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Borderline-Beziehung im Rückblick

Votava
@PapaEmeritus Und genau in dem Moment entsteht Verantwortung, wenn ich in einer Beziehung feststelle, dass ich aus einem objektiv nichtigen Grund (und dazu zählt ein zu spät kommen, eine Whatsapp nicht zu beantworten, mal Kritik äußern, etc.) eine Beziehung beenden muss. Dass sind dann auch nicht die tatsächlichen Gründe, sondern die Angst vor Nähe, etc, die aber durch diese niederschwelligen Gründe ausgelöst werden. "Er wird mich verlassen", "es wird mir zuviel", "ich verliere meine Autonomie", etc. Wie soll da jemals überhaupt eine Beziehung, die immer auch Nähe und Vertrauen beeinhaltet, funktionieren? Wenn es mir einmal passiert, werde ich es nicht einordnen können, beim zweiten Mal finde ich mich vielleicht kompliziert, beim dritten Mal wundere ich mich, aber dann irgendwann sehe ich auch, dass sich diese Beziehungsdynamik irgendwie immer wiederholt. Dann entsteht Bewusstsein, dann habe ich Kenntnisse darüber, dann entsteht Verantwortung. Meine Ex-Partnerin sagte mal, dass es für sie unglaublich schwer wäre ihre Muster zu ändern. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nichts von Borderline. Sie aber hatte Kenntnisse von ihren Mustern und geht in die nächste Beziehung, um sie wieder aus denselben Gründen zu beenden. Der Kreislauf setzt sich fort. Immer wieder. Wie Sisyohos, der immer wieder den Stein den Berg hochrollen muss und der Stein kurz vor dem Gipfel zurückrollt. Das Ziel wird nie erreicht. Jetzt kann man sagen, dass BL dadurch selbst genug bestraft sind und das glaube ich auch. Den Wunsch nach tiefer Nähe und Beziehung können sie sich nicht erfüllen. Es scheitert immer wieder an denn dann greifenden Mustern und den "Empfindlichkeiten". Es ist eine hoffnungslose Sehnsucht. Wenn die Lösung dann aber ist, dass ich immer wieder in die nächste Beziehung gehe mit dieser Sehnsucht, dann ändert sich am Ergebnis nichts. Dann bin ich eine "tickende Zeitbombe" in Bezug auf Beziehungen und Freunschaften.
Das ist nicht in Ordnung und zwar deshalb nicht, weil es Möglichkeiten der Linderung gibt. Wenn die nicht ausgeschöpft werden, ist es verantwortungslos. Ich schreibe das auch deshalb, weil ich damals bei meiner daraus entstandenen Depression mir auch Hilfe gesucht habe (und auch musste). Ich wollte, dass es mir besser geht und das war auch kein leichter Weg. Nicht mal eben 10 Stunden Therapie und dann fertig, sondern lang und intensiv. Das Ergebnis: Mir geht es gut. Das war ich mir und meinen Kindern schuldig. Das war meine Verantwortung. Meine Ex-Partnerin war nach kurzer Zeit in der nächsten Beziehung. Und ohne es zu wissen, bin ich mir sicher wie es ausgeht. Eine Beziehung geht nicht ohne Nähe und Vertrauen. Eine Nähegefühl kann sich im Laufe einer Beziehung ändern, aber Nähe quasi auszuschließen oder nur ganz dosiert zuzulassen, ohne dass der Partner Nähe als verlässlich fühlen kann, wird nicht gehen. Oder sagen wir so: so würde ich keine Beziehung führen wollen. Was sollte auch der Kern bzw. das tragende Element dieser Beziehung sein?

