Darkwing
Gast
Zitat von Ex-Mitglied:Liebe Grace,
ich habe Deinen Beitrag gelesen und es ist vollkommen OK wenn sich das für Dich (noch) nicht richtig anfühlt.
Ich werde nicht dagegen argumentieren, weil dies Dein eigener persönlicher Weg sein kann, zu erkennen, welche Widersprüche sich tief in Dir befinden und dass die Kränkung die Du erfahren hast, noch lange lange Zeit brauchen wird, um verstanden und schliesslich verarbeitet werden zu können.
Aber ich zeige gern auf, wohin Du genauer schauen solltest:
Zunächst einmal ist dieser Mann nicht "einfach abgehauen" sondern hat über Jahre hinweg in einem Todeskampf verbracht bevor er das letztes Stück von sich in Notwehr fort gebracht hat.
Dann ist es leider so, dass wir als liebender Partner keinen Rechtsanspruch darauf haben, dass der Andere es uns immer so leicht macht und durch regelmässige Gespräche immer die Kuh auf den Tresen stellt, damit WIR auch nichts übersehen. Nicht jeder (und eben gerade sehr oft Männer) sind gut darin ihre Gefühlswelt offen zu legen, oder diese gar wirklich zu verstehen. Ein Mann hat oftmals so erhebliche Probleme damit, dass er darunter einen enormen Leidensdruck entwickelt. Ich sehe das hier ohne Zweifel über Jahre hinweg beschrieben: zunächst Unzufriedenheit, innere Unruhe, dann depressive Verstimmungen, Minderwertigkeitskomplexe, Versagensängste, Rückzug, Antriebslosigkeit und schlussendlich Resignation.
Ich habe durchaus verstanden, dass die TE hier sehr bemüht war, den Partner durch Gespräche zu unterstützen. Doch hier machen wir ganz früh einen entscheidenen Fehler - wir übersehen, dass wir die richtige Sprache sprechen müssen, um nicht ungewollt eine vollkommen falsche Wirkung zu erzielen. Denn wenn ein Mensch sich bereits in einem Störungsfeld befindet, wird er unbewusst die Worte des Anderen störungsangepasst verarbeiten. Da er das jedoch meist selbst auch nicht merkt, erlebt er also Dein Bemühen ihm zu helfen und kann selbst nicht begreifen, warum es ihm nicht hilft sondern wahrscheinlich alles noch viel schlimmer macht.
Ein Bespiel: mein Partner erzählt mir von seinen Ängsten und Nöten. Ich versuche Verständnis aufzubringen und sage: es tut mir Leid, dass es Dir so schlecht geht. Du darfst Dich nicht unterkriegen lassen. Das bist doch nicht Du! Du warst doch immer ein Kämpfer, nichts hat Dir Angst gemacht. Ich vermisse diesen starken, souveränen Mann, dem nichts und niemand etwas anhaben konnte. etc.pp.
Aus meiner Sicht habe ich versucht zu helfen und versucht ihn aufzurichten und ihn an seine Stärken erinnert.
Der Mann hat jedoch unbewusst folgendes verarbeitet: ich kämpfe wie ein Verrückter im Beruf und habe das Gefühl, zu versagen. Das wäre ja nicht das Schlimmste, aber ich bin sogar zu unfähig der Frau die ich über alles liebe zu genügen. Alles was ich brauche ist sie und sogar sie kann ich nicht glücklich machen, sie vermisst den Mann der ich mal war, ich bin ein kompletter Versager und ich werde sie verlieren. Jetzt sagt sie mir gerade, dass sie so nicht mehr glücklich ist und dass ich kämpfen soll. Warum schaffe ich es nur nicht? Sie hat nur noch Augen für die Kinder, ich versuche auch gar nicht erst sie als Mann zu verführen oder present zu sein. Wer will schon einen Versager wie mich als Liebhaber, Ehemann oder Vater. Sogar kuscheln wollen sie nicht mit mir, nur mit Mama. Ich bin nutzlos und eine Last. .
So in etwa spielt sich das ab.
Die richtige Sprache könnte sein: es tut mir Leid dass es so schwierig ist für Dich ist derzeit auf der Arbeit. Wenn es etwas gibt, wie ich Dir helfen kann, dann sag es mir bitte. Und mach Dir bitte keine Sorgen um mich, mir geht es gut. Und setz Dich nicht so unter Druck, Du gibst schon 100% und mehr geht nicht. Wenn es trotzdem schief geht, ist das auch kein Weltuntergang, denn wir haben noch uns und das ist alles, was für mich zählt. Egal was passiert, ich bin an Deiner Seite und ich liebe Dich, denk immer daran. Ich brauche nur Dich nur uns nur unsere Kinder um glücklich zu sein. Du machst mich glücklich weil Du da bist und weil Du mich liebst. Und das will ich niemals verlieren. Wenn alles andere schief geht, dann fangen wir eben von vorne an !
Dann ist mir erinnerlich, dass dieser Mann einen ausgeprägten Beschützerinstinkt hatte. Die TE schreibt, er habe sie zu Beginn der Beziehung gerettet. Das ist ein erheblicher Punkt der nicht ausreichend gewichtet wurde. Es ist vollkommen einleuchtend, dass dieser Mann nicht "geredet" hat, die Versäumnisse seiner Frau vor ihr nicht zur Sprache bringt. Er hat sie geliebt, er hatte sie gerettet, er würde im Traum nicht darauf kommen sie in die Verantwortung zu nehmen und schon gar nicht sie zu verletzen. Er sah wie sehr sie sich bemüht das alles am Laufen zu halten und ihm eine Stütze zu sein. Und er konnte nicht ertragen, dass es ihm dennoch immer schlechter ging neben ihr, denn er hat sich selbst als alleinige Ursache für das Dilemma gesehen, nicht sie. Und so ist es verständlich, dass er Freunden gegenüber in der Lage war zu sagen, wie es ihm geht, aber von ihr seinen Ballast fernhalten wollte.
Es ist hier also vollkommen unangebracht in der Tatsache, dass er ihr gegenüber schwieg, negative Absichten oder Desinteresse zu suchen.
Eine neue Beziehung hat er, das ist richtig. Aus meiner Sicht das einzig richtige, was er tun konnte. Hier ist eher die neue Partnerin nicht zu beneiden, denn er wird sich an ihr ohne Zweifel auftanken müssen und lange Zeit nicht in der Lage sein, tiefere Gefühle zu entwickeln.
Wir sollten ihm diese Möglichkeit von Herzen gönnen und nicht auch noch erwarten, dass er sich auflöst als Mensch nur weil er sich einst entschlossen hat, aus vollem Herzen diese eine Frau zu lieben, und es tut mir Leid, aber sogar bedingungslos! Und ich bin mir im Übrigen sicher, dass er es noch immer tut.
Alles Gute für Dich und versuche nicht immer das Ergebnis zu bewerten. Das ist nicht das Wesentliche - nicht in der Liebe und nicht im Leben.
Ich drücke Dich ganz fest - Du bist eine Kämpferin für die Gerechtigkeit. Versuche jedoch zunächst gerecht zu sein und lediglich im Notfall zu kämpfen.
@Ex-Mitglied
Vielen Dank für diesen Beitrag ,man kann es nicht besser schreiben. Genauso ist es oftmals in einer Partnerschaft.