Zunächst wünsche ich ein gutes neues Jahr!
Zitat von Pascal90:Ach Leute ich weiß. Bin immernoch nicht so weit wie ich es gerne hätte.Ich glaube ich halte mich irgendwie noch an dem Strohhalm fest wie mir hier mal geschrieben wurde.
Strohhalm = Hoffnung. Dazu möchte ich Dir mal eine Situation während einer Therapiestunde schildern. Ich fragte meine Therapeutin, ob Borderline heilbar sei. Sie schrieb etwas auf ihren Block und sah dabei sehr konzentriert aus. Und während sie weiter schrieb, sagte sie ohne mich dabei anzusehen und so, als wäre es nur ganz beiläufig gesagt: "Ja Frau ....., ich finde ja auch, dass sie nochmal 5 Jahre auf ihn warten können. Vielleicht betrügt er sie dann nicht mehr und seine Krankheit ist geheilt." Dann schaute sie auf und sah mich herausfordernd an. Eben wie jemand, der provokativ etwas in den Raum wirft und auf die Reaktion des Gegenübers wartet.
Für mich war das einer dieser Aha-Momente. Sie hatte genau das erreicht, was sie herbei provoziert hatte. Nochmal 5 oder 10 Jahre so weiter machen? Um dann wieder bei ihr oder einem anderen Therapeuten zu sitzen? Um 5 oder 10 Jahre Lebenszeit ärmer. Mit Schmerz und Bedauern über die die in dem Fall sicher verschwendete Lebenszeit, da man da ja offenen Auges ins Unglück gerannt ist und eigentlich schon von Anfang an wissen musste, wie es endet?
Im Nachhinein glaube ich, dass das der Moment war, wo ich erstmals der Stimme der Vernunft in mir zuhörte anstatt immer nur auf mein weinendes Herz zu hören, dass ihn unter allen Umständen zurück wollte. Denn mein Verstand hatte sich schon länger, wenn ich mich mal wieder der Hoffnung hingab, dass alles wieder gut werden würde, wenn er doch nur zurück käme, leise gemeldet. "Echt jetzt? DAS willst Du wieder haben? Einfach so weitermachen? Weiterhin belogen und betrogen werden? Seriously?" Und tatsächlich wurde die vernünftige Stimme ab da immer lauter und gewann Oberhand. Ich gebe zu, dass ganz tief drinnen immer noch ab und zu mal die Hoffnung aufkommt. Vielleicht.. in ein paar Jahren... wenn er gesund ist... Aber die Stimme wieder immer leiser und leiser.
Hoffnung ist wie ein Pflaster, dass man auf die blutende Wunde klebt. Sie stoppt die Blutung zunächst, der Schmerz wird erträglicher. Wie bei einem Kind, dass sich das Knie beim Stolpern verletzt und alles wieder gut ist, wenn Mama ein Pflaster drauf klebt. Man kann sogar richtig gut drauf kommen, weil die Hoffnung Dir ja praktisch das Wissen vermittelt, dass alles wieder gut wird, wenn dies oder das eintrifft. Dann kommt wieder so ein Moment, der die ganze Hoffnung zunichte macht. Das Pflaster wird abgerissen. Der Schmerz ist zurück, die Wunde wieder offen..
Das kann man ziemlich lange spielen, ehrlich. Mir hat es irgendwann gereicht. Immer, wenn die Hoffnung wieder auf dem Vormarsch war, habe ich mir bildlich vorgestellt, wie es wäre, wenn er auf einmal vor der Tür stünde und zurück wollte. Und zu meinem Erstaunen merkte ich irgendwann, dass mein Herz zwar immer noch sagte "Oh ja, bitte!", die Stimme nun aber sehr leise geworden war. Die vernünftige Stimme verschränkte die Arme vor der Brust und sagte laut und deutlich: "Nope! Never ever! Auf keinen Fall! Das kann nicht funktionieren! Das geht gar nicht!" Es ist zwar irgendwie immer noch schade, aber es fühlt sich auch gut an, wenn der Verstand endlich wieder einsetzt.
Zitat von Pascal90:Das fühlt sich auch nicht wie Abhängigkeit an weil ich ihr nich hinterher gerannt bin.
Klingt für mich dennoch nach der typischen emotionalen Abhängigkeit
Zitat von Pascal90:Mache ich mir da nach 3 monaten ohne kontakt zu viel Stress oder ging es euch da auch noch nicht wirklich besser?Es waren immerhin 2 jahre. Die kann ich nicht einfach abhaken.
In diesem Forum hast Du sicher auch schon öfter gelesen "Jeder in seinem Tempo. Jeder braucht so lange, wie er braucht". Und das trifft auf alle zu, nicht nur auf die, die mit einem Borderliner zusammen waren. Die wenigsten können eine Beziehung einfach so abhaken. Bei einigen Foris hier gingen Ehen nach 25, 30 oder auch 35 Jahren zu Ende. Und ich glaube, dass keiner von ihnen
einfach abhaken konnte oder kann.