sombra
Gast
Es ist jedesmal schön mit ihm und ich genieße auch die Zeit mit ihm, aber irgendwie ertappe ich mich nach so viel Vertrautheit (die eben die Zeit mit sich brachte), dabei wie ich immer mehr Ansprüche stellen will.
Z. B. stört mich, dass er mich immer nur einmal die Woche und nicht öfter sehen will auch wenn es durchaus möglich wäre trotz Stress. Okay, er hat durch seinen Job einen sehr straffen Terminkalender und fährt jedes Wochenende sehr weit zu seiner Familie, aber er könnte manchmal durchaus viel mehr Zeit mit mir verbringen, das kriege ich ja oft genug mit, wenn er mir erzählt, was er so gemacht hat. Ich war z. B. innerlich sehr erbost, dass er als er mal am Wochenende hier geblieben ist und nicht zu seiner Familie gefahren ist, es vorgezogen hat Freitag bei sich zu schlafen, dann den ganzen nächsten Tag mit anderen Dingen zu verplanen, nur um dann noch abends mit Kumpels auszugehen und richtig abzufeiern. Am nächsten Tag (Sonntag musste er natürlich seinen Rausch ausschlafen), das hat er mir auch auf Nachfrage gesagt, dass der Sonntag deshalb auch nicht geht. Und nein, er ist keine 20, sondern knapp über 40.
Auf der einen Seite wissen wir fast alles übereinander, er hatte eine schwere Zeit und ist jetzt wieder voll aufgeblüht, ich hatte zu der Zeit auch Probleme und habe sie jetzt immer noch - wir haben uns immer gegenseitig Mut gemacht und zu gehört. Doch es hat sich einiges geändert. Er erlebt jetzt den absoluten Höhenflug: beruflich und privat, während bei mir beides (immer noch oder wieder) schlecht läuft. Ich bekomme immer mehr das Gefühl, dass wir in zwei verschiedenen Welten leben (das war leider auch schon Thema bei uns) allein durch den Bildungsstand und den sozialen Status. Naja, ihn zu übertreffen ist aber auch schwer, er genießt einen großartigen Status.
Irgendwie komme ich nicht damit klar, dass er immer entscheidet, wann er wieder geht. Ich kann es ja nicht entscheiden, weil er nur zu mir kommt. Er bestimmt wann und ob und wie lang. In den über zwei Jahren hat er es nicht einmal geschafft mal bei mir zu übernachten. Ich glaube ich weiß, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, dass es nur daran liegen kann, dass er nicht mehr als nur das eine will, aber auf der anderen Seite ist da diese Vertrautheit. Man kennt die Eigenarten des anderen, zieht sich damit gegenseitig auf, weiß was der andere nicht will oder besonders gerne mag. Eigentlich weiß er viel mehr über mich, als ich über ihn.
Jetzt hat er angekündigt, dass er fast jeden Monat in den Urlaub gehen wird (happy Familiy) und statt mich zu freuen, hat sich so ein ekelhaftes Gefühl in der Bauchgegend breit gemacht - unbeschreiblich, ich glaube es ist sowas wie Eifersucht. Er hat vor einigen Wochen noch gesagt, ja wir müssten ja mal zusammen unternehmen, sowas wie einen Ausflug, aber davon ist natürlich wieder nicht mehr die Rede, und obwohl er jetzt so viel Urlaub machen kann, hat er nicht einen Tag für uns eingeplant.
Er sagt, wenn es nur Sex wäre, wäre er längst wo anders. Ja, ich weiß auch, dass es für ihn überhaupt kein Problem darstellen würde eine andere Frau zu finden. Er kann so ziemlich jede Altersklasse für sich gewinnen durch seinen Charme, seinem Aussehen und seinem Job.
Ich liebe diesen Mann und insgeheim wünsche ich mir, dass das mit uns inniger wird. Wenn er da ist ist es toll, Tage später schwärme ich noch von unserem Treffen, aber wehe er ruft mal nach über einer Woche nicht an... Das kommt manchmal vor, dann ist es, als würde man mir den Boden unter den Füßen wegreißen. Ich bin ihm längst verfallen, nicht nur körperlich, sondern emotional.
Ich frage mich, ob ich nach so langer Zeit nicht auch Ansprüche stellen darf. Ich dachte eine Affärenfrau wird nach allen Künsten verführt? Mir schwebt da dieses Bild vor, dass der Mann seine Geliebte zumindest auf Geschäftsreise mitnimmt, sie in teuere Hotels und teure Restaurants einlädt, ihr schicke Unterwäsche kauft, sie in den Urlau mitnimmt - na eben verführt und verwöhnt. Und vor allem ständig SMS schreibt, weil er nicht genug von ihr kriegen kann. Aber bei uns läuft es so, dass das höchste der Gefühle ein Kino- oder Restaurantbesuch ist und danach für 1-2 Std. bei mir quatschen und peep. Melden tut er sich eigentlich nur, um ein Treffen zu vereinbaren. Hin und wieder einfach nur so. Als es ihm so schlecht ging, hat er viel öfter angerufen und wir haben ziemlich viel über Gott und die Welt gesprochen. Jetzt erlebt er auch eine Wiederauflebung seiner Beziehung. Er sagt, wie gut es wieder bei ihnen läuft und beruflich geht es ihm sowieso spitzenmäßig. Es scheint so, als wäre da für mich kein Platz, außer eben dafür, dass ich das Beziehungspflaster spiele. Ich habe auch schwer den Verdacht, dass seine Beziehung nun durch mich besser läuft. Dass was er bei ihr nicht kriegt, holt er sich bei mir und somit kann er voll zufrieden in sein heimischen Nest und muss seine Beziehung nicht durch irgendwelche unerfüllten Erwartungen belasten.
Hm, was ich eigentlich sagen will ist: Wie schafft Ihr es diese Distanz zu wahren, keine Ansprüche zu stellen innerhalb einer so langen Affäre. Für mich ist das eine Beziehung, wenn auch keine klassische. Aber es ist eben eine Beziehung zwischen zwei Menschen.