Zitat von Votava: wie blickt ihr auf diese/eure "Borderline"-Zeit zurück?
Deine Frage hier im Thread zielt ja vor allem darauf ab, wie man diese Beziehung im Nachhinein beurteilt und was einem beim Verarbeiten geholfen hat.
Ähnlich wie du musste ich erst einmal verstehen, wie mir da geschehen ist. Ich habe X Bücher über BL und die dahinterstehenden Mechanismen und Dynamiken gelesen.
Dies zum Teil noch während der Beziehung, als irgendwann nicht mehr zu übersehen war, dass da etwas ganz gewaltig unrund läuft.
Später dann lag meine Aufmerksamkeit vor allem auf mir selbst und ich habe mich sehr intensiv mit der Frage beschäftigt, was eigentlich bei mir psyschisch schiefgelaufen sein muss, damit ich überhaupt so tief da hineingeraten konnte.
Ich habe die Beziehung (und vor allem prominente Szenen darin) immer wieder Revue passieren lassen und mich gefragt, wieso ich nicht beim ersten krassen destruktiven (und aus meiner Sicht völlig irrationalen) Vorfall einfach weg war.
Wieso habe ich mir da nicht sofort innerlich an die Stirn getippt und einfach das Weite gesucht?
Du beschreibst solche Vorfälle mit deinen Worten so:
Zitat von Votava: Diese Kälte in dem Moment werde nich vermutlich nie vergessen. Es war ein anderer Mensch. Wirklich fürchterlich
Diese Kälte habe ich auch erlebt und zwar schon relativ früh. Nach etwa drei Monaten Beziehungsdauer.
Sie war begleitet von mir völlig unverständlichen, irrationalen und unangemessenen Vorwürfen an mich, deren Auslöser ich in keiner Weise nachvollziehen konnte. Es war aus meiner Sicht ein an den Haaren herbeigezogener Vorwand, bzw. Grund,
Man könnte auch etwas flapsiger sagen: Der Typ hat völlig hohlgedreht. Und zwar wegen dreimal nichts.
Er machte mich verbal nieder, wurde ausfallend und beleidigend, wollte "nie wieder" etwas mit mir zu tun haben, blockierte mich (albernerweise) auf WA und tat so, als hätte ich ihm sonstwas angetan. Und für mich war da einfach nichts, was dies auch nur im Ansatz gerechtfertigt hätte.
Am nächsten Morgen meldete er sich und tat so, als sei nie etwas geschehen.
Anstatt mir innerlich doppelt an die Stirn zu tippen, war ich erleichtert statt wütend und entsetzt.
Denn sich am nächsten Tag zu melden und nach so einem Ausfall so zu tun, als sei nie etwas geschehen, macht es ja nicht besser, sondern eher noch viel schlimmer.
Wieso also habe ich nicht angemessen reagiert, mir innerlich gesagt, dass mit dem Kerl etwas gewaltig nicht stimmt, auf das ich keinen Einfluss habe, und mich sofort von der Beziehung distanziert?
Wie konnte ich nach so kurzer Zeit (drei Monate, wie gesagt), schon so tief da drin hängen, dass ich stattdessen absurderweise Erleichterung verspürt habe, als der Typ am nächsten Morgen scheinbar wieder normal war?
Hätte man mir das ein halbes Jahr vorher erzählt, dass ich so auf völlig abgedrehtes Verhalten eines anderen reagieren würde, dann hätte ich es nicht geglaubt und denjenigen ausgelacht.
Wieso also brauchte ich weitere sieben Monate und immer absurderes und verletzenderes Verhalten von ihm, bis ich endlich mal die Reißleine gezogen habe?
Das war die Frage, die mich hauptsächlich beschäftigt hat und teilweise immer noch beschäftigt.