
Außerdem verengst du auf die Rolle der devoten Frau, der du mangelndes Selbstwertgefühl attestierst. Was psychologisch mit dem dominanten Mann ist, wäre auch interessant, um eine vollständige Analyse zu bekommen, wird hier aber auch wegverengt.
Diese Verengung ist sinnvoll, aber eben eine Verengung, die als solche benannt werden sollte. Falls es psychologische Mechanismen gibt, wie von Ema vorgeschlagen, dann wäre die Frage, ob sie andersherum ebenso zutreffen.
Diese Frage scheint mir insofern wichtig, als ein möglicher Mechanismus, wenn es nicht "normal und gesund" wäre, mE in unserer Jahrtausende lang männderdominierten Welt liegen könnte.
Soviel mal, um das Thema ein wenig einzugrenzen.
Also:
Definition von "normal" laut Duden:
"so, wie es allgemein üblich oder gewöhnlich ist oder als üblich und gewöhnlich gesehen wird"
Deine Argumentation war, dass dominante und devote Neigungen bei weitem nicht so häufig und "normal" wären, wenn sie nicht so in und gehyped wären.
Ja, gute Frage. Wäre spannend, wie verbreitet dominante und devote Neigungen wären, wenn es keine P. gäbe, wo naturgemäß die Reize immer härter werden.
Sinnvoll begründen und beweisen lässt sich diese Behauptung nicht.
Meine Vermutung ist, dass Menschen, deren Neigung in diese Richtung nicht besonders ausgeprägt ist, vielleicht das nie ausleben würden, wenn es weniger bekannt wäre. Ich würde behaupten, ohne es beweisen zu können, dass diese Neigung trotzdem vorkommen würde.
als zweite Definition von normal:
"geistig und körperlich gesund"
Womit wir schon fast auf dem Weg zu gesund wären.
Deine Hypothese: in einer optimalen Welt, wo alle vor geistiger Gesundheit und vor Selbstwert strotzen würden, gäbe es zumindest keine devoten Neigungen.
Fein, wieder: lässt sich schwer belegen oder wiederlegen. Bis hierher nur eine Behauptung. Hast du Zahlen zu gesellschaftlichen Schichten oder zum internationalen Vergleich?
Definition Gesundheit laut WHO:
"Gesundheit ist der Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens..."
Ich behaupte, dass sich viele Paare während des Spiels genau dort befinden. Nach allen drei Kriterien.
Du hattest 3 Argumente, warum es nicht gesund sei:
1. Es hinterlässt körperliche Verletzungen
2. Es hinterlässt seelische Verletzungen
3. Frau würde sich gar nicht in diese Situation begeben, wenn sie gesund wäre
zu erstens: Nach einer Rauferei mit meiner Brombeerhecke oder nach einer schönen Sporteinheit habe ich auch Schmerzen und Kratzer und manchmal blaue Flecke... Ich halte trotzdem Sport und Gartenarbeit nicht für ungesund.
zu zweitens: das ist halt eine Behauptung, die sich genauso schwer wird beweisen lassen wie das Gegenteil. Und wenn es seelische Verletzungen hinterlässt, dann bleibt immer noch die Frage, ob es am Ausleben der devoten Neigung liegt, oder daran, aus den falschen Gründen den falschen Sex zu haben, was ganz allgemein beim Sex immer eine Gefahr ist.
zu drittens: siehe "Normal". Ist letztlich auch nur eine Behauptung, die sich weder wirklich beweisen noch wirklich widerlegen lässt. Verkürzt: frau lässt sich ein Halsband anlegen, weil sie innerlich glaubt, dass das genau ihr Platz ist: zu Füßen ihres Herren. Carlos hat ein paar Denkanstöße in die Richtung gebracht. Du bist die Antwort noch schuldig geblieben, warum du jemandem, der im restlichen Leben viele Entscheidungen trifft, die seinen Selbstwert untermauern, den Selbstwert nicht mehr glaubst, wenn er im Schlafzimmer eine vordergründig betrachtet andere Entscheidung trifft?
Also, kurz und gut, du stellst ebenfalls lediglich Behauptungen auf, und behauptest, psychologische Mechanismen durchschaut zu haben. Mir ist wenigstens klar, dass es bis hierhin keine erschöpfende Argumentation und noch nicht mal eine Diskussionsgrundlage ist.
Also:
Analogie: Vermutlich werde ich unter Sportschützen mehr gewaltbereite Menschen finden, als im Ikebanaverein. Gehören deshalb alle Sportschützen unter Generalverdacht und ins Gefängnis? Nein. Sollte deshalb unter Sportschützen ein Bewusstsein darüber herrschen, und ein Konzept, wie man mir tatsächlich gewaltbereiten Menschen umgehen kann? Unbedingt.
Vermutlich werden sich unter der Stichprobe sich als unterwürfig indentifizierender Frauen mehr Frauen mit vermindertem Selbstwertgefühl sein, als bei anderen sexuellen Neigungen. Gehören deshalb alle devoten Frauen zum Psychiater und ist deshalb devote Sexualität etwas schlechtes? Nein. Braucht es in der BDSM Community ein Bewusstsein darüber und eine Idee davon, wie man mit dem Problem umgeht? Unbedingt.