Liebe Jeanny,
Zitat:Wodurch kam denn dein Sinneswandel?
Kannst du das ein bisschen näher beschreiben?
So wie du es beschreibst sollte es wohl das Ziel von uns allen sein, aber wie erreicht man das? Was hat den Schalter in deinem Kopf umgelegt?`
.... Das Eeine ist zu erkennen, in welchem Muster man liebt und lebt, aber es dann auch soweit zu verinnerlichen, dass man etwas ändert und dann später ein neues Gedankenmuster in sich trägt ist wohl die Herausforderung.
ja, das ist der Kasus Knaktus. Wie übersetzt man die Erkenntnisse auf der Gefühlsebene?
Zunächst einmal, weiß ich, trotz meiner drastischen Worte, wie beschwerlich der Weg ist und ich habe tiefes Verständnis für jeden Menschen, der den gleichen Mist macht, wie ich. Ich habe aber ganz bewusst diese Worte gewählt weil sie genau so, wie sie hier stehen, auch in meinem Tagebuch stehen. Sie sind eine schonungslose, schmerzhafte aber auch befreiende Abrechnung mit mir selbst.
Denn es tut sehr weh, zu erkennen, wie man seine Jugend, seine Schönheit, seine Gesundheit, Energie einfach verschenkt hat. Es tut weh, zu erkennen, dass man hätte geliebt werden können (denn das vereint wohl alle, die einen N liebten: diese unsagbare Sehnsucht, endlich die Liebe zu erfahren).
Aber ich vergebe mir denn aufgrund meiner Geschichte habe ich meine Jahre gebraucht um zu verstehen, was ich falsch mache und ich bin dankbar, dass ich heute beginnen kann wirklich zu leben. Denn darum geht es.
Tja, Jeanny, wie kann ich meinen inneren, Jahre währenden Prozess anschaulich machen?
Ich kann Dir nur sagen, dass ich viele Therapien gemacht habe, gelesen habe, bis die Äuglein zufallen und dass ich immer den Wunsch hatte, ein vollständiger Mensch zu werden.
Ich glaube, es ist die Wiederholung und die maßlose Härte gewesen, die ich immer wieder erlebte, die mir so deutlich zeigte, was ich falsch mache.
Ich habe wohl durch Therapie ein sehr starkes Gefühl für mich entwickelt und eine große Sehnsucht, mich zu leben. Und so ging mir mit der Zeit auf, dass es ein mehr als sinloses Unterfangen ist, sich immer unfähige Männer zu wählen, die ICH erst dahin führen muss, eine Beziehung führen zu können.
Ich fühlte mich wie ein Schleppesel, dem man zum Dank noch Tritte verpasst.
Ich fühlte irgendwann ganz klar, dass ich niemanden hinterherziehen muss, dass ich das nicht brauche.
Ich habe eine derartige Lebenssehnsucht entwickelt, dass es mir als reine Zeitverschwendung erscheint, MEINE Energien, MEINE wertvolle Zeit in einen destruktiven Liebeskampf zu investieren.
Das scheint vielleicht nebensächlich aber genau das ist mein Hauptbeweggrund.
Ich habe Jahrzehnte meine Gedanken für unfähige Menschen verbraucht! Anstatt für mich, für mein Fortkommen, die Ausbildung meiner Stärken usw.
Das empfinde ich als Skandal Jeanny.
Meine Entscheidung hat inzwischen gar nichts und nochmal nichts mit der Einsicht zu tun, dass irgend ein Mann, z.B. ein N sich nie wird verändern können. Nein, das ist mir sogar egal. Die Hoffnung oder die Aufgabe der Hoffnung spielt keine Rolle mehr.
Ich gehe jetzt einfach von mir aus. Will ich ein Dasein als Hoffende und therapierende und leidende fristen?
Warum sollte ich das tun?
Es gibt keinen Grund es zu tun.
Mir fehlte wohl ein tiefes Gefühl für mich selbst, eine Lust an mir selbst. Die habe ich in Therapie kenengelernt. Und wenn man diese Lust kennenlernt, erscheint es einem geradezu absurd, sich permanent durch kranke Beziehungen selbst zu bremsen.
Wie oft habe ich mich nicht auf meine Arbeit konzentrieren können weil ich an meinen Ex dachte. Es waren ausschließlich verzweifelte Gedanken.
Mit was für sinnvollen und schönen Dingen hätte ich diese Zeit füllen können?!
Glaube mir, wenn man das so an die 20. Jahre treibt, sich dann selbst entdeckt, dann beginnt man sehr streng auf sich aufzupassen. Jede gestohlene Minute tut mir im Herzen weh denn ich habe viel verloren durch diese Muster, die mein Leben prägten. Kindheit war auch schon traurig. Alles traurig.
Nein, in mir schrie es Ja zum Leben! Und Nein zu allem, was sich mir in den Weg stellt.
Das bedeutet keineswegs, dass ich heute nicht mehr hilfsbereit bin, dass ich nicht hilfsbedürftigen Menschen unter die Arme greife usw. Das tue ich nach wie vor aber nun steht mein Leben absolut im Zentrum.
Ich hoffe, dass diese Worte es etwas anschaulicher für Dich machen konnten?
Denn ich wünsche hier allen so sehr, dass sie diesen Dreh rausbekommen. Es fühlt sich so an, als sei ich aus einem Gefängnis ausgebrochen, in das ich mich selbst einwies. Du glaubst nicht, wie unerschütterlich ich an diese eine letzte Liebe glaubte! Von daher verstehe ich euch alle!
Heute gibt es nicht eine Minute der Sehnsucht.
Da hier ja überwiegend Frauen betroffen sind, bin ich inzwischen der festen Überzeugung, dass die Bereitschaft für derartige Beziehungen nicht ausschließlich in der Kindheit begründet sind. Es spielt ein lange gelebtes Frauenbild, ein Frauen-Selbstverständnis mit hinein.
Als ich aufwachte, begann ich mich plötzlich für Literatur die sich damit auseinander setzt, zu interessieren (keine männerfeindliche Literatur, eher ein Hinterfragen unseres Selbstverständnisses). Auch das hat mich in großen Schritten voran gebracht.
Es gibt derartig viel zu erleben zu genießen, zu lernen. Und so viele Frauen, Frauen, die meinen emanzipiert zu sein (wie ich ja auch), verplempern ihre ganze Freizeit damit, sich mit einem Mann auseinander zu setzen!
Das muss nicht so sein. Ich komme mir vor, wie eine Frau aus dem 18. Jht, die häkelnd und lächelnd Daheim saß und ihre Rolle hingenommen hat. Die dann entdeckt, was es eben in der Welt zu entdecken gibt und kapiert hat, dass selbst eine glückliche, gesunde Beziehung niemals Lebensmittelpunkt sein sollte und es auch nicht mehr ist, wenn man mal die Freiheit gerochen hat.
Leider sehr spät. Manchmal weine ich darum. Aber es gilt, seine Vergangenheit zu akzeptieren...
liebe Grüße!