Zitat von Selbstliebe:Was mich immer wieder etwas irritiert ist, wie es kommt, dass Leute jenseits der 40 mit Geschichten der Kindheit ihr heutiges Verhalten belegen. Ich meine das ausdrücklich nicht hetzterisch gegen dich, Shedia.
Mir ist das nur in deinem letzten Post aufgefallen, deine Therapeutin formuliere XYZ, Kindheit usw.
Können wirklich zig Jahre mit immer gleichen Konfliktlagen ins Land gehen, ohne das man sich, seine Handlungen, seine Motivation , sein Erleben und Leben etc. etwas hinterfragt und vielleicht kleine Stellschrauben reguliert, um besser klar zu kommen. Ganz ohne Therapie. An sich doch kein Hexenwerk sich etwas mit sich selber auseinanderzusetzen .... oder scheinbar doch?
Weißt Du, ich glaube, dass dies durchaus viel mit dem früher Erfahrenen zu tun hat. Wie soll man kleine Stellschrauben regulieren, wenn dafür kein Bewußtsein besteht. Wie soll man sich selbst wirklich hinterfragen, wenn die Erfahrung (im Sinne der Reifeerfahrung) sich selbst ernst zu nehmen, einfach nie erfolgte. Und wie soll einem das auffallen, ohne nennen wir sie gute Vorbilder?
Ich war sicher deutlich jünger als Auseinandersetzung beginnen mußte und dies ist ganz bewußt so formuliert, weil einfach der superGAU passierte und der ließ sich mit all den alten und vielleicht nicht immer sinnvollen Mechanismen nicht mehr bewältigen, aber ohne diesen? Ich weiß nicht, ob das nicht noch mal 10 Jahre so gegangen wäre.
Ich denke auch nicht, daß man sein heutiges Verhalten mit der Kindheit belegt bzw begründet (so meine Lesart Deines Posts), sondern es ist Teil eines Prozesses. Meinetwegen des therapeutischen oder eben des heilenden. Bevor Änderung stattfinden kann, braucht es den Blick auf das warum, das woher.
Egal ob Du es Störung oder ein nicht so gut können nennst, die wenigstens Betroffenen verstehen wirklich, was da mit und in ihnen passiert und selbst (von alleine) hinschauen, fällt unendlich schwer, weil da eine absolute innere Überzeugung ist, daß, was man zu sehen bekommt, ganz, ganz furchtbar ist und nur bestätigen würde, daß man nix wert ist, daß es gute Gründe dafür gibt, nicht liebenswert zu sein.
Und mit dieser inneren Überzeugung kommt man ja nicht auf die Welt, sondern die ist Ergebnis bestimmter Kindheiten.
Zu lernen, im Sinne des Erfahrens, nicht des vermeintlichen irgendwie Wissens, daß jeder liebenswert ist, daß man selbst Wert hat. Nicht weil man klug ist, hübsch ist, perfekt ist, diesen Abschluß hat oder jenen Mann heiratet. Sondern weil jeder in sich selbst, Wert hat und ist, das ist keine einfache kleine Stellschraube, das ist auch etwas, was nur die wenigstens wirklich ohne professionelle Hilfe schaffen und vor allem dauert es Zeit und ist ein Prozeß.
Ich weiß nicht, wie es @Shediagast ging, aber ich habe einfach in den zahlreichen Konfliktlagen, die ins Land gingen, immer nur wahr genommen, daß es anderen offensichtlich leichter fällt, Umgang zu finden, das aber habe ich als mein ureigenes Unvermögen interpretiert, was nur wieder mein tieferes inneres Gefühl, des nichts Wert seins bestätigt hat.
Natürlich habe ich mich immer wieder mit mir auseinandergesetzt, aber, wenn einem die Grundlagen für so etwas fehlen, dann bleiben eben auch die Ergebnisse aus

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Ich plädiere auch nicht dafür, beim Verhalten der Eltern oder der mühsamen Kindheit zu bleiben. Aber es ist ein wichtiger Schritt in der Auseinandersetzung. Der Schmerz, den manche mit sich herumtrage, welcher zu Aggression, Opferhaltung, Mißgunst und vielem mehr veranlaßt, der muß den Wunden zu geordnet werden und der will gesehen werden, erst dann kann die Wunde nachhaltig heilen.
Ich für meinen Teil finde es wirklich beachtlich, wieviel für Shedia da weiter gegangen ist. Mag gut sein, daß sie noch ein Stück des Weges vor sich hat. Aber wenn ich an die ersten Posts zurück denke, dann sehe ich extrem viel Veränderung.
Nicht alle sehen ihre Stellschrauben, nicht jeder schafft es alleine und einige von uns brauchen auch erst den GAU, um sich gewahr zu werden, daß es so nicht weitergehen kann.
Viele von denen haben zu diesem Zeitpunkt schon eine Odyssee von Veränderungsversuchen hinter sich, die aber alle nicht funktioniert haben, nicht weil man sich nicht genug angestrengt hätte, sondern weil der Kampf gegen Symptome ohne den Kampf gegen die Ursachen einfach keinen nachhaltigen Erfolg haben kann.
Jeder einzelne dieser Versuche hat viel Kraft gekostet und jedes Scheitern doch nur weiter den eigenen Glauben bestärkt, man wäre nichts wert.
Da heraus zu kommen, das zu erkennen und das anzugehen, ist einfach keine Frage des alters sondern letztlich eine Frage der persönlichen Biographie.