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Borderline-Beziehung im Rückblick

Ema
Zitat von PapaEmeritus:
Ich denke da können verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Liebe, Naivität, Gutgläubigkeit

Ja, das war für mich allerdings alles nicht überzeugend.
Ich bin weder naiv noch gutgläubig. Von meiner Natur her nicht.
Und auch die "Liebe" würde ich sofort stark bezweifeln, wenn man von jemandem so behandelt wird.

Die Frage, wieso er bei mir andocken konnte mit seinem absurden Verhalten, ließ sich für mich also nicht so ohne weiteres beantworten.
Dafür musste ich dann sehr tief in mir selbst graben.

x 2 #106


Votava
@Ema Bei mir hat es insgesamt 6 Monate gedauert. Natürlich habe ich mir die Frage gestellt, warum es mir passiert ist. Nach kurzer Zeit sagte sie mir damals, dass sie nicht wüsste wie sie damit umgehen kann, dass ich Termine von ihr vergesse. Gut, vorher hatte sie mir gesagt, dass das gar nicht wichtig sei. Und ich habe dann überlegt, wann ich einen Termin vergessen haben könnte. Mir ist überhaupt keiner eingefallen. Ich habe mich entschuldigt und gesagt, dass ich aufmerksamer sein werde. Aber ich war aufmerksam, was sie mir an andere Stelle auch gesagt hatte. Es war so vieles widerspruchlich, vor allem was mir nach der Beziehung aufgefallen ist. Heute würde ich nach dem ersten Bruch die Geschichte beenden, wenn es so widersprüchlich und unbegründet passieren würde.
Warum habe ich das mitgemacht? Weil ich verliebt war und dachte die Frau meines Lebens kennengelernt zu haben. So viele Gemeinsamkeiten. Sie sagte, dass ist ja "unheimlich". Heute weiß ich, dass es Spiegelungen waren.
Was sind meine Anteile, dass mir das passieren konnte? Damit habe ich mich in der Therapie viel auseinandergesetzt. Es hat viel mit meinen tiefen Wünschen und Bedürfnissen zu tun. Aber ich darf auch sagen, dasd es mir einfach passiert ist. Ich habe die Achterbahn nicht Jahre, sondern nur Monate mitgemacht. Natürlich spielt auch der Selbstwert eine Rolle. Heute glaube ich, dass selbst die stabilste Psyche, die keine Ahnung von diesen Dynamiken hat, bröckelt. Vllt. ist dann keine Therapie o.ä. erforderlich, aber einen Schlag wird sie bekommen. Bei mir war der Selbstwert danach ganz schön runter.
Man muss es sich nochmal vor Augen führen: Du bist an einer Partnerschaft interessiert, lernst einen Menschen kennen, bei dem alles passt. Man kann das Glück kaum fassen. Du investierst, gehst mit Ehrlichkeit, Vertrauen und Nähe in die Beziehung (warum auch nicht). Du bekommst gespiegelt, dass das alles auf fruchtbaren Boden fällt. Wo und wann soll man genau wissen, was da läuft. Es passiert dann einfach. Mit der fatalen Entwicklung, die es dann nimmt. Gruselig.
Der Bl verletzt, aber er verletzt sich selber auch. Vllt. verspürt er nach der Trennung Erleichterung, er kann wieder atmen - aber dann? Er kommt seinem Ziel nicht näher. Dann kommt der nächste. Aber das Schauspiel bleibt gleich, nur ein Darsteller wird ausgewechselt. Dann endet auch das nächste Schauspiel irgenwann wieder. Welch Wunder? Es ist irgendwie sinnlos. Und damals sehr traurig.
Ich sehe es heute ganz sachlich unter dem Krankheits-/Störungsaspekt. Ich halte eine Beziehung zu einem untherapierten BL nicht für möglich.

x 3 #107


A


Borderline-Beziehung im Rückblick

x 3


PapaEmeritus
@Votava

Die Frage, warum man zu lange in so einer Dynamik geblieben ist, ist immer wichtig. Wichtig ist mMn aber auch die Frage, warum man letztendlich gegangen ist.

x 1 #108


Ema
Zitat von Votava:
Wo und wann soll man genau wissen, was da läuft

Ja, genau damit habe ich mich lange beschäftigt.
Warum habe ich nicht nach dem ersten wirklich krassen und unerklärlichen Vorfall sofort das Weite gesucht? Denn ab diesem Vorfall hätte ich es wissen können.
Eigentlich.

