E-Claire
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Zitat von meineMeinung:Ich frage mich immer wieder wie die ständigen Abwesenheiten der Mutter den Kindern vermittelt werden. Sie hat einen fordernden Job der wohl nicht nur im Büro zu erledigen ist. Sie macht längere Dienstreisen, ist dreimal die Woche beim Schreiner, verbringt Wochenenden mit ihm und jetzt noch ganze Woche(n?). Irgendwann sagen sie zur Nanny Mama.
Na geh, ich finde Verurteilungen von weiblichen Lebensmodellen unter dem Deckmantel der Besorgnis um die armen kleinen Kinder ganz schön durchschaubar und auch nicht sehr zeitgemäß. Bei meinen Freunden, die ein paritätisches Familienmodell leben, haben beide jeweils zwei Abende unter der Woche "frei", um sich mit Freunden zu treffen oder Hobbies nachzugehen, insbesondere, weil Kinderaktivitäten ja doch Abends schon auch zeitlich begrenzt sind.
Ich bin demgegenüber eher geneigt zu denken, daß in dem Moment, in dem die Kids aus dem Baby Fremdel-Alter draußen sind, es kein gutes Zeichen ist, wenn dauerhaft nur Mama und nicht eben auch Papa oder eine andere Bezugsperson diese ins Bett bringen kann.
zum Thema: Randgruppe
Zitat von carlos7:Nicht nur falsch, sondern ganz falsch. Und das liegt nicht dran, dass mit ein forenbekannter Besoffener gedroht hat, aufzulauern und meiner Frau mal zu zeigen was ein richtiger Mann ist, sondern an den unterschwelligen Abwertungen, wenn man "anders" ist. Wer hätte gedacht, dass es Menschen gibt, die einem aufrichtige Liebe absprechen, wenn man mit seiner Frau nicht-monogam lebt und dieses schwierige Neuland mittels Vereinbarungen einzugrenzen versucht? Wer hätte gedacht, dass ein hundsgewöhnlicher BDSM-Kink pathologisiert wird und als Missbrauch gesehen wird? Wer hätte gedacht, dass Männer die ihren Frauen Zusatzpartner erlauben, als kümmerliche Banane tituliert werden? Wer hätte gedacht, dass nicht-monogame Menschen nicht so intensiv lieben wie monogame Menschen? Wer hätte gedacht, dass die Vereinbarung partnerschaftlicher Regeln eine Kontrollsucht ist?
Großer, bei allem Mitgefühl und das habe ich! Was mich ein bissl frappiert ist, daß Dein Text sehr offen zeigt, wie ignorant and hochmütig männliches, weißes, heterosexuelles Privileg macht. Mir ist natürlich klar, daß theoretisches Wissen und praktisches Erfahren zwei sehr unterschiedliche Paar Schuhe sind, aber ich hoffe Dich zukünftig unter den Allys für alle Minderheiten begrüßen zu dürfen.
Vielleicht ist es tatsächlich so, daß man strukturelle Probleme nicht sehen kann, ohne selbst mal die Erfahrung gemacht zu haben, aufgrund der eigenen Andersartigkeit Anfeindungen ausgesetzt zu sein, angeblich ist das ein Grund, warum "Selbstbezogenheit" eine dark Eigenschaft ist. Aber ich finde schon, daß sich jeder mal mit den eigenen Privilegien auseinander setzen sollte und daß die Anerkennung dieser uns dazu verpflichtet, anstatt in die Abwehr (ach so war das doch nicht oder ich habe da nie Rassismus/Sexismus/etc bemerkt) zu gehen uns zum zuhören verpflichtet.
Und genau das ist auch der Grund, warum ich Dich beständig daran erinnere, wenn Du in Entwertungen rennst.
Zitat von carlos7:Meine Conclusio ist: Wenn du anders bist, zeige es niemals offen. Ein Teil der eingeweihten Menschen wird sich bewusst distanzieren, ein andere Teil wird das unterbewusst tun. Ein dritter Teil wird dich bewusst verurteilen und ein vierter wird das verdeckt tun. Einfach weil du anders bist und Andersartigkeit wider den bestehenden Konformitätsdruck ist.
Das mag jetzt nur mein subjektives Empfinden sein und von wirklichen Randgruppen anders gesehen werden. Allein, ich habe nur diese eine Erfahrung und die prägt mich nun einmal.
Darf ich dich darauf hinweisen, daß allein die Wahl zu haben, etwas zu verheimlichen schon ein Privileg ist. People of Colour können ihre Hautfarbe nicht verstecken. Frauen können nicht verstecken, daß sie Frauen sind, genauso wenig wie Menschen mit körperlichen Einschränkungen das tun können.
Ich kann gut verstehen, daß es eine ziemlich kränkende Erfahrung ist, plötzlich selbst Opfer toxischer Männlichkeit zu werden. Das andere genauso oder noch viel mehr diskriminiert und angefeindet werden, macht Deine Erfahrung nicht weniger verletzend und es ist Dein Recht und Deins ganz allein zu entscheiden, wie Du mit Deiner Andersartigkeit umgehen möchtest. Vielleicht aber kannst Du es für Dich zum Anlass nehmen, mal genauer zu schauen, wo Du bisher dann doch (unbeabsichtigt) eher Teil des Problems warst. Niemand zwingt dich Teil der Lösung zu sein, für den Anfang reicht es, nicht mehr Teil des Problems sein zu wollen.