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PapaEmeritus
@Votava

Ich kenne mich mit BL nicht so aus, ich musste mich eher mit was anderem befassen. Ich verstehe deinen Gedankengang absolut, da ich Ähnliches kenne. Wenn man wegen der kleinsten Kritik wochenlang abgewertet und/oder ignoriert wird, dann verändert das was in einem. Mir war wichtig, mich daraus zu befreien. Ob der Mensch das selbst als problematisch sieht oder darunter leidet, das ist nicht mehr mein Problem. Was mich allerdings auch stört, ist das der Mensch da draußen ist, und das mit anderen auch bzw wieder macht. Aber auch das kann ich nicht mehr beeinflussen. Ich will in Frieden leben, ohne das zB die kleinste Abweichung von der mir ungenannt zugewiesenen Rolle zu einer absoluten Eskalation führt.

x 1 #92


A


Borderline-Beziehung im Rückblick

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Votava
@PapaEmeritus Ja, das ist nicht mehr deine Bastelle. Das ist natürlich am Anfang schwierig, weil du so an den Partner/die Partnerin herangezogen wurdest.
Diese Akzeptanz hat bei mir lange gedauert. Du kannst keinen Einfluss mehr auf ihr Verhalten nehmen. Sie/er wird so weitermachen. Deshalb halte ich auch einen Kontaktabbruch für so wirksam. Wenn nicht, wirst du jede Kleinigkeit aufnehmen, versuchen es zu interpretieren, deinen Eindruck zu bestätigen, etc. Das alles bindet dich weiter. Mur hat der Kontaktabbruch geholfen. Das war am Anfang sehr, sehr schwer. Ich wollte sie damals kontaktieren und eine zweite Chance geben. Glücklicherweise habe ich es nicht getan, weil es noch nicht mal eine 1.Chance gab. Das zu begreifen, na h einer so intensiven und gut laufenden Beziehung war wirklich unglaublich schwer. Es war mein Selbstschutz der m.E. ohne Alternative war.

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M
Zitat von Votava:
@PapaEmeritus Und genau in dem Moment entsteht Verantwortung, wenn ich in einer Beziehung feststelle, dass ich aus einem objektiv nichtigen Grund ...

Für die neuen partner die nicht wissen was bl ist, finde ich es schlimm. Wenn man gar nicht weiß worauf man sich da einlässt.
Manchen scheint Eigenverantwortung egal zu sein. Umso wichtiger ist es sich selbst zu schützen mit Wissen und dem Wissen wenn man destruktive Muster sieht ggf die notbremse zu ziehen.

x 1 #94


M
Zitat von Votava:
@PapaEmeritus Ja, das ist nicht mehr deine Bastelle. Das ist natürlich am Anfang schwierig, weil du so an den Partner/die Partnerin herangezogen ...

Es werden ja auch durch diese heiß kalt Spiele und nähe Distanz gewisse botenstoffe im Gehirn angeregt, der biochemische Vorgang sorgt dafür das man immer wieder Hoffnung hat und das hamsterrad nicht verlässt

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PapaEmeritus
@Votava

Wobei da natürlich die Frage ist, was Akzeptanz bedeutet. Konnte ich das Verhalten in so fern akzeptieren, dass ich mich distanzieren konnte? Ja, das hat bei mir garnicht mal so lange gedauert, weil es absolut entwürdigend war. Konnte ich akzeptieren, dass der Mensch so ist? Das dauert bis heute an. Ich hab nie bereut, gegangen zu sein. Mir war auch schnell klar, wo die „Schuld“ liegt, welche Verantwortung ich hatte etc. Aber dass dieser Mensch so ist, damit kämpfe ich tatsächlich auch Monate danach immer noch. Dass es hier kein Szenario gab, in dem es auf irgendeine Weise gut wird, das ist für mich bis heute hart.

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Votava
Ich finde es gut, dass hier auch BL mit in der Runde sind. Mich würde von ihnen interessieren - sofern es auf sie zutrifft-, was genau nach einer Trennung passiert, die der BL initiert hat? Es waren ja dann zu viele oder auch überhaupt keine Gefühle mehr da. Was passiert in dieser Zeit und auch dann, wenn die Sehnsucht nach Beziehung wieder hochkommt? Blickt man dann noch zurück? Hat man die alte Beziehung verarbeitet, verdrängt, dissoziert? Und hat man dann tatsächlich in der nächsten Beziehung die Hoffnung, dass es dann klappt (hat natürlich jeder, aber die Vorzeichen sind etwas andere)? Und ist die alte Beziehung "gelöscht"? Trägt man Schuldgefühle? Empfindet Scham? Oder zieht man einfach weiter?

