Ehemaliger User
Gast
ich denke, diese Diskussion hat jetzt nichts mehr mit dem ursprünglichen Thread zu tun und deshalb möchte ich das hier auslagern.
> Mir stösst jetzt etwas der Begriff *Angst haben* auf.
Auch wenn feechen:-) das nicht mit dem Alter zusammenbringen möchte sehe ich doch eine gewisse Koppelung des Alters mit der Erfahrung. Wie man es auch ausdrückt, mit der Zeit wird jeder Mensch seine Unbeschwertheit verlieren und dann kommen Ängste, die man vorher überspielt hat, immer mehr zum Vorschein. Wahrscheinlich bist Du, Nicole, noch nicht soweit, oder Du hast Glück gehabt, daß Du in Deiner Kindheit und Jugend mehr Liebe abbekommen hast als andere. Wenn ja kann man Dich nur beglückwünschen!
> Ich grübele mal wieder (grummel) und kann nicht recht glauben, dass ich ANGST vor einem erneutem Verlust habe.
Die Verlustangst kommt meiner Meinung nach erst dann richtig zum Tragen, wenn man DEN bereits gefundenen Menschen fürs Leben verloren hatte. Diese Angst verhindert in der nächsten wichtigen Beziehung, daß man sich richtig fallen lassen kann. Weil man ja das gleiche nicht nochmal erleben will. Wieder mal paradox, denn gerade diese Angst trägt unter Umständen dazu bei, daß der Partner sich mangels Vertrauen und Tiefe ungeliebt fühlt und irgendwann die Fliege macht. Das ist eine Erfahrung, die ich bei mehreren Frauen 32+ machen mußte.
> Es ist eigenartig, aber wenn ich ganz tief in mich reinhöre, dann scheint es mir eher, wie eine Suche. Suche nach *wasweissichdenn*.
Geh weiter und analysiere das "wasweisichdenn".
> Vielleicht mag es daran liegen, dass ich die damit einhergehenden Erfahrungen und Erlebnisse *kenne* und weiss, wie ich damit umzugehen habe. Weiss, dass ich damit klar komme.
Natürlich kommt man damit klar, wenn man noch keinen Kinder- oder Familienwunsch hat. Du bist jetzt an der Schwelle, wo die meisten Single-Frauen und "unglücklich" Gebundene anfangen, sich Gedanken zu machen darüber. Hast Du das schon?
> Andererseits, kann es sein, dass ich mich selbst belüge, mir etwas vormache? Mich nur *stark* rede und dennoch verzweifelt bin.
Nein, ich denke nicht.
Ich hoffe für Dich, das das auch so bleibt. Wie ich leider feststellen mußte gibt es genügend Menschen, die sich im Selbstbetrug perfektionieren, sich durch oberflächliche Erfolge "Stärke" beweisen und den für sie logischen Schritt nach vorne, zur Machtausübung über andere, zur Härte, zum Egoismus, machen. Man will sich in Zukunft schützen, oder sogar zurückgeben, was einem angetan wurde. Eine kurzsichtige Denkweise und Falle, in die man selbst früher oder später hinein tappen wird. Nur wer bewußt seine Fehler erkennt, auch zu ihnen steht, wird Schritt für Schritt über seinen Schatten springen, wird wahre innere Stärke erreichen können und dadurch seine Ängste bzw. Unsicherheiten besiegen können. Warum sollte ein total verletzlicher Mensch mit einem "starken" Schutzschild besser dran sein als ein Unverwundbarer?:-)
> Ich grübele und frage mich, warum möchte ich immer gerade das haben, was ich im Moment nicht habe?
Weil Du wahrscheinlich, wie fast alle Menschen bei uns zulande, unbewußte, suggerierte Erwartungen hast, die im Hintergrund schwelen. Diese Erwartungen genauestens zu erkennen scheint mir der wichtigste Punkt zu sein, um das Glücklichsein überhaupt langfristig zu ermöglichen. Durch Selbstbetrug und/oder Unbewußtheit kann jeder Mensch eine Zeitlang glücklich sein, aber das bricht irgendwann heftig ein. Ausnahme mag vielleicht ein Buschmensch sein, der sein Leben lang nichts anderes kennengelernt hat als zu töten, essen und zu damit überleben, aber wir haben in unserer Gesellschaft ganz andere Ansprüche. Aufklärung und "Freiheit" machen nicht unbedingt glücklicher, oft ist das Gegenteil der Fall. Wirkliche Freiheit existiert bei uns nicht, sie wird uns nur suggeriert, und dessen sollte man sich bewußt machen.
> Es könnte eigentlich nicht besser sein.
Mach es Dir bewußt! Mach Dir auch das bewußt, was Dir fehlt und analysiere, ob Du es wirklich brauchst, ob es Dir so wichtig ist, daß Du alles, was Du bisher hast, aufgeben kannst. Denn alles zusammen wirst Du nie bekommen.
> Selbst im *Vergleich* (was man ja nie tun sollte, ich weiss) ist diese Beziehung besser als irgendetwas vorher dagewesene.
Ein Vergleich kann dazu helfen, sich seiner Ansprüche besser bewußt zu werden, das sehe ich nicht so negativ. Wie gesagt, wäge ab was Du erreicht hast mit dem, was Dir wirklich fehlt. Werte Deine Ansprüche, dann kannst Du einige davon bestimmt herunterschrauben und andere bewußter erkennen.
> Selbst etwas machen zu können, wenn mir danach ist. Ohne Rücksichtnahme oder Absprachen.
Dann mußt Du konsequent sein und als Single weiterleben. Alles andere ist Rücksichts- und Verantwortungslos. Das wäre genauso, wie wenn 2 Leute einen Vertrag abschließen und der eine verletzt diesen ständig. Damit kann man keine Basis haben.
> Ich möchte lediglich nur für mich allein *bestimmen* und niemand anderem mehr die geringste Kontrolle über mich abgeben.
Das klingt nach gebranntem Kind. Du hattest wohl mal einen Kerl der Dich bestimmt hat. Wenn es so ist, dann sieh den Fehler auch in Dir. Man kann in jeder Beziehung über solche Sachen reden, solange der Partner dazu bereit ist. Allerdings, hab ich bei Dir das Gefühl, daß Du jegliche Einmischung eines Mannes als Bevormundung siehst. Das sollte frau nicht so eng sehen, denn ein normaler Mann braucht das Gefühl, sich um seine Partnerin kümmern zu können. Egoisten mal ausgenommen. Egal woher dieses Bedürfnis kommt, es ist wichtig. Wenn Du das dem Mann nimmst wird er unglücklich sein, genauso wie wenn ein Mann alles ablehnt, was eine Frau für einbringt, sei es ein schönes Essen, gute Ratschläge oder gesundheitliche Vorsorge. In einer Partnerschaft wird es immer "Einmischung" geben, man sollte das nicht so negativ an sich heran lassen, denn man muß sich ja nicht darauf einlassen. Hier würde kommunikative Klarheit helfen, die aber leider oft durch interpretative Unklarheit ersetzt wird. Interpretation und daraus resultierende Mißverständnisse ist sowieso eine der schlimmsten "Krankheiten" in einer Beziehung.
Du wirst Dich wahrscheinlich wundern, warum ich hier so auf gesellschaftliche Zusammenhänge eingehe, aber ich sehe einfach einen direkten Zusammenhang mit der Unzufriedenheit auch in einer Beziehung. Wir leben eben nicht isoliert paarweise auf einer einsamen Insel:-)
cu