Heute denke ich, dass dieser erste Vorfall mich unter anderem maßlos verwirrt hat.
Ein Teil von mir (darunter auch mein Verstand) wusste genau, dass ich nichts gemacht hatte, das so ein merkwürdiges, respektloses und destruktives Verhalten seinerseits auch nur im Ansatz ausgelöst haben könnte. Erst recht nichts, womit ich so eine Behandlung auch nur ansatzweise verdient haben könnte (falls man so etwas überhaupt je verdienen könnte).
Andererseits gab er mir mit so einer Vehemenz und so einer Überzeugung die Schuld an seinem Ausbruch, dass ein anderer Teil von mir in ganz erhebliche (irrationale) Zweifel geriet:
Irgendetwas musste ich doch getan haben, wenn der Kerl aus dem Nichts so dermaßen durchdreht und sich so sicher ist, dass ich daran schuld bin.
So in etwa meine Gedanken damals.

Ich glaube, ich geriet in eine ganz erhebliche kognitive Dissonanz.
Ich wusste buchstäblich nicht mehr, wo oben und unten ist.
Denn niemand - so in etwa meine diffusen Gedanken - würde doch dermaßen hohldrehen und mir die Schuld geben, wenn da gar nichts war, was ich gemacht haben könnte.


Also entstand irgendwo in mir ein ganz erheblicher Zweifel an mir selbst, der mich den Kompass verlieren ließ.
Statt ausschließlich ihn und sein unangemessenes Verhalten in Frage zu stellen, stellte ich mich für eine Zeit selbst in Frage.

x 1 #109


Votava
@Ema Wie lange isz die Bezihung bei dir her?
Bei mir zwei Jahre. Wie ich schon geschrieben habe, geht es mir gut, aber irritiert bin ich immer noch, wenn ich an die Zeit zurückdenke.

x 1 #110


Ema
Zitat von Votava:
Wie lange isz die Bezihung bei dir her?

Bei mir ist es jetzt bald sieben Jahre her. Und es hat auch nur insgesamt etwa zehn Monate angedauert, bis ich damals die Notbremse gezogen habe.

Und mir geht es schon lange wieder gut. Aber ja: Irritiert bin ich auch immer noch, wenn ich daran zurückdenke.
Ich glaube, das ist vielleicht auch etwas, das man nie so ganz begreift.

x 1 #111


Votava
@Ema Gut, dass es lange vorbei ist. Hast du deinen Ex-Partner mal wiedergesehen? Hast du irgendwann nochmal mit ihm gesprochen? Bekommst du noch etwas von seiner Geschichte mit?

#112


PapaEmeritus
@Votava

Du wirkst ja sehr reflektiert. Darf ich fragen, wie lange das ging und wann Dir aufgefallen ist, dass irgendetwas nicht stimmt? Hast du eigentlich die Sache beendet oder wurde sie beendet?

#113


Votava
@PapaEmeritus Ich hatte weiter oben ja schon geschrieben, dass es 6Monate ging. Der erste Bruch kam von ihr (ich war total verliebt), dann nach ein paar Tagen kam sie an und es ging wieder zwei Monate bis zum zweiten Bruch von ihr. Dann habe ich sie zufällig in der Stadt gesehen. Ich war so durch den Wind. Wir haben miteinander gesprochen und vereinbart, dass wir nochmal darüber sprechen. Ich bin mir sicher, dass daraus die nächte on-Phase entstanden wäre. Ich habe dann aber damals mit meiner Therapeutin gesprochen, die mir dringend von einem weiteren Treffen abgeraten hat. Dann habe ich ihr geschrieben, dass ich kein weiteres Treffen mehr mit ihr möchte. Es gab danach noch ein paar hochdramatische Whatsapp-Nachrichten. Dann habe ich den Kontakt eingestellt. Und so ist es bis heute.
Reflektiert bin ich und mir ist auch ganz klar, was damals passiert ist. Aber das eine ist das rationale Verstehen, dass andere die emotional Verarbeitung. Der emotionale Part war das schwierigste, wobei auch die Verstandesebene lange gebraucht hat. Dass eine Beziehung, die gut läuft und beide Seiten wollen (so zumindest ihre Aussage), nicht funktionieren kann, war eine ganz bittere Erkenntnis. Das hat es vorher in meiner Welt nicht gegeben. Wie mein Achtsamkeitscoach damals sagte "Liebe geht aus Liebe nicht", d.h. bei zuviel Liebe und Nähe wird die Liebe durch die Muster erstickt. Und es gibt nur eine Möglichkeit: die Flucht. Wie sollte ich das damals in einem total verlieben Zustand verstehen. Immer wieder hat sie mir bekundet, dass sie die Beziehung schön findet und ich ihr Mann sei. Der zeitlich Abstand hat auch geholfen, aber wie @Ema schrieb, es irritiert auch heute noch. Aber die Psychologie interessiert mich grds. schon, nicht nur BL. Mein Achtsamkeitscoach arbeitet seit 10 Jahren mit BL (u.a. in einer Klinik) und er sagte, dass BL für ihn die heftigste psychische Erkrankung ist, weil es das Leben der Patienten auf grausame Weise im Alltag einschränkt. Das kann ich nicht beurteilen, da fehlen mir die Vergleiche, aber bei allem was ich zu dem Thema gelesen habe, ist es für BL ganz bitter.

