Zitat von ElGatoRojo: Mich wundert zudem dieses verbreitete Schwarz-weiß Denken mit entweder - oder Polung statt zu berücksichtigen, dass es zwischen den Extremen einen weiten Zwischenbereich sinnvollen Paarverhaltens gibt.
Erstaunlich, wie unterschiedlich man das wahrnehmen kann. Nach meinem Eindruck ist im Gegenteil die Ansicht weit verbreitet, dass eben gerade die breite Mitte von Paarverhaltensweisen sinnvoll ist und eher die Extreme (in dem Fall dann wohl übermäßige Dominanz/Unterwerfung) für die meisten Beziehungen auf Dauer destruktiv bzw. dysfunktional sind.
Und was Sumisu hier schildert, ist kein sinnvolles Paarverhalten, sondern ein dysfunktionales Extrem. Das genau ist ja die Ursache seines Unglücks! Deshalb kann man da auch nicht mit den üblichen Maßstäben dran gehen, die für eine ansonsten funktionierende Beziehung gelten würden, in der es vielleicht mal eine vorübergehende Flaute oder Krise gibt.
Sumisu hat keine Beziehung auf Augenhöhe, weil er in den letzten Jahren derjenige war, der bedürftig und hungernd in der unterlegenen Position verharrte, während sie diejenige war, die in der überlegenen Position auf den von ihm ersehnten Ressourcen (Zuneigung, Sex, Nähe) hockte. Wenn er zwischendurch mal deutlich gemacht hat, dass er das so nicht mehr mitmachen will, konnte er damit kurzzeitig ihre Verlustängste triggern und für eine Weile das Machtungleichgewicht ausgleichen - bis es dann schnell wieder in den Status Quo zurück kippte. Beide handeln nicht absichtlich so - sie sind ihrer jeweiligen Dynamik ausgeliefert, die sie nicht verstehen - für beide ist das keine schöne Entwicklung, denn auch seine Frau hat ja nicht gerade das, was wir hier unter einer glücklichen Ehe verstehen würden, auch wenn ihr Leidensdruck offensichtlich deutlich geringer ist als der des TE. Aber ich bin mir sicher, für sie wäre es auch schöner, wenn sie ihren Mann begehren und sich für ihn und seine Belange aufrichtig interessieren könnte. Der Schlüssel dafür liegt mMn aber in Sumisu. Er ist derjenige mit dem höheren Leidensdruck, also ist auch er derjenige der aktiv werden muss.
Jetzt mal kurz angedacht, was passiert wenn Sumisu sich von seiner Frau tatsächlich trennt oder ihr steckt, dass er für die Kollegin schwärmt, und auf einmal nicht mehr zuverlässig unzufrieden hinter seiner Frau herdackelt, sondern anfängt sein Ding durchzuziehen. Die Chancen stehen hoch, dass damit das Machtgefüge schlagartig kippt - seiner Frau plötzlich einfällt wie sehr sie ihn liebt, braucht und begehrt. Nicht obwohl, sondern weil er dann endlich mal emotional unabhängig von ihr auftritt, zudem noch begehrt wird von einer anderen, was seinen (Selbst-)Wert deutlich pushen dürfte und was bekanntlich intensive Auswirkungen auf die Anziehung hat. Gut möglich, dass das Prinzip "Konkurrenz belebt das Geschäft" greift und seine Frau dann anfängt um ihn zu "kämpfen". Dann fluppt es eine Weile, bis sich die Situation beruhigt und wieder alles in gewohnte Muster zurückfällt.
Augenhöhe kriegt Sumisu meiner Meinung nach nur hin - egal mit welcher Partnerin - wenn er langfristig lernt, sich emotional weniger auszuliefern, und für seine Partnerin nicht zu langweilig und zu selbstverständlich zu werden.
Es ist übrigens auch gar kein frauentypisches Phänomen, was hier passiert. Männer verlieren genauso den Respekt, die Anziehung und letzlich ihre Gefühle für ihre Partnerin, wenn diese sich ständig anhänglich und bedürftig-nörgelig verhält und auch bei offener Abweisung immer wieder ankommt. Allgemein gilt solches Verhalten als Zeichen für geringen Selbstwert, welcher dafür bekannt ist, Anziehungs-Killer Nummer 1 zu sein
Zitat von ElGatoRojo: findet er bestimmte psychische Druckmittel in Macho-Tendenz eher einer auf Augenhöhe bestehender Partnerschaft unangemessen.
Ja, finden wohl die meisten. Zum Glück rät hier ja niemand zu psychischen Druckmitteln in Macho-Tendenz, sondern schlichtweg dazu, dass er seine Eier neu entdeckt - sorry @Sumisu für die flapsige Ausdrucksweise und das Reden über dich in dritter Person, ich hoffe du kannst trotzdem was damit anfangen.