Zitat von Funkenline: Eigenschaft scheint demnach nicht in Beton gegossen zu sein,
Man sagt dass sich der Charakter des Menschen unter Belastung zeigt. Oder ist es doch, wenn er sich in Ruhe zeigen kann? Ich hab bei Myer Briggs unterschiedliche Typen, je nach Stresspegel. Nix ist wirklich in Stein gemeißelt. Obwohl ich intellektuell bei Nick Cave bin "Du kannst dich mehrfach häuten, aber wirst immer dieselbe verdammte Schlange bleiben"
Meine Konstante sind wohl nur meine Ambivalenzen.
Was mich zu (m)einem eher pragmatischen Ansatz führte. Ein entschieden fragiles "Egal". Wenn meine Welt (mal wieder) zusammenbricht, dann kommen aus den Trümmern die Selbstzweifel aufgestiegen. In so Zeiten suche ich nach Trost, Erklärungen, Mustern, Ursachen.
Warum, wieso man ist. Wie ist man? Ist es, wie es ist?
Wieso man es vermeintlich schwer hat. Oder schwerer. Als z.B. einfach strukturierte Menschen?
Doch Einfachheit schützt vor Unglück nicht. Nur davor, in allen Farben und Mustern leuchten und strahlen zu können.
Oder durch die wunderbaren Labyrinthe der eigenen Webfehler, durch die Erkerchen und Türmchen der Seele zu irren und von tausend Balkonen und Vorsprüngen neue Ausblicke zu erhaschen. In schweren Zeiten wünsche ich mir gotisch gebaut zu sein, mittelalterlich. Robust, mit dicken Mauern. Doch da kommt halt auch kein Licht rein. In Tolkiens Bildern: Weniger elfisch, mehr zwergisch. Aber ich bin wie ich bin, egal wie sehr ich mir das manchmal anders wünsche und an meiner Burg entdecke, baue und veränder.
Werte Alina, Religion versucht es mit "der Herr prüft und legt denen Bürden auf, die er besonders mag" zu erklären.
Ich mit mittelalterlicher Architektur. Frau Stahl, die ich ebenso wie @Femira nicht sonderlich mag, mit ihren Modellen. Tierkreiszeichen, Horrorskope, Myer-Briggs, the big five, Glaubensgemeinschaften, Psychologen - sie alle versuchen Erklärungen und Ordnung in etwas zu bringen, was aus Chaos geboren ist. Eine unglaubliche einmalige Kombination aus Genen zweier Individuen, die sich zusammenmischten. Ihre Vergangenheiten mit einbrachten. Woraus ein einmaliges Lebewesen entstand, welches in dieser Einmaligkeit in seiner ureigenen Welt zurechtkommen muss. Selbst eineiige Zwillinge sind sehr verschieden.
Es gibt keine Erklärung wieso man ist, wie man ist. Wo was wie wieso geprägt hat. Und wenn es sie doch gäbe, würde sie kaum bei der Bewältigung helfen.
Ich hab aufgehört mich zu fragen woher ich komme. Oder warum ich in diesem Leben einfach extrem viel Schaizze angezogen habe. Liegt vllt. mit dran, dass ich inzwischen eine wunderbare Partnerin habe, die wie ein Geschenk und Ausgleich für all den Mist wirkt. Meine Frage ist inzwischen hauptsächlich wohin ich will. Nicht "wie und warum bin ich", sondern "wie will ich sein". Oft genug scheitere ich an meinem Zielbild. Wieder und wieder. Und aus den Trümmern steigen die Raben der Selbstzweifel empor. Doch: Das Leben ist jeden Tag neu. Und alles ist try&error. Seit der ersten giftigen Beere, die ein Urmensch aß und sein überlebender Nachbar sich merkte: "Diese Beere doof, nicht essen". Wir sind die Überlebenden. Die, die es bis hierher geschafft haben. Trotz allem. Und mit allem.
Beinah last, aber not least:
Mag keine Sinnsprüche, aber mir fallen immer welche ein. Ambivalenz halt.
Der eigene Blick in den Spiegel ist der kritischste, dem Du je ausgesetzt bist.
Grübeln ist wie Schaukeln. Man bewegt sich, aber kommt nicht voran.
Last:
"Ihr Persönlichkeits-Portrait: Warum Sie genau so denken, lieben und sich verhalten, wie Sie es tun" von Oldman&Morris. Für mich das beste Buch zu den Themen. Dem Thema.
Puh. Viel länger geworden als ich wollte. Sorry.