Herzrhythmus
Gast
Seit etwa einem Jahr führe ich ein Dingsbums mit einem Mann.
Zur Situation: ich bin 38 und geschieden mit 1 Kind, er ist ebenfalls 38, 1 Kind, lebt von der Kindsmutter getrennt.
Als wir uns kennenlernten, leckten wir beide noch unsere Trennungswunden, zwar nicht mehr akut, aber die Nachwehen waren noch spürbar, vor allem in den Überzeugungen, was man nun alles in einer Beziehung Auf keinen Fall mehr möchte.
Es wurde schnell mehr aus unseren Treffen. Die sexuelle Ebene läuft einwandfrei. Wir wohnen nicht zusammen und das möchte auch keiner von uns beiden, schon allein wegen der Kinder nicht.
Wir sehen uns manchmal 5 Tage die Woche, manchmal aber auch nur einmal, da wir beide berufstätig sind.
Wir kennen inzwischen ein wenig die Freundeskreise des jeweils anderen und begleiten uns auf Feiern etc.
Also ist das Ganze schon irgendwie eine offizielle Beziehung, auch wenn das nie explizit geäußert wurde.
Meine Probleme liegen auf der Erwartungsebene:
die Beziehung läuft gut. Wir reden viel, harmonieren. Die Zeit, die wir verbringen, ist schön und glücklich.
Das äußert er auch.
ABER: was mich so langsam ein wenig nervt, ist, dass er kaum jemals seine Gefühlslage in Bezug auf mich äußert.
Die 3 Wörtchen sind auch von meiner Seite aus nicht gefallen und das ist auch nichts, wonach ich mich verzehre. Allerdings mache ich ihm öfter mal ein Kompliment, da kommt aber ganz selten mal was zurück.
Wenn er mal sagt, "das war ein schöner Nachmittag mit dir, ich fühle mich richtig zufrieden!" oder "du bist heiß", dann ist das schon das Maximum.
Er sagt häufiger, dass er auf diesen offiziellen Beziehungsstatus gut verzichten kann, gehen doch Gefühle oft einher mit Verhaltenserwartungen, die er (in der Vergangenheit) oft als sehr einschränkend erlebt hat (seine Ex war wohl sehr eifersüchtig, hat ihn dann aber betrogen).
Was will ich?
Ich würde einfach gerne öfter mal etwas Verbindlicheres/Persönlicheres von ihm hören. Inzwischen merke ich, dass mein Eindruck dieser Beziehung immer ernster wird und ich spüre, wie ich Sorge bekomme, er könnte beim nächsten Rockzipfel weg sein und ich dadurch immer mehr investiere, in der Hoffnung, da etwas "rauszubekommen".
Andererseits merke und weiß ich, dass es eigentlich genau das ist, weswegen er bei mir ist: nämlich dass ich einfach bin wie ich bin, da bin und "stressfrei" bin.
Damit meine ich nicht, dass wir nicht mal streiten.
Aber wenig. Und unsere Streitkultur würde ich (auch nach meiner Ehe) als sehr gut bezeichnen.
Ich mache mein Ding, neben dieser Beziehung, schon allein wegen meiner Tochter.
Ich frage mich nur zunehmend, wie das weitergehen wird? Wenn wir beide unser Ding machen und beiden klar ist, dass der andere im Ernstfall auch gut alleine klar kommt: da fehlt mir irgendwie was.
Ich kann den Finger nicht drauf legen, kenne es aus meinen vorherigen Beziehung aber immer nur anders. Gt, die sind alle vorbei, vielleicht wäre es an der Zeit etwas anderes auszuprobieren.
Es fällt mir nur verdammt schwer, diese innere Erwartungshaltung abzustellen. Vielleicht, weil ich Gewissheit suche, dass ich nur nicht ein spaßiger Zeitvertreib bin, wie in einer Art Freundschaft plus.

