Zitat von willan: Du schriebst Dein Ex war auch Spieler. Jetzt dieser Sozialfall. Ziehst Du solche Männer an? Willst Du helfen? Sie retten?
Ich glaube, ich ziehe solche Männer an, weil ich eine starke Persönlichkeit bin, die gerne die Richtung vorgibt. Ich hab mein Leben voll im Griff und weiß was ich will. Solche Opfertypen finden das am Anfang anziehend, weil ein Teil von ihnen ja gern was ändern würde und sie hoffen, dass sie mit einer Frau wie mir an ihrer Seite ihre Probleme schon irgendwie in den Griff kriegen werden. Im Gegenzug dazu erwarte ich mir natürlich vollste Anerkennung, bedingungslose Liebe und das Gefühl "die Retterin" und damit etwas ganz Besonderes zu sein.
Das funktioniert auch super. .ein paar Monate. Und dann scheitern wir beide kläglich an unseren Erwartungen, weil sie nicht erfüllt werden können auf Dauer. Seine Probleme lösen sich nicht einfach in Luft auf, nur weil da plötzlich eine Frau ist, die sagt, wie´s laufen soll. Und aufeinmal wird Widerstand geleistet. Zuerst nur ein bisschen, dann immer vehementer. Ist ja nicht fein, wenn einem die "Alte" ständig sagt, was zu tun ist, selbst wenn er weiß, dass sie Recht hat. Und seinen Widerstand finde ich natürlich alles andere als toll, weil - hallo? - ich rette ihn und er hat mich dafür gefälligst zu lieben, zu ehren und zu respektieren. Und ich bin wieder verletzt. Wieder enttäuscht. Zweifle an mir selbst und meiner "Liebenswürdigkeit" - weil wenn er mich WIRKLICH lieben würde, dann. ja dann würde er ja alles anders machen.
Und genau das ist der größte *beep* aller Zeiten. Das hab ich mittlerweile echt erkannt. Diesen Kampf kann niemand gewinnen, weder er, noch ich. Das ist ein Teufelskreis, dem man nur durchbrechen kann, wenn jeder für sich selbst Verantwortung übernimmt, auf sein eignes Leben schaut, die eigenen Probleme in den Griff bekommt. Ich habe das schon zig-Male gelesen und gehört und vom Kopf her auch "für richtig" befunden. Aber ich musste die Erfahrung dazu machen. Am eigenen Leibe spüren, dass nicht mal ich jemanden retten und damit dann auch noch meinen Selbstwert aufpolieren kann. Mit nicht mal ich meine ich - dass ich ja sonst im Leben immer alles schaffe, was ich will. Ich musste schmerzlich feststellen, dass ich machtlos bin, was das Leben eines anderen Menschen betrifft, dass ich nichts und niemanden kontrollieren kann, egal wie laut ich schreie und egal wie sehr ich mich zu schützen versuche.
Und zudem hab ich erkannt, dass ich im Grunde die falscheste Partnerin für Typen bin, die Probleme haben. Denn in Wirklichkeit hab ich kein Verständnis, in Wirklichkeit widert mich das sogar an und deswegen mutiere ich dann auch immer zum Hausdrachen und bin am Ende die Schuldige. Weil ich ja so gemein bin.
Ich habe keine Ahnung, was als nächstes kommt. Ich war mir auch schon beim letzten Ex davor sicher, dass mir sowas nie wieder passiert und es ist wieder passiert. Vielleicht hab ich es nochmals wissen müssen. Keine Ahnung.
Ich hab es mir jetzt jedenfalls fest vorgenommen, mich auf niemanden mehr einzulassen, der Probleme hat, mit denen ich eh nicht umgehen kann. Und mal eine zeitlang alleine zu bleiben. Mich aus Einsamkeit nicht wieder in das nächstbeste Drama stürzen und mir selber auch noch vormachen, dass ich eh alles im Griff habe.