x 1 #114


Error
Zitat von Votava:
Ich habe dann aber damals mit meiner Therapeutin gesprochen, die mir dringend von einem weiteren Treffen abgeraten hat.


Zitat von Votava:
Wie mein Achtsamkeitscoach damals sagte "Liebe geht aus Liebe nicht", d.h. bei zuviel Liebe und Nähe wird die Liebe durch die Muster erstickt. Und es gibt nur eine Möglichkeit: die Flucht. Wie sollte ich das damals in einem total verlieben Zustand verstehen.


Was ich bei Dir nicht verstehe, ist dass Du scheinbar bereits vor der Beziehung zur BL Frau selber einige Baustellen Deinerseits hast, die noch nicht aufgearbeitet sind.
Zuviel klammern kann auch "nicht an BL erkrankte Menschen" in die Flucht schlagen.

Vielleicht solltest Du solange nicht mit Steinen werfen.

#115


Votava
@Error Ich war damals in Therapie aus einem anderen Grund. Die Therapie lief aber aus. Dass ich in Therapie war habe ich offen kommuniziert und es hatte sie auch nicht gestört. Auch habe ich nicht geklammert. Ganz im Gegenteil.
Nochmal, ich werfe nicht mit Steinen. Nichts liegt mir ferner. Ich bin allerdings sehr für eine klare Ansprache.

#116


Error
Zitat von Votava:
@Error Ich war damals in Therapie aus einem anderen Grund. Die Therapie lief aber aus. Dass ich in Therapie war habe ich offen komminiziert und es hatte sie auch nicht gestört. Auch habe ich nicht geklammert. Ganz im Gegenteil. Nochmal, ich werfe nicht mit Steinen. Nichts liegt mir ferner. Ich bin allerdings sehr ...

Ja, aus einem anderen Grund, aber eben einem Grund - das meinte ich. So stabil bist Du demnach auch schon vor und während der 6-monatigen Beziehung nicht gewesen.
Selbst wenn man unter einer Trennung nach 6 Monaten Beziehung leidet, hakt man es iwann doch ab und schaut wieder nach vorne. Ohne Ärzte, Therapeuten, Coaches usw. zu konsultieren.

Deinen Aussagen nach ist es zwei Jahre her und Du eröffnest dann vor einem Jahr einen Thread deshalb?
Also leidest Du noch immer darunter und das ist, sorry, schon sehr bedenklich.

#117


M
Zitat von Votava:
Ich bin allerdings sehr für eine klare Ansprache.

die du von einem Borderliner aber nicht erwarten kannst. Heute100 % Liebe, du bist die Liebe ihres Lebens und es ist ja so toll mit dir und morgen zeigt sie dir die kalte Schulter.
Das ist Normalverhalten bei BLs, das Pendeln zwischen Extremen. Und wenn du wieder eingewickelt bist, dann kommt die grausame Retourkutsche und das in ganz unvorhergesehener Weise.
Zu begreifen gibt es da nichts, denn es ist unbegreiflich, aber nur für dich, für sie ist es normal.

https://www.borderline-zone.org
Wenn du magst, kannst du hier viel darüber lesen.

#118


Votava
@Error Der Rückblick interessiert mich. So heißt ja auch das Thema. Was ist daran problematisch? Wie haben es andere Menschen geschafft damit umzugehen. Was hat bei der Verarbeitung geholfen?
@Margerite Die Seite kenne ich natürlich. Finde ich gut.

#119


Error
Zitat von Votava:
Der Rückblick interessiert mich. So heißt ja auch das Thema. Was ist daran problematisch? Wie haben es andere Menschen geschafft damit umzugehen. Was hat bei der Verarbeitung geholfen?

Warum das denn? Wenn Du damit abgeschlossen hast, beschäftige Dich doch lieber mit der Zukunft als mit der Vergangenheit Daumen hoch

#120


A


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