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M
Zitat von Votava:
Ich finde es gut, dass hier auch BL mit in der Runde sind. Mich würde von ihnen interessieren - sofern es auf sie zutrifft-, was genau nach einer ...

Also in meiner on off zeit wenn ich die Trennung inszeniert habe, hab ich so starke Verlustangst bekommen das ich unter Tränen gewinselt und gebettelt habe das mein Partner mir vergibt. Je nachdem wie schlimm die verlustangst war habe ich sogar vor stress dissozation gehabt, das war sehr schlimm. Als ich dann meinen Exmann vor fast 2 Jahren verließ (die Gründe sind vielfältig).
Erging es mir vermutlich so wie jedem anderen, ich hatte keinen liebeskummer, aber ich fühlte mich wie ein Versager. Ich denke das ist normal wenn man jemanden verlässt.

x 1 #98


Votava
@Mia83333 Das hast du schön beschrieben. Es ist ja nicht "nur" eine Beziehung, die kaputt geht. Bei mir war es eine richtig gut funktionierende Beziehung, ohne Anzeichen von Schwierigkeiten (im nachhinein sehe ich natürlich schon Dinge, die sehr komisch waren). Die Glückshormone laufen unter Volldampf, ist es total schön und man bekommt es auch immer wieder gesagt und geschrieben (jeden Tag) und dann kommt der Bruch und der Aufschlag gegen die Betonwand. Diese Kälte in dem Moment werde nich vermutlich nie vergessen. Es war ein anderer Mensch. Wirklich fürchterlich. Überhaupt nicht mehr zu erreichen. Wie soll man das verstehen, wenn man von BL keine Ahnung hat? Es war nicht zu verstehen. Zumindest damals nicht für mich. Ich bin den Ärzten und Psychologen heute noch dankbar, dass sie mich sehr ehrlich und sachlich aufgeklärt haben. Dann hat die Verarbeitung langsam begonnen (erst dann konnte sie überhaupt beginnen!).

#99


M
Zitat von Votava:
@Mia83333 Das hast du schön beschrieben. Es ist ja nicht "nur" eine Beziehung, die kaputt geht. Bei mir war es eine richtig gut ...

Ich glaube das es normal ist das man erst verarbeiten kann wenn man versteht. Und das ist auch total in Ordnung. Verarbeiten ist ja auch ein Prozess.

#100


Votava
@Mia83333 Ganz ehrlich. Wenn es irgendwie geht, möchte ich diese Erfahrung kein zweites Mal machen. So den Boden unter den Füßen zu verlieren und es noch nicht mal verstehen zu können am Anfang, war gruselig. Und mir tun die Partner leid, die zukünftig in dieses Spiel reingezogen werden.

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M
Zitat von Votava:
@Mia83333 Ganz ehrlich. Wenn es irgendwie geht, möchte ich diese Erfahrung kein zweites Mal machen. So den Boden unter den Füßen zu verlieren und ...

Ich glaube nicht das die chance besteht das es dir passiert. Du kennst die Muster und verhaltensweisen, diese zeigen sich schon in der kennen lernen Phase. So hast du dort die Chance ggf die Reißleine zu ziehen.

x 1 #102


Ema
Zitat von Votava:
wie blickt ihr auf diese/eure "Borderline"-Zeit zurück?

Deine Frage hier im Thread zielt ja vor allem darauf ab, wie man diese Beziehung im Nachhinein beurteilt und was einem beim Verarbeiten geholfen hat.

Ähnlich wie du musste ich erst einmal verstehen, wie mir da geschehen ist. Ich habe X Bücher über BL und die dahinterstehenden Mechanismen und Dynamiken gelesen.
Dies zum Teil noch während der Beziehung, als irgendwann nicht mehr zu übersehen war, dass da etwas ganz gewaltig unrund läuft.

