Zitat von silver-lining: Sobald ich alleine hier bin kann ich atmen und fühle mich frei, sobald du hier bist habe ich oft das Gefühl bei jeder Bewegung oder Aussage aufpassen zu müssen bloß nichts falsch zu machen, damit du nicht wieder an die Decke gehst. Ich habe das Gefühl nicht mehr ich selbst sein zu können und mehr zu funktionieren wenn du da bist.
Dein Text deutet einiges an, lässt das meiste aber offen.
Bei deinem Satz eben wurde ich aber hellhörig.
Ich hatte einmal eine Paartherapie mit einer früheren Partnerin und einer sehr guten Therapeutin.
Ich selbst würde mich durchaus auch mal als pingelig bezeichnen.
Allerdings brach deine Schilderung, in fast gleicher Wortwahl, aus meiner damaligen Partnerin während einer Therapiesitzung plötzlich heraus.
Sie beschrieb auch "wie auf Eierschalen" zu gehen und ständig Angst vor Kritik in meiner Wohnung zu haben.
Ich war schockiert. Und überrascht - mir tat das unendlich Leid.
Was war passiert?
Ich war gelegentlich mal pingelig, so nach dem Motto "Schatz, magst du bitte das Licht nichts nachts in allen Räumen anlassen? Das verbraucht recht viel Strom.".
Ich dachte mir nichts dabei, inhaltlich war es richtig und für Argumente war und bin ich stets offen.
Für meine damalige Partnerin war es wohl schrecklich in ihrer Wahrnehmung.
Es stellte sich in der Therapie dann heraus, dass sie in ihrer Kindheit wohl oft/meist von ihren Eltern zu hören bekam, sie würde alles immer nur falsch machen.
Dieses Trauma saß so tief, dass ich als Bestie wahrgenommen wurde, wenn ich objektiv betrachtet einmal in der Woche nach allen Regeln der Kommunikation und des Feedbacks freundlich fragte ob wir die Musik etwas leiser stellen oder eine überschüssige Lampe ausstellen könnten.
Jeder Wunsch von mir, egal wie freundlich und konstruktiv gemeint, wurde von der Person als elementarer Angriff auf ihr selbst wahrgenommen.
Ähnliches habe ich danach noch einmal bei einer Person erlebt, die auch sagte "Mir wurde in der Familie immer nur gesagt, dass ich alles falsch mache".
Seitdem weiß ich wie sensibel das Thema ist und dass es eben auch Gründe gibt, wegen denen Menschen bei leisester Kritik oder Kommunikation schon aus der Haut fahren und sich tyrannisiert wahrnehmen.
Hier kann alles sein, daher wäre ich hier vorsichtiger.
Fakt ist: wer Gewalt erlebt, sollte den Mut fassen und sich Hilfe suchen. Sprechen.