Zitat:Kann man das wirklich voller Überzeugung sagen? Oder weiß man wirklich erst wenn der Zug vor einem steht ob man einsteigt oder ihn vorbeifahren lässt?
Es mag Menschen geben, die so empfinden...
Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass "man" ein deutliches Ja im Inneren fühlt wenn es der oder die "Richtige" ist. Absolute Überzeugung bzw. Entschlossenheit.
Aber das passiert einem vielleicht nur wenige Male im Leben..vielleicht sogar nur einmal im Leben. Alles andere würde ich unter "Verliebtheit", Schmetterlinge einordnen...Und in der Folge das Rätselraten, die Wankelmütigkeit.
Ich habe beide Erfahrungen gemacht.
Das eine Mal war ich in einer langen Beziehung, in der ich mich ziemlich gut fühlte. Und irgendwann verschoss ich mich ein bisschen in einen anderen Mann (es lief aber nie etwas mit ihm). Da kam ich eine zeitlang ins Grübeln. Schließlich waren es aber nur die Schmetterlinge, die es mit den tiefen Gefühlen gegenüber meinem Freund nicht aufnehmen konnten.
Aber zu diesem Zeitpunkt verwirrte es mich. Ich verurteilte mich selbst dafür, dass diese Schmetterlinge überhaupt auftauchten und fragte mich, wie es möglich ist, dass sie überhaupt auftauchen...
Aber ich war auch jünger, unerfahrener und konnte all das daher schlecht einordnen. Schlussendlich war es bedeutungslos. Ein Kibbeln, wie Bond es nennt.
Ein anderes Mal war ich in einer Beziehung, die in bestimmten Punkten (wie bei euch auch) stagnierte. Es ging nicht vor...und nicht zurück...Wie ein gemeinsames auf der Stelle schwimmen. Und doch verband uns noch immer sehr viel. Irgendwann lernte ich durch Zufall einen anderen Mann kennen. Ich musste nicht erst eine Affäre mit ihm eingehen, um zu "prüfen", ob er es ist. Das Gefühl war überdeutlich. Und ohne zu wissen, ob er auch so wild entschlossen ist wie ich, entschied ich mich nach kurzer Zeit. Ihm gegenüber fühlte ich ein glasklares Ja. Und so knüpfte ich mir meinen Partner vor und erzählte ihm alles sehr offen...ohne mich vorher mit dem anderen Mann abgesprochen zu haben. Mir war klar, dass ich unsere Beziehung mit diesen Gefühlen im Inneren nicht fortführen kann. Ob ich nun mit dem anderen Mann zusammen käme oder nicht.
Und weil mein damaliger Freund mir dennoch noch immer der vetrauteste und liebste Mensch auf Erden war, war der Schmerz ungeheuerlich. Trotzdem die Entschlossenheit. Es war eine Qual aber die absolut richtige Entscheidung.
Ich weiß nicht, ob jeder Mensch dieses klare Ja spürt wenn er dem richtigen Menschen (zum richtigen Zeitpunkt) begegnet...aber ich vermute es. Denn ich habe ähnliches immer wieder im Bekanntenkreis mitbekommen: gerade neulich erzählte mir eine Freundin von ihrem ehemaligen Liebhaber und halb- oder fast-Freund. Er war so ein Typ, der sich nie ganz auf eine Frau einließ...hier und dort flirtete, mal eine Affäre, mal eine halbherzige Beziehung hatte...Nun traf er vor etwa einem dreiviertel Jahr eine Frau und ist mit einem Mal ganz entschlossen, aus freien Stücken treu und voll bei ihr. Dazu hat er Ü40 werden müssen.
Bei euch beiden habe ich den Eindruck, dass Du eigentlich bei Deiner Frau bleiben möchtest. Doch wie hier schon an anderer Stelle geschrieben wurde, funktioniert das nur, wenn beide willens sind, etwas für die Beziehung zu tun, sich immer wieder neu zu begegnen. Deine Frau aber scheint einfach "nur" den Status quo aufrecht erhalten zu wollen. Du schreibst, dass sie große Schwierigkeiten hat, über Gefühle zu sprechen...und generell eher allem ausweicht...Das Problem ist, dass eine Beziehung nur lebendig bleibt, wenn beide mitziehen...mitziehen, nicht nur aufrecht erhalten. Wenn nur einer das tut, ist die Beziehung langfristig zum Scheitern verurteilt. Sie ist zwar bei Dir, scheint sich aber nie wirklich geöffnet zu haben.
Und möglicherweise hat Dir ihre Konstanz, ihr Ausweichen vor Gesprächen und Gefühlen auch eine gewisse Sicherheit gegeben. Es gibt zwar nicht die Wellen der Leidenschaft (emotional, geistig, S.uell), aber eben auch nicht die Wellen der Unsicherheit. Vielleicht brauchst Du (momentan noch) diesen sicheren Hafen....und hast selbst Angst vor einer wirklich lebendigen Beziehung. Und so spiegeln beide Frauen Dir Seiten Deiner selbst?
Wenn ich Dich richtig verstanden habe, hast Du in dieser langen Zeit erst eine Vertrauensperson zu Rate gezogen? Wie kommt das? Hast Du ein lebendiges, soziales Umfeld? Freunde? Oder ist Deine Frau Deine einzige Vertraute? Wenn dem so sein sollte, ist es natürlich um ein vielfaches schwieriger, einmal Abstand von Deiner Frau zu finden...oder Dich gar zu trennen.