Später dann lag meine Aufmerksamkeit vor allem auf mir selbst und ich habe mich sehr intensiv mit der Frage beschäftigt, was eigentlich bei mir psyschisch schiefgelaufen sein muss, damit ich überhaupt so tief da hineingeraten konnte.
Ich habe die Beziehung (und vor allem prominente Szenen darin) immer wieder Revue passieren lassen und mich gefragt, wieso ich nicht beim ersten krassen destruktiven (und aus meiner Sicht völlig irrationalen) Vorfall einfach weg war.
Wieso habe ich mir da nicht sofort innerlich an die Stirn getippt und einfach das Weite gesucht?

Du beschreibst solche Vorfälle mit deinen Worten so:
Zitat von Votava:
Diese Kälte in dem Moment werde nich vermutlich nie vergessen. Es war ein anderer Mensch. Wirklich fürchterlich

Diese Kälte habe ich auch erlebt und zwar schon relativ früh. Nach etwa drei Monaten Beziehungsdauer.
Sie war begleitet von mir völlig unverständlichen, irrationalen und unangemessenen Vorwürfen an mich, deren Auslöser ich in keiner Weise nachvollziehen konnte. Es war aus meiner Sicht ein an den Haaren herbeigezogener Vorwand, bzw. Grund,
Man könnte auch etwas flapsiger sagen: Der Typ hat völlig hohlgedreht. Und zwar wegen dreimal nichts.
Er machte mich verbal nieder, wurde ausfallend und beleidigend, wollte "nie wieder" etwas mit mir zu tun haben, blockierte mich (albernerweise) auf WA und tat so, als hätte ich ihm sonstwas angetan. Und für mich war da einfach nichts, was dies auch nur im Ansatz gerechtfertigt hätte.
Am nächsten Morgen meldete er sich und tat so, als sei nie etwas geschehen.
Anstatt mir innerlich doppelt an die Stirn zu tippen, war ich erleichtert statt wütend und entsetzt.
Denn sich am nächsten Tag zu melden und nach so einem Ausfall so zu tun, als sei nie etwas geschehen, macht es ja nicht besser, sondern eher noch viel schlimmer.

Wieso also habe ich nicht angemessen reagiert, mir innerlich gesagt, dass mit dem Kerl etwas gewaltig nicht stimmt, auf das ich keinen Einfluss habe, und mich sofort von der Beziehung distanziert?
Wie konnte ich nach so kurzer Zeit (drei Monate, wie gesagt), schon so tief da drin hängen, dass ich stattdessen absurderweise Erleichterung verspürt habe, als der Typ am nächsten Morgen scheinbar wieder normal war?
Hätte man mir das ein halbes Jahr vorher erzählt, dass ich so auf völlig abgedrehtes Verhalten eines anderen reagieren würde, dann hätte ich es nicht geglaubt und denjenigen ausgelacht.

Wieso also brauchte ich weitere sieben Monate und immer absurderes und verletzenderes Verhalten von ihm, bis ich endlich mal die Reißleine gezogen habe?

Das war die Frage, die mich hauptsächlich beschäftigt hat und teilweise immer noch beschäftigt.

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PapaEmeritus
Solche Fragen stellt man sich zwangsläufig. Ich denke da können verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Liebe, Naivität, Gutgläubigkeit, vielleicht auch einfach der benefit of the doubt. Je höher der Selbstwert, umso schneller kommt man raus, jeder Vorfall dieser Art greift aber eben diesen Selbstwert an, und führt immer mehr zu einer Abhängigkeit. Der Punkt, um den sich alles dreht, ist wahrscheinlich der Selbstwert.

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Error
Ich glaube dass ich hier etwas klarstellen sollte.
An BL leide ich nicht, habe auch nie an BL gelitten.

Was ich gestern schrieb, bezog sich auf die "schnelle Wut", vermutlich ausgelöst durch gewaltsame Erfahrungen in der Kindheit.
Was mir damals als junger Mann sehr geholfen hat, war das traditionelle Shotokan Karate Training.
Es löst Ängste, macht einen selbstbewusster, man lernt Disziplin und Impuls-Kontrolle.

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