benste
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auch ich möchte mir gerne meine Gedanken und Gefühle von der Seele schreiben, weil es mir nach der Trennung von meiner jetzt Ex-Freundin vor knapp 4 Wochen ziemlich mies geht. Bitte verzeiht den langen Text aber für mich war es hilfreich meine Geschichte ausführlich aufzuschreiben.
Die Trennung von ihr erfolgte nicht auf einen größeren Streit hin und sie hat weder die verletzende Dimension (kein Fremdgehen, Einsicht,. ) noch die Tragweite (keine gemeinsamen Kinder, nicht verheiratet, keine gemeinsame Wohnung. ) wie sie viele hier erleiden müssen. Auch war sie mit 1 1/4 Jahren eher von kurzer Dauer.
Dennoch kommen Umstände hinzu, die den Schmerz über den Verlust ungemein verstärken und mich gerade in ein tiefes Loch stürzen lassen. Ich fühle mich ohnmächtig, hilflos und meine Gedanken drehen sich seit Wochen nur im Kreis.
Viele werden bestimmt auch gleich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen wenn sie weiterlesen und sich denken:
"Bei dieser Konstellation war die Beziehung von Anfang an zum scheitern verdammt, da hätte er doch selbst drauf kommen müssen und sich den Liebeskummer ersparen können!"
Ich gebe zu, die harten Fakten zum Auftakt des Kennenlernens lassen das sicher erahnen:
Ich damals 38 Jahre alt und Single+kinderlos, sie 42 Jahre, geschieden und 3 Kinder (Jungs 6, 9 und 12). Die Kinder waren immer 2-3 Tage im Wechsel bei ihr und dann wieder bei ihrem Ex-Mann. Die Trennung vom Ex-Mann lag ca 3 Jahre zurück. Sie musste damals viel mitmachen und war nicht gut auf ihn zu sprechen.
Aber mal von Anfang an...
Wir kannten uns eigentlich schon länger, weil sie eine gute Freundin meiner Schwester ist und seit vielen Jahren nur ca. 100m von mir entfernt wohnt. Oft sind wir uns nicht über den Weg gelaufen und viel miteinander geredet haben wir dann auch nie wirklich.
Sie ist eine sehr attraktive Frau, auf jeden Fall ein Blickfang für die Männerwelt. Nach außen hin gibt sie sich eher unnahbar, abgeklärt aber sehr selbstbewusst und stark. Für mich gehörte sie eigentlich immer zur Kategorie "Unerreichbar".
Doch gefunkt hat es dann tatsächlich im Frühling 2023 nach einem Fest. Ich lag irgendwann bei ihr auf dem Sofa und sie neben mir und da war es schnell um uns geschehen.
Wenn ihr euch fragt, was mich dazu bewogen hat, eine Beziehung unter diesen Bedingungen einzugehen, dann war es damals sicher meine große Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit, Sicherheit usw.
Und diese Sehnsucht rührte auch aus dem Jahr vor dieser Beziehung. Ich habe damals beide Eltern verloren und mir in dieser Zeit oft gewünscht, jemanden an meiner Seite zu haben um den Verlust besser verkraftet zu können.
Man muss dazu sagen, dass sie damals auch nicht in der besten gesundheitlichen Verfassung war und bestimmt auch bedürftige nach Nähe und Zuwendung war.
Jedenfalls haben wir die Kennenlernphase quasi übersprungen und uns direkt in die Beziehung gestürzt.
Am Anfang hab ich mir viele Gedanken darüber gemacht, wie so eine Beziehung überhaupt in der nahen und fernen Zukunft aussehen kann. Aber irgendwann stellte ich mir dann auch die Gegenfragen.
Wieso immer sofort rational entscheiden? Wieso nicht mal was wagen und dann auch die gemeinsamen Momente oder Erlebnisse, die uns erwarten, genießen ohne sich über die Zukunft Gedanken zu machen?
Ja und so nahm das Ganze dann seinen Lauf.
Beide setzten wir riesige rosarote Brillen auf und konnten einfach nicht genug voneinander bekommen. Vertrauen konnte ich auch super schnell zu ihr aufbauen, weil sie sich mir von Anfang an öffnete und da ein sehr liebevoller Mensch zu Vorschein kam, den sie nach außen hin immer verborgen hielt. Sensibel, empathisch, humorvoll, einfühlsam.
Auch den Kids wurde ich sofort vorgestellt und verstand mich auf Anhieb sehr gut mit ihnen. Es war mir völlig klar, dass ich nicht die Prio 1 in ihrem Leben sein konnte aber ich gab mich damit zufrieden. Ihr Alltag war natürlich auf die Kids ausgerichtet und ich hab mich dementsprechend nach ihr ausgerichtet um Raum für die Beziehung zu schaffen. Da ich zeitlich recht flexibel war, stellte das aber kein großes Problem für mich dar.
Auch viele meiner Bedürfnisse hab ich erst einmal hinten angestellt und mich so pflegeleicht wie möglich gegeben. Wobei meine Bedürfnisse anfangs eigentlich voll befriedigt wurden.
Gesehen haben wir uns meist so 2-3 Tage in der Woche, vor allem Abends, wenn die Kids nicht bei ihr oder schon im Bett waren. Am kinderfreien Wochenende aber auch mal ein paar Tage am Stück.
Die ersten Monate waren wie ein Traum, so hab ich diese Zeit bis dahin in keiner meiner Beziehung erlebt und genossen. Unglaublich intensiv und erfüllend. Tolle Gespräche, viel gelacht, viel unternommen.
Auch der Sex war so lustvoll und befriedigend, dass ich dachte, ich hätte das Paradies gefunden.
Uns gings damals einfach richtig gut!
Die Problematik mit der Zeit verschärfte sich jedoch als sie im September letzten Jahres einen neuen Vollzeitjob anging. Das war und ist auch heute noch mit viel Stress für sie verbunden obwohl sie recht glücklich mit ihrem neuen Arbeitsplatz ist.
Sie hat in dieser Zeit auch 1-2kg Körpergewicht zugelegt, was bei ihr zusätzlich große Unzufriedenheit auslöste und auf ihre Stimmung drückte. Man muss dazu sagen, dass sie früher fast eine Magersucht entwickelt hat und deshalb sehr anfällig für das Thema ist.
Ich finde sie unglaublich attraktiv und anziehend und betonte das auch immer wieder aber wenn eine Frau nicht mehr in ihre Lieblingsjeans passt dann prallen diese Worte an ihr ab, wie ein Federball an einer Betonwand🙈
Die Konsequenz daraus. Frühstück (das wir uns oft noch gemeinsam gegönnt haben wenn ich bei ihr geschlafen hab) wurde gestrichen und Fitnessstudio, welches sie vor und anfangs der Beziehung vernachlässigt hatte, kam wieder fest aufs Wochenprogramm. Sie hatte dort einen Jahresvertrag und bevorzugte es auch dort Sport zu machen und nicht wie ich an der frischen Luft. Ich hab sie auch darin bestärkt wieder Sport zu treiben, weil Bewegung ja bekanntlich nicht nur dem Körper sondern auch dem Geist gut tut😊
In dieser Zeit traten auch ihre Freundinnen wieder öfters auf den Plan und motivieren sie zum Weggehen.
Die Luft für eine Beziehung wurde dadurch natürlich immer dünner und dünner. Und auch wenn ich immer versucht habe Verständnis für ihre Situation aufzubringen, wuchs auch meine Unzufriedenheit.
Natürlich schrieben wir uns täglich viele schöne WhatsApp oder telefonierten miteinander und diese virtuelle Fernwärme war auch wirklich angenehm aber ersetze natürlich nicht die physische Nähe, Zweisamkeit, Intimität.
Ich ertappte mich immer öfters dabei, wie ich mir darüber Gedanken machte, ob das, was sie gerade macht, wichtiger ist wie die Zeit mit mir und ob ihr das überhaupt bewusst ist. Ich legte also vieles auf die Waagschale und fand immer wieder berechtigte oder unberechtigte Gründe für meine Zweifel.
Angst machte sich langsam breit. Angst, dass ich ihr nicht mehr wichtig bin und die Beziehung bald in die Brüche gehen könnte. also Verlustangst um das Kind beim Namen zu nennen. Zum damaligen Zeitpunkt war sie sicher unbegründet und so wollte ich das Thema auch bewusst nicht ansprechen, weil ich sie damit sicher nur bedrängt hätte.
Ich war stark emotional abhängig von ihr aber es fühlte sich für mich trotzdem oder genau deswegen nach Liebe an.
In dieser Beziehung mit all ihren Einschränkungen zu verharren war für mich in dieser Zeit bei weitem besser, wie in den Zustand vor der Beziehung zurückzufallen.
Ich hab mein Bedürfnis, dass ich sie gerne öfters sehen möchte, schon ein paar Mal geäußert. Der Plan ging dann immer in die Richtung, dass wir die Kinder mehr mit einbeziehen. Leider kam sie dem aber wenig nach. Selten hat sie gefragt ob ich zum gemeinsamen Abendessen kommen mag oder ob wir zusammen mit den Kids was unternehmen wollen. Wenn dann ging es meist von mir aus.
Leider, und das hab ich ihr auch vorgeworfen hat sie sich so gut wie nie helfen lassen obwohl ich wirklich für sie da sein wollte und sie gerne unterstützt hätte. Oft war sie am Limit. Das zeigte sich besonders wenn die Kids wieder umtrieben und sie immer sofort in Rage geriet. Ich mein wenn sie mir nur regelmäßig ~2h/Woche die Kids überlassen hätte, dann hätte ihr das sicher gut getan.
Leider ist sie eine Einzelkämpfer und ich bekam so keinen Fuß in ihr richtiges Leben. Das hat sicher auch damit zu tun, dass sie nach der Trennung von ihrem Ex-Mann und der anschließenden Schlammschlacht auf sich alleine gestellt war und nun sich und die Kinder nun bewusst oder auch unbewusst schützen möchte.
Ich wollte ihr immer die Freiheit geben, die sie braucht und hab sie auch bestärkt ins Fitness zu gehen, sich mit ihren Freundinnen zu treffen, den neuen Job anzunehmen, sich Zeit für sich zu nehmen. Leider hab ich es zu spät kapiert, dass ich dabei selbst immer mehr auf der Strecke blieb und sie zeigte mit fortgeschrittener Beziehungsdauer immer weniger Kompromissbereit oder kein Bestreben die Beziehung in die richtige Bahnen zu leiten. Ich hatte das Gefühl, dass ich in ihrer Prioritätenliste immer weiter nach unten rutsche.
Ich setzte dann große Hoffnungen auf unseren gemeinsamen Urlaub in Sardinien Mitte August. Die Vorfreude war riesig und ich wünschte mir nichts sehnlicheres wie 1-2 Wochen Ruhe und gemeinsame Zeit, die wir richtig genießen können.
Aber wie es nun mal so ist, kam es leider ganz anders. Die ersten 4 Tage waren schön auch wenn hier und da mal eine kleine Meinungsverschiedenheit aufkam aber nicht der Rede wert.
Am Abend des 5.Tags dann doch eine etwas größere Streitigkeit in folge dessen dann Eiszeit und Schweigen am Abendtisch im Restaurant herrschte. Ich hasse solche Situationen und war frustriert und gleichzeitig traurig darüber, dass uns das im Urlaub passiert. Nach dem Abendessen bin ich dann noch alleine auf einen Spaziergang los, hab mir eine Flasche Wein gekauft und diese anschließend alleine geleert. Hab am Strand gesessen, über die Beziehung, über den Verlust meiner Eltern, über mein ganzes verpfuschtes Leben nachgedacht und so wie der Wein in mich reingelaufen ist, so sind es die Tränen aus meinen Augen. Dabei bin ich eigentlich gar nicht der Typ, der seine Problem in Alk ertränkt. Hier war es einfach eine Kurzschlussreaktion.
Den Weg zurück hab ich noch problemlos bis zu einer Bank vor dem Hotel geschafft aber dann schlug der Alk. heftig zu und ich war plötzlich kaum mehr imstande mich zielsicher fortzubewegen. Hab dann meine Ex-Freundin angerufen, die mich vor dem Hotel aufgegabelt und ins Zimmer begleitet hat. Auf dem Weg musste ich mich auch ein paar mal übergeben.
Soweit ich mich noch erinnern kann war sie dabei sehr bestürzt und auch wütend. Am nächsten Morgen bestand sie dann auf eine Aussprache, auf die dann die Trennung folgte. Sie sah die Beziehung in einer Sackgasse aus der es keinen Ausweg mehr gab. Mir war zu diesen Zeitpunkt noch speiübel und ich konnte fast keinen klaren Gedanken fassen geschweige denn vernünftig mit ihr über das Geschehene und die Probleme in unserer Beziehung reden.
Sie wollte den Urlaub anschließend sofort beenden und hat nach einem Rückflug gesucht. Da sich spontan aber nichts bezahlbares finden lies, haben wir beschlossen die restlichen 4 Tage noch gemeinsam durchzuziehen. Für außenstehende Personen mag es wohl ausgesehen haben, wie wenn zwei befreundete Menschen einen netten Urlaub zusammen verbringen (haben uns einiges an Alk. gegönnt) aber innerlich war es eine Qual für uns beide. Nachts im Bett nebeneinander zu liegen und keine Zärtlichkeiten auszutauschen war das schlimmste.
Das traf mich alles ziemlich hart, weil mir nicht bewusst war, dass unsere Beziehung so schnell zerbrechen könnte und nicht mehr genug Liebe da war, um alles nochmals zuhause in Ruhe zu überdenken und dann einen gemeinsamen Entschluss zu fassen.
Ich hab zwar im Urlaub nochmals versucht darüber zu reden aber hab schnell gemerkt, dass sie das nicht wollte und ich es nur noch schlimmer gemacht hätte. Sie hatte für sich wohl schon den Schlussstrich gezogen und ich war noch verzweifelt dabei, die wenigen Erinnerungsbruchstück von dem Abend und dem Morgen zu ordnen, um ihre Entscheidung nachvollziehen zu können.
Alleine der Gedanke an diesen Abend quält mich so unglaublich und wirft so viele "was wäre passiert wenn" Fragen auf. Wahrscheinlich hätte jedes Szenario zu einem besseren Ende geführt wie das, was tatsächlich eingetreten ist.
Direkt nach dem Urlaub hat sie mir geschrieben, dass sie es kaum erwarten konnte, zuhause die Tür hinter sich zu schließen und ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Ihr würde die Trennung genauso schwer fallen wir mir, das könnte ich ihr glauben! ...und das tu ich auch! Aber ich bin mir sicher, dass sie nicht lange daran zu knabbern haben wird. Die Leere, die sie füllen muss ist bei weitem nicht so groß wie die meine.
Wir haben im Moment noch etwas Kontakt per WhatsApp. In einer Nachricht hat sie als Hauptgrund für die Trennung die fehlende Zukunftsperspektive genannt. Ansonsten nur oberflächliches eschreibe, bei dem sie sich wenig Mühe gibt.
Den Kontakt möchte ich erst abbrechen, nachdem wir nochmal ein richtiges Gespräch geführt haben, weil mir noch so viele Fragen und Gedanken durch den Kopf gehen. Seit dem Urlaub haben wir uns nämlich nicht mehr gesehen aber sie hat meinem Wunsch nach einem Gespräch zugestimmt und wird sich dann bei mir melden. Und ich hoffe das tut sie bald!
Die Trennung selbst ist wie eine große Wunde und sie reißt gleichzeit noch einige nicht verheilte wieder auf. Ich musste im August vorletzten Jahres meine Mutter nach langem Kampf gegen den Krebs im Alter von 66Jahren zu Grabe tragen. Drei Monate später verstarb mein Vater völlig unerwartet an einem Herzinfarkt. Auch im Alter von 66.
Obwohl meine Ex-Freundin nicht lange an meiner Seite war, ruft die Trennung doch genau den selben Schmerz wie damals hervor. Drei geliebte Menschen innerhalb von 2 Jahren zu verlieren tut unheimlich weh.
Es ist aber nicht nur der Liebeskummer und die Trauer was mich gerade umtreibt sondern ich stecke in einer großen Lebenskrise mit vielen Baustellen. Mein Selbstwertgefühl ist am Boden und mich plagen Hoffnungslosigkeit und Zukunftsängste.
Was ist jetzt mein Plan?
Ich habe mir professionelle Hilfe in Form eines Therapieplatz gesichert und versuche mein Leben nun Stück für Stück wieder aufzubauen und lebenswerter zu gestalten.
Ich treibe sehr viel Sport, habe Hobbies und versuche unter Leute zu gehen. Mein Job verlangt das auch aber es kostet gerade sehr viel Mühe und Überwindung. Ich habe Freunde mit denen ich reden kann und habe hier im Forum schon viele hilfreiche Beiträge und Tipps gelesen. Und ich weiß, dass ich nicht der einzige bin dem es deswegen gerade schlecht geht.
Und ich hoffe meine Ex-Freundin wird in naher Zukunft den Thron in meinem Kopf räumen und Platz für eine andere schaffen.
Das ist aber noch ein langer Weg weil ich so an diesem wundervollen Mensch hänge, den ich da kennen und lieben gelernt habe. Im Moment tut das einfach nur weh😣

