LonelyPinocchio
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Ich (M, 26) schreibe euch, weil ich nicht viele habe, mit denen ich über die Situation reden kann. Warum? Weil ich jeden belogen habe, den ich kenne.
Zunächst: Wir sind im Guten auseinandergegangen. Was die Sache schlimmer macht - as usual.
Also dann: Es war offiziell nie eine Beziehung, wenn überhaupt dann für uns beide eine offene, die aber geheim gehalten wurde. Das lag an mir, weil ich aus heutiger Sicht ziemlich sicher Bindungsängste habe. Das lag an mehreren schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit.
Ihr müsst wissen, dass ich nur eine Beziehung in meinem Leben gehabt habe (die in der weiterführenden Schule gewesen ist) und ich danach eher auf Datings-Trips und zum Teil auch Kurzgeschichten aus gewesen bin. Bei den Dates hat sich nie eine Beziehung kristallisieren können, obwohl man fast immer kurz davor stand. Immer wollte die potentielle Partnerin nicht mehr und immer wieder wurde ich dahingehend enttäuscht.
Das hat insofern solche Narben hinterlassen, als dass ich da abgehärtet geworden bin und seit so Ende 2016 kein Interesse mehr an ernsthafte Beziehungen gehabt habe, bis ich mit mir selbst im Reinen bin. Solange hieß es also "Fokus auf mich selbst": Uni, Karriere und Hobbies.
Hat auch ganz gut geklappt und lockere Dinger haben mir danach auch gereicht. Dazu war es aufgrund gesundheitlicher Probleme eh nicht möglich, nach Beziehungen Ausschau zu halten. bis ich sie circa Ende 2018 kennengelernt habe.
Zunächst war sie optisch eigentlich nicht soo mein Typ (sie war da noch 19 und hatte einen ganz anderen Look. Ich fand sie "durchschnittlich"), aber ich habe schnell gemerkt, dass sie vom Charakter so ist, wie ich das davor noch nicht erlebt habe.
Von den Interessen und dem ganzen Vibe harmonierte es einfach sehr gut und auch optisch veränderte sie sich schnell so, dass ich sie wirklich sehr attraktiv fand - auch, weil sie ihren Look etwas geändert hat. Ab 2019 hatten wir dann eine sogenannte "F+", die dann bis zuletzt noch ging (auch wenn seit circa 2021 so gut wie alles wie eine normale Beziehung gewesen ist). Ich war ihre erste männliche Erfahrung und als 2020 Corona anfing, dachte ich, dass die Geschichte aufgrund der Isolation jetzt vorbei wäre. Sie hatte sich aber Mitte des Jahres wieder öfter sehen wollen und ich wusste, dass sie wohl Gefühle für mich bekommen hat. Da ich sie sehr mochte, machte ich mit und wir trafen uns weiterhin regelmäßig wöchentlich.
Ich selbst habe mich bestimmt früh in sie verliebt (tippe so around 2021), mir das erst einmal aber ausgeredet und nicht wahrhaben wollen. Ich wusste, dass sie mich liebt und wollte sie nicht verletzen, aber mit ihr Zeit verbringen, weshalb wir eben diese offene Beziehung oder wie man es heute sagt "Freundschaft Plus" geführt haben. Immer, als sie Andeutungen für "mehr" gemacht hat, habe ich weggeblockt, aus heutiger Sicht wohlwissend, sie damit extrem verletzt zu haben. Auch allen meinen Freunden habe ich gesagt, dass da kaum was von meiner Seite aus wäre. Alle habe ich angelogen. Nicht nur meine Liebe bzw. beste Freundin, nicht nur meine anderen (sehr guten) Freunde, sondern mich selbst inklusive.
Nachdem sie letztes Jahr auf Malle mit Freundinnen gewesen und einen anderen Typen aus Trotz wie sie mir sagte geküsst hat, hatte sie mir nach dem ersten Treffen nach dem Urlaub davon erzählt und sich sehr schlecht sowie schuldig gefühlt. Sie meinte auch, dass sie das in einer Beziehung niemals getan hätte.
Wir hatten dann direkt ein ausführliches Gespräch über "uns" und sie hat mir dann auch ihre Liebe erstmals zugestanden und ich hatte gesagt, dass ich auch "etwas" empfinden würde, aber noch nicht ausreichend für eine Liebe (was völliger Quatsch war, denn ich hab sie zu dem Zeitpunkt sehr bewusst geliebt) und Beziehung da wäre. Sie hat auch das akzeptiert und WEITER warten wollen. An sich haben wir aber auch jahrelang alles gemacht, was in einer Beziehung normal ist. Bis auf das Zugeständnis der Liebe (das Höchste der Gefühle war wie gesagt "du weißt, was ich für dich empfinde" und etliche Komplimente) war von meiner Seite auch alles dabei. Eine Beziehung wollte ich neben obigem Grund auch wegen den schlechteren Erfahrungen mit anderen Frauen, dass ich ohne Beziehung mehr "frei" sein könnte und den Fokus auf mich selbst (den ich aber gehabt hätte) nicht. Sie hat alles mitgemacht, ist mit mir in den Urlaub geflogen und hat mich bestmöglich unterstützt. Also da wäre mein Fokus auf mich selbst überhaupt nicht zerstört gewesen.
Joa und dann hat sie mir letztes Wochenende gesagt, dass sie im Laufe der letzten Wochen, vermutlich seit so einem Monat (ich tippe, dass das schon wesentlich länger so ist. Allerdings hat sie mir noch im März gesagt, dass sie mich liebt), mit den Gedanken spielte, dass das zwischen uns niemals was wird und sie mich nur noch als besten Freund sehen wollte. Sie hat das quasi nach und nach "akzeptiert" und wollte immer mehr mit dem Gedanken einer Beziehung/Zukunft mit mir abschließen, weswegen ihre Gefühle schleichend nach und nach nachließen. An dem Tag haben wir uns zwar auch geküsst und gekuschelt, aber das Küssen wirkte tatsächlich nicht mehr so gewollt, obwohl es vier Tage davor durchaus noch sehr intensiv war, nachdem wir uns zuvor zwei Wochen nicht sehen konnten (sie war krank). Sexuell lief alles Top und diesen hatten wir auch beim letzten Treffen vor ihrer Krankheit.
Zurück zum Treffen am Wochenende: Als ich ihr dann voller Schmerzen direkt im Anschluss meine Liebe gestanden habe, war sie völlig überrascht und hat es erstmal auch nicht geglaubt. Aber sie meinte unter Tränen auch, dass sie trotzdem gerade kaum bis keine Gefühle spürt, hin und hergerissen ist und sie mich nicht verlieren will und sich nochmal Gedanken drüber macht, aber nichts versprechen könne.
Aus meiner Erfahrung heißt sowas: "Abgehakt".
Was verschlimmernd dazukommt ist, dass sie gesagt hat, dass "es wohl das Schlimmste für uns beide ist, dass du mich doch liebst".
Ich hatte ihr dann gesagt, dass ich sie nicht zwingen kann, mich wieder zu lieben und dass ich daher glaube, sie das letzte Mal für eine längere Zeit gesehen zu haben. Außerdem habe ich sie drum gebeten, mir nicht zu schreiben, weil ich mich ja von ihr lösen muss. Dennoch haben wir auch dieses Gespräch harmonisch und beiden mit sehr tränenden Augen beendet.
Seitdem ging es mir täglich unfassbar schlecht. Typisch halt. Extremer Schmerz im Brustbereich und dieser Gedanke, wie leicht alles anders hätte sein können. Ich hab ihr gesagt, dass ich zu 100% schuld bin und sie keine Sekunden denken darf, dass sie eine potentielle Beziehung auch verbockt habe. Und ehrlicherweise würde ich mir selbst als Außenstehender keine geben. Das Schicksal hat mir in den fünf Jahren unendlich viele Chancen gegeben und ich habe nie eine genutzt, weil ich gedacht habe, dass es so gut läuft und eine Änderung alles kaputt machen könnte - was wohl nicht der Fall gewesen wäre.
Jetzt habe ich natürlich überlegt, ob ich noch was machen könnte. Hinterherlaufen ist wahrscheinlich dumm und hilft nichts. Irgendwie für sie kämpfen und ihr zeigen, dass ich es wirklich besser machen würde, weil ich durch ihre "Trennung" ENDLICH gesehen habe, wie viel ich wirklich für sie empfinde? Ich hatte mir selbst im Kopf schon seit Jahren gesagt, dass ich sie liebe. Aber trotzdem habe ich mich dann vor ihr und vor anderen auch immer wieder verstellt.
Ich habe mit paar ihrer sehr guten Freundinnen geschrieben und die meinten bislang, dass ich ihr Zeit geben solle, mit den neuen Infos klarzukommen und dass wenn sie mir die Chance geben sollte, es kein Hin und Her mehr wieder geben darf. Und das wäre für mich selbstverständlich.
Allerdings habe ich auch gestern Abend nochmal lesen dürfen, dass sie sich zwar Gedanken um mich macht und wie es mir geht, es laut einer Freundin im Gesamtkontext aber für beide besser wäre, wenn man "aktuell noch keinen Kontakt haben würde, damit man erstmal ein bisschen Abstand bekommt". Das klingt für mich auch nach hartem "Game Over".
Ich weiß, dass ich für euch jetzt wie ein richtiges A. aussehe. Sie hat mir zwar gesagt, dass sie wirklich gar keine Probleme damit habe, wie die aktuelle "Beziehung" wäre (und da bin ich mir auch sicher, dass sie da ehrlich war), sie DENNOCH bestimmt öfter als seltener Schmerzen gehabt hat. Auch, wenn wir uns öfter in der Woche gesehen haben und eigentlich nie gestritten und vor allem nie schlimm gestritten haben.
Aber ich würde alles ändern und alles tun. Ich würde für sie kämpfen, weil sie eine Beziehung so verdient hat (mit mir nach all dem? Ich weiß. ).
Klingt nach normalen verzweifelten Phrasen, das weiß ich auch.
Ich brauche echt euren Rat und eure Hilfe. Ich weiß, dass es wohl rational gesehen (leider tue ich das auch lieber als auf mein Herz zu hören) so ist, dass ich aus dem Fehler lernen muss und gar keine Hoffnungen mehr haben brauche. Aber ich will es noch nicht aufgeben. Ich will sie noch nicht aufgeben. Nach so einer langen Zeit, in der ich mir insgeheim sogar gesagt habe, dass das für ewig sein kann. Meint ihr, da kann man noch was versuchen, wenn man sich sehr anstrengt - oder ist es wirklich vorbei? Ich würde sie zumindest noch einmal in den nächsten Tagen/Wochen kontaktieren wollen, um es klar zu haben. Soll ich dann nochmal irgendwas versuchen? Oder es einfach dabei sein lassen? Ich wollte ihr einen Brief schreiben, aber direkt die Gefühle nochmal zugestehen wäre vielleicht besser da emotionaler?!
Vielen Dank euch schon mal, dass ihr diesen riesen langen Text gelesen habt und ein großes Sorry für jeden, den ich mit meiner Story bzw. meinem widerlichen Assi-Benehmen beim Lesen wehgetan habe. Ich wünschte so sehr, ich wäre nie so gewesen.
Schöne